Clearaudio Compass mit MM N1
Ein solider Laufwerkskörper, eine interne Drehzahlregulierung, ein durchdachter, solider Tonarm und ein gut klingendes MM-System mit bestem Preis-Leistungs-Verhältnis ergeben am Ende den aktuellen Clearaudio-Plattenspieler mit Namen „Compass“. Ein Komplettpaket im Wortsinne. Technische Verbesserungen am nun größeren Modell Clearaudio Concept, steigende Materialpreise und daraus resultierend auch steigende Verkaufspreise des bisherigen Basismodells sind wichtige Beweggründe für die Entstehung des neuen Plattenspielers aus Erlangen.
„Handmade in Germany“ bleibt auch beim Compass die Vorgabe. Bis auf die schwere Grundplatte kommen alle klangrelevanten Teile aus Erlangen, das Chassis selbst kommt aus Tschechien. Die Grundkonzeption folgt dem Standard für Masselaufwerke. Apropos Masse: Insgesamt wiegt der Compass mehr als acht Kilogramm. Aber zurück zum Konzept. Das Tellerlager aus Bronze mit Teflonspiegel ist fest mit der Basis verbunden. Darin dreht sich quasi spielfrei die gehärtete Stahlachse des Aluminium-Subtellers. Der zwei Zentimeter mächtige Acrylteller ist so exakt gefertigt, dass sich mit bloßem Auge nicht feststellen lässt, ob er sich dreht oder nicht. Mit dem Ohr übrigens auch nicht, denn den mit einem Flachriemen an den Subteller angebundenen, von der Grundplatte entkoppelten 12-Volt-Gleichstrommotor hört man nicht.

Dass für den Paketpreis von 1300 Euro kein Satisfy-Tonarm den Weg auf den Compass finden würde, war von vornherein klar. Der neue, schlicht „T1“ genannte Tonarm basiert technologisch aber auf eben diesem Satisfy. Die Headshell sowie die Lagerkonstruktion weisen Parallelen auf. Wie die Grundausführung des größeren Bruders ist der T1 ebenfalls überwiegend aus Aluminium gefertigt. Das Antiskating wird beim kleineren Modell aber nicht magnetisch, sondern über ein Gegengewicht gelöst, und auch der sanft arbeitende Tonarmlift ist ein wenig einfacher realisiert. Das Kabel – es kommt Clearaudios Direct Wire PLUS zum Einsatz – ist von der Headshell bis zu den MPC-Cinchsteckern durchgehend ausgeführt. Die Fertigungsqualität insgesamt ist über jeden Zweifel erhaben und kann locker mit den weit verbreiteten britischen Armen mithalten – meine Meinung. Dass der Tonarm eine wesentliche Komponente für das klangliche Gesamtergebnis ist, habe ich schon bei manchem Umbau und auf verschiedenen Laufwerken feststellen dürfen. Umso mehr freut es mich, dass Clearaudio plant, den T1 künftig auch einzeln anzubieten, vielleicht schon zu Jahresende, wie mir Firmenchef Robert Suchy sagte.

Separat erhältlich ist bereits das N1, ein solides Moving-Magnet-System mit elliptischer Nadel und Aluminium-Nadelträger. Viel ist im Netz und bei den schreibenden Kollegen schon zu lesen gewesen, und ich muss schlicht und einfach sagen: Das stimmt alles! Ich habe bisher keinen Tonabnehmer in dieser Preisklasse gehört, der unterschiedlichste Genres musikalisch so souverän an die Wiedergabekette weiterleitet. Ja, natürlich hält sich die Abtastfähigkeit im Vergleich zu Systemen mit Shibata-Schliff oder anderen, feineren Nadelschliffen in Grenzen, aber das fällt tatsächlich erst im direkten Vergleich auf. Und um es zu wiederholen: Das, was da an den Phonoentzerrer mit knapp 2,9 Millilvolt Ausgangsspannung weitergegeben wird, ist pure Musik.

Pink Floyds Momentary Lapse Of Reason (remastered) ertönt farbig und mit einer kontrolliert klaren Tieftonpräsenz, wie ich sie nicht erwartet hätte. Das kraftvoll treibende Schlagzeug von Nick Mason in „Dogs of War“ wird sowohl von den Toms als auch von der Basstrommel her mit Druck ausgelesen. Die Dynamik der Aufnahme geht dabei nicht in der übermittelten Tieftonenergie unter. Der Compass findet zwischen den einzelnen Impulsen Zeit, die von uns allen geliebte „Schwärze“ in den Hörraum zu projizieren. Der Clearaudio klingt vollmundig und liefert trotzdem alle musikalisch relevanten Details. Die Stereomitte sitzt, Gilmours Stimme auf dem Intro von „On The Turning Away“ hat eine ausgewogen realistische Größe. Die wenig später einsetzende Akustikgitarre ist ein wenig hinter der vokalen Darbietung positioniert. Dabei liefert der Compass eine musikalisch geschlossene Darstellung, ohne in der Tiefenstaffelung der komplexen Instrumentierung zu sehr zu sezieren – das wäre dann doch zu viel des Guten. Allerdings verhält es sich so, dass das in sich stimmige Klangbild des kleinen Clearaudio erst dann seinen Meister findet, wenn ich mit ungleich teureren Kombinationen um die Ecke komme. Upgrademöglichkeiten sehe ich da durch den Wechsel des an sich sehr stimmigen N1-Tonabnehmers – ich gehe gleich noch darauf ein – gegen eine Alternative mit feinerem Nadelschliff oder gleich ein MC-System wie das von mir geschätzte Concept MC aus selbem Hause. Der T1 und die gute Compass-Basis geben das aus meiner Sicht her.

