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Ortofon MC X40

Ortofon MC X40

Der Hightech-Vinylsurfer

Ortofon MC X40

Nach über zehn Jahren ersetzt Ortofon seine MC-Einstiegsserie. Die neuen MC-X-Tonabnehmer sind mitnichten ein Facelift der Quintet-Serie, sondern eine vollständige Neuentwicklung. Und zwar eine sehr erfolgreiche, wie der Test zeigen wird.

Ortofon MC X40

In aller Kürze: Ortofon MC X40

Ortofon MC X40

 

Die dänische Ortofon A/S, altehrwürdiger und hochmoderner Hersteller von Tonabnehmern, dürfte so ziemlich jedem, der sich ernsthaft mit Analogtechnik beschäftigt, ein Begriff sein. Bereits 30 Jahre nach Gründung (1918) ersann Ortofon den ersten MC-Abtaster. Das Portfolio reicht mittlerweile von robusten Pickups für den harten DJ-Einsatz bis zum feinsten MC mit Diamant-Nadelträger und exklusivem Replicant-Schliff, eine hauseigene Entwicklung mit besonders scharfer Klinge. Mein Einstieg in die Welt von Ortofon begann 1980 mit dem MC 10 samt batteriebetriebenem Vorvorverstärker. Nach einiger Zeit mit dem Rondo Red MC hatte ich die Gelegenheit, die Cadenza-Serie und das Windfeld Ti in meiner Anlage zu beherbergen. Das zweifellos beeindruckendste Erlebnis war der Besuch des MC Anna auf Helmut Thieles TT01. Trotz aller Unterschiede meine ich einen Ortofon-Familienklang bei allen Systemen herausgehört zu haben. Das führt mich zur neuen Moving-Coil-X-Serie, die die Nachfolge der 2014 in den Handel gekommenen Quintet-Tonabnehmer antritt.

Ortofon MC X40
Äußerlich schlichte Eleganz, innen gefüllt mit einem Hightech-Generator. An der Oberseite erkennt man die mittels MIM-Verfahren erzeugte Wabenstruktur aus Stahl. Dänisches Design nach Ortofon-Art eben.

Die MC-X-Abtaster sind weniger eine Weiterentwicklung dieser bisherigen MC-Einstiegsserie als eine radikale Neuentwicklung. Das im Metallspritzgussverfahren (MIM) erstellte Stahlskelett mit seiner aus der Natur abgeleiteten Wabenstruktur beeindruckt mich besonders – der Einsatz von Stahl ist angesichts seiner Rohdichte ziemlich ungewöhnlich, wenn nicht einzigartig. Aufgrund der offenen Wabenstruktur erhält der Tonabnehmer eine außerordentliche Steifheit bei geringem Massenvolumen, das Gesamtgewicht bleibt daher mit 8,6 Gramm vollkommen durchschnittlich und verträgt sich bestens mit einer Vielzahl der üblichen Tonarme. Zur Veredelung erhält die tragende Stahlkonstruktion eine Beschichtung durch das physikalische Gasphasenabscheidungsverfahren (PVD). Unmittelbar in diese Trägereinheit sind Gewinde (M2,5) eingeschnitten. Mit den beigefügten Torxschrauben lässt sich der Tonabnehmer problemlos mit der Headshell verschrauben (ein passender Schraubendreher gehört zum Lieferumfang).

Ortofon MC X40
Der perfekt sitzende Nadelschutz lässt sich problemlos aufsetzen und wieder abnehmen. Besonders löblich ist, dass er während der Montage nicht stört. Gerade in dieser Phase ist das sensible Borstäbchen einem erhöhten Risiko ausgesetzt. Man könnte sogar sagen: Dieser Nadelschutz ist einer der wenigen, die diesen Namen wirklich verdienen.

