OTTA Mandolin
Sandelholz, Rubin und Diamant. Diese Zutaten könnten aus der Schatzkammer eines orientalischen Märchens stammen. Sie duften opulent nach Luxus und Wohlbefinden. Und tatsächlich, irgendwie passt das zur Klangcharakteristik des MC-Tonabnehmers OTTA Mandolin.
Letzten Sommer telefonierte ich mit Eckhard Derks, Geschäftsführer der TCG Handels GmbH, weil ich mein Skyanalog G-3 MK II mit einer ungeschickten Bewegung ins Nirwana befördert hatte. Dabei berichtete mir Derks begeistert von seinem neuen Abtaster, der in Kürze auf den Markt kommen sollte. Zuerst war ich etwas verwundert, hatte doch TCG schon die hervorragenden Skyanalog-Tonabnehmer im Vertrieb. Der Vertriebsleiter erklärte mir, dass er und sein amerikanischer Kollege (Skyanalog-Vertrieb USA) die Idee hatten, einen Tonabnehmer zu entwickeln, der einen Gegenentwurf zu den immer höher auflösenden modernen Hightech-Abtastern sein sollte. Ein System, das nicht asketischer Präzision verschrieben ist, sondern in der Lage ist, das Emotionale in der Musik darzustellen. Dieses schließt sich zwar meiner Ansicht nach nicht zwangsweise aus, aber ich denke verstanden zu haben, worum es Derks ging. Simpel ausgedrückt: mehr Bauchgefühl als kopflastige Analyse. Diese Eigenschaften werden einigen Tonabnehmern vornehmlich älteren Ursprungs zugeschrieben, allerdings fehlte es ihnen teilweise an moderneren Tugenden.

Das OTTA Mandolin ist der erste einer neuen Tonabnehmerserie, zwei weitere Modelle sowie Zubehörteile sollen folgen. Die interessante Frage ist, ob und auf welche Weise diese neue Zielsetzung erreicht wurde. Eckhard Derks erklärte mir, dass der vollkommen neue Generator wesentlichen Anteil an der gewünschten Klangcharakteristik habe. Ein Samarium-Kobalt-Magnet ist der Kern der Einheit, vergoldete Reineisen-Joche bilden einen vergleichsweise großen Magnetspalt. Hierdurch wird ein gleichmäßiges Magnetfeld erzeugt, so der Hersteller. Die Spule wird aus zertifizierten 6N-OCC-Kupferdrähtchen auf ein quadratisches Reineisenplättchen gewickelt. Ein Gummidämpfer sorgt dafür, dass sich die Abtasteinheit ordentlich benimmt. Der Diamant ist elliptisch geschliffen und mit dem aus einem Rubinstäbchen bestehenden Nadelträger verklebt.
Rubin ist chemisch, von unterschiedlichen Anteilen an Spurenelementen abgesehen, mit Saphiren identisch und nach Diamant, wenn man Moissanit ausnimmt, das zweithärteste natürliche Material. Die damit verbundene Steifheit macht es besonders geeignet, die Schwingungen des Abtasters unverfälscht an die Spule durchzureichen. Die Generatoreinheit wird durch ein Aluminiumchassis komplettiert. Die äußere Hülle schützt den Tonabnehmer vor externem Unbill und verleiht dem Tonabnehmer seinen außergewöhnlichen Charme. Dieses Gehäuse ist präzise aus altem, selektiertem Sandelholz gefräst. Hierzu eignet sich das dicht gewachsene, sehr harte Holz des roten Sandels besonders gut.
Das Erscheinungsbild gibt dem klanglichen Anspruch gewissermaßen optische Unterstützung. Die Übergänge zum Generator, die Außenkanten und Rundungen sind genauso wie die seidenmatte Oberfläche perfekt ausgeführt.

