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Alan Parsons Project - Tales of Mystery and Imagination

The Alan Parsons Project – Tales Of Mystery And Imagination

Forever Young – 50 Jahre Album-Klassiker

The Alan Parsons Project – Tales Of Mystery And Imagination

Mit 18 Jahren wurde er Assistent in den Abbey Studios in London. Mit 24 hatte er als Toningenieur bereits einige Alben von Weltruhm mitverantwortet: Abbey Road und Let It Be von den Beatles, Dark Side Of The Moon von Pink Floyd.

Doch als man ihn bat, auch beim nächsten Pink-Floyd-Album an den Reglern zu sitzen, lehnte er ab. Denn Alan Parsons fand seinen Beitrag zu Dark Side Of The Moon unterbewertet – lieber wollte er „so etwas“ dann gleich selbst machen. Dafür tat er sich mit Eric Woolfson zusammen – der war nicht nur Musiker, sondern auch Manager. Auf einem Seminar hatte Woolfson die Information aufgeschnappt, dass ein Bezug zu Edgar Allan Poe immer Profit verspreche. So kamen Parsons und Woolfson auf die Idee, ein Konzeptalbum zum Schauerromantiker Poe zu machen. Tales Of Mystery And Imagination ist auch der Titel einer Geschichtensammlung von Poe. Noch bevor es einen einzigen Ton zu hören gab, war der Vertrag mit EMI unterschrieben.

Parsons arbeitete damals regelmäßig mit verschiedenen Bands (u. a. Ambrosia, Pilot) und produzierte außerdem gerade das Debütalbum von John Miles (Rebel). Daher waren ständig Musiker für ihn verfügbar: ein halbes Dutzend Sänger und ebenso viele Gitarristen, Keyboarder, Bassisten. Sogar ein Sinfonieorchester stand bereit – unter der Leitung von Andrew Powell, der mit Stockhausen und Boulez gearbeitet hatte und eigene Ideen ins Projekt einbrachte. (Es gefiel Parsons, dass er selbst, Andrew Powell und „Allan Poe“ dieselben Initialen hatten: A.P.) Kein Rockalbum vor Tales hat Rockmusiker, klassisches Orchester und Chöre so organisch miteinander verbunden. Es war eine neue Art von Album: ein Produzenten-Album.

Dass das „Project“ ein beständiger Act werden würde (obwohl es keine Konzerte gab), ahnte damals niemand. Zehn Alben machte das Alan Parsons Project bis 1987. Danach fand Parsons dann auch die Zeit, Tales für die digitale CD-Ära zu remastern. Natürlich machte es ihm Spaß, die alten Tracks zu überarbeiten – mit neuen Gitarrenparts und fetteren Drums, mit Synthesizer-Zutaten und einer digitalen „Kirchenorgel“. Als Einleitung zur A- und B-Seite gab es außerdem jeweils eine kleine Poe-Rezitation von Orson Welles, wodurch die digitale Albumversion von 1987 etwas länger geriet. Parsons ging die „Modernisierung“ zwar behutsam an, sagte aber dennoch: „Ich habe Verständnis für jeden, der die 1976er Version bevorzugt.“

Alan Parsons Project - Tales of Mystery and Imagination

Fakten

Aufnahme: April bis November 1975
Veröffentlichung: Juni 1976
Label: Charisma
Produktion: Alan Parsons

Titel

Seite A

  1. A Dream Within A Dream 3:41
  2. The Raven 3:58
  3. The Tell-Tale Heart 4:42
  4. The Cask Of Amontillado 4:28
  5. (The System Of) Dr. Tarr And Professor Fether 4:14

Seite B

  1. The Fall Of The House Of Usher 15:02
  2. To One In Paradise 4:29

Musiker

John Miles – Gesang, Gitarre
Arthur Brown – Gesang
Leonard Whiting – Gesang, Rezitation
Terry Sylvester – Gesang
Ian Bairnson – Gitarren
Alan Parsons – Keyboards, Gesang u. a.
Eric Woolfson – Keyboards, Gesang u. a.
Andrew Powell – Keyboards, Orchesterleitung
Francis Monkman – Keyboards
Bill Lyall – Keyboards u. a.
Joe Puerta – Bass
David Paton – Bass, akustische Gitarre
Stuart Tosh – Schlagzeug

und viele andere


  • „Dr. Tarr And Professor Fether“ ist der Single-„Hit“ des Albums – mit John Miles’ schöner Stimme, einem einprägsamen Gitarrenmotiv und einem starken Vokalriff: „Just what you need to make you feel better“.
  • Tales wird schnell zum Kultalbum. Die Kritiker vergleichen die klinisch perfekte Produktion mit Pink Floyds Wish You Were Here aus dem Vorjahr. An Pink Floyd erinnert auch musikalisch so manches, etwa der Anfang mit Bassmotiv und Wechselharmonie („A Dream Within A Dream“) oder der sanfte Gesang am Ende („To One In Paradise“).
  • Von Claude Debussy (1862–1918) gibt es ein Opernfragment zu Poes Geschichte vom Haus Usher. Der Klassikkenner Andrew Powell hat es für Parsons „ausgegraben“ und eröffnet mit einer Passage daraus („Prelude“) den Track „The Fall Of The House Of Usher“. Das „Prelude“ wird auch zur B-Seite von The Raven, der zweiten Single-Auskopplung.
  • „The Fall Of The House Of Usher“ ist eine ambitionierte 15-minütige Instrumental-Suite. Der ungewöhnlichste Teil ist der vierte („Pavane“). Er kombiniert unerwartete Saiteninstrumente, darunter Harfe, Cembalo, Mandoline, Cimbalom (ungarisches Hackbrett) und Kantele (finnische Zither).
  • Das Album ist eine große Sängerparade. Der exzentrische Arthur Brown etwa gibt sich aggressiv im Shuffle-Rock von „The Tell-Tale Heart“. John Miles glänzt auch im lyrischen Walzer von „The Cask Of Amontillado“ – der härtere Orchesterteil wechselt dann in einen 4/4-Takt.
  • Parsons setzt auf Tales erstmals den EMI Vocoder ein („The Raven“) sowie das Projectron, eine Vorform des digitalen Synthesizers. Für die beeindruckende Audio-Aufnahme des Gewittersturms in „The Fall Of The House Of Asher“ verwendet er eine binaurale Technik (Kunstkopf-Stereofonie).
  • Der starke Eindruck des Albums verdankt sich nicht zuletzt den cleveren dynamischen Gegensätzen. Die Ensembles und Lautstärken wechseln manchmal abrupt. Es gibt gewaltige Steigerungen.
  • Den größten Erfolg hat Tales weder in Parsons’ Heimat noch in Poes Heimat, sondern ausgerechnet in Deutschland. Hier wird das Album mehrere Jahre lang in den Charts notiert und mit Platin ausgezeichnet. Es steigt bis auf Position 11, in den Jahrescharts von 1978 sogar auf 6.
  • Parsons: „Cashbox führt mich 1977 auf Platz 13 der besten Sänger an. Dabei singe ich fast nie.“

www.the-alan-parsons-project.com

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