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1877 Phono Zavfino Silver Dart und Gold Rush HiFi-Kabel

1877 Phono Zavfino Silver Dart / Gold Rush

Der Litzenflüsterer

1877 Phono Zavfino Silver Dart / Gold Rush

Will Tremblett gestaltet seine Komponenten von innen nach außen. Statt sichtbare Endergebnisse bis zur Perfektion glatt zu bügeln, betrachtet er das Signal von seinem Ursprung aus und bietet ihm den geradestmöglichen Pfad.

1877 Phono Zavfino Silver Dart und Gold Rush HiFi-Kabel

In aller Kürze: 1877 Phono Zavfino Silver Dart

1877 Phono Zavfino Silver Dart und Gold Rush HiFi-Kabel

 

Als wir drei Strippen ins Hörbüro bekamen – ein Phono-, ein RCA- und ein Netzkabel –, waren wir etwas überrascht, dass Zavfino neben Plattenspielern auch Kabel herstellt. Noch überraschter waren wir, als man uns erklärte, dass diese Aussage so nicht ganz richtig sei. Richtigherum muss es lauten: 1877 Phono Zavfino baut neben Kabeln auch Plattenspieler. Ein Kabelportfolio um Vinyllaufwerke zu ergänzen ist konsequenter, als es auf den ersten Blick scheint – immerhin ist kein Signal in der Kette empfindlicher als die winzigen Spannungshübe, die aus einem Tonabnehmer kommen. Wenn direkt beim Startschuss schon alles ins Rumpeln, Wanken und Vibrieren gerät, kann stromabwärts alles noch so glatt gehen – am Ende hört man dann halt Rumpeln, Wanken und Vibrieren. Ein zweiter und vielleicht einfacherer Grund könnte aber auch schlicht der Umstand sein, dass Tremblett, wie wir noch sehen werden, eine ausgeprägte Schwäche für mechanische Apparaturen hat.

1877 Phono Zavfino Silver Dart und Gold Rush HiFi-Kabel
Wir hatten schon Kabelfamilien im Verlag, bei denen eine einzelne Strippe noch keinen nennenswerten Unterschied machte – erst durchgehend einheitliche Verkabelung brachte echten Erfolg. Die Silver Darts von Zavfino sind da erfreulich anders: Das RCA-Kabel verschlug uns glatt die Sprache, das Netzkabel war dann das sprichwörtliche I-Tüpfelchen.

Diese Vorliebe, aber auch sein Ansatz, am Signalursprung zu beginnen und sich von dort aus vorzuarbeiten, zeigt sich freilich schon beim ZV11x-Dreher, den Sie bereits aus unserem Test in FIDELITY Nr. 79 kennen und der uns als Testplattform zur Verfügung stand. Über seine mechanischen Eigenheiten hatte uns der kanadische Tüftler viel zu erzählen – etwa, wie er beim Plattenteller trotz der Metalloptik POM als das ideale Material ausgemacht hat, oder wie er alles, was entlang der Zarge an Vibrationen hin- und herwandern kann, mit den markanten Polyurethanzylindern samt eingesetzten Edelstahlstiften wegdämpft. Da er in erster Linie mit Strömen und nicht so sehr mit Vibrationen arbeitet, war Tremblett dabei nicht zu stolz, sich an einigen entscheidenden Stellen Hilfe von Helmut Thiele hinzuzukaufen, dessen helfende Hand unserer Erfahrung nach noch keinem Design geschadet hat. Am meisten erzählte er uns allerdings über die Plattenmatte, die abgesehen von der Rille der Abtastnadel am nächsten ist, also direkt am Ursprung des Signals. Genau hier will Tremblett alle Schwingungen und Resonanzen so kontrolliert wissen, wie er es sich vorstellt, und hat dazu eine Kompositkonstruktion aus Leder und Kork mit definiert ausgestanzten Löchern ersonnen.

All das ist bei Zavfino jedoch nicht das Endziel, sondern im Grunde nur das Fundament – denn da, wo das erste Elektron auf das erste Kupfermolekül stößt, geht die Reise des Signals erst richtig los. Tremblett folgt beim Design seiner Kabel einer denkbar einfachen Philosophie: Der beste Leiter ist ein Massivleiter. Da man HiFi-Strippen jedoch aus praktischen (und auch aus versicherungstechnischen) Gründen nicht aus solchen bauen kann, hat er nach Wegen gesucht, dem Ideal so nahe wie möglich zu kommen, mit anderen Worten: Litzen so eng miteinander zu verwirken, dass sich im Leiter praktisch keine Luft befindet.

1877 Phono Zavfino Silver Dart und Gold Rush HiFi-Kabel
Das Gold Rush ist die preisliche Entsprechung zu den Silver-Dart-Modellen, trägt bei der materiellen ­Dekadenz aber eher noch dicker auf: Der Innenleiter des Phonokabels besteht aus 24-Karat-vergoldetem OCC-Kupfer und ist mit Reinsilberlitze im markentypischen „H-Wound“-Verfahren umwickelt.

