Lehmannaudio Floatweight 400
Kennen Sie die Situation? Sie befinden sich in einem Raum mit mehreren Menschen, die sich weder sonderlich bekannt noch sympathisch sind, und es liegt ein Knistern, eine kribbelige Unentspanntheit in der Luft. Nur im Mikrovoltbereich, doch genug, um den Anwesenden weiter den Abend zu verderben.
Im Kontrast dazu gibt es diese ganz besonderen Menschen, die fähig sind, mit ihrem Strahlen, ihrer von tiefstem Herzen kommenden Fröhlichkeit den kompletten Raum in ihren Bann zu ziehen. Solche Menschen können das lahmste Meeting in der drögen Wüste der Kostenoptimierung in eine Oase mentaler Fruchtbarkeit verwandeln. So wie mein Freund Eddy. Gebürtiger Gambier, Coach, Fitnesstrainer, fantastischer Koch, Mentor, Hafen und Anker in allen Lebenslagen. Es ist verblüffend, wie eine Ansammlung von zehn Hitzköpfen konstruktiv wird, sobald er das Wort ergreift. Warum erzähle ich Ihnen also hier von meinem Fitnesstrainer? Weil sich die Wirkungen meines Freundes und die von Norbert Lehmanns Plattengewicht sehr nahe kommen. Nur wirkt Eddy auf Hitzköpfe, das Floatweight beruhigt Musik. Oder besser gesagt, die Wiedergabe von Schallplatten. Das Schallplattengewicht selbst kam wahrscheinlich vier Wochen nach der ersten welligen Platte auf den Markt, ergo knapp nach Ende der Schellack-Ära. Das Prinzip ist so weit ziemlich einfach: Masse drückt auf Platte, Platte fest auf Teller, im Idealfall ist damit alles gut. Aus was das Gewicht im Einzelfall gedrechselt wurde, ist dabei erstmal Wumpe. In meinem Hörraum finden sich Exemplare aus Aluminium, POM, Holz und Kupfer. Mit Dosenlibelle (praktisch, aber klotzig), ohne (Holz, hübsch), immer sauber gewuchtet, penibel gebohrt. Eines lässt sich fix mit dem Lagerdorn verspannen, die anderen liegen satt auf. Doch jetzt viel Know-how oder gar Geld an dieser Stelle zu investieren, kam mir bisher nie in den Sinn. Wenn hinter dem Floatweight halt nicht Norbert Lehmann stecken würde.
Der Mann, der seit Jahrzehnten beweist, dass audiophile Größe absolut nichts mit Tand am Hut hat. Wer bis hier noch nichts von Klassikern wie der Stamp (ein feiner Stereo-Powerriegel, der auch beim Verfasser seit langen Jahren treue Dienste tut) oder der Black Cube (der Phonostufe schlechthin, sofern man aufs Budget achten muss) gehört hat, melde sich sofort beim Direktor zum Nachsitzen. Wer Statussymbole sucht, wird sicher woanders fündig. Norbert Lehmann entwickelt und vertreibt kein Brimborium für Betuchte. Er verhilft zu Emotionen. Ohne Schnörkel, durchdacht, bezahlbar. Bisher – denn um die 600 Euro finde ich persönlich schon recht heftig für ein „Plattengewicht“. Doch ist das Floatweight 400 eben kein weiteres Stück Metall, das man sich auf den Plattenteller legt, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Es ist kein audiophiles Fitnessgerät, sondern eher – um im Bild zu bleiben – ein Eddy. Einer, der den Raum verändert, ohne ihn zu dominieren.
Im Inneren des Plattengewichts arbeiten sieben exakt definierte Gewebelagen, sorgfältig aufeinander abgestimmt. Diese Konstruktion ist nicht auf maximale Masse ausgelegt, sondern auf die gezielte Absorption von Mikroschwingungen, die beim Abtasten der Rille unweigerlich entstehen. Jene winzigen, nervösen Bewegungen, die wir nicht hören, aber spüren – als Unruhe, leichte Schärfe oder als unterschwellige Anspannung im Klangbild. Das Besondere dabei: Die Glocke des Floatweight ist mechanisch von der Schallplattenoberfläche entkoppelt. Keine starre Verbindung, kein direkter Kraftschluss. Stattdessen ein kontrolliertes Schweben, ein Ableiten von Energie, bevor sie sich wieder in die Platte zurückschreibt. Das Resultat ist kein Effekt, kein „Aha!“, sondern etwas viel Tieferes: unfassbare Ruhe. Musik wirkt plötzlich entschleunigend, fast meditativ. Sie drängt nicht mehr nach vorne, sondern breitet sich aus. Erdend. Selbstverständlicher. Stimmen stehen stabiler im Raum, Becken verlieren ihr nervöses Flirren, Bass wird nicht fetter, sondern glaubwürdiger. Man hört länger – und merkt es erst, wenn die Platte zu Ende ist.
Ein weiteres Detail zeigt, wie weit Lehmann denkt: Die Zentrierachse, die beim Aufsetzen des Floatweight hilft, wird nach der Platzierung vollständig entfernt. Das Gewicht hat anschließend keinen Kontakt mehr zur Tellerachse. Keine Kopplung, keine Rückwirkung auf Lager oder Subchassis. Das Floatweight ruht ausschließlich dort, wo es wirken soll: auf der Platte – und sonst nirgends. So entsteht keine zusätzliche Spannung im System, sondern das Gegenteil. Eine Entlastung. Das Floatweight 400 macht keine Werbung für sich. Es schreit nicht. Es bleibt. Und genau das verändert alles. So wie Eddy, wenn er einen Raum betritt, nichts sagt – doch plötzlich hören alle zu.
Info
Plattengewicht Lehmannaudio Floatweight 400
Konzept: schwingungsschluckendes Plattenauflagegewicht
Technologie: verschiedene 3S-Gewebescheiben
Besonderheiten: schwingungsdämpfend statt gewichtend, dank herausnehmbarem Zentrierstift kein Kontakt zur Tellerachse
Maße (H/D): 40/80 mm
Gewicht: ca. 0,4 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 600 €
Kontakt
Lehmannaudio
Waltherstraße 49–51
51069 Köln
Telefon +49 221 49293320







