Pylon Jade 30
Ein 15-Zöller ist ein 15-Zöller, weil ein 15-Zöller eben nun mal ein 15-Zöller ist! Kurzum: Hier geht es um eine „Männerbox“! Aber immer der Reihe nach …
Bereits seit 2011 überzeugt Pylon Audio mit tadellos verarbeiteten Lautsprecherkonstruktionen. Hervorragende Holzverarbeitung liegt in der DNA der Firma, denn zwei Elternteile der Pylon-Audio-Gründer besaßen eine Möbelfirma, die für ihre hochwertigen Produkte bekannt war. Die Pylon-Audio-Macher haben diese übernommen und produzieren nun mit einem Team von 50 qualifizierten Mitarbeitern auf rund 3300 Quadratmetern Lautsprecher. Eine anechoische Kammer (auch bekannt als „schalltote Kammer“ oder „reflexionsarmer Raum“) ist integraler Bestandteil der Entwicklung aller Lautsprecher. Dieser Raum besitzt einen Außenumfang von 10 × 10 × 10 Metern, ein „Raum in einem Raum“, dessen Konstruktion aufhorchen lässt: Die Innenwände sind mit einem Luftraum dazwischen an den Außenwänden montiert. Zusätzlich wird die gesamte Struktur durch Schwingungsisolatoren unterstützt. Im Inneren ist dieser schalltote Raum mit 6543 akustischen Keilen ausgestattet. Sie sind jeweils 100 Zentimeter lang und haben ein 80 Zentimeter großes Profil. Mit einem akustischen Absorptionskoeffizienten von mehr als 97 Prozent können hier Messungen unter perfekten Bedingungen durchgeführt werden. Auch hieran wird deutlich, mit welch hohem Anspruch bei Pylon Audio an die Thematik des Lautsprecherbaus herangegangen wird.
Der Retrostil ist seit geraumer Zeit nicht nur in der HiFi-Szene beliebt. Pylon Audio positionierte in diesem Genre mit Erfolg seine Jade Twenty – und da ist es nur naheliegend, die Serie zu ergänzen. Oberhalb der genannten Box finden wir nun also die Jade Thirty. Schon im Testbericht zur Twenty (den Sie hier finden können) hatte ich die überaus exakte Verarbeitungsqualität aufgeführt, die im Falle der Jade 30 ebenfalls geradezu beispielhaft ist. Es gibt als Furnier-Gehäuseoberfläche amerikanisches Walnussholz und alternativ eine rein schwarze Version – laut Pylon Audio eine perfekte Reminiszenz an das Retrodesign der früheren Jahrzehnte. Damit bin ich absolut einverstanden, denn es braucht nicht immer unzählige Varianten an verschiedenen Oberflächen. Die vom Vertrieb offerierte Walnuss-Version ist nicht nur tadellos aus furniertem Echtholz gefertigt und final geölt, sondern schlichtweg perfekt gemacht. Gleiches gilt für die Frontabdeckung – nicht nur schick, sondern mit ihren Stifthalterungen und der textilen Oberfläche bestens passend zum gesamten positiven Erscheinungsbild. Unterschiede bei der Klangentfaltung mit oder ohne Abdeckung konnte ich heraushören. Was besser gefällt? Nun, Versuch macht klug – zum Abnehmen der Abdeckung einfach nur an der kleinen Lasche am unteren Rand ziehen.

Das Gehäuse besteht aus 22 Millimeter dickem MDF, innen finden sich die typischen Versteifungen. Die Bedämpfung aus echter Schafwolle wirkt gegen stehende Wellen und verhindert ganz nebenbei, dass unerwünschte Strömungsgeräusche durch den frontseitigen Bassreflexausgang auftreten. Laut Herstellerangaben eignet sich die Jade 30 für größere Räume von 25 bis 45 Quadratmetern. Im Testfall durfte sie ihre klanglichen Qualitäten auf 40 Quadratmetern präsentieren – und so viel schon mal gleich vorweg: Mir hat das Gehörte richtig gut gefallen.