Auch die Generatoreinheit wurde vollkommen neu konstruiert. Das hintere Magnetjoch und der einteilige Polzylinder bilden eine Einheit. Der Neodym-Eisen-Bor(NdFeB)-Magnet wurde speziell für die MC-X-Serie entwickelt. Dieser und das vordere Joch komplettieren das Gerüst, das die Abtasteinheit aufnimmt. Die hierfür verwendeten Materialien sind meist nur bei erheblich teureren Tonabnehmern vorzufinden: Ein nackter Diamant mit Shibata-Schliff auf einem Bor-Nadelträger, Spulen aus Reinsilberdraht – noch besser geht es kaum. Auch die Gummimischung der Dämpfungseinheit wurde in langen Versuchsreihen auf den neuen Generator abgestimmt. Der bei Ortofon zuständige Produktdirektor Peter Wieth Hjordt betont den enormen Einfluss dieses kleinen Gummischeibchens auf die Klangeigenschaften des Systems. Hier profitiert Ortofon von seiner Microtech-Abteilung, die mit der Entwicklung von technischen Gummis, Mikrospritzgussverfahren und Präzisions-Mikromontage ideale Voraussetzungen bietet. Die schützende Hülle für die Hightech-Preziose bildet ein elegantes Polymer-Gehäuse, das die Formgebung der 2M-Moving-Magnet-Serie teilweise aufnimmt. Die etwas klobige Gestaltung der Quintet-Serie wurde, wie ich finde, erfolgreich ersetzt. Auch wenn der Vorteil gerader Gehäusekanten bei der Justage dadurch entfällt.

Ortofon MC X40
Auch ein Rücken kann entzücken. Eindeutig markierte Anschlusspins, montagefreundlich geformt und mit ausreichend Abstand zueinander. So klappt’s auch mit der Kabelage.

Auf meine Frage antwortet Hjordt, dass die deutliche Steigerung der Übertragungsqualitäten sowie eine Minimierung der Herstellungstoleranzen, ohne dabei die Preise anheben zu müssen, die größte Herausforderung bei Konzeption der neuen MC-Einstiegsserie gewesen sei. Nicht nur die vollständige Neuentwicklung der Tonabnehmer, sondern auch die Anpassung des gesamten Produktionsablaufs waren notwendig. Mich interessierte, ob die MC-X-Serie in Dänemark hergestellt würde, und erfahre, dass die komplette Montage inklusive der Spulenwicklung bei Ortofon in Dänemark stattfindet. Jeder Tonabnehmer wird in Handarbeit zusammengebaut, inspiziert und getestet, bevor er in den Handel kommt. Die meisten Bestandteile werden in Dänemark, der Schweiz oder Japan hergestellt. Wobei im Allgemeinen die Qualität und Verlässlichkeit Vorrang vor dem Preis haben, so Hjordt.

Einen ersten Eindruck von dem neuen Abtaster bekam ich während der Sound Days des Auditorium in Hamm. Armin Kern, Repräsentant von Ortofon, hatte die vier Typen (X10 bis X40) in gleiche Headshells montiert, sodass ein unmittelbarer Vergleich möglich wurde. Die Unterschiede waren recht deutlich zu hören, wobei das X30 und mein Proband, das X40, in noch höherem Maße, ihre highendige Ambition zu erfüllen wussten. Nach einer optischen Inspektion, die erwartungsgemäß keine Mängel offenbarte, montierte ich das System auf meinen TW-10.5-Tonarm. Besonders positiv ist zu bewerten, dass sich der mitgelieferte Nadelschutz gefahrlos aufsetzen und wieder abnehmen lässt und während der Montage des Abtasters nicht stört. Die Anschlusspins haben einen gesunden Abstand zueinander, sodass auch der Anschluss an die Tonarmkäbelchen vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen ist. Ich stellte die empfohlene Auflagekraft von 2 Gramm ein, das Antiskating auf ca. 1,5 Gramm. Beim Verstärkungsfaktor der Phonostufe wechselte ich zwischen 58 und 64 Dezibel, die Impedanzeinstellung von ca. 200 Ohm war in meinem Setup die ausgewogenste. Nach der üblichen Justageprozedur spielte ich das nagelneue System ein.

Ortofon MC X40
Das auch unten geschlossene Gehäuse schützt den Generator vor Staub und Abriebpartikeln. Selbst aus dieser Perspektive macht das MC X40 eine gute Figur.

