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Steve Reich - Edition zum 90.

Steve Reich – Edition zum 90.

Drumming | Music for Mallet Instruments, Voices and Organ | Six Pianos

Steve Reich – Edition zum 90.

Rhythmus als musikalische Architektur – Die Deutsche Grammophon ehrt Steve Reich zum 90. Geburtstag.

Steve Reich - Edition zum 90.

Zum 90. Geburtstag von Steve Reich am 3. Oktober 2026 legt Deutsche Grammophon eine der wichtigsten Einspielungen aus der frühen Schaffensphase des amerikanischen Komponisten neu auf. Das ursprünglich 1974 veröffentlichte Dreifachalbum mit Drumming, Six Pianos und Music for Mallet Instruments, Voices and Organ erscheint innerhalb der audiophilen Vinylreihe „The Original Source“.

Als die Deutsche Grammophon im Januar 1974 Steve Reich und sein Ensemble in die Hamburger Polydor-Studios einlud, gehörte der Komponist zwar bereits zu den wichtigsten Vertretern der aufkommenden Minimal Music, war einem größeren Klassikpublikum aber noch weitgehend unbekannt. Dass ein etabliertes Klassik-Label gleich drei Schallplatten für seine Musik reservierte, war für die damalige Zeit durchaus ungewöhnlich. Allerdings blieb dies dann auch die einzige Aufnahme für das ‚Gelblabel‘.

Im Mittelpunkt der Edition steht das zwischen 1970 und 1971 komponierte Drumming, mit rund 85 Minuten Reichs bis dahin umfangreichstes Werk. Die Komposition entstand nach seiner intensiven Beschäftigung mit westafrikanischer Trommelmusik und lässt sich als konsequente Weiterentwicklung seiner früheren Experimente mit rhythmischen Phasenverschiebungen verstehen. Anders als bei traditionell angelegten Kompositionen steht hier nicht die Abfolge unterschiedlicher Themen im Vordergrund. Vielmehr entwickelt Reich nahezu das gesamte Stück aus einem einzigen rhythmischen Grundmuster, das durch Verschiebungen, Verdichtungen, Auslassungen und Veränderungen der Instrumentierung immer neue Gestalten annimmt. Das Ohr entdeckt fortwährend neue Zusammenhänge, obwohl das zugrunde liegende Material weitgehend konstant bleibt. Die beiden ergänzenden Werke von 1973 zeigen, wie Reich seine kompositorischen Verfahren in andere instrumentale Zusammenhänge übertrug. Six Pianos geht auf die Idee zurück, sämtliche Klaviere eines Musikaliengeschäfts gleichzeitig zum Klingen zu bringen. Für die praktische Umsetzung entschied sich Reich schließlich für sechs kleinere Flügel. Die ineinandergreifenden, präzise aufeinander abgestimmten Spielfiguren erzeugen eine dichte rhythmische Textur, deren einzelne Bestandteile sich ständig neu gruppieren. Music for Mallet Instruments, Voices and Organ führt mehrere bis dahin entwickelte Ideen zusammen. Zwei Marimbas, zwei Glockenspiele, ein Vibraphon, drei Frauenstimmen und eine elektrische Orgel bilden eine ungewöhnliche, aber sorgfältig ausbalancierte Klangkombination. Reich verbindet hier die rhythmischen Prozesse seiner Schlagzeugkompositionen mit länger ausgehaltenen Tönen und sich allmählich verändernden harmonischen Strukturen. Die Stimmen übernehmen dabei keine traditionelle solistische Funktion, sondern werden als gleichberechtigte Bestandteile in das instrumentale Geflecht integriert. Gegenüber der teilweise spröden Konsequenz von Drumming wirkt diese Musik klanglich weicher und harmonisch zugänglicher.

Für die aktuelle Wiederveröffentlichung ist insbesondere die Aufnahmetechnik von Interesse. Die Hamburger Produktion wurde ursprünglich auf 16 Spuren aufgezeichnet. Das Material wurde anschließend mit Zustimmung Reichs bearbeitet und auf ein Vierspur-Master übertragen. Genau diese originalen, fertig editierten Bänder dienten nun als Ausgangsmaterial für die neue Schallplattenausgabe. Rainer Maillard und Sidney C. Meyer übernahmen wie immer in den Emil Berliner Studios das Mastering beziehungsweise den Lackfolienschnitt. Gerade bei Reichs Musik besitzt die saubere Darstellung einzelner Stimmen eine besondere Bedeutung. Die komplexen rhythmischen Überlagerungen leben davon, dass Anschläge, Ausklingvorgänge und räumliche Beziehungen zwischen den Instrumenten unterscheidbar bleiben. Gleichzeitig dürfen die Einzelereignisse nicht auseinanderfallen, da sich die musikalische Wirkung erst aus ihrem präzisen Zusammenwirken ergibt. Und hier unterscheidet sich die aktuelle Ausgabe doch merklich vom originalen Vinyl aus dem Jahr 1973. Die Schlaginstrumente klingen wesentlich fokussierter, die gesamte Aufnahme von Drumming gewinnt aufgrund der besseren Einzeltrennung der Stimmen einen nach vorne treibenden Groove, der bei der Erstveröffentlichung immer ein klein wenig verschmiert erschien.

Auch hinsichtlich der Ausstattung orientiert sich Deutsche Grammophon an den Ansprüchen einer hochwertigen Sammleredition. Die drei LPs befinden sich in einer aufwendig gestalteten Box, das ursprüngliche Artwork wurde übernommen und um Fotografien sowie Faksimiles aus den Produktionsunterlagen ergänzt. Zwei ausführliche Essays beleuchten unterschiedliche Aspekte der Veröffentlichung. David Butchart rekonstruiert anhand des Briefwechsels zwischen Reich und seinem damaligen Produzenten Rudolf Werner die Entstehungsgeschichte der Aufnahmen. Rainer Maillard erläutert die ungewöhnliche Überlieferung der Bänder sowie die technischen Entscheidungen beim neuen Mastering und Schnitt. Hinzu kommt Reichs originaler Begleittext, der gerade für das Verständnis seiner kompositorischen Arbeitsweise aufschlussreich ist. Ein besseres Geschenk hätte die Deutsche Grammophon Steve Reich zum 90. Geburtstag nicht machen können.

Steve Reich - Edition zum 90.

Steve Reich: Drumming, Six Pianos, Music for Mallet Instruments, Voices and Organ

Deutsche Grammophon (The original Source) – Box mit 3 LPs

www.deutschegrammophon.com

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