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Inklang Ceterra 70R BE

Inklang Ceterra 70R Black Edition

Geerdet

Inklang Ceterra 70R Black Edition

Wie viele von denen, die guten Klang schätzen, hören so konzentriert Musik, wie sie einen Film schauen oder ein Buch lesen? Sicher weniger als 50 Prozent, behaupte ich. Das scheint man auch bei Inklang so zu sehen. Die Ceterra (abgeleitet von „Centrum“ und „Terra“) 70R Black Edition macht kritische Hörsessions absolut möglich, aber optional. Entspannen Sie sich und genießen Sie Musik.

Inklang Ceterra 70R BE

In aller Kürze: Inklang Ceterra 70R Black Edition

Inklang Ceterra 70R BE

 

Ich könnte mich zum Einstieg in einer Tirade darüber auslassen, wie Lautsprecherhersteller vorgeblich nicht kapieren, dass ein Schallwandler immer auch ein Möbelstück ist, und dementsprechend auch keinen Sinn für Wohnraumtauglichkeit und Wife Acceptance Factor haben. Das wird ja oft und gerne beschworen, stimmt meiner Erfahrung nach aber selten. Es ist jedenfalls eine ganze Weile her, dass mich ein Schallwandler das letzte Mal mit Engelsklängen über sein fragwürdiges Äußeres hinwegtrösten musste. Wir haben derzeit vier Paare in unserem Hörraum stehen, allesamt elegant proportioniert und mit klasse Oberflächen­finish – für keinen dieser Lautsprecher müsste man sich vor Gästen auch nur ansatzweise schämen. Die Inklang Ceterra 70R allerdings – die spielt da nochmal in einer anderen Liga. Auch wenn sie akustisch bedingt wie praktisch alle anderen auch im Prinzip ein hoher Quader ist, haben es die Hamburger Designer irgendwie geschafft, sie erstaunlich wenig danach aussehen zu lassen: Die geneigte Schallwand mag nicht einzigartig sein, aber sie bringt eine gewisse optische Leichtigkeit; der Radius, über den sie zur Oberseite ausläuft, und die Holzintarsie am Rücken, die das Gehäuse wie zwei ineinandergreifende Halbschalen wirken lässt, tun ein Übriges, der Ceterra eine irgendwie organische Form zu geben. Die mag zwar in Anthrazit gehalten sein, ist aber alles andere als zurückhaltend – mit ihren hölzernen Phaseplugs und der futuristischen Fußkonstruktion schreien sie einen fast schon an: „Schau uns an – wir sind bis in den letzten Winkel durchdesignt!“

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Radien und Fasen ergeben im Zusammenspiel einen überaus eleganten Gesamteindruck. Die Treiber sind allesamt hochkarätig. Hier sehen Sie je einen der Mittel- und Hochtöner, die der Excel-Serie des norwegischen Herstellers Seas entstammen und für Inklang modifiziert wurden. Optisch auffällig sind die hölzernen Phaseplugs, im Hintergrund sorgen FEA-optimierte Magnetsysteme für linearen Antrieb.

Bei Inklang spielt das Design seit jeher eine zentrale Rolle – gerne auffällig, vor allem aber angepasst an den persönlichen Kundengeschmack. Der hohe Grad an Individualisierbarkeit ist ein Alleinstellungsmerkmal, das man sich stolz auf die Fahnen schreibt und konsequent pflegt. Die Ceterra 70R Black Edition, die sich derzeit in unserem Hörraum die Ehre gibt, ist indessen nur in dieser einen Farbkombination zu haben – ist ja auch eine Edition. Nur 15 Paare werden von ihr gebaut, wovon zum Testzeitpunkt dem Vernehmen nach etwa die Hälfte bereits ein Zuhause hatte. Wer sie verpasst, kann sich trösten: In nicht allzu ferner Zukunft soll eine reguläre Edition folgen, die sich nach bester Sitte des Hauses frei konfigurieren lässt.

Das unverschämt gute Aussehen darf uns freilich nicht dazu verleiten, die Ceterra als hübschen Blender misszuverstehen – allein die Bestückung macht hier echte High-End-Ambitionen klar: Die Aluminiumkonusse für Mittel- und Tiefton basieren auf der SEAS-Excel-Serie und wurden für die Hamburger erheblich modifiziert, der Doppelringradiator im Hochton stammt aus der hochkarätigen Illuminator-Baureihe von Scan-Speak. In der Frequenzweiche kommen ebenfalls nur beste Bauteile wie Backlackspulen und Z-Cap-Folienkondensatoren von Jantzen zum Einsatz.