Für die Gehäusedimensionen habe man sich das altehrwürdige Denon 103 zum Vorbild genommen, so Derks. Auch die Befestigung des Tonabnehmers mittels in seitlichen Schlitzen geführter Schrauben wurde übernommen. Grundsätzlich bin ich kein Freund dieser Methode, da sie die Montage und noch mehr die Justage des Systems im Vergleich zur Variante mit im Korpus eingeschnittenen Gewinden deutlich erschwert. Da es sich um ein Holzgehäuse handelt, ist es jedoch wahrscheinlich die beste Technik. Direkt ins Holz geschnittene Gewinde sind wenig dauerhaft, bei häufigerem Wechseln also ungeeignet. Eingeklebte Metallgewindehülsen wären an dieser Stelle ebenfalls problematisch, da im Randbereich kaum Materialstärke verbliebe. Statisch ist die Technik, mit beidseitig verschraubten Gewindestangen Hölzer zu verbinden, d. h. ohne gravierende Materialschwächung das ganze Werkstück zu greifen ist ohnehin die beste und beim konstruktiven Holzbau übliche Technik. Bei der Montage des Systems kam mir die Idee, die mitgelieferten Sechskantmuttern durch quadratische zu ersetzten. Falls diese genau in die rechteckig gefrästen Gehäuseöffnungen passten, bräuchten sie nicht mehr mit den Fingern gegen lästiges „Mitdrehen“ gesichert werden. Der Einbau und vor allem die Justage des Tonabnehmers würden sich wesentlich entspannter gestalten und die Unfallgefahr wäre für die empfindliche Preziose deutlich reduziert. Ich berichtete Derks von dieser Idee.
Die Tonabnehmer werden von einem OEM-Hersteller, der mit modernster Technik ausgestattet ist und über jahrzehntelange Erfahrung verfügt, nach seinen Vorgaben entwickelt und produziert, wie ich erfahre. Jeder Tonabnehmer durchlaufe eine ausgiebige Qualitätskontrolle. Die Verarbeitungsqualität des Testmodells war erstklassig. Der Nadelträger war perfekt ausgerichtet, sodass ich die geraden Gehäusekanten als Bezug zur Tonabnehmerjustage verwenden konnte.
Nachdem ich das Mandolin auf meinem TW 12.9 montiert hatte, führte ich die finale Kontrolle anhand des Nadelträgers aus. Tatsächlich, es passte genau. Die Auflagekraft von 1,8 Gramm und die entsprechende Einstellung der Antiskating-Vorrichtung behielt ich während der Testphase bei. Die Verstärkung von ca. 60 Dezibel und eine Eingangsimpedanz von ca. 200 Ohm sollte sich bei den meisten LPs als optimal herausstellen. Da es sich um ein fabrikneues Exemplar handelte und die notwendige Einspielzeit mit ca. 35 Stunden beziffert wird, drehte sich der Plattenteller die nächsten Tage beinahe ununterbrochen. Wirklich schlecht tönte es selbst anfänglich nicht, ein relativ kontinuierliches Auftauen seiner Qualitäten wurde deutlich, sodass ich mir nach einer guten Woche die Sache genauer anhörte. Hatte ich eine gewisse Befürchtung, dass mich ein weiches, zu süßlich aufgetragenes Klangbild erwarten würde, war ich nun aufs Angenehmste überrascht.
Schon während der Einspielphase fiel mir die formidable Ortbarkeit der Schallereignisse auf. Das lag zum einen an den genau erkennbaren Umrissen der Instrumente bzw. Stimmen, zum anderen an deren Einbindung in die Klangbühne, die nie ausufernd diffus wirkte, sondern den Eindruck erweckte, die Aufnahmesituation realitätsnah zu interpretieren. Die Testphase fiel in die Weihnachtszeit, also musste der Soundtrack der Peanuts-Weihnachtsfolge A Charlie Brown Christmas auf den Teller. Das Vince Guaraldi Trio swingt sich hier heiter-besinnlich durch die Weihnachtsgeschichte der Peanuts. Guaraldi bearbeitet sein Piano mal mit fließenden, lang ausklingenden Akkorden, mal rhythmisch mit Rock’n’Roll-artiger Attitüde. Das Mandolin gibt die Klavieranschläge mit Gewicht und Kraft wieder. Jegliches Verhuschte, Undefinierte ist ihm fremd.
