HMS Gran Finale 50 Kabelfamilie
Zum Fünfzigsten beschenkt sich HMS mit einer Neuauflage der Gran-Finale-Serie und betritt runderneuert die große Bühne. Ich konnte die Kabelfamilie in meinem Hörraum ausprobieren.
Klingt komisch, ist aber so: Man braucht ein wenig Geduld. Wer einmal versucht hat, einem interessierten oder uninteressierten Publikum klarzumachen, dass es bei einer hochwertigen Musikwiedergabe nicht nur, aber dann eben doch auf die Qualität des Stromkabels ankommt, weiß, dass man für die Einwandbehandlung viel Zeit aufwenden muss. Dass es Setups gibt, in denen es eine notwendige Maßnahme sein kann, beispielweise für ein Netzwerkkabel vierstellig zu investieren, dürfte weiten Teilen der deutschen Bevölkerung unverständlich sein. Zeit und Geduld braucht man aber auch, um in den Genuss der Vorzüge so einer edlen Kabelage zu kommen. Bei Schallwandlern mag es ausreichend sein, sie ein paar Stunden über Nacht einzuspielen. Im Fall der Gran Finale 50 von HMS ist es damit längst nicht getan: Zu einer Einspielzeit von 100 Stunden – besser 150 – wird geraten.

Dabei kann man es kaum erwarten: Denn bei den Gran Finale 50 handelt es sich um Wiedergänger der Gran-Finale-Serie aus den Neunzigerjahren, die mit der Jubilee-Edition zuletzt vor gut 20 Jahren renoviert wurde. Und die Welt hat sich nun ja in vielerlei Hinsicht verändert: Die Energieversorgung der Haushalte hat an Komplexität zugenommen, das Produkt, das heute aus der Steckdose fließt, ist durch eine zunehmend dezentrale Erzeugung ein anderes. Und die HiFi-Welt? Die ist inzwischen zu nicht unwesentlichen Teilen digitalisiert, auch in alleredelsten Aufbauten sind mitunter Schaltnetzteile und sogar Bluetooth-Strecken gesichtet worden. Für Kabel ergeben sich dadurch einige neue Anforderungen, zum Beispiel in Sachen Schirmung.

Freilich war das nicht immer so – weder 1975, als der Gründer Hans M. Strassner mit Messverstärkern und Prüftechnik anfing, noch in den Neunzigerjahren, als HMS schließlich den audiophilen Markt betrat. Und seit dem vergangenen Jahr ist bei HMS kein Stein auf dem anderen geblieben: Nun befindet sich die Leverkusener Firma unter dem Dach der International Audio Holding mit Manufakturbetrieb und Produktion im niederländischen Elst. Und dabei ging es nicht um die bloße Erweiterung eines Produkt- oder Markenportfolios, wie Werner Kempf von der IAH betont: „Hans Strassner ist nicht nur Ingenieur und Entwickler, sondern auch Physiker. Und Edwin Rynveld, das IAH-Mastermind, ist Spezialist in Sachen Metallurgie. Beide sind Visionäre ihrer Zunft, mit dem gemeinsamen Know-how wollten wir etwas Großes schaffen.“ Im Unterschied zum einstigen Manufakturbetrieb stehen nun hochspezialisierte Simulationssoftware für die Entwicklung und ein zum Teil eigenentwickelter Anlagenpark für die Fertigung zur Verfügung.