Die Auswahl der beiden Umdrehungsgeschwindigkeiten findet übrigens elektronisch über einen Schalter an der linken Unterseite der Plattenspielerzarge statt. Die Drehzahl wird ab Werk mithilfe von kleinen Potentiometern auf der Steuerplatine fest eingestellt und für jeden Plattenspieler getestet. Das funktioniert tadellos. Serienmäßig kommt der Compass mit einem 12-Volt-Gleichstrom-Steckernetzteil, das ebenfalls problemlos funktioniert. Ich habe mir von Clearaudio allerdings noch das Professional Power 12 V kommen lassen und wollte wissen, ob sich das auch bei einem Basismodell auszahlt. Und das tut es. Mit dem Professional Power 12 V wird die Tiefenstaffelung besser, Instrumente sind klarer voneinander getrennt, die Bühne wird tiefer und einzelne Bassimpulse treten exakter aus der musikalischen Darbietung hervor. Das sind keine Welten, jedoch hörbare Unterschiede, die aus meiner Sicht den Aufpreis von knapp 600 Euro rechtfertigen. Zudem mag ich die Haptik des kleinen, aber schweren Netzteils. Tatsächlich lässt sich in einer eigenen (semiprofessionellen) Messung per App ein besserer Gleichlauf mit dem Professional-Power-Netzteil im Vergleich zum Standardnetzteil feststellen.
Trotz all der Jahre mit meiner Schallplattensammlung reizt es mich jetzt, einmal durch die Regale zu stöbern und Klassiker oder schon fast vergessene Schätze herauszusuchen. Zum Beispiel die 1962er-US-Pressung (Riverside) von The Wes Montgomery Trio. Gleich das Thelonious-Monk-Cover „Round Midnight“ zeigt, wie der Compass musikdienlich spielt. Wes Montgomerys Gitarre hat Substanz und Körper, während Melvin Rhyne die Orgel als echtes Begleitinstrument verwendet und ein weiches Akkordbett bereitet. Paul Parker schiebt den Besen mit einer Bestimmtheit, dass seine Mitmusiker ins rhythmische Ziel getragen werden. Der weiche Orgelbass reicht tief hinab, und das geschickte Arrangement des Trios bedient den gesamten Frequenzbereich. Dabei fällt mir das gute Timing des Clearaudio auf, das weniger unruhig klingt als bei leichteren oder einfacher konzipierten „Brettspielern“, die zwar oft mit Schnelligkeit punkten können, das Fundament und die tiefdunklen Zwischenräume aber vermissen lassen. Nicht so der Compass. Ich kann nicht schlussendlich feststellen, woher dieser souveräne Tieftonbereich kommt, ich denke aber, er ist dem Grundgewicht der aus MDF und Stahl (für das Gewicht) gefertigten Zarge sowie dem ruhig und präzise arbeitenden Tonarm zuzurechnen. Beide bieten dem farbig klingenden Abtaster optimale Voraussetzungen.
Einen will ich noch hören: „Half Of Everything“ ist ein Stück von Lloyd Coles Soloalbum Don’t Get Weird On Me Babe. Die elegant groovende Band wird begleitet von einem echten Orchester und einem souligen Chor. Cole ist hier Anfang der 1990er stimmlich absolut in Topform. Überhaupt, Stimmen: Die mag und präsentiert der Compass mit guter Auflösung und viel Emotion. Der akzentuierte Rhythmus und das Timing des kompletten Ensembles machen beim Hören dieser Platte ebenfalls richtig Spaß. Die perfekte Kost für den Clearaudio.
Der Compass ist für mich der neue Preis-Leistungs-Standard bei Masselaufwerken, und das kleine, feine N1-System ist auch unter anderen Armen ein in sich stimmiger Begleiter für gelungene Plattenabende.
Der N1-Tonabnehmer hat ein stabiles, eloxiertes Aluminiumgehäuse mit einem wechselbaren Nadelträger. Der Wechsel der Nadel funktioniert natürlich auch, während das N1 am Tonarm montiert ist. Dazu wird der Nadeleinschub einfach nach unten abgezogen und durch die Ersatznadel ersetzt. Bezüglich des Auflagewichts empfiehlt der Hersteller 2,2 Gramm, ich habe 0,1 Gramm mehr (maximal 2,5 g empfohlen) für mich als optimal ausgemacht – das wirkte sich durchaus positiv auf die Abtastfähigkeiten aus. