Kroma Atelier Mimi
Spanische Lebensfreude und feinstes Handwerk treffen auf Hightech in elegantem Gewand: Der andalusischen Lautsprechermanufaktur Kroma Atelier gelingt es, moderne State-of-the-Art-Komponenten mit Elementen der traditionellen Gitarrenbaukunst zu vereinen.
Die andalusische Hauptstadt Granada hat eine bewegte mittelalterliche Geschichte und ist ein Schmelztiegel vielfältiger Kulturen. Neben architektonischen Meisterleistungen kommen mir als Ausdruck spanischer Lebensfreude Flamenco oder Tapas mit feinstem Fino in den Sinn. Eng mit dem Flamenco verbunden ist die Gitarrenbaukunst, die sich seit dem 19. Jahrhundert in Granada entwickelt hat und zu weltweitem Ruhm gelangte. Womit ich mich dem eigentlichen Thema nähere: Als Heimstätte einer High-End-Lautsprechermanufaktur hatte ich die Stadt bislang nicht auf dem Radar, obwohl Kroma Atelier dort schon seit über 20 Jahren tätig ist.

Erklärtes Entwicklungsziel sind Schallwandler, die in der Lage sind, ein musikalisches Live-Erlebnis zu reproduzieren. Im Portfolio gibt es drei Produktlinien, die allesamt mit Unterstützung eines erfahrenen Gitarrenbaumeisters abgestimmt werden. Zum Test haben wir die kleinste Kompaktbox Mimi aus der Classic-Serie gebeten, benannt nach der weiblichen Hauptrolle in Giacomo Puccinis Oper La Bohème. Thomas Schlipper, Eigentümer und Entwickler der in Neuss beheimateten Subbase Audio Manufaktur, ist exklusiver Händler der spanischen Schallwandler in Deutschland. Er demonstrierte auf dem diesjährigen Analog Forum in Moers, dass man auch mit kleinformatigen Komponenten ein kompromissloses Klangerlebnis erreichen kann. Die Mimi spielte mit ihren zwei Wegen in jeglicher Hinsicht großartig auf. Ein paar Wochen später lieferte Thomas Schlipper die Lautsprecher nebst Ständern bei mir an. Gemeinsam installierten wir die Kompakten in meinem Hörraum, was aufgrund seiner Erfahrung mit der Mimi und meiner Kenntnis über die akustischen Eigenheiten des Raums eine Angelegenheit von wenigen Minuten war. Um den Probanden die besten Voraussetzungen zu bieten, wurden sie auf Subbase-Gerätebasen und -Füßen platziert.
Grundsätzlich ist der Lautsprecher nach einem zigfach angewandten und bewährten Prinzip aufgebaut: quaderförmige Zweiwege-Box, Tiefmitteltöner mit Bassreflexunterstützung und Hochtöner mit Trennfrequenz oberhalb des Stimmbereichs (bei ca. 3 kHz). Damit hören die Gemeinsamkeiten mit den meisten Kollegen auf. Augenfälligstes Merkmal ist die Neigung der Schallwand und Rückseite um etwa sieben Grad. Die Seitenwände werden hierdurch zum Trapez. Der Ständer nimmt die Neigung auf, was dem Ganzen ein elegantes, schnittiges Aussehen verleiht. Die Proportionen des Gehäuses sind hervorragend abgestimmt, auch die Positionierung der Chassis und der Reflexöffnung sind optisch sehr gelungen.
Die raffinierten Details, wie die Schattenfugen an den Nahtstellen der Gehäusewände und die perfekten Fräsungen in der Schallwand, unterstützen den Gesamteindruck. Das mattgold hinterlegte Kroma-Logo und das Mimi-Signum auf der Rückwand sind sauber herausgearbeitet. In Kombination mit dem seidenmatt schimmernden Grau der „Magnetic Silver“ genannten Sonderlackierung des Testexemplars und dem aus massivem Akazienholz gedrehten Bassreflexrohr wirkt das sehr gediegen. Einfacher formuliert: Die Mimi ist todschick! Zur Auswahl steht eine Vielfalt an Farb- und Oberflächenkombinationen, unter denen wahrscheinlich jeder Interessent das Passende finden wird. Auch bei der Materialwahl geht Kroma Atelier einen eigenen Weg. Das Gehäusematerial Krion ist ein Komposit aus Acrylharz (PMMA) und natürlichem Mineralstoff (Aluminiumtrihydrat) mit einem relativ hohen spezifischen Gewicht (1,75 kg/dm³; zum Vergleich: MDF, das Standardmaterial im Lautsprecherbau, wiegt nur durchschnittlich 0,5 kg/dm³). Ein probates Mittel, um zu verhindern, dass Schallanteile aus dem Inneren des Lautsprechers über die Gehäusewände nach außen gelangen und zu Verfärbungen führen, ist der Einsatz von Masse, sprich schweren Wänden. Durch das hohe Gewicht der Krionplatten konnte die Wandstärke auf zehn Millimeter reduziert werden, was bei gleichen Gehäusedimensionen zu einem größeren Innenvolumen führt. Darüber freut sich besonders der Basstreiber und bedankt sich mit einer tieferen Grenzfrequenz und höherem Pegel. Gerade bei der Konzeption von kleineren Kompaktmonitoren ein wichtiger Aspekt.
Ein weiterer Vorteil von Krion ist seine hervorragende Resonanzarmut im relevanten Bereich. Die Widerstandsfähigkeit in mechanischer wie chemischer Hinsicht macht den Lautsprecher darüber hinaus absolut alltagstauglich. Die Verarbeitung ist aufwendig, erlaubt jedoch äußerst präzise und maßhaltige Werkstücke. Die Verklebung der Gehäusewände erfolgt mit einem quasi identischen Material, sodass eine homogene Einheit entsteht. Ich habe den Eindruck, dass Kroma Atelier einen weitgehend idealen Werkstoff gewählt hat. Ergänzt wird die Konstruktion mit Massivholzbauteilen wie z. B. die Bassreflexrohre, die von einem erfahrenen Gitarrenbaumeister auf jeden Lautsprecher abgestimmt werden. Bis auf die Lautsprecherkörbe und elektrischen Bauteile finden keinerlei Metallteile Verwendung. Sogar die Montage der Chassis erfolgt mit Kunststoffschrauben, die mittels Drehmomentschlüssel genau dosiert befestigt werden. Metallteile führten zu ungünstigem Resonanzverhalten, so der Hersteller. Die meines Erachtens unbedingt notwendigen Ständer sind ebenfalls aus Krion gefertigt.
Die Chassis und Frequenzweichen-Bauteile sind kompromisslos nur vom Feinsten. Anhand der exotischen Optik der Sicke gibt sich der Tiefmitteltöner sofort als Mitglied der überaus noblen Purifi-Familie zu erkennen, die sich offenbar nicht grundlos als Liebling bei Herstellern der obersten Preisriege etabliert hat. In der Mimi kommt die Variante mit 16,5 Zentimeter Durchmesser und einer Membran aus Papierfasermix zum Einsatz. Oberhalb der Trennfrequenz von knapp drei Kilohertz übernimmt ein nicht minder kompetenter AMT-Hochtöner von Mundorf. Über eine Schallführung, die perfekt direkt in die Schallwand eingearbeitet ist, wird sein Abstrahlverhalten optimiert. Von Mundorf kommen auch das Single-Wire-Anschlussterminal und die meisten Weichenbauteile, ergänzt durch andere höchstwertige Komponenten, so Thomas Schlipper.

Nun ist es keine neue Erkenntnis, dass edle Materialien und teuerste Bestückung mit Chassis/Weichen kein Garant für einen hervorragenden Lautsprecher sind. Vergleichen möchte ich das mit der Spitzengastronomie: Edle Zutaten werden nur dann zur Geltung gebracht, wenn ein kompetenter Chef sie zu kombinieren weiß. Genauso verhält es sich bei der Lautsprecherentwicklung. Ohne technisches Know-how geht es nicht, genauso wichtig ist die Feinabstimmung per Gehör. Insofern ist die Zusammenarbeit von Kroma Atelier mit einem Gitarrenbaumeister eine logische Konsequenz, die, so viel kann ich vorwegnehmen, zu einem außergewöhnlichen Ergebnis geführt hat.
Ich gab den bereits gut eingespielten Testexemplaren noch zwei Tage, in denen ich kleine Positionskorrekturen im Zentimeterbereich vornahm, bevor ich mich ernsthaft mit ihnen beschäftigte. Von Anfang an versetzten mich zwei Charakterzüge dieser Schallwandler in ungläubiges Erstaunen. Wie konnte es sein, dass aus diesen kleinen Kistchen ein derartig tiefer und kräftiger Bass drückte? Wobei „drücken“ nicht so die rechte Beschreibung ist. Die tiefen Töne wurden vielmehr mit Kontur und Schnelligkeit dargereicht, ohne ins Anämische zu tendieren, vollmundig satt, ohne zu übertreiben. Der zweite sensationelle Effekt war die vollkommene Lösung des Klanggeschehens von den Lautsprechern in Kombination mit einer maßstabsetzenden Plastizität. Ich war regelrecht baff, um es mal salopp auszudrücken. Hin und wieder hatte ich den Eindruck, dass die Fokussierung auf einzelne Schallereignisse nicht mit der allerletzten Genauigkeit präsentiert wurden. Was nicht zwangsweise nachteilige Auswirkungen auf den Musikgenuss hatte. Im Gegenteil, es förderte die homogene Gesamtdarstellung des musikalischen Geschehens. Meine durch diese vielversprechenden ersten Eindrücke geweckten Erwartungen sollten während den gezielteren Hörsitzungen nicht enttäuscht werden.
Das Concierto de Aranjuez von Joaquín Rodrigo schien mir als musikalischer Einstieg adäquat. Die gehörte Einspielung enstand mit Pepe Romero und der Academy of St Martin in the Fields unter Sir Neville Marriner, die Aufnahme fand 1992 statt in der Watford Town Hall, London. Mit dem Mimi-Pärchen klingt die Sologitarre perfekt ausgewogen, Spielgeräusche auf Griffbrett und Holzkorpus sind hörbar, lenken aber nicht die Aufmerksamkeit vom virtuosen Vortrag des Solisten ab, der organisch in das weiträumig gestaffelte Orchester eingebunden ist. Sämtliche Instrumente sind mit einer mühelosen Offensichtlichkeit lokalisierbar. Auch die spezifischen Klangfarben wirken natürlich und unverfälscht. Ich bin gefangen in der Emotionalität dieses Meisterwerks, die Musik füllt den Hörraum. Das Orchester spielt derartig losgelöst und offen, dass ich nicht das Gefühl habe, einer „Konserve“ zu lauschen.
Dieses Meisterwerk ist von unzähligen Künstlern interpretiert und bearbeitet worden, und mindestens fünf verschiedene Versionen davon sind in meiner Sammlung zu finden. Zu den bekanntesten zählen wohl die von Jim Hall (Concierto) und Miles Davis (Sketches Of Spain). Wiederum hiervon inspiriert ist Wolfgang Haffners Lesart auf Kind Of Spain. Die bei ACT erschienene Scheibe verwende ich wegen ihrer Aufnahmequalität gerne für Tests. Und wieder sitze ich einigermaßen ungläubig vor meiner Anlage. Was da in meine Ohren dringt, grenzt an Perfektion. Die extrem plastisch dargestellte Klangbühne, die Wahrung der Proportionen, die Differenzierung feinster Dynamikabstufungen und echten Klangfarben! Gerade der substanzielle Bassbereich begeistert mich. Der Kontrabass tönt mit genau der richtigen Mischung aus hölzerner Knorrigkeit und voluminösem Schub. Die Bassdrum hat ein ausgeglichenes Verhältnis von Anschlag und Druck. Und das aus einem Bruttovolumen von gerade mal 20 Litern. Der Mittel- und Hochtonbereich steht dem nicht nach. Haffners Besenarbeit auf Snare und Becken wird fein ziseliert und trotzdem mit einer gewissen Körperhaftigkeit wiedergegeben. Die enorme Bassfestigkeit der Kleinen provozierte mich, zum Abschluss Rhythm Collision von Ruts DC aufzulegen. Was soll ich sagen? Genau so muss das grooven und scheppern!
Dem Team von Kroma Atelier ist es gelungen, einen Kompaktmonitor zu schaffen, der in kleineren bis mittleren Räumen ein in jeglicher Hinsicht nahezu perfektes Klangerlebnis ermöglicht. Selbst der in Zusammenhang mit kleinen Monitoren oft vernommene Ruf nach Subwoofer-Unterstützung verhallt hier ungehört … Dass die Mimi obendrein eine äußerst aparte Erscheinung ist, macht die Sache endgültig rund.
Info
Lautsprecher Kroma Atelier Mimi
Konzept: 2-Wege-Kompaktlautsprecher im Bassreflexgehäuse
Bestückung: Tiefmittelton 1 x 16,5-cm-Papierfasermixmembran (Purifi), Hochton 1 x AMT 75 x 55 mm (Mundorf)
Frequenzbereich: 31 Hz bis 25 Hz
Impedanz: 4 Ω
Empfindlichkeit: 88 dB
Empfohlene Verstärkerleistung: 30 bis 300 W
Ausführungen: Krion-Korpus in Weiß, Schwarz, Hellgrau, Dunkelgrau, Hellblau, Dunkelblau, Rot oder Mocca (Standardversionen); Seitenwand-Optionen Titan, Aluminium, Champagner, Carbon schwarz oder Walnussholz; Sonderlackierungen „Aston Martin“ in Supernova Red, Buckinghamshire Green, Seychelles Blue, Magnetic Silver, Magneto Bronze, Black (gegen Aufpreis); Vacas Art Special Edition mit Seitenbemalung des spanischen Künstlers Juan Pablo Vacas
Lieferumfang: Schutzhauben, Spikes, Transportkiste
Maße (B/H/T): 21/40/25 cm, mit Ständer 25/104/29 cm
Gewicht: 13,7 kg, Ständer 11 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (10 Jahre nach Registrierung)
Paarpreis: um 13 200 € (Sonderoberflächen auf Anfrage), Ständer um 3590 €
Kontakt
Subbase Audio Manufaktur
Gut Vellbrüggen 7
41469 Neuss
Telefon +49 178 3410431
info@subbase-audio.de