Zum Test kamen nicht nur einzelne Vertreter, sondern gleich die fast vollständige Kabelserie, acht gepolsterte Köfferchen mit handschriftlich notierten Seriennummern. Erster Eindruck: natürlich eindrucksvoll – schwer, dick, enorm hochwertig. Die Kabel fallen auf, nicht zuletzt durch die HMS-typischen Holzkästchen, die „Barrels“. Die Lautsprecherkabel durchziehen das Wohnzimmer wie Pipelines, das Einstecken der Kabel ist ein handwerklicher Vorgang, bei dem man sich dann doch über großzügige Layouts von Geräterückseiten freut: Die HMS brauchen ein wenig Platz und beanspruchen einen nicht geringen Kurvenradius. Auch die Furutech-Stecker der Netzkabel sind weit ausladend. Bei Vollbestückung über die gesamte Stromlieferkette von Netzkabel über Ethernet, Phonokabel und IC-Kabel bis zu den LS-Kabeln ergibt sich so eine nicht wenig monumentale Installation.
Ins Auge fallen umgehend typische HMS-Merkmale wie die erwähnten „Barrels“, die – je nach Kabeltyp – eine zuschaltbare 1-Kiloohm-Impedanzanpassung oder das Zobelglied enthalten. Allerdings wurde ihr Innenleben vereinfacht – weil nun teilweise monokristallines Kupfer verwendet wird, besteht weniger Bedarf an Filterung. Neu sind auch Werkstoffe, wie sie ebenso bei der angeheirateten IAH-Verwandtschaft Siltech anzutreffen sind. Dazu zählen die PTFE- und Olefin-Thermoplasten, die zur Isolierung verwendet werden.
Beim Thema Abschirmung setzt HMS nun auf Carbon: Interconnects, Phono-, Netzwerk- und USB-Kabel erhalten Carbonfolien, Digitalkabel zweifach geflochtene SPC-Schirme. Carbon ersetzt die einstmals eingesetzten Ferritkerne, die zwar dämpfen, aber zugleich wie ein Faradayscher Käfig wirken und das Klangbild tendenziell einengen können. Kohlenstoff soll EMI- und RFI-Störungen ebenso effektiv eliminieren, statische Aufladungen besser ableiten und gleichzeitig ein hörbar offeneres Klangbild ermöglichen.
Zweierlei Kupfer wird als Leiter eingesetzt. Die Interconnects (RCA/XLR), Phono- wie LS-Kabel haben monokristalline Kupferleiter: drei Single-Core-Drähte bei RCA und XLR, vier beim Phonokabel und acht pro Ader beim Lautsprecherkabel. Netz-, Digital-, Netzwerk- und USB-Kabel hingegen bestehen aus sauerstofffreiem Kupfer: 26 Einzeldrähte im Netzkabel, jeweils sechs geflochtene Leiter in den Digitalkabeln und zwei Mal vier verdrillte Leiter in Netzwerk- und USB-Ausführungen. Ihre Isolierung reicht von Polyolefin und TPU über Teflon, geschäumtes PTFE und Polyolefine bis hin zu hochverdichtetem Polymer – je nach Signaltyp. Die Lautsprecherkabel kommen ohne jede Abschirmung aus – die Kombination aus monokristallinem Kupfer, Isolierung und Verdrillung bietet bereits ausreichend Stabilität gegen magnetische Einstreuungen und soll gleichzeitig für ein ungebremstes Klangverhalten sorgen.
Was machen also die Gran Finale 50? Klar, sie leiten Strom und Signale. Wie sich das klanglich auswirkt, ist stark abhängig vom Setup. Logisch, Kabel sind Infrastruktur, keine Quellen oder Schallwandler. Besonders deutlich machten sich erwartungsgemäß Lautsprecherkabel, IC- und Netzkabel bemerkbar: Sie liefern einen schwarzen Hintergrund, vor dem sich der Klang strahlend entfaltet – ob es nun in den Disziplinen Basswiedergabe, Mittenauflösung, Höhenklarheit oder Feindynamik ist. Wer Interesse an Klappengeräuschen beim Saxofon hat und wie man mit nur neun Musikern einen bombastischen Swingorchester-Sound emuliert, kann sich mit „Junior’s Tune“ von Cannonball Adderley überzeugen lassen: Man hört mit den Gran Finale 50 nicht nur die Anblasgeräusche, sondern auch den unter dem Ton liegenden Luftstrom. Auch komplizierteren Fragestellungen der Rockmusik kann man auf den Grund gehen. Was in Gottes Namen spielt Billy Wyman auf Emotional Rescue für merkwürdige Glissandi? Kabel arbeiten nun einmal geschmacksagnostisch und musikunabhängig, die Gran Finale legen alles offen – das Geballer von Karajan und die feineren Linien von Furtwängler ebenso wie den ausschließlich für Smartphones gedachten (mit Genuss auch nur dort hörbaren) Mix von Zahides neuem Track „Rede“. Natürlich kostet eine solche Transparenzoffensive eine Kleinigkeit – Kupfer wird schließlich nicht billiger, und man möchte vielleicht eine Anlage ausstatten, bei der die Kabelkosten Teil der Gesamtinvestition sein sollen … Mit den Gran Finale 50 geht es um den letzten Meter Exzellenz.
Info
Kabelfamilie HMS Gran Finale 50
Konzept: Kabelserie mit sauerstofffreiem bzw. monokristallinem Kupfer
Garantiezeit: 2 Jahre (verlängerbar auf 5 Jahre)
Preise: 1 Paar RCA (1 m) um 2400 €, 1 Paar XLR (1 m) um 2400 €, 1 Paar LS (3 m, Bananenstecker) um 5820 €, Stromkabel (1,5 m) um 1800 €, Digitalkabel (XLR, BNC oder RCA, je 1 m) um 1500 €, Netzwerkkabel (1 m) um 1680 €
Kontakt
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Edisonweg 8
6662 NW Elst
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