Zu Gast bei … definiteAudio, Fürth
„Wenn man die Möglichkeit einer digitalen Entzerrung zur Verfügung hat und sie nicht einsetzt, ist einem kaum zu helfen“, erklärt mein Gastgeber mit einem schelmischen Lächeln, das jedoch keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Satzes lässt.
Ich sitze auf einem riesigen Sofa in einem Hinterhaus irgendwo am Rand der Fürther Innenstadt. definiteAudio, die Firma von Dr. Carl-Werner Oehlrich, ist in einer ehemaligen Schreinerei ansässig, deren langgestrecktes Holzlager in ein ziemlich stylisches Loft umgebaut wurde. Vor mir steht ein highfideles Konglomerat, das der Hausherr unter dem Namen „The Final“ entwickelte beziehungsweise zusammenstellte und das mich schon nach wenigen Tönen in seinen Bann zog.
Sollten Sie zu den analogen Puristen zählen, spannen sich Ihnen angesichts derart prodigitaler Aussagen garantiert die Halsschlagadern. Doch nehmen Sie es Herrn Oehlrich nicht allzu übel: Er ist IT-Profi und ein Überzeugungstäter, der verflixt gut um die Fähigkeiten sauber programmierter DSPs weiß. Vor rund 20 Jahren entwickelte er einen „HiFi-Computer“, der unter dem Namen „Audiovolver“ von Audiodata vertrieben wurde. Der vielseitige Rechner bietet eine versatile Raumentzerrung und kann mit seinen bis zu 65 000 individuell einstellbaren phasenlinearen Filterbändern sogar Aspekte einer Frequenzweiche abdecken beziehungsweise die Phasenfehler einer „echten“ Weiche korrigieren. Die mächtige Software wurde in einer 43-Zentimeter-Hardware feilgeboten, ehe sie vor knapp zehn Jahren als „Audiovolver-Engine“ ihren Weg in die DSP-Erweiterungen der Mediensoftware Roon fand. Kurzum: Dr. Oehlrich, der im Privaten den Rufnamen „Charly“ bevorzugt, weiß, wovon er redet.

Man darf es durchaus als Statement werten, wenn eine Firma namens „definiteAudio“ ein Produkt unter der Bezeichnung „The Final“ auf den Markt bringt. Um es unverhohlen vorwegzunehmen: Die Anlage leistet, was sie verspricht. Was das smarte System in Herrn Oehlrichs Showroom an Punch, Dynamik und Direktheit liefert, habe ich bislang nur selten so ausgefeilt und homogen vernommen – und wenn, dann hingen die Preisschilder deutlich höher. Wir lauschten unter anderem John Campbells highfidelem Dauerbrenner „Down In The Hole“: Grummelig tief und perfekt eingebunden breitete sich die bluesige Basslinie im Raum aus, die Saiten des Instruments schnarrten herrlich und offenbarten Strukturen und Nuancen, die nur wenige Ketten so klar und nachvollziehbar rüberbringen. Kurz darauf war Peggy Lees Interpretation von „Fever“ an der Reihe, die ebenfalls zu den Standards auf Messen und Veranstaltungen zählt. Kristallklar stand die Stimme im Zentrum des etwa 40 Quadratmeter messenden Zimmers, während sich der Kontrabass und jenes markante Fingerschnippen, das zum Song gehört wie das Watt zur Nordsee, haarscharf definierte Positionen auf der Bühne fanden und dort wie gemeißelt verweilten. Was mich fast noch mehr vereinnahmte als das exzellente Timing, die ausgewogene Tonalität oder die scharf umrissene Bühnenabbildung der Kette war die Finesse, mit der The Final Klangaspekte vereinte, die sich bisweilen als unvereinbare Gegensätze präsentieren: Der Bass schob und drückte mit straffen Impulsen, ohne auch nur im Ansatz zu dröhnen oder schwammig nachzuschwingen. Die Auflösung klang offen, Attacken wirkten peitschend schnell, ohne jedoch schneidend, harsch oder sonstwie unangenehm herüberzukommen. Alles saß genau dort, wo es hingehört, bettete sich ein, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Derartige Ausgefeiltheit ist natürlich kein Zufall, sondern das Ergebnis einer jahrelangen Suche nach der perfekten Abstimmung – und die funktioniert garantiert nicht nur im Showroom von definiteAudio.