Gleiches gilt für das Schlagzeug, auch die leiseren Klänge, etwa der gestrichene Besen, klingen substanziell. Der Kontrabass spaziert mit wohlig sattem Klang im Hintergrund. Die Akustik des Aufnahmeraums ist auf der sehr gelungenen Aufnahme deutlich wahrnehmbar. Die direkte, gleichwohl intime Stimmung setzt der Tonabnehmer bestens in Szene. Um das Verhalten von Testobjekten bei der Wiedergabe von komplexen orchestralen Werken zu beurteilen, greife ich gerne auf Mussorgskys Bilder einer Ausstellung zurück. Die Aufnahme des Chicago Symphony Orchestra unter Carlo Maria Giulini war mir bisher nicht bekannt und überraschte mich mit einer herausragenden Aufnahmequalität. Die Größe des Konzertsaals breitete sich definiert in meinem Hörraum aus. Die einzelnen Instrumentengruppen waren außergewöhnlich deutlich voneinander abgegrenzt und in allen drei Dimensionen geschichtet. Die oben schon angesprochene substanzreiche Wiedergabe verlieh der Aufnahme die notwendige Wucht, wenn es darauf ankam. Die tiefen Lagen gaben dem Werk mit Kontur und Intensität das gebotene Rückgrat. Der Tonabnehmer verstand es aber auch, kleinen Details wie perkussiven Klängen in opulenten Passagen die nötige Durchsetzungskraft zu verleihen. Dieses wunderbare Werk habe ich selten so genossen. Das klang so echt, so selbstverständlich, dass ich keinerlei Energie mehr darauf verschwendete, spezielle audiophile Eigenschaften zu analysieren. Erwartungsgemäß waren Qualitäten wie natürliche Tonalität, grob- und feindynamisches Verhalten etc. ebenfalls ausgezeichnet, was ich in dieser Preisklasse aber voraussetze. Was dieser Tonabnehmer einigen anderen Kandidaten voraushat, ist die Fähigkeit, den Hörer durch seine direkte, involvierende Art emotionell zu packen. Eckhard Derks hatte nicht zu viel versprochen.
Das OTTA Mandolin bereichert das Angebot mit seinen kräftigen Klangfarben und üppiger Bühnendarstellung, ohne die feinen Details zu vernachlässigen. Ganz dicke Empfehlung für Musikfreunde, die es reichhaltig und genussvoll mögen.
Info
Tonabnehmer OTTA Mandolin
Konzept: MC-Abtaster im Sandelholz-Gehäuse
Ausgangsleistung (@3,54 cm/s): 0,38 mV
Innenimpedanz: 8,6 Ω
Frequenzgang (±1 dB): 15 Hz bis 25 kHz
Kanaltrennung (@1 Khz): > 26 dB
Kanalbalance (@1 Khz): < 0,8 dB
Dynamische Nachgiebigkeit: 15 µm/mN
Empfohlene Anschlussimpedanz: 100 bis 470 Ω
Empfohlene Auflagekraft: 1,6 g bis 2,0 g (optimal 1,8 g)
Nadelträger: Rubin
Nadel: elliptischer Diamant r/R = 5/15 µM
Vertikaler Spurwinkel: 20°
Spule: Squarecoil aus Reineisen mit Spezialwicklung 6N-OCC-Kupfer
Auflagefähigkeit (@315 Hz/1,8 g): 75 µM
Empfohlener Tonarm: mittlere Masse
Einspielzeit: ca. 35 Std.
Lieferumfang: Montageschrauben in zwei Längen, Muttern, Nadelschutz, Bedienungsanleitung
Gewicht: 8,4 g
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 2000 €
Kontakt
TCG Handels GmbH
Döppers Esch 7
48531 Nordhorn
Telefon +49 5921 7884927
info@tcg-gmbh.de