Lara Pohl (Ortofon-Vertrieb Europa) wies mich darauf hin, dass eine 20- bis 50-stündige Einspielzeit notwendig sei, um das volle Potenzial des Systems zu erreichen, und das sollte sich bewahrheiten. Frisch aus dem Karton klang es sehr gedeckt und unausgewogen, nach ca. 10 Betriebsstunden öffnete sich das Klangbild langsam und nach zwei Wochen fing die Sache an, Spaß zu machen. Das X40 erinnerte mich an das Cadenza Black. Ich hatte den Eindruck, dass es ähnlich ausgewogen tönte, ohne aber ganz dessen Auflösungsvermögen zu erreichen. Dafür spielte es mit vollmundigerem Geschmack. Ich beschloss die Testphase diesmal von unten anzugehen, ohne mit perfekt produziertem Edelvinyl die Grenzbereiche auszuloten, sondern mit sehr einfach aufgenommenen Scheiben den Spaßfaktor zu ermitteln. Bestens geeignet schien mir Dr. Alimantados Best Dressed Chicken In Town, eine Reggae-Dub-Dancehall-Platte mit Aufnahmen aus Mitte der 70er Jahre, der Hochzeit dieses Genres. Der „Toasting“ genannte Sprechgesang lebte von seinem Flow und hatte noch nicht die Aggressivität, inhaltlich wie musikalisch, die mir in späteren Jahren die Freude an dieser Musik nahm. Das Fundament der Songs bilden dominant abgemischte, träge drückende Bassläufe, die fast ohne Obertöne schwer durch den Hörraum schieben. Snare und Percussions peitschen mit gehörigem Hall per antike (analoge) Hall- und Echomaschinen quer durch den Raum. Melancholische Bläsersätze und des Doktors unverwechselbare Stimme, original dance hall style, BOOYAKA!!! Dem X40 gelingt es souverän, die Energie dieser Musik in den Hörraum zu transferieren. Das letzte bisschen fehlender Bassdruck ist der Tatsache geschuldet, dass ich dem 18-Zentimeter-Bass meiner Spark die Aufgabe eines 18-Zöllers zugemutet habe. Leiser hören hätte es auch getan.

Ortofon MC X40

Peter Iljitsch Tschaikowskys Nussknacker-Suite eignet sich wegen seiner Dynamik und einfallsreichen Orchestrierung sehr gut als Testscheibe, die Aufnahme des London Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Leopold Stokowski begeistert mich mit ihrer Vielfalt der Klangfarben und Stimmungen. Ein schönes Beispiel ist der einem Glockenspiel ähnliche Klang der Celesta, die Tschaikowsky sich speziell für den „Tanz der Zuckerfee“ aus Paris schicken ließ. Das X40 differenziert die unterschiedlichen Klangfarben sehr genau, sodass die Instrumente auch in turbulenten Passagen erkennbar bleiben. Selbst der Anschlag der Triangel kann sich gegen seine gewaltige Konkurrenz durchsetzen. Die sauber gestaffelte räumliche Zuordnung der Instrumente gelingt dem Abtaster ebenfalls tadellos – das Resultat ist eine realistische Bühnenabbildung.

Der gesamte Klangeindruck überzeugt mich vollständig, und ich muss mir die Frage stellen, ob noch mehr nötig ist, um genussvoll tief in die Musik einzutauchen. Sicherlich nicht – dieser Eindruck bewahrheitete sich bei allen während der Testphase gehörten Schallplatten. Ortofons Mission, die bisherige MC-Einstiegsserie zu verbessern, ohne an der Preisschraube drehen zu müssen, ist vollumfänglich geglückt.

Das X40 befriedigt auch hohe (highendige) Ansprüche und bleibt einigermaßen erschwinglich. Seine im besten Sinne durchschnittlichen Anschlussparameter erlauben den Einsatz an einer Vielzahl von Tonarmen und Phonostufen. Wenn es sich auch widersprüchlich anhören mag: Das Ortofon MC X40 ist ein No-Nonsense-Highend-System.

Ortofon MC X40

Info

Tonabnehmer Ortofon MC X40

Konzept: Moving-Coil(MC)-Tonabnehmer mit Bor-Nadelträger und Shibata-Schliff
Kanalbalance (@1 kHz): 0,5 dB
Ausgangsspannung (@1 kHz, 5 cm/s): 0,4 mV
Kanaltrennung (@1 kHz): 26 dB
Frequenzgang (±1 dB): 20 Hz bis 20 kHz
Empfohlener Lastwiderstand: ≥ 50 Ω
Empfohlene Tracking-Kraft: 2 g
Interne Impedanz, Gleichstromwiderstand: 6 Ω
Lieferumfang: Torxschrauben samt passendem Dreher, Carbonbürstchen zur Nadelreinigung
Gewicht: 8,6 g
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 1000 €

Kontakt

Ortofon

Stavangervej 9
4900 Nakskov
Dänemark
Telefon +49 251 202 630 53

www.ortofon.com

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.