UFO 2 Flying One Hour Space Rock

Hörstoff: Die Anfänge der Band UFO

Die Anfänge der Band UFO

From Outer Space – Die Anfänge der Band UFO

Der Bandname ehrt den Londoner UFO Club, wo einst Pink Floyd und Soft Machine auftraten. UFO 1, das Debütalbum, erschien Ende 1970. Da lief bei der BBC gerade auch die Science-Fiction-Serie U.F.O. an. Spacige Sounds lagen im Trend.

Es ist schon wahr: Berühmt und erfolgreich wurden UFO („ju-ef-ou“) erst später. Mit dem jungen deutschen Gitarristen Michael Schenker schuf die Band ab 1973 eine Blaupause des Hardrock, die auch viele Metal-Bands beeinflussen sollte. Doch es gibt eine Vorgeschichte, die in mancher Hinsicht viel spannender ist. In der Prä-Schenker-Ära waren UFO noch ein faszinierend unformalistisches Rockquartett – roh, nackt, zuweilen holprig. Zwischen erdigem Blues, harten Riffs, donnernden Shuffle-Rhythmen und wabernden Acid-Sounds suchten sie ihren eigenen Weg. Die Vorbilder damals hießen Cream, The Who, Led Zeppelin.

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Phil Mogg, der Sänger der Band, verehrte vor allem Bluesleute wie Howlin’ Wolf und Muddy Waters und den Cream-Vokalisten Jack Bruce. Bassist Peter Way lieferte an der Basis die fetten, galoppierenden Läufe. Drummer Andy Parker schlug feurige, unangepasste Trommelsalven im Stil von John Bonham und Ginger Baker. Und der Gitarrist? Mick Bolton, der Jüngste im Quartett, ist das große Mysterium der frühen UFO. Er war es, der die Band zusammenbrachte, der das frühe UFO-Erlebnis prägte – mit seinem Bluesfeeling, seinen Rockfiguren, seinen wechselnden Gitarrensounds. Minutenlang konnte er auf einem einzigen Akkord reiten, ohne zu langweilen. Bolton, praktisch der alleinige Solist der Band, schlug magische Brücken zwischen harter Erdigkeit und spacigem Trip. Was aus ihm wurde, ist unbekannt. Die Erinnerung an ihn wurde vom Ruhm seines Nachfolgers Michael Schenker weitgehend verdrängt.

UFO 1

Das erste Album UFO 1 (Repertoire 4742) entstand an zwei Sommertagen 1970 – mit einem Budget von nur 500 Pfund. Ein Erfolg wurde die Platte praktisch nur in Deutschland und Japan. Hier mochten die Rockfans besonders den Song „Boogie“ – entfesselte Gitarre, druckvoller Shuffle, modale Improvisation – und das „C’mon Everybody“, eine Hardrock-Version von Eddie Cochrans Rock’n’Roll-Hit. Diese Adaption inspirierte später Humble Pie, Led Zeppelin und andere. (Das Vorbild waren The Who mit Cochrans „Summertime Blues“.) Es gab auf dem Album noch weitere Coverversionen wie Bo Diddleys „Who Do You Love“ und die Anti-Kriegsballade „Come Away Melinda“ – eigentlich eine Domäne von Folksängern, aber kurz zuvor auch von Uriah Heep gecovert. Die Originals der Band, darunter „Shake It About“, „Follow You Home“, „Timothy“, „Treacle People“, sind harter, bluesiger Rock, sperrig gespielt, ungeglättet, mit treibendem Biss und spacigen Nebentönen. Das Album ist eine „Pre-Metal Study“, wie ein Kritiker schrieb – eine kernige Etüde im embryonalen Heavy-Stil.

UFO 2 Flying One Hour Space Rock

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1971 folgte UFO 2 (Repertoire 4743) – Untertitel: Flying, Untertitel: One Hour Space Rock. Das ist die Platte, mit der sich die Band ihr spaciges Prestige verdient hat, die Platte für die Acid-Heads, die Weltraumträumer und Psychedeliker unter den Rockfans. „Star Storm“ und „Flying“ heißen die beiden Monster-Songs, die zusammen schon über 45 Minuten lang sind. Mick Boltons Gitarre feiert hier Triumphe – er improvisiert unermüdlich in wechselnden Stilistiken, bluesig, rockig, schwärmerisch, mit Spannung in jeder Phrase. Gegliedert werden die langen Gitarrenstrecken durch Tempowechsel, Beschleunigungen, markante Riffs – es sind progressive Rocksuiten. Etwas kürzer fiel „Silver Bird“ aus, ein starker Sieben-Minuten-Song, auch er mit Tempobrüchen. Und dann ist da noch der kompakte „Prince Kajuku“ mit einem legendären Rockriff, das auch von Black Sabbath oder Led Zeppelin sein könnte. Phil Moggs unverwechselbare Stimme, immer etwas kantig-heiser, liebt die klare Phrasierung – durchdringend und mit einer Dramaturgie, die an Jim Morrison oder John Fogerty denken lässt.

UFO Live

Kurz bevor UFO 2 erschien, entstanden im Herbst 1971 auf einer Japantournee die Aufnahmen für das erste Konzertalbum: UFO Live (Repertoire 5109). Die A-Seite gehört den Coverstücken, also Cochrans „C’mon Everybody“, Diddleys „Who Do You Love“ (fast zehn Minuten lang!) und einer neuen Adaption: Paul Butterfields „Loving Cup“. Die Konzertfassungen sprühen vor Temperament und Feuer – Mogg erweist sich als Bühnentier, Parker lässt die Sticks tanzen, Bolton wird zum Saitengott. Die B-Seite eröffnen die beiden „Kajuku“-Titel, die beim Konzert noch unveröffentlicht waren – am Stück gespielt klingen sie wie ein Prog-Epos. Und natürlich darf der erfolgreiche „Boogie“ nicht fehlen, fast dreimal so lang wie im Studio und pure Energie. Nach diesem Live-Album hat der Gitarrist Mick Bolton dann wohl sein privates UFO bestiegen. Man hat nie mehr etwas von ihm gehört.

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