Zu Gast bei … bird.cph, Kopenhagen
In Kopenhagen wird das Kissa-Konzept als hifi.bar und hifi.cafe ganz neu interpretiert und nennt sich bird.cph.
Ein Name – zwei Orte. Wer in Kopenhagen coole Musik, guten Kaffee und exzellente Drinks in formidabler Designatmosphäre genießen möchte, der kann sich ab 16 Uhr nach Frederiksberg nördlich des Hauptbahnhofs oder aber auch schon am Vormittag in die zentrale Innenstadt zwischen die Schlösser Amalienborg und Rosenborg begeben. An beiden Orten residiert „bird.“ mit einem ungewöhnlichen Konzept zum Genießen und Verweilen. Ursprünglich hatte uns Gründer und Besitzer Peter Altenburg auf einen Cocktail in die Abendbar nach Frederiksberg geladen, aber dann doch kurzfristig an den Standort in der City beordert, wo bereits seine Kollegen Harry Bell – er wurde bereits mehrmals zu Dänemarks Barkeeper des Jahres gewählt – und der aus Australien stammende und für die Musik zuständige DJ Ash Pederick auf uns warten. Man begrüßt uns mit einem persönlichen Händedruck, einem offenen Lächeln, einer Einladung, sich ausführlich umzusehen, Fragen zu stellen und zu verweilen. Bei einem dampfenden Cappuccino entwickelt sich ein langes Gespräch über das Konzept des bird., und schon in den ersten Minuten dieses Besuchs wird deutlich, dass es sich hier um weit mehr handelt als nur um ein stilvolles Café mit gutem Sound und eine Bar mit cooler Atmosphäre: Es ist das Konzept einer ganzheitlichen Gastfreundschaft, das diese Location so angenehm macht.
Schnell wird klar, dass hinter dieser atmosphärischen Selbstverständlichkeit ein hohes Maß an kuratorischem Anspruch und akustischem Feingefühl steht. Die Musik wird von klassischen Technics 1210 abgespielt, die bewusst gewählt wurden, nicht wegen irgendeines Retro-Charmes, sondern wegen ihrer Verlässlichkeit und klanglichen Präzision unter Alltagsbedingungen – das ist Ash Pederick, der als musikalisches Mastermind der Bars gelten kann, ganz wichtig. Entscheidender als das Abspielgerät selbst ist jedoch das, was im Raum ankommt. Dafür sorgen speziell entwickelte Lautsprecher der Kopenhagener Manufaktur Arda Audio, die nicht nur auf den Raum zugeschnitten und dort beinahe unsichtbar integriert sind, sondern zuvor klanglich exakt eingemessen wurden. In Kombination mit akustisch optimierten Wandpaneelen und sorgfältig ausgewählten Materialien entsteht ein Hörerlebnis, das sich wie ein Klangkissen über den Raum legt: präsent, warm, kristallklar – und dabei niemals aufdringlich. Und dies ist der Punkt, an dem man sich in Kopenhagen ganz deutlich und bewusst vom klassischen und aktuell imitierten Kissa-Konzept absetzt: Hier ist nichts retro, weder in der Auswahl des Equipments noch im sonstigen Raumdesign. Vom Lautsprecher bis hin zur Bestuhlung spricht alles die Sprache des 21. Jahrhunderts, nur die Musik wurzelt tief im Jazz.
Dieser Anspruch an klangliche Qualität und Innenarchitektur erstreckt sich jedoch weit über die Technik hinaus und findet seinen eigentlichen Ausdruck im musikalischen Kuratieren, das bird. zu einem Ort des aktiven Hörens macht. Jeden Monat legen Ash und sein Team einen neuen musikalischen Fokus fest – mal thematisch, mal stilistisch oder emotional definiert –, aus dem eine Auswahl an Schallplatten resultiert, die dann den Monat über in der Bar zur Verfügung steht. Die eingeladenen DJs, viele von ihnen lokal verwurzelt, andere aus dem internationalen Netzwerk stammend, arbeiten mit dieser Vorauswahl, interpretieren und ergänzen sie auf ihre eigene Weise und sorgen so für eine klangliche Handschrift, die trotz wechselnder Stimmen konsistent bleibt. Es geht nicht darum, zu belehren oder Wissen zu demonstrieren, sondern darum, einen Raum für musikalische Inspiration zu schaffen, in dem sich Vielfalt und Tiefe nicht ausschließen, sondern gegenseitig beflügeln. Dass dabei Jazz als Grundlage dient, ist kein Zufall – der Name bird. ist eine Hommage an Charlie „Bird“ Parker – doch die musikalische Identität der Bar beschränkt sich keineswegs auf dieses eine Genre. Vielmehr dient Jazz als ästhetisches und emotionales Fundament, auf dem sich verschiedenste Spielarten entfalten dürfen – von Low-Fi über Soul bis hin zu elektronischen Einflüssen aus den 70er und 80er Jahren.
Auch das, was in den Gläsern landet, folgt einem vergleichbaren Gedanken: Die Cocktails sind der klassischen Barkultur verpflichtet, verzichten jedoch auf Posen und Showeffekte. Stattdessen wird auf Qualität und Klarheit gesetzt – nicht nur im Geschmack, sondern auch in der Präsentation. Alle Drinks werden vorab gemixt, gebatcht und gelagert, sodass beim Servieren keine unnötigen Geräusche entstehen. Gleiches gilt für die gereichten Kaffeespezialitäten: speziell gedämpfte Gerätschaften und vorbereitete Ingredienzen sorgen dafür, dass keine Arbeitsgeräusche das Sounddesign stören. Was bird. letztlich so besonders macht, ist die Art und Weise, wie all diese Elemente – Raumgestaltung, Klangarchitektur, musikalische Auswahl, Freundlichkeit und Barkultur – zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen. Es handelt sich nicht um ein durchgestyltes Konzept mit Marketingfinesse, sondern um einen Ort, der aus echter Überzeugung entstanden ist. Dies merkt man an der Freude und Begeisterung, mit der man uns – ohne Blick auf die Uhr – empfängt, stolz kleinste Details zeigt und vor allem ausführlich über das Musikkonzept plaudert. Das gesamte Interieur – von den Regalen bis zu den Tischen – wurde übrigens eigens für bird. entworfen und gebaut, maßgeschneidert von lokalen Designern, die verstanden haben, dass Raum und Klang sich gegenseitig bedingen. So ist ein Ort entstanden, der es versteht, klangliche Präzision mit sozialer Wärme, kuratorische Klarheit mit ästhetischer Offenheit und nordisches Design mit der Tradition japanischer Hörkultur zu verbinden. In einer Zeit, in der Musik oft auf die Funktion reduziert wird, Räume zu füllen, ohne sie zu formen, ist das bemerkenswert. Skål!
Info
Bird Uptown
Gl. Kongevej 102
1850 Kopenhagen-Frederiksberg
Öffnungszeiten:
Sonntag bis Donnerstag 16–24 Uhr
Freitag bis Samstag 16–2 Uhr
Bird City
Palægade 8
1261 Kopenhagen
Öffnungszeiten:
Täglich 11–24 Uhr






