Die Thirty verfügt über einen speziell entwickelten 15-Zoll-Tieftöner mit einer Papiermembran. Typbedingt gilt bei Lautsprechern mit derartigen Chassis: „Da geht immer was!“ Beim proprietären 6-Zoll-Mitteltöner kommt ebenfalls eine Papiermembran zum Einsatz. Daneben ist dieses Chassis mit einem Phasenkorrektor in Form eines Aluminiumzylinders in einer spezifischen Geometrie ausgestattet, und dank der geneigten Aufstellung des Gehäuses richten sich die Schallwellen auf Ohrhöhe. Aufgrund der frontseitigen Bassreflexöffnung benötigt dieser Lautsprecher weniger Platz zur Raumrückwand als andere Konstruktionen mit Reflexöffnung nach hinten. Bei der Frage, ob er auf den Hörplatz ausgerichtet oder geradeaus aufgestellt werden sollte, entscheidet der Geschmack. Mir gefiel die Position „leicht eingewinkelt zum Hörer hin“ und dies im Stereodreieck von rund drei Metern überaus gut. Stehen die Lautsprecher mit den Hochtönern nach innen, wird der Klang zentrierter und exakter fokussiert wiedergegeben. Abermals gilt: Versuch macht klug. Ein kurzer Tractrix-Hornvorsatz (eine Pylon-Audio-Eigenkonstruktion) vor dem 1-Zoll-BMS-Hochtontreiber sorgt für einen detaillierten Klang mit entsprechend dynamischer Abstrahlung. Über alles ergeben 93 Dezibel Wirkungsgrad (2,83 V/m an 8 Ohm) einen hocheffizienten Lautsprecher, der mit diesem Wirkungsgrad für den Einsatz an potenten Röhrenverstärkern bestens geeignet ist. Bevor ich es vergesse: Die Frequenzweichen sind mit wenigen Bauteilen sorgfältig abgestimmt und aus linearen Komponenten und Folienkondensatoren von europäischen Herstellern wie Jantzen aufgebaut. Ein Single-Wire-Anschluss vervollständigt das Bild. Auch hierbei lässt sich die konsequente Ausrichtung auf Qualität erkennen – ich mag so etwas sehr! Nachdem die Jade 30 eine gute Woche an einem Halbleiterverstärker eingespielt waren, kam der Röhrenverstärker ins Spiel. Signature Synchronicity von Fiona Joy ist der erste Tonträger zum Verhören der Testprobanden. Damit gehe ich sogleich ans klangliche Eingemachte – Gesang/Piano und große Bühne. Keine Frage, das macht sofort richtig Spaß! Besonders die Stimmenwiedergabe gefällt mir sehr gut, hier funktioniert der Mitteltöner hervorragend. Dazu ein kleiner Hinweis: Erscheint er zu vorlaut, sitzt man zu nah vor der Box. Es folgt eine Hörsitzung mit dem Buena Vista Social Club. Ab dem ersten Ton auch hier wieder sofort gute Laune, denn der Hochtöner sorgt schon dafür, dass die entsprechenden Frequenzbereiche nicht unterbelichtet präsentiert werden. Dabei wird es gottlob nie lästig. Dass er – prinzipbedingt – ein paar Stunden länger benötigt, um sich freizuspielen, will ich nur der Vollständigkeit halber an dieser Stelle anmerken. Die Abstimmung der Chassis bezeichne ich als sehr gelungen (die Übergangsfrequenzen liegen bei 250 und 2000 Hz). Der Mitteltöner fällt mit seiner Konstruktion optisch sofort auf, und unsere Nachfrage beim Hersteller ergab dazu folgende Antwort: „Dieser Mitteltontreiber wurde von unseren Ingenieuren entwickelt, während seine Produktion in unserem Auftrag von einem renommierten europäischen Hersteller durchgeführt wird, der sich auf hochwertige Papier- und Verbundmembranen spezialisiert hat. Die auffallende Blende wird mit einer speziellen Technologie hergestellt, die für eine geringe Masse sorgt und gleichzeitig die Steifigkeit beibehält, was zu einer sehr genauen Wiedergabe des Mitteltonbereichs führt. Dies ermöglicht es, Musik auf natürliche Weise zu liefern, mit Details und Dynamik, welche die Standarddesigns in dieser Klasse übertreffen.“
Hörenswert! Das trifft es. Glaubhafte Körperdarstellungen gehören zu den herausragenden Abbildungseigenschaften der Jade 30. Gerade bei den in der Reproduktion besonders schwierigen Instrumenten wie Orgel oder bei Holzresonanzkörpern brilliert er. Jon Lords Continuo on B.A.C.H. in einer Aufnahme von 1974 mit dem Münchener Kammerorchester unter der Leitung von Eberhard Schoener ist der nächste Tonträger im digitalen Zubringer. Beim Stöbern in meiner Tonträgersammlung fällt mir zum Musiker sogleich eine weitere, überaus anspruchsvolle Aufnahme mit Beyond The Notes aus dem Jahr 2004 in die Hand. Nachdem er 2002 endgültig bei Deep Purple ausgestiegen war, nahm sich Jon Lord eine Auszeit, um sich neuen musikalischen Herausforderungen zu stellen. Und so entstanden durch seine Liebe zur klassischen Musik und das immer schon vorhandene Interesse am Crossover eine Anzahl von neuen Kompositionen, die im Bonner Hansa-Haus-Studio aufgenommen wurden. Eingespielt wurde das Album u. a. mit dem weltweit renommierten norwegischen 16-köpfigen Streichorchester The Trondheim Soloists. Ohne Zweifel sind das überaus vielschichtige Klänge für jeden Lautsprecher. Die tiefen von den Labien der Hammondorgel erzeugten Töne tangieren gerade mein Zwerchfell, und die angegebene untere Grenzfrequenz der Jade 30 von 32 Hertz nehme ich nach anfänglicher Skepsis nun ernst.
Das Album Pax des Tingvall Trio dreht sich auf dem Plattenteller, und tief einsinkend in die Musik genieße ich lustvoll und entspannt die Klänge … Wie viele andere Lautsprecher in ihrer Größe besitzt auch die Pylon Audio Jade 30 die Fähigkeit, große Instrumentenkorpusse, etwa den eines Kontrabasses, naturgetreu zu präsentieren. An dieser Stelle erinnere ich an den Vorspann – ein 15-Zöller ist ein 15-Zöller …
Was gibt es für eine „Männerbox“ Besseres als grundehrlichen Blues? Kai Strauss live im Jazzclub in Regensburg sorgte vor einiger Zeit für die (bei einem HiFi-Redakteur sowieso) zwingend notwendige Kalibrierung des Gehörganges, und der dort erworbene Tonträger erzählt mir die Geschichte dieses Abends noch einmal überaus authentisch nach. Kai Strauss an der Fender Stratocaster – unverkennbar; der klassische Fender-Sound ist was? Rund und warm, manchmal ein wenig „bumsig“, doch er fönt nur dann, wenn eine waffenscheinpflichtige Stratocaster am Marshall-Amp hängt. Aber jetzt weg vom Hörsturz und zurück ins Hörzimmer. Mit dem Tonträger Night Shift werden Erinnerungen an dieses Live-Erlebnis geweckt, und die Jade 30 zeigt mir die Signale lebensnah.
Info
Lautsprecher Pylon Jade 30
Konzept: 3-Wege-Standlautsprecher, Bassreflexsystem
Bestückung: 15“-Tieftöner (Papiermembran), 6“-Tiefmitteltöner (Papiermembran) mit Phaseplug, 1“-BMS-Hochtonhorn
Frequenzgang: 32 bis 20 000 Hz
Impedanz: 8 Ω
Übergangsfrequenzen: 250 Hz und 2000 Hz
Wirkungsgrad: 93 dB
Anschluss: Single-Wire
Ausführung: Furnier American Walnut oder Eiche schwarz
Maße (B/H/T): 480/934/460 mm
Gewicht: 55 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: um 5500 €
Kontakt
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Telefon +49 30 6134740
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