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Sonoro Orchestra Shaped Signature

Sonoro Orchestra Shaped Signature

Frische Perspektive

Sonoro Orchestra Shaped Signature

Sonoro will Veränderung: Das Geschäft mit alltagstauglichen Sorglos-Beschallern läuft prächtig, steht aber ein Stück weit der Reputation als ernsthafter HiFi-Hersteller im Wege. Die Orchestra Shaped Signature schickt sich an, mit der zweiten Hälfte des vorangegangenen Satzes gründlich aufzuräumen.

Sonoro Orchestra Shaped Signature

In aller Kürze: Sonoro Orchestra Shaped Signature

Sonoro Orchestra Shaped Signature

 

Eigentlich hatte sich ja niemand beschwert. Sonoro hat uns im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Lautsprechern in den Hörraum gestellt, die sich mit sauberer Performance und einer angenehm unprätentiösen Attitüde stets zuverlässig unsere Sympathie erspielt haben. Die Neusser haben allerdings beschlossen, dass sie sich gerade bei ihren Lautsprechern ein wenig wegbewegen möchten von Lifestyle-Möbeln, die „zufällig“ echt gut klingen, und eher hin zu ernstzunehmendem HiFi, das ebenso zufällig auch als Lifestyle-Mobiliar eine echt gute Figur macht.

Ein klanglich ambitionierterer Ansatz sollte deshalb her, und so kontaktierte man niemand Geringeren als Karl-Heinz Fink, der daraufhin das hauseigene Zutatenkörbchen voller Bauteile und Designprinzipien Stück um Stück gründlich sezierte und unter die Lupe nahm, um zu sehen, was man lassen könnte, wie es ist, und wo Verfeinerungspotenzial bestand.

Sonoro Orchestra Shaped Signature
Die Orchestra Shaped Signature folgt dem bestens bekannten Sonoro-Design. Wer genau hinsieht, dem wird auffallen, dass der Waveguide um den Air-Motion-Transformer verschwunden ist. Die doppelt gefaltete Textilsicke des obersten Konustreibers weist ihn als den Mitteltöner aus. Alle Konusse nutzen dasselbe Membranmaterial aus einer kevlarverstärkten Papier-Bambus-Mischung.

Dass die Sonoro Orchestra Shaped Signature nach wie vor unverkennbar nach Sonoro aussieht – mit der bekannten Gehäuseform, den vertrauten Konustreibern und auch dem bewährten AMT-Tweeter – zeigt schon mal, dass Fink die Ausgangslage für nicht verkehrt hielt. Die schlanke Formensprache mit leicht geneigter Schallwand und Gehäusedecke ist ebenso geblieben wie die mattweiße (oder mattschwarze) Lackierung – und das ist gut so: Klein, knuffig und gediegen, drängen sich die Klangquader optisch nie auf, sind aber gleichzeitig ein Anblick, auf dem das Auge immer wieder gerne hängenbleibt. Lediglich ein kleiner, dezent an der hinteren unteren Ecke der Flanke angebrachter „Signature“-Schriftzug verrät, womit genau wir es hier zu tun haben.

Gleichwohl – der Mann genießt seinen Ruf schließlich nicht umsonst – fand Fink in den Details Dutzende von Lösungen, die er anpassen, modifizieren oder auch komplett umkrempeln wollte. Also machte er sich mit seinem Team direkt ans Werk und fasste als Erstes die Tieftöner an: Die Substanz stimmte schon vorher, mit dem Antrieb war Fink allerdings noch nicht ganz glücklich und verpasste den Treibern daher ein neues Magnetsystem. Vor allem sorgt ein Aluminiumring nun für eine Linearisierung der Induktivität über den gesamten Hub hinweg, damit die Schwingspule auch bei extremen Auslenkungen stets dasselbe Magnetfeld sieht.

Sonoro Orchestra Shaped Signature
Das großzügig dimensionierte Bassreflexrohr lässt sich für wandnahe Aufstellung mit einem Schaumstoffstopfen verschließen.

Im Gegensatz zu etwa einer Grand Orchestra ist die Shaped Signature übrigens keine Zweieinhalb- sondern eine Dreiwege-Konstruktion, der oberste Konus klinkt sich von etwa 200 Hertz abwärts aus dem Geschehen aus. Adleraugen werden die doppelt gefaltete Textilsicke ausmachen, doch das ist natürlich nicht der einzige Unterschied – die äußerliche Ähnlichkeit ist im Grunde die einzige Gemeinsamkeit. Einen ganz anderen Satz Thiele-Small-Parameter als ein Basschassis braucht ein Mitteltontreiber ohnehin – schließlich soll er ja in einem anderen Frequenzbereich arbeiten –; die spezielle Sicke besitzt vor allem eine besonders geringe Hysterese und ist äußerst verlustarm, wodurch der Treiber richtig schön schnell ist und gut am Gas hängt.