The Final ruht auf mehreren tragenden Pfeilern. Der erste ist eine Entwicklung Oehlrichs, von der Sie vielleicht schon einmal gehört haben: Sein rooExtend-System ist ein farbenfroher Bastelkasten voller smarter und modularer Erweiterungen für die vielseitige Mediensoftware Roon. Der Extender steckt in einem Pocket-Computer, kaum halb so groß wie eine Zigarettenschachtel. Der Winzling arbeitet im Kontext von The Final als Roon-Streamer und als Basis für verschiedene Erweiterungen. In die DSP-Schnittstelle der Roon-Software ist selbstredend eine FIR-Filterbank eingebettet, die der des Audiovolver gleicht. Parallel dazu erlaubt rooExtend übrigens viele weitere Dreingaben wie den Anschluss eines CD-Laufwerks, die Integration analoger Quellen oder die Verwendung verschiedener Fernbedienungen – möchte man einfach nur die Lautstärke regeln, kann das Gefinger mit dem Tablet bisweilen etwas nerven. Was da möglich ist, können Sie am einfachsten auf der Shop-Seite des zuständigen Audiotrade-Vertriebs herausfinden (https://rooExtend.com).


Der Roon-Core reicht über rooExtend die gefilterten und aufgetrennten Signale vierkanalig an das RME-Interface ADI-2/4 Pro SE weiter – ein weithin unterschätzter A/D- und D/A-Wandler, der mit seinen zwei getrennten Stereo-Abgriffen wie geschaffen ist für die The Final-Anlage. Einer der beiden Stereo-Stränge geht wahlweise zur Endstufe, zum Verstärker oder in eine Vor-/Endstufen-Kombi, der zweite speist bis zu zwei Subwoofer. Im Showroom von definiteAudio arbeiten zwei dezent-weiße Sub 12.17 von XTZ, aber hier ist The Final ebenso wenig festgelegt wie bei der Verstärkung. Erlaubt ist, was gefällt, zum eigenen Geschmack, Budget und Raum passt – für Anpassung und perfekte Integration sorgen besagte 65 000 FIR-Filterbänder.

Um mir die Konfigurierbarkeit seines Konzepts zu demonstrieren, hatte der Hausherr neben einer Hypex-Endstufe mit zweimal 500 Watt – das Modell wird leider nicht mehr gefertigt, es gibt allerdings die nahezu identische Hypex NCx 500DM von Apollon (apollonaudio.com) – auch Westends Leo-Vollverstärker mit 300B-Leistungsröhren griffbereit. Der fügte den oben geschilderten Eindrücken einen mehr als deutlichen Hauch Glanz hinzu und schob die herrlich samtigen Mitten merklich in den Vordergrund. Andererseits konnte er vor allem in den tieferen Lagen nicht ganz mit der Griffigkeit der erstaunlich zupackenden Hypex-Endstufe mithalten. Rohe Kraft gegen seidige Mitten- und Höhenabbildung: Von einem Klassenunterschied zwischen den Verstärkern konnte keine Rede sein, sehr wohl aber von charakterlichen Nuancen, die die Vorzüge der klanglichen Abstimmbarkeit unmissverständlich herausschälten. Im Betrieb mit einer reinen Endstufe übernimmt übrigens der Roon-Core mit seinen integrierten DSP-Pegelstellern die Lautstärkesteuerung. Sollte man Angst vor der schädlichen Bit-Reduzierung einer digitalen Lautstärkekontrolle haben (die bei 24- oder 32-Bit-Signalverarbeitung faktisch keine Rolle mehr spielt), kann man den Pegel auch in die Hände des RME-Interfaces legen.


