FIDELITY Podcast 29: So schöne Lautsprecher haben Sie noch nie gesehen …
Kommt der Berg nicht zum Propheten, dann muss der Prophet sich halt in den Zug setzen und zum Berg fahren.
Das macht dem Propheten nichts aus, wenn das WiFi-Netz in der Bahn anständig arbeitet (dazu gleich mehr). Die Reise führte uns einmal quer durch die Republik nach Hamburg, wo uns Magicos formidable S2 erwartete. Tatsächlich hat diese Art von Vor-Ort-Tests bei Händlern oder (wie in diesem Fall) Vertrieben ihren ganz eigenen Reiz. Audio Components bereitete den Test in den Tage vor unserem Besuch vor, positionierte die Boxen, und wählte eine passende Elektronik aus. Auf die weise präsentierte sich die „kleine“ Standbox mit einer Souveränität und Basskontrolle, die uns regelrecht umgeblasen hat.
Nicht ganz so weit mussten wir für unser Stelldichein mit Brodmanns VC-7 reisen. Die wartete im Münchener KlangLoft auf uns. Das auffälligste Merkmal der schlanken Standlautsprecher ist ein Hornresonator. Hinter diesem Begriff versteckt sich eine erweiterte Alternative zum Bassreflex-Rohr, allerdings ohne die sonst üblichen Resonnanzen. Und eine akustische Filterung des Mittelton-Bereichs bewirkt diese Konstruktion ebenfalls. Sagen wir mal so: Wenn es einfach umzusetzen wäre, würden wir den Hornresonator wahrscheinlich häufiger antreffen.
Von O zu X
Lautsprecher Nummer Drei in FIDELITY Nummer 88 kommt aus dem Hohen Norden Dänemarks. Børresen schickte uns seine unvergleichlich musikalische X3. Die brusthohe Standbox mag mit ihrem Preisschild von rund 10.000 Euro nicht unbedingt günstig erscheinen. Bedenkt man allerdings, dass es sich um eine (in vielen Details verbesserte) Ableitung der ausgemusterten O-Serie handelt, sieht die Sache schon ganz anders aus – eine perfekte Demonstration des „Top-Down“-Konzepts und ein geradezu verführerischer Schnapper.
Den lautsprechenden Abschluss bildet Lumen Whites ausgefeilte Altai, die unseren Autoren regelrecht verzauberte. Gemessen an ihrer Größe handelt es sich bei der Altai um ein reinstes Fliegengewicht. Dennoch spielt der Lautsprecher mit einer Kontrolliertheit und Detailzeichnung der Extraklasse – bis hinunter in die tiefsten Lagen. Schlaue Konstruktion statt plumpem Gewicht, könnte man das Motto des Herstellers zusammenfassen. Und eine handverlesenen Selektion feinster Komponenten und Treiber gibt’s obendrauf.
Auf die Ohren
Mit dem LCD-5s haben wir dann auch noch einen Referenz-Lautsprecher zum Aufsetzen im Programm. Der magnetostatische Kopfhörer von Audeze ist ein absolutes Top-Modell und benimmt sich in der Praxis auch wie eins: Transparenz und eine schier unfassbare Detailfülle zeichnen diese wunderschönen Ohrwärmer aus. Am Rande bringt uns der LCD darauf, dass sich Flachmembranen langsam und allmählich in der Studio-Welt durchsetzen. Hielten die Profis früher ihren bewährten und gewohnten Treibern die Treue, scheint sich langsam herumgesprochen zu haben, wie überlegen ein guter Magnetostat ist.