Überhaupt war Energieerhalt ein zentrales Stichwort beim Design der Neuen. Karl-Heinz Fink ist kein Freund des Totdämpfens von Lautsprechergehäusen – auch nicht, wenn es um die gefürchtete stehende Welle im Inneren geht. In der Orchestra Shaped Signature kümmert sich ein auf die Problemfrequenz abgestimmter Resonator um die Welle; softwareoptimierte Innendämmung muss so nur noch den verhältnismäßig gutmütigen Rest der Vibrationen in den Griff bekommen.

Sonoro Orchestra Shaped Signature
Wer keine „nackten“ Chassis sehen mag, verdeckt sie einfach mit den magnetisch haftenden Lautsprechergrills. Auf den Entwicklereinfluss von Karl-Heinz Fink weisen lediglich die dezent angebrachten „Signature“-Schriftzüge an der unteren hinteren Kante der Gehäuseflanke hin.

Der bekannte Air-Motion-Transformer ist an sich ebenfalls geblieben – doch die Anbindung an den Mittelton folgt hier einer vollkommen anderen Philosophie als bisher, wo die Übernahme so graduell wie möglich gestaltet wurde: Ein Waveguide passte die Abstrahlcharakteristik des Tweeters den Tiefmitteltönern an, während eine bewusst flach gehaltene Filterflanke für einen breitbandigen, homogenen Übergang sorgte. Fink stellt Hochtönern nur sehr ungern Schallführungen in den Weg, und so ist der Trichter denn auch bei der Signature passé: Wenn der Treiber schön breit strahlen will, dann soll er das ungestört tun – ohne Guide klingen gerade AMTs generell luftiger und lockerer, meint Fink. Sie sehen schon: Der Grundsatz, den Lautsprecher möglichst frei und ungebremst singen zu lassen, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Design. Die Anbindungsthematik löst er schlicht, indem er eine Trennfrequenz wählt, bei der der 13er-Mitteltöner noch nicht zu stark bündelt, trennt hier allerdings scharf, um den Hochtöner nicht zu stark zu belasten und damit unnötig viel Klirr zu provozieren. Die komplett neu entwickelte Weiche nutzt deshalb eine Linkwitz-Riley-Charakteristik vierter Ordnung, nimmt den Tweeter also mit 24 Dezibel pro Oktave aus dem Signal. Das klingt natürlich erstmal nach einer Menge Bauteile, von denen man sich aber einige sparen kann, wenn man die akustische Filterfunktion der Gehäuse mit einbezieht – so lässt sich die gewünschte Flankensteilheit auch erreichen, ohne 381 Bauteile im Filternetzwerk versenken zu müssen.

Sonoro Orchestra Shaped Signature
Mattweiß und Mattschwarz sind die verfügbaren Farbvarianten. An die Stelle der silbernen Akzente der weißen Ausführung treten bei der Mattschwarzen glänzend schwarze Details.

Dass das Ergebnis der Frischzellenkur nach wie vor nach Sonoro aussieht, hatte ich erwähnt – sie hat auch das klassische Sonoro-Format und wirkt damit in unserem 55-Quadratmeter-Hörraum zugegebenermaßen ein wenig verloren. Normalerweise outsourcen wir Hörtests von Schallwandlern dieser Größe in die wesentlich kleineren Wohnzimmer unserer Autoren – als Sonoro-Marketingmanagerin Miriam Benning und Karl-Heinz Fink mit den neuen Kreationen im Schlepptau in unseren Räumlichkeiten aufschlagen, heben sie angesichts der Raumdimensionen nicht mal eine Augenbraue.

Gut, dann versuchen wir’s einfach mal, denken wir uns, und legen erstmal Boris Blanks „Magnetic Lies“ von seinem mit Sängerin Malia aufgenommenen Album Convergence auf. Nach einigen Sekunden drücke ich die Stopp-Taste, und ungläubige Blicke wandern in Richtung Fink, der verschmitzt grinsend kommentiert: „Joa, dass die klein sind, muss ja nicht heißen, dass die im Bass nix können“ – ganz so, als würden die Grundgesetze der Physik bei seinem Wirken nur optional zur Anwendung kommen. Wie die kleinen Säulen mit ihren zwei Paar 13-er-Tieftönerchen unseren Raum im Griff haben, ist in der Tat verblüffend. Weitere Proben mit Material von „The Chain“ von Fleetwood Mac (Rumours) mit seiner markant-intensiven Kickdrum bis hin zu „Deep Blue“ von Ladytron-Album Velocifero mit seiner mächtigen Synthie-Bassline bestätigen, dass sich der Fink’sche Energieerhaltungssatz ganz offenbar in greifbare Performancegewinne übersetzt.

Sonoro Orchestra Shaped Signature
Stabiler Grundaufbau ja, exzessive Dämmung nein: Die Kammer hinter dem abgeschlossenen Mittel-/Hochtongehäuse dient als Resonator, der auf die stehende Welle im Gehäuseinneren abgestimmt ist und sie damit weitgehend unschädlich macht. Dem Rest der Vibrationen ist mit verhältnismäßig wenig Dämmmaterial beizukommen, das dementsprechend auch nicht viel Energie „frisst“ – das energische Klangbild gibt dem Ansatz recht.

Musik besteht freilich nicht nur aus Bass, also taste ich mit Camille Saint-Saëns’ Danse Macabre auch alle anderen Ecken und Enden des Frequenzspektrums ab und bin sehr zufrieden: Die hier zu erlebenden feinen Kratz- und Schnarrgeräusche werden sauber aus dem Gesamtgeschehen geschält, die gezupften Geigensaiten kurz vor der dritten Minute platzen schön plastisch in den Raum. All das geschieht mit einer gewissen vornehmen Zurückhaltung, die jedoch zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Jota an Information unterschlägt. Bei der Abstimmung fällt schnell auf, dass die überlebensgroße, raumfüllend-warme und bewusst etwas weich gehaltene Abstimmung einem ehrlicheren Voicing mit realistischeren Bühnendimensionen gewichen ist, gepaart mit einer muskulösen Präsentation mit reichlich Vorwärtsdrang und Punch. Was geblieben ist, ist eine gewisse Problemlosigkeit vor allem bei der Musikwahl. Man kann nach wie vor ohne jede Sorge um sein Nervenkostüm den ganzen Tag lang R.E.M. oder die Smashing Pumpkins hören – das rotzig-kratzige Hochtongewusel macht sich unmissverständlich bemerkbar, ist aber weit genug heruntergezähmt, dass es einem nicht die Hirnwindungen glattfräst.

Bildergalerie
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Wollte ich die Änderung im Charakter gegenüber den bisherigen Modellen in einem Wort zusammenfassen, würde ich „Involviertheit“ wählen: Waren die Bis-dato-Orchestras unapologetisch lauschige Ohrenschmeichler, so ziehen die Signatures den Hörer aktiv ins „Erlebnis Musik“. In No Doubts „Tragic Kingdom“ etwa (Tragic Kingdom) schafft das diffuse Achterbahngeratter mit den mehrsprachigen Ansagestimmen effektiv Stimmung, woraufhin mir die Membranen Gwen Stefanis Wut über die Durchkommerzialisierung ihrer Heimat Anaheim durch Disneyland ungebremst ins Gesicht blasen. Inmitten des Spektakels mache ich mir nicht eine Sekunde lang Gedanken, ob die Studioqualität auch gehobenen Ansprüchen genügt und lasse mich stattdessen von dem intensiv vorgetragenen Schmählied ins Sofa drücken.

Ganz klar – die Veränderung war gewollt. Sonoro wollte seine Lautsprecher nicht mehr klingen lassen wie das Meisterstück – dafür gibt es schließlich das Meisterstück. Die Orchestra Shaped Signature nimmt sich als HiFi-Instrument wesentlich ernster als bisher, bleibt aber nach wie vor voll „nebenherhörtauglich“. Ich würde sagen: Operation gelungen!

Sonoro Orchestra Shaped Signature

Info

Lautsprecher Sonoro Orchestra Shaped Signature

Konzept: passiver 3-Wege-Standlautsprecher
Bestückung: 2 x 13-cm-Tieftöner, 13-cm-Mitteltöner, AMT-Hochtöner mit ca. 85 cm2 Membranfläche (gefaltet)
Frequenzgang (±6 dB): 35 Hz bis 24 kHz
Trennfrequenzen: 300 Hz, 2700 Hz
Nennimpedanz: 4 Ω (Minimum: 3,6 Ω@37 Hz)
Empfindlichkeit (2,83 V): 88 dB
Empfohlene Verstärkerleistung: ab 50 W
Besonderheiten: Konustreiber mit Membran aus kevlarverstärktem Papier-/Bambusmaterial, doppelt gefaltete Textilsicke am Mitteltöner, Single-Wire-Terminals, Schaumstoffstopfen für Bassreflexrohr
Ausführung: Mattweiß/Silber oder Mattschwarz/Schwarz
Gewicht: 23,8 kg
Maße (B/H/T): 18/97/35 cm (28/104/35 cm mit Standfuß)
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: um 3 000 €

Kontakt

sonoro audio

Hammer Landstraße 45
41460 Neuss
Telefon +49 2131 8834141

www.sonoro.com

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