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Spendor D9.2

Spendor D9.2

Die neue D-Klasse

Spendor D9.2

„Spendor“ bedeutet „Monitor“? Das ist schon lange nur ein Teil der Wahrheit. Mit der D-Baureihe beweisen die Briten, dass sie auch astreines High End können.

Spendor D9.2

In aller Kürze:
Spendor im direkten Wettbewerb mit den High-End-Schmieden dieser Welt? Und ob! Die Briten können nicht nur Monitor, die Spendor D9.2 ist eine echte Ansage und gehört gehört.

Spendor D9.2


Die Lautsprecher aus Spendors D-Baureihe sehen nicht nach Spendor aus. Hoch und schmal stehen sie da, so ganz anders als die gedrungenen Rundfunkmonitore, auf denen der Ruhm der britischen Manufaktur gründet und bei denen man regelmäßig am Sonderformat des benötigten Ständers verzweifelt. „Ist das Hersteller XYZ?“, fragen mich Besucher und deuten in Richtung der Nussbaum-furnierten Säulen, denen aus der Distanz weder ihre Herkunft noch ihre Leistungsfähigkeit anzusehen ist. Niemand tippt auf Spendor.

Die D-Serie ist Spendors dezidierte High-End-Linie. Sie begann 2012 mit der kompakten Dreiwege-Standbox D7. Die wiederum setzte da an, wo zehn Jahre zuvor mit der S-Baureihe das Design zeitgemäß geglättet und verschlankt wurde und eine bisher latent die Mitten bevorzugende Abstimmung dem Streben nach Breitbandigkeit und Neutralität wich. Dass das prächtig gelungen war, belegt das Pärchen Spendor S3/5, das Anfang der Nullerjahre in das Studentenzimmer meiner damaligen Freundin und heutigen Frau einzog. Wir hegen und pflegen es seitdem liebevoll.

Spendor D9.2
Berühmt wurde Spendor mit klassischen Monitoren, bei denen innere Werte offensichtlich Vorrang vor kosmetischen Erwägungen genossen. Vielen unbekannt ist, dass die britische Marke in der Disziplin wohnraumschmeichelnder HiFi-Säulen schon seit geraumer Zeit ebenso fest verankert ist.

Die Standbox D9.2 ist eine ganz andere Nummer als der Kleinlautsprecher S3/5. Das größere der beiden D-Modelle hat die dynamische High-End-Elite im Visier. Die Kampfansagen erfolgen in den Disziplinen Tiefbass, Auflösung, Offenheit und Lebendigkeit. Für den Lautsprechertyp „konventionelle Dreiwege-Bassreflexbox“ überrascht die große Spendor mit erfreulich röhrenfreundlichem Wirkungsgrad. Nachdem das Studium der Produktgeschichte ergibt, dass es seit dem 2019er Update der D9 zur D9.2, bei dem, neben anderen Eingriffen, der „heiße“ Hochton dezent an die Leine genommen wurde, Lobeshymnen nur so regnet, könnte die Vorfreude kaum größer sein.

Schon an den Spikeaufnahmen in der Bodenplatte zeigt sich die Findigkeit der Entwickler. Die schlanken D9.2 stehen auch ohne Ausleger bombenfest da, weil Metalleinsätze eine Montage der Spikes direkt an der Außenkante der Boxen ermöglichen. Das Anschlussterminal (Single-Wiring, vielen Dank!) ragt nicht einfach aus der Rückwand heraus, sondern wurde in die bodennahe Öffnung des Bassreflexsystems integriert. Das sieht mit seinen Elementen zur Führung des Luftstroms wesentlich elaborierter aus als so ziemlich alles, was sich sonst unter dem Label „Bassreflex“ am Markt tummelt.

Spendor D9.2
Die auffällig unauffällige Form täuscht leicht über die vielen raffinierten Details wie den Bassreflexport hinweg, der an einen Renndiffusor erinnert.

Die Verarbeitung des Gehäuses lässt keine Wünsche übrig. Es stammt aus eigener Produktion. Spendor betreibt eine Gehäusetischlerei, deren Qualitätsniveau so hoch ist, dass auch zahlreiche andere namhafte Hersteller dort fertigen lassen. Das MDF-Gehäuse der D9.2 reagiert beim Klopftest gut bedämpft, aber nicht akustisch tot. Es liegt nahe, dass sich hier das immense Know-how der Briten zeigt, schließlich weisen viele der für ihren offenen und natürlichen Klang berühmten Studiomonitore der 1970er und 80er Jahre definiert mitschwingende Wände auf. Spendor spricht bei der D-Baureihe von „dynamic damping“ und erklärt, dass dabei mit punktuell platzierten Dämpfungselementen gearbeitet werde, anstatt das Gehäuse mit einer Vielzahl von Streben zu durchziehen und pauschal jegliches Eigenleben zu unterbinden.

