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4ever young - 50 Jahre Album-Klassiker: JJ Cale - Troubadour

J.J. Cale – Troubadour

Forever Young – 50 Jahre Album-Klassiker

J.J. Cale – Troubadour

Eigentlich war die Solistenkarriere nicht vorgesehen.

Der Mann aus Tulsa in Oklahoma wollte unbekannt bleiben, unerreichbar, ohne festen Wohnsitz, und nur hin und wieder einen Song abliefern. „Ich schreibe Songs“, sagte er, „damit verdiene ich meinen Lebensunterhalt. Andere Leute nehmen meine Songs auf. Ich brauche dieses Ruhm-Ding nicht. Ich gehe auch nicht gerne auf Tournee. Schickt mir einfach nur die Song-Tantiemen und lasst die jüngeren Kerle berühmt werden.“ Einer dieser jüngeren Kerle war Eric Clapton – und der hatte 1970 einen Riesenhit mit J.J. Cales Song „After Midnight“. Danach fragten alle: Wer ist dieser J.J. Cale? Irgendwann konnte er sich nicht mehr wehren – die Leute wollten ihn hören, die Labels ihn produzieren. 1971 erschien seine erste eigene Platte: Naturally.

Im Grunde verstand J.J. Cale seine Aufnahmen als Demo-Versionen seiner Songs. Mit jedem Album stellte er zwölf neue vor – kurz und knapp, jeder nur zwei bis drei Minuten lang, sparsam, unsensationell. Allerdings gab er sich bei der technischen Herstellung der Aufnahmen alle Mühe. Im Studio war er ebenso sehr Toningenieur wie Künstler, bastelte hier herum, verbesserte dort noch etwas, holte diesen und jenen Kollegen dazu, nahm sich viel Zeit. Die Ergebnisse klangen immer relaxt, cool und mühelos. J.J. Cale beherrschte die Kunst der eleganten Untertreibung. Nur wenige ahnten, was für ein guter Musiker er war – „der beste elektrische Gitarrist neben Jimi Hendrix“, meinte Neil Young. Und was den Gesang anging, hatte J.J. Cale seine Tricks: „Ich bin kein guter Sänger, ich habe keine besondere Stimme. Ich habe meine Stimme immer so abgemischt, dass sie sehr sanft rüberkommt. Als würde ich flüstern.“

Seine kurzen, sanften Lovesongs bewegen sich stilistisch irgendwo zwischen Blues, Country, Rockabilly und Jazz. Es gibt auch Improvisationen darin, aber sie bleiben sparsam und unaufdringlich. Die gesungenen Texte wirken ebenfalls beiläufig. Die Liebeserklärungen darin sind oft ziemlich trivial. Etwas deutlicher immerhin sind die textlichen Aufforderungen zum Sex. Der Song „Let Me Do It To You“ zum Beispiel besteht nur aus dieser einen, immer wiederkehrenden Zeile. In den Siebzigern war es ein offenes Geheimnis: Die hypnotisierenden, geflüsterten Songs von J.J. Cale sind die ideale Untermalung beim Kiffen und Liebemachen.

4ever young - 50 Jahre Album-Klassiker: JJ Cale - Troubadour

Fakten

Aufnahme: 1976
Veröffentlichung: September 1976
Label: Shelter
Produktion: Audie Ashworth

Titel

Seite A

  1. Hey Baby 3:11
  2. Travelin’ Light 2:50
  3. You Got Something 4:00
  4. Ride Me High 3:34
  5. Hold On 1:58
  6. Cocaine 2:48

Seite B

  1. I’m A Gypsy Man 2:42
  2. The Woman That Got Away 2:52
  3. Super Blue 2:40
  4. Let Me Do It To You 2:58
  5. Cherry 3:21
  6. You Got Me On So Bad 3:17

Musiker

J.J. Cale – Gesang, Gitarre u. a.
Doug Bartenfeld – Gitarre
Harold Bradley – Gitarre
Reggie Young – Gitarre
Buddy Emmons – Steelguitar
Lloyd Green – Steelguitar
Tommy Cogbill – Bass
Joe Osborn – Bass
Bill Pursell – Keyboards
Kenny Buttrey – Schlagzeug
Buddy Harman – Schlagzeug
Kenny Malone – Schlagzeug
J.I. Allison – Percussion
Gary S. Paxton – Gesang

und viele andere


  • Der Perfektionist J.J. Cale holt für die Produktion rund 30 verschiedene Musiker ins Studio. Es sind mindestens neun Gitarristen beteiligt, fünf Bassisten, fünf Schlagzeuger … Die beiden Steelguitar-Spieler zählen zu den Besten ihres Fachs.
  • So ähnlich einander die Songs sind: Jeder hat einen etwas anderen Groove und Sound. Mal steht die E-Gitarre im Vordergrund, mal die akustische, mal die Steelguitar. Auch in der Begleitung tauchen ständig neue Klangfarben auf, etwa Piano, E-Piano, Vibrafon, Synthesizer, Percussion, eine Bläsergruppe.
  • Die erste Single-Auskopplung ist „Travelin’ Light“ mit funky Gitarre, Vibrafon und angejazztem Zwischenmotiv. Dieser Song „läuft und kocht und rollt und rockt und hat einfach eine absolut erdige Qualität“, so ein Kritiker. Ein wenig Funk-Gitarre gibt es auch in „Ride Me High“ zu hören.
  • Auf die B-Seite der Single kommt der Opener „Hey Baby“, ein kleiner Blues mit einem achttaktigen B-Teil und Bläserriffs. Die Steelguitar hat hier 12 Takte Solo.
  • Eric Clapton ist J.J. Cales größter Fan. Auch vom Album Troubadour wird er zwei Stücke covern: „Cocaine“ (1977) und später „Travelin’ Light“ (2001).
  • J.J. Cale will „Cocaine“ ursprünglich als swingende Jazznummer aufnehmen, doch der Produzent redet es ihm aus. Stattdessen: ein rockendes Gitarrenriff, das weltberühmt wird – aber erst, nachdem Clapton mit dem Song einen Hit hatte. Clapton beeilt sich natürlich zu betonen, dass „Cocaine“ in Wirklichkeit ein Anti-Drogensong sei. Wer’s glaubt.
  • Die Leadgitarre in „Cocaine“ spielt Reggie Young, schon damals eine Legende in Memphis. Man hört ihn auch auf Platten von Elvis Presley, Neil Diamond, Willie Nelson, King Curtis oder Herbie Mann.
  • Die einzige Coverversion auf dem Album ist „I’m A Gypsy Man“, im Original ein rein akustischer Countrysong von Sonny Curtis (1967). J.J. Cales Fassung eröffnet die B-Seite mit einer lauten Fuzz-Gitarre.
  • Das kürzeste Stück des Albums heißt „Hold On“ – es ist ein kleiner Jazzsong mit swingender Hi-Hat, elektrischer Jazzgitarre und Steelguitar.
  • Die bluesigsten Songs heißen „Super Blue“ (mit Steelguitar und Vibrafon) und „You Got Me On So Bad“ (mit akustischer Gitarre und Piano). Beide werden mit akustischem Bass und Jazzbesen begleitet.

Hier finden Sie J.J. Cale – Troubadour auf jpc.de.

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