Die Lösung für sein Problem fand er in jahrzehntealten Maschinen, die in ihrem ersten Leben Garne sponnen. Im Zavfino-Werk stampft, schnaubt und surrt ein ganzer Fuhrpark an antiken Stücken vor sich hin, die mit einigen Anpassungen heute Einzellitzen zu extrem dicht gewickelten Leitersträngen verarbeiten. Die Windungszahl pro Zentimeter ist um ein Vielfaches höher als bei üblichen Strippen, ähnlich wie bei einer Gitarrensaite verlaufen die Windungen dabei fast quer zur Kabelrichtung. Je nach Kabelserie verwebt Tremblett wechselweise Kupfer, Silber und Gold in unterschiedlichen Abfolgen, um die Kabeleigenschaften exakt nach seinen Vorstellungen zu komponieren. Dabei fließt allerdings das Signal auch nicht der Länge nach, sondern die einzelnen Litzen sind laminiert und damit elektrisch voneinander isoliert – ein Aufbau, der der Steuerung der Kapazität und Induktivität dient. Intuitiv würde man erwarten, dass die extrem hohe Windungszahl die Induktivität in die Höhe schnellen lässt und damit den Hochton absenkt – da diese jedoch ebenso vom Windungsdurchmesser abhängt und der extrem gering ist, bleibt der Tiefpasseffekt dem hörbaren Spektrum hübsch fern.

1877 Phono Zavfino Silver Dart und Gold Rush HiFi-Kabel
So sehen die Leiter der höheren Zavfino-Modellreihen aus: Auf Maschinen aus dem tiefsten 20. Jahrhundert werden die Außenlitzen extrem eng verdrillt – im Falle der RCA-Kabel mit 16 000 Windungen pro Meter. Je nach Kabel werden dabei wechselweise unterschiedliche Materialien verwendet.

Das alles klingt natürlich, als würde es eine Menge Präzision erfordern – und das tut es auch. Nun könnte man sich fragen, ob solche alten Maschinen die geforderte Genauigkeit überhaupt liefern können. Tremblett erklärt, dass das überhaupt kein Problem sei; der wesentliche Unterschied zu moderneren Anlagen ist die Geschwindigkeit. Überraschenderweise ist die Langsamkeit der alten Stampfer im Zavfino-Kontext ein Vorteil. Die enge Wicklung und Laminierung macht strenge Qualitätskontrollen zur Notwendigkeit. Moderne Produktionsanlagen sind so schnell, dass jedes Kontrollsample Dutzende von Metern an Material verschlingen würde – bei den Materialkosten und Stückzahlen, mit denen Tremblett hier arbeitet, wäre das wirtschaftlich unsinnig –, zumal die Geschwindigkeit aus genau den gleichen Gründen ohnehin keinen nennenswerten Vorteil bedeuten würde.

Im Hörraum beeindruckten uns die Zavfino-Strippen gleich vom Start weg – wir mussten nicht unsere Ohren spitzen oder sechzehnmal hintereinander dieselbe Passage vergleichshören. „Tannis Root“ von Phantom (Three) beginnt nicht mit Instrumenten, sondern mit Lagerfeuerknistern, krähenden Raben und Kinderstimmen aus der Ferne. Im Wechsel mit anderen Kabeln aus unserem Hörraumfundus zeigte sich auf der Stelle, dass etwaige Sorgen bezüglich der Bandbreite vollkommen unbegründet waren. Ganz im Gegenteil schienen beide Frequenzenden befreiter, das gesamte Klangbild wurde satter und geschmeidiger. Gleichzeitig schälten die kanadischen Verbinder sowohl in der Stimme wie auch in der Gitarre ein reicheres Obertonspektrum heraus. Ebenso gewann die Bühnenabbildung: Erst über die­ Silver Darts wurde die Flugrichtung der Krähen vom ­Hörplatz weg richtig nachvollziehbar.

1877 Phono Zavfino Silver Dart und Gold Rush HiFi-Kabel
Will Tremblett ist der Mann hinter den Kabeln und auch den Plattenspielern von 1877 Phono Zavfino.

Das sattere Klangbild ließ bei mir die Frage aufkommen, ob das zusätzliche Futter untenrum eventuell auf Kosten der Kontrolle geht. Ich konnte mich bei Youn Sun Nahs „The Wonder“ von ihrem Album Immersion flugs vom Gegenteil überzeugen: Die abrupt einsetzenden und ebenso plötzlich wieder ausklingenden Klaviertöne platzten unvermittelt und gleichzeitig körperhaft in den Raum und lösten sich absolut augenblicklich in nichts auf, während die Stimme der Koreanerin nicht nur ein wenig, sondern wesentlich definierter in der Bühnenmitte erschien als über Vergleichsstrippen. Das durchgehende Tieftongrollen, das im späteren Verlauf einsetzt, kam mit beeindruckender Autorität und absoluter Durchhörbarkeit und ließ alles über sich vollkommen frei atmen. Das Fingerschnippen etwa, das von verschiedenen Stellen aus auf der Bühne platzt, habe ich selten so organisch und „fleischig“ gehört.