Die Konustreiber sehen auf den ersten Blick konventionell aus, sind aber selbst entwickelt und gebaut. Die stattliche 180 Millimeter durchmessende Membran des Mitteltöners fertigt Spendor im Vakuum-Ziehverfahren aus einem „EP77″ genannten Polymer. Bei den ebenso großen Tieftönern kommt ein Kompositmaterial mit verstärkendem Kevlarfaser-Anteil zum Einsatz. Der Hochtöner ist ein Hingucker. Seine 22 Millimeter durchmessende Polyamidkalotte hat eine hochglanzpolierte perforierte Metallplatte vorgesetzt bekommen. Spendor nennt das Ganze „LPZ Tweeter“, das Kürzel steht für „Linear Pressure Zone“. Die Konstruktion hat das Ziel, die Druckverhältnisse zu beiden Seiten der Membran zu harmonisieren.

Spendor D9.2
An der Treiberanordnung lässt sich klar erkennen, dass wir es hier mit einer Drei- und nicht etwa mit einer Zweieinhalbwege-Konstruktion zu tun haben: Der Phaseplug weist den oberen Polymerkonus klar als Mitteltonspezialisten aus, die annähernd flache Membranform verrät die Basstreiber. Markant ist der Gittervorsatz vor dem Tweeter, der die Druckveränderungen vor der Kalotte denen auf der Rückseite angleicht und so den Hub symmetriert.

Mein Testpärchen erreicht mich mit dem Hinweis „eingespielt“. Und doch wandelt sich der Klang in den folgenden 50 Stunden drastisch und nimmt auch danach noch, subtil aber stetig, an Ausgewogenheit und Raffinesse zu. Haben Sie eine Spendor D9.2 gehört und als detailfokussiert und bassarm abgehakt? Dann hatten die Boxen entweder nicht die empfohlenen mehrere hundert Stunden Betrieb hinter sich, oder sie standen seitdem lange stumm herum. Im optimalen Zustand spielen die britischen Säulen mustergültig neutral und breitbandig. Wer sie anders erlebt, sollte ein ernstes Wort mit dem Vorführer sprechen.

In meinen knapp 30 Quadratmeter großen Raum fügen sich die Spendor-Lautsprecher hervorragend ein. Beim Experimentieren mit der Einwinkelung zeigt sich schnell, dass sowohl das Rundstrahlverhalten als auch die Phasenstabilität der Boxen herausragend sind. Mittel- und Hochtöner spielen in einem weiten Winkel ausgewogen in den Raum, und die Akteure auf der virtuellen Klangbühne zwischen den Lautsprechern stehen felsenfest an ihrem Platz, selbst wenn sich der Hörer einen halben Meter nach rechts oder links bewegt. Beides spricht für exzellente Entwicklungsarbeit beim Bau der Frequenzweiche.

Spendor D9.2

Meine Referenz in Sachen Lautsprecher sind seit 17 Jahren die nur geringfügig kleineren Zweieinhalbwege-Standboxen Ayon Seagull/c. Sie sind echte Raumzauberer, lösen sich mit dem ersten Ton vollständig auf und lassen die Musik hologrammartig im Raum schweben. In dieser Disziplin triumphieren sie auch über die Spendor-Boxen. In allen anderen Belangen dominieren die Britinnen das Feld. Das Mehr an Volumen und das Vorhandensein eines Mitteltöners resultieren in tieferem Bass und einer ansatzlos schnellen, offenen Stimmen- und Instrumentenwiedergabe, die mich in den ersten Tagen stundenlang vor der Anlage fesselt. Das Zusammenspiel der Treiber im Mittel-/Hochton ist phänomenal. Einschwingvorgänge wie der Anschlag von Perkussionsinstrumenten oder das Anreißen von Saiten kommen blitzschnell und so locker und frei, dass in den besten Momenten die Illusion echter Musiker im Raum entsteht.

Von meinen mitteltönerlosen Ayon Seagull kommend, spüre ich mit den Spendor D9.2 sofort die von der zusätzlichen Membranfläche herrührende Souveränität. Der über mehr als drei Oktaven aktive Mitteltonkonus entlastet Bass- wie Hochtontreiber. Dieses Chassis ist ein absolutes Sahnestück. Es übernimmt den sensiblen Bereich der Stimmen und akustischen Instrumente in Alleinregie und pustet feinste Stress-Schleier von vertrauten Aufnahmen, deren Vorhandensein ich niemals vermutet hätte. Um ganz sicher zu gehen, dass der so attraktive Eindruck von Frische und Offenheit kein Trick aus dem Zauberhut der Frequenzgang-Manipulation ist, lege ich Vertrautes mit Geige (Gidon Kremer) und Klavier (Murray Perahia) auf. Weder wirkt der Konzertflügel härter als gewohnt, noch schleichen sich stählerne Untertöne in Kremers Violinspiel. Die Spendor behalten in tonalen Dingen eine blütenweiße Weste.