Das letzte und wohl entscheidende Standbein von The Final sind die passiven Hauptlautsprecher. 2005 war Dr. Oehlrich auf einer HiFi-Messe erstmals den Treibern von AER begegnet und mit deren Schöpfer Filip Keller ins Gespräch gekommen. Vor einigen Jahren reifte die Freundschaft der beiden Unternehmer zu der Idee, einen Lautsprecher für die The Final-Kette zu entwickeln. Abgeleitet von AERs außergewöhnlichen Breitbändern entwickelten die beiden Tüftler einen Ableger der BD-Baureihe, der als BD-Chrome auch bei AER erhältlich ist (weitere Infos unter www.aer-loudspeakers.com). Das „Chrome“ ist übrigens nichts anderes als ein Zugeständnis an die Bauform der Hornlautsprecher: Deren kreisrunde Hornvorsätze sind nach hinten offen, die Treiber benötigten daher eine „optische Veredelung“. Das ist allerdings nicht die einzige Modifikation. Als ausgewachsener Ästhet entwarf Oehlrich eine verchromte Fußkonstruktion, die den Lautsprechern eine wunderbar lifestylige Optik verleiht. Um die exzellenten Treiber, die in ihrer Hornöffnung übrigens einen Wirkungsgrad von mehr als 100 Dezibel erreichen, auch konnektiv abzurunden, fügte er außerdem robuste WBT-Terminals hinzu.
Wie die Lautsprecher klingen? Direkt, fokussiert und unglaublich abbildungsscharf … das hatten wir oben ja bereits. Spannender ist die Frage, wo genau sich in diesem Konglomerat aus Bestandteilen die Essenz und der Schlüsselaspekt von The Final festmachen lässt. Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Die Kette im Showroom von definiteAudio versteht sich gewissermaßen als Serviervorschlag, der in dieser Form übrigens (inklusive Anlieferung, Aufstellung und Einmess-Service) mit stolzen 35 000 Euro zu Buche schlägt. Die essenziellen Bausteine lassen sich jedoch auf die passiven Lautsprecher, den rooExtend sowie den RME-DAC herunterbrechen. In vielen Situationen genügt ein einzelner Woofer, sollten ein Verstärker oder eine valide Vor-/Endstufen-Kombi vorhanden sein, lassen sich die wie gesagt nahtlos ins Konzept einbetten, was den Preis drückt. Hinzu gesellt sich der Umstand, dass die hochflexible DSP-Engine nicht nur die Komponenten ineinanderfügt, sondern die Kette nach bester Audiovolver-Tradition mit dem Hörraum verheiratet.
Wie gesagt: Wer einen Bausatz derartiger Möglichkeiten hat und ihn nicht einsetzt, dem ist nicht zu helfen …
Info
Komplettanlage definiteAudio The Final
Konzept: Komplettanlage mit Roon-Server/Streamer, integrierter DSP-Engine und passiven Hornlautsprechern
Besonderheiten: Verstärkung und Aspekte wie die Subwoofer lassen sich nach Belieben variieren, eine raumakustische Abstimmung ist ebenfalls an Bord
Essenzielle Bestandteile der Kette: The Final von AER (Lautsprecher), rooExtend (Roon-Server, Streamer, DSP-Engine), RME ADI-2/4 Pro SE (4-Kanal-DAC), Subwoofer und Verstärkung nach Absprache/Vorlieben
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: je nach Konfiguration der Kette, max. um 35 000 € (inkl. Anlieferung, Aufstellung und Einrichtung)
Kontakt
definiteAudio
Badstraße 5/Hinterhaus
90762 Fürth
Telefon +49 172 8101171
info@definiteaudio.de











