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Der Scan-Speak-Doppelringradiator ist mittlerweile eine kleine Berühmtheit. Hier im Einsatz ist eine der hochrangigen Varianten aus der Illuminator-Serie, die über ein massives Neodym-Magnetsystem verfügt. Durch die ringförmige Schallabstrahlung will sich der Tweeter bei bestimmten Frequenzen selbst auslöschen – genau das verhindert das Silberkegelchen, indem es einen akustischen Schatten wirft.

So hochgezüchtet sie technisch auch sind, Inklang-Lautsprecher sollen stets klangstarke Wohnraumbegleiter sein und nicht Kopf-im-Schraubstock-Präzisionsabhören. Inklang-Kunden haben in der Regel wenig Verständnis dafür, den Lautsprecher bei der Inneneinrichtung mitreden zu lassen und ihm großflächig Absorber, Diffusoren und Bassfallen zu gönnen. Die Klientel der Norddeutschen bevorzugt Parkettböden, Glasfronten und Sichtbeton – alles schön schallhart –, und in diesem Umfeld hat der Lautsprecher halt einfach zu funktionieren. Genau deshalb hat man sich ganz besonders viel einfallen lassen, um das Abstrahlverhalten nicht nur in der Horizontalen, sondern auch in der Vertikalen so glatt zu kriegen wie irgend möglich.

Symmetrisch mit Twist

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Die Ceterra 70R ist ein Paradebeispiel dafür, wie man eine grundsätzlich einfache geometrische Form mit einigen kleinen gelungenen Handgriffen zu einer wahren Augenweide machen kann. So, wie sie hier abgebildet ist, werden insgesamt nur 15 Paare hergestellt. In naher Zukunft ist eine technisch identische reguläre Version geplant, bei der sich der Kunde Inklang-typisch seine eigene Farbkombination zusammenstellen kann.

Da Symmetrie und Gleichmäßigkeit sich gut vertragen, sind die Ceterra-Treiber in einer D’Appolito-Anordnung – Verzeihung, das muss natürlich richtig heißen: in einer MTM(Midrange-Tweeter-Midrange)-Anordnung – angebracht. „D’Appolito“ ist ein kleines umgangssprachliches Unding, denn was sich der namensgebende Ingenieur da ausgedacht hat, ist eine spezielle Sonderform einer solchen symmetrischen Konfiguration, in der sich die drei Treiber annähernd wie ein einziger benehmen. Das erfordert allerdings, dass der Abstand der Mitteltöner von Mitte zu Mitte gemessen nicht mehr als zwei Drittel der Wellenlänge bei der Trennfrequenz beträgt – bei 2 Kilohertz reden wir da bereits von nur etwa 12 Zentimetern, was sich in der Regel physisch schlicht nicht umsetzen lässt. An sich ist ein größerer Abstand zwischen den Mitteltönern willkommen, weil sich ober- und unterhalb der Abstrahlachse der Output der Treiber durch Phasenverschiebungen zunehmend auslöscht, was Boden- und Deckenreflexionen verringert. Noch weiter abseits der Achse beginnen die Phasen allerdings wieder zusammenzulaufen und sich zu sogenannten Nebenkeulen zu addieren, die ziemlich punktuell von Boden und Decke reflektieren und damit letztlich dafür sorgen, dass sich das Klangbild abhängig davon, wo genau der Hörer im Raum steht oder sitzt, teils erheblich ändern kann.

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Über die Jumper oberhalb des Bi-Wiring-Terminals lässt sich die Klangbalance anpassen. Von Haus aus ist die Ceterra insgesamt recht neutral mit gefälligem Hochton abgestimmt.

Da die Ceterra wie alle Inklang-Lautsprecher auch für den durch das Wohnzimmer schlendernden Audiophilen bestens funktionieren soll, haben die Inklang-Entwickler eben diesen Nebenkeulen den Kampf angesagt und sich einen cleveren Kniff einfallen lassen: Im Grunde ihrer Seele ist die 70R ein Dreiwege-Lautsprecher – elektrisch besitzt sie jedoch einen halben Weg mehr. Die beiden Mitteltöner koppeln leicht versetzt bei 2,2 und bei 2,4 Kilohertz an den Tweeter an, wodurch die oben beschriebenen Interferenzmuster gewissermaßen verschwimmen und somit eine deutlich ausgewogenere Abstrahlcharakteristik ergeben.

Erlaubt ist, wie’s gefällt

Den „Wandertest“ bestehen die Hamburgerinnen mit wehenden Fahnen, aber auch das konzentrierte Sitzhören beherrschen sie ganz vorzüglich. Eine erste kleine Überraschung: Die Hörplatzunabhängigkeit erreicht die Inklang Ceterra eben nicht durch künstlich aufgeblasene Bühnendimensionen. Die Projektion dehnt sich ziemlich genau bis zur Basisbreite aus und bildet in diesem selbstgesteckten Rahmen Breite, Tiefe und auch Höhe bestens sortiert ab. Wer eine Extraportion Atmosphäre mag, kann dies schlicht mittels Programmwahl einstellen. Bei Morricones Hauptthema zu The Good, the Bad and the Ugly etwa fühlt sich absolut gar nichts eingeengt an, Pfeifen und Mundharmonika scheinen aus unendlich weiter Entfernung zu kommen, die charmant gekünstelt-hallige Produktion wird ohne jedes Unwohlwollen als solche entlarvt und die skandinavischen Edeltreiber dröseln mit Wonne die leicht flatterigen Decay-Fahnen auf. Interessanterweise ziehe ich entgegen meinen Gewohnheiten tatsächlich das Original dem 2004er-Remaster vor. Obwohl Letzteres beim Zähmen des zugegebenermaßen ins Schmerzhafte gehenden Hochtons etwas übers Ziel hinausgeschossen ist, ist es mir gerade am Ende des Tages, wo meine Ohren wahrlich schon genug für mich getan haben, normalerweise lieber. Über die Ceterras erhält sich die Originalabmischung den scharfen Biss im Hochton, erinnert in dieser Hinsicht aber mehr an einen verspielten Labradorwelpen als an einen tollwütigen Rottweiler.

Bildergalerie
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Um bei großartiger, aber vielleicht etwas abgedroschener Filmmusik zu bleiben, taste ich als Nächstes mit der von John Williams selbst dirigierten Einspielung seines „Imperial March“ (Star Wars: The Empire Strikes Back) die dynamischen Qualitäten ab. Das Stück überrascht immer wieder damit, wie vehement einem der 4/4-Takt trotz der insgesamt offen und luftig klingenden Aufnahme (hier mit den Wiener Philharmonikern) den sprichwörtlichen Marsch bläst. Und es kommt genau so, wie es sein muss: finster und treibend zugleich. Die Pauken erreichen mich als knochentrockene Druckwellen, während die Blechbläser mit stechschrittartigem Attack die Füße zum Mitgehen zwingen.

Ihre Präzision und Kontrolle können die beiden 19er-Bässe bei „Equus 3“ von The Mars Volta (The Mars Volta) zur Schau stellen: Der E-Bass kommt richtig schön kernig-knorrig, steht sich zu keinem Zeitpunkt mit dem Schlagzeug im Weg, und beide machen keinerlei Anstalten, Cedrik Bixler-Zavalas Stimme in die Quere zu kommen. Alles bleibt zu jedem Zeitpunkt vorbildlich getrennt und absolut klar nachvollziehbar.

Und wer die Musik gerade nicht im Geiste sezieren will, der kann mitten im Lied einfach aufstehen, sich in der offenen Küche einen Espresso machen (Achtung: Hintergrundgeräusch!) und munter mitsingen. Die Inklang Ceterra 70R Black Edition ist schließlich keine Abhöre für konzentrierte Sessions, sondern ein Tonmöbel, das man den ganzen Tag einfach laufen lassen kann – um hin und wieder wie zufällig für eine Weile im perfekt im Stereodreieck platzierten Sessel festzuwachsen.

Inklang Ceterra 70R BE

Info

Lautsprecher Inklang Ceterra 70R Black Edition

Konzept: passiver 3,5-Wege-Standlautsprecher
Bestückung: 2 x 19-cm-Tieftöner (SEAS Excel), 2 x 12-cm-Mitteltöner (SEAS Excel), 19-mm-Doppelringradiator (Scan-Speak Illuminator)
Frequenzgang (±10 dB): 30 Hz bis 40 kHz
Trennfrequenzen: 200 Hz, 2200 Hz, 2400 Hz
Nennimpedanz: 4 Ω (Minimum: 3,6 Ω)
Empfindlichkeit (1 W/1 m): 86 dB
Empfohlene Verstärkerleistung: ab 100 W
Besonderheiten: Bi-Wiring-Terminal, Klanganpassung über Jumper an der Rückseite möglich, auf 15 Paare limitierte Edition
Ausführung: Satin-Schwarz mit Akzenten in Walnuss geölt
Gewicht: 36,5 kg
Maße (B/H/T): 20/117/45 cm (29 cm Breite mit Standfuß)
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: um 13 000 €

Kontakt

Inklang Lautsprecher Manufaktur

Stilwerk Hamburg
Große Elbstraße 68
22767 Hamburg
Telefon +49 40 180241100
info@inklang.de

www.inklang.de

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