Für Canor bricht FIDELITY mit einer alten Gewohnheit: Konzentrieren wir uns für gewöhnlich auf eine Komponente, bestellten wir für den Test der neuen Vierer-Serie die Kombination aus I4S (Verstärker) und D4S (Streamer/DAC). Die beiden Flachmänner sind derart füreinander geschaffen und designed, dass einzelne Tests einfach keinen Sinn ergäben. Um es kurz zu umreißen: Für die Vierer legten die Slowaken ihre Röhrendoktrin zur Seite und gestalteten herrlich musikalische Transistor-Schaltungen, mit denen die flachen Gehäuse überhaupt erst möglich wurden. Obendrauf gibt’s tiefe Menüstrukturen und unendliche Einstellmöglichkeiten – die einen aber nicht weiter interessieren müssen.
Auf Sparkurs
Alles immer nur teuer? Von wegen! Mit dem Ultra hat WiiM einen Netzwerkspieler im Sortiment, der für seine 400 Euro geradezu verboten gut klingt und obendrein vor Funktionen geradezu aus seinem kompakten Gehäuse platzt: DAC, Phono, Raumentzerrungen, Equalizer – alles mit an Bord. Und garniert wird der kleine Spielerich mit der vollen Bandbreite an Connect-Diensten. Er hat eine Smartphone-App, benötigen tut man die allerdings nicht …
Nicht anders sieht das bei Eversolos DMP-A8 Master Gen2 aus. Ok, ok … mit rund 2500 Euro kostet der schon wieder einen ganzen Tacken mehr als ein WiiM, dafür bietet er aber eine Verarbeitung zum Niederknien, einen unfassbar ausgefeilten sowie edlen Klangcharakter und hochkarätige Zutaten wie hauseigene gekapselte Taktgeber. Und ein Top-Loader CD-Spieler ist auch an Bord. Kurzum: Organisieren Sie sich eine gute Aktivbox sowie einen DMP-A8 und Sie haben alles, was man sich für ein highfideles Leben wünschen kann.
Weiss kanns auch ohne DSP
Mit dem DAC 204mkII erleben wir eine echte Premiere: Daniel Weiss ganiert seine wundervollen DACs und Prozessoren normalerweise mit seinen preisgekrönten DSP-Engines, die alle möglichen Aufgaben erledigen – von der Raumkorrektur über De-Essing bis hin zur Rauschunterdrückung. Der DAC 204 ist genau, was sein Name verrät: Ein kompakte D/A-Wanlder ohne jeden Schnörkel. Der 204 wandelt alle S/PDIF-Taktraten sowie DSD und hat voreingestellte Filter, man kann am Gerät also nichts einstellen. Und das ist exzellent, da das voreingestellte Setup einfach hervorragend musiziert. Warum also kompliziert, wenn es doch so einfach sein kann?
Ein kurzer Ausflug entführt uns anschließend in die 50jährige Geschichte von B&W. Eigentlich war für FIDELITY 88 ein Test der 804 D5 geplant (folgt demnächst), doch ein paar Ungereimtheiten mit der Spedition brachten uns auf Reportagen-Kurs.
Musik und Leser
Zum Abschluss unseres Podcasts Empfiehlt Moderator Frank Lechtenberg wie gewohnt drei neue Tonträger von Johnny Marr, Girls in Hawaii und Our Man in the Fields. Nach einem anschließenden Rant über die diesjährige Knubbeligkeit der allgemeinen Konzertplanungen kommen wir auf das bisweilen leidige Thema Leserbriefe zu sprechen. Warum leidig? Weil wir gern mehr davon hätten. Wir freuen uns über jede Meinung und jedes Feedback, selbst, wenn es sich im ersten Moment unerfreulich liest. Sie könne gern sofort losschreiben und das Ergebnis an info@fidelity-online.de senden. Oder Sie verwenden die Maske auf unserer Homepage. Im Gespräch über unsere häufigsten Leserfragen erwähnen wir ein Video mit einem ulkigen Gastauftritt von Dieter Burmester, das sie hier finden können (ca. Minute 5:50 und dann nochmal bei Min. 7:03).
Und hier geht’s zur neuesten Folge des FIDELITY Podcasts.