Zum Schluss wollte ich noch etwas Dichteres hören und legte Rimski-Korsakows Sheherazade in der Einspielung des Kirov Orchestra unter Waleri Gergijew auf. Die Trennschärfe, die die Silver Darts in die Wiedergabe bringen, ließ nicht bis zu den lauten Passagen auf sich warten. Beim einleitenden Zusammenspiel zwischen Geige und Harfe staunte ich schon nicht schlecht: Die Instrumente sind der Breite nach etwa auf gleicher Höhe positioniert – der Tiefe nach werden sie über die meisten Ketten nicht weit genug auseinander platziert und verschwimmen folglich gerne ein wenig ineinander. Hier konnte davon keine Rede sein, die Harfe wanderte mit einem Mal weit nach hinten, der Abstand zur Geige wirkte von der Couch aus geradezu begehbar. An dem Bild ändert sich auch im folgenden, teils hochdynamischen Gewusel freilich nicht das Geringste, allen Akteuren ist voller Ellenbogenraum gegeben, sie können einander musikalisch ergänzen, ohne sich jemals auf den Füßen zu stehen.

Virtuelle Unboxing-Experience
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Ich muss offen gestehen, ich mag Kabeltests eigentlich nicht besonders. Eigentlich. Meist stresst mich die Unsicherheit, ob ich überhaupt irgendeinen Unterschied höre. Identischen Messwerten zum Hohn schält sich nach vielfachem Vergleichshören am Ende meist sehr wohl ein nachvollziehbares Bild heraus, und ich kann zwischen den Strippen nicht nur unterscheiden, sondern ihnen auch Charaktere zuweisen. Selten habe ich das jedoch mit solcher Deutlichkeit erlebt wie bei den Silver Darts. Die Art, wie sie das Klangbild festzurren und Details herausschälen, während sie den einzelnen Schallereignissen Fleisch auf die Knochen packen, ist für ein Stück Draht wirklich bemerkenswert.

Info

Netzkabel 1877 Phono Zavfino Silver Dart

Leiter: 3 × 10 AWG, OCC-Kupfer mit versilberter H-Wound-Struktur
Dielektrikum: Graphen-dotiert
Aufbau: Cable-in-Cable mit EVA-Dämpfung
Abschirmung: mehrschichtig, antistatisch
Stecker: 24-K-vergoldet (Schuko & IEC)
Durchmesser: 24 mm
Längen: 1,5–2,5 m
Garantiezeit: 5 Jahre
Preis: um 1200 € (1,5 m; je weitere 0,5 m 400 €)

NF-Kabel 1877 Phono Zavfino Silver Dart

Leiter: OCC-Einkristallkupfer mit H-Wound-Verdrillung
Dielektrikum: PTFE, Teflon, Santoprene TPV, Graphen
Aufbau: Cable-in-Cable-Design mit mehrlagiger Ummantelung und zweiter Graphenschicht
Abschirmung: Mylar und extrudierter Graphenfilm
Außenmantel: schwarzes Nylon mit klarem Monofilament, PE
Stecker: OCC-PIN mit Teflonisolierung für RCA; audiophile 24-K-vergoldete XLR-Stecker
Länge: 1,5 m, weitere Längen auf Anfrage
Garantiezeit: 5 Jahre
Preis: um 2300 € (1,5 m; je weitere 0,5 m 735 €)

Phonokabel 1877 Phono Zavfino Gold Rush

Leiter: 24-K-vergoldetes PC-OCC-Einkristallkupfer, Silber in H-Wound-Verdrillung
Dielektrikum: FEP/Teflon, PTFE, PVC-Mantel
Abschirmung: Aluminium-Mylar mit versilbertem Kupfergeflecht
Masseleitung: 50 cm versilbertes OFC-Kupfer mit 24-K-vergoldetem Masseclip
Stecker (DIN): 1877 Carbon Straight Limited Edition Gold oder TAD-3R Limited Edition Gold (rechtwinklig)
Stecker (RCA): 1877 ZXP-5 G-Serie
Länge:1,5 m
Garantiezeit: 5 Jahre
Preis: um 1400 €

Kontakt

IAD GmbH

Johann-Georg-Halske-Straße 11
41352 Korschenbroich
Telefon 0800 2345007
hifi@iad-gmbh.de

www.zavfino.audio

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