Spendor D9.2

Klassikliebhaber werden sie also für ihren Feinsinn und ihre Klangfarbenpracht lieben. Aber was ist mit handfesterem Programm? Die Stunde der Wahrheit in Sachen Attacke und Antrittsstärke kommt, als auf dem Teller des dps-Laufwerks die LP Transformation von der Bruce Katz Band landet – ein audiophiles Sahnestück vom Label AudioQuest Music, jeden Cent wert, den man in den einschlägigen Plattenbörsen dafür hinlegen muss. Die Hammondorgel ist eine Schau, aber der Star ist das Schlagzeug. Hier die Gebrauchsanweisung: Pegel aufdrehen auf „dem Nachbarn für zehn Minuten zuzumuten“, Tonarm absenken und die ersten beiden Titel über sich hinwegdonnern lassen. Das gelingt einer PA mit Horn und Kilowatt-Verstärkern nicht besser. Die Spendor D9.2 können rocken.

Im Grunde ihres Herzens sind die Britinnen dann aber doch im Detail und der feinen Schwingung zu Hause. Sie dröseln mir eigentlich bestens vertraute Orchesterstücke neu auf und präsentieren bislang verborgene Nebenstimmen auf dem Silberteller. Überhaupt sorgen sie mit ihrer gleichzeitig ungemein relaxten und doch proppenvoll mit Informationen angereicherten Spielweise für bestes Verständnis des Gehörten. Ich lerne mit jeder Minute etwas dazu.

Spendor D9.2

Dabei rücken sie dem Hörer nicht auf die Pelle. Der Bühnenrand liegt auf Schallwandhöhe und nicht davor. Ich muss mit meiner Sitzposition aus dem gewohnten Nahfeld raus, in dem die Ayons ihre Qualitäten am besten ausspielen können, und höre nun mehr beobachtend als teilnehmend im Mittelfeld. Das erfordert tatsächlich einige Tage Umgewöhnung, trägt aber nochmal mehr zur Entspannung bei.

Hätten die Spendor Potenzial zum Arbeitsgerät? Eine zentrale Anforderung in meinem Fall ist, dass der Lautsprecher auch mit den acht Watt einer Eintakt-Triode zu betreiben ist. Der Test mit dem 300B-bestückten Silbatone-Vollverstärker räumt jeden Zweifel aus: Das geht, sehr gut sogar, nämlich ohne Anzeichen von Kontrollverlust im Bass. Der ist jetzt nur einen Hauch wärmer als mit der Rowland-Endstufe, aber genau das entspricht dem Charakter des koreanischen Amps.

Liegt hier Wechselstimmung in der Luft? Sprachsensible mögen jetzt weghören, aber – ja, Spendors D-Klasse D-klassiert meine Ayons. Ich bin sehr angetan, um nicht zu sagen: ein kleines bisschen verliebt.

Spendor D9.2

Info

Lautsprecher Spendor D9.2

Konzept: 3-Wege-Standlautsprecher, Bassreflex
Bestückung: 2 x 180-mm-Tieftöner, 1 x 180-mm-Mitteltöner, 1 x 22-mm-Kalottenhochtöner
Frequenzbereich: 27 Hz bis 25 kHz
Impedanz: 8 Ω
Wirkungsgrad: 90 dB
Anschlüsse: Single-Wiring
Ausführungen: Schwarz, Weiß, Walnuss, Eiche hell, Kirsche
Zubehör: Spikes, magnetisch haftende Stoffabdeckung
Maße (B/H/T): 21/116/40 cm
Gewicht: 35 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: um 9995 €

Kontakt

DREI H

Kedenburgstraße 44/Haus D
22041 Hamburg
Telefon +49 40 37507515

www.3-h.de

Mitspieler

Plattenspieler: bauer audio dps 3
Tonarm: bauer audio Tonarm
Tonabnehmer: Lyra Kleos
Phonovorverstärker: Hagerman Trumpet Wood
MC-Übertrager: Consolidated Audio Silver/Nano
CD-Player: Electrocompaniet EMC 1 UP
Musikserver: Innuos Zenith Mk III
D/A-Wandler: Aqua La Voce S3
Switch: Silent Angel Bonn N8
Vorverstärker: Silvercore linestage two
Endverstärker: Rowland Model 2
Vollverstärker: Silbatone JI-300B Mk III
Netzaufbereitung: AudioQuest Niagara 3000
Kabel: Fadel Art, Phonosophie, Sun Audio, AudioQuest, Solidcore
Zubehör: Creaktiv-Racks, Granitbasen

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.