Auer Acoustics Versura V4
Das bedarf einer Erklärung: Der vielleicht konservativste Lautsprecher, den wir in den letzten zwei Jahren im Hörraum hatten, erhält unseren Innovations-Award? Richtig, denn die Auer Versura V4 ist nur oberflächlich betrachtet gewöhnlich. Firmengründer Robert Auer wollte laut eigenen Angaben nicht das Rad neu erfinden, sondern bekannte Prinzipien so gut ausentwickeln, wie es sein Entwicklerkönnen zulässt. Da Treiber- und Frequenzweichendesign heute problemlos linealglatte Frequenzgänge ermöglichen, befasste er sich verstärkt mit einem Aspekt des Lautsprecherbaus, der vielfach noch für Unbill in Form unkontrollierter Vibrationen sorgt: dem Gehäusebau. Und genau hier stieß er auf eine klassisch anmutende, doch technisch hoch innovative Lösung, die in unseren Augen und Ohren die Auszeichnung vollends rechtfertigt: Der vergleichsweise zierliche Lautsprecher wiegt mit knapp 100 Kilo pro Stück gut und gerne doppelt so viel, wie die Dimensionen vermuten lassen, denn er ist aus Panzerholz gefertigt, einem hochverdichteten und in Phenolharz gebundenen Holzwerkstoff, der sich wie kaum ein anderer gerade für Lautsprechergehäuse eignet. Zum einen verbindet er extreme Steifigkeit mit den hervorragenden Dämpfungseigenschaften von Holz. Der zweite Vorteil ist eine langzeitstabile Formhaltigkeit, die sich mit gewöhnlichem Holz nur sehr schwer erzielen lässt.

Dabei ist der Werkstoff nicht der Ausgangspunkt, sondern vielmehr die logische Konsequenz von Auers Klangphilosophie, die sich kompromisslos einem maximal kontrollierten Bassbereich als Grundlage unverfälschter Natürlichkeit verschrieben hat. Der zweite Denkansatz, der in unserer Redaktion uneingeschränktes Lob erhielt, ist keine Innovation, sondern eine Rückbesinnung auf ein zu Unrecht fast vom Markt gedrängtes Konzept: Das geschlossene Gehäuse. Auf dem Papier mag es Bassreflexkonstruktionen unterlegen sein, doch im echten Musikleben bietet es eine Reihe handfester Vorteile. Ein besonders schneller, straffer Bass passt bestens in die angestrebte Klangästhetik, dazu fällt der Bass unterhalb der unteren Grenzfrequenz schön flach ab, was den Lautsprecher besonders gutmütig bei der Aufstellung macht – vor allem gehört er deutlich näher an die Rückwand und lässt damit im Wohnraum mehr Raum zum Wohnen. In allen anderen Belangen ist die Versura V4 nicht revolutionär, wohl aber modern: Treiber aus der ScanSpeak-Illuminator-Serie und beste Frequenzweichenbauteile gehören in dieser Klasse zum guten Ton, eine clevere Dreipunkt-Fußkonstruktion mit zwei zusätzlichen unbelasteten Füßen für die Kippsicherheit stabilisiert das Klangbild zusätzlich; die Ankopplung an den Boden erfolgt über Keramikkugelsätze. Unsere Höreindrücke bestätigten die theoretischen Zielvorgaben auf spektakuläre Art und Weise: Trotz des enormen Gewichts erwies sich der Lautsprecher (auch dank der clever durchdachten Transportverpackung) als kinderleicht zu manövrieren und einfach einzurichten. Das Wichtigste aber: Mit seinem pfeilschnellen, straffen Antritt bei sehr wohl durchsetzungsstarkem Bassfundament zauberte er uns nachhaltig ein Grinsen ins Gesicht.
Hier geht’s zum Test der Auer Versura V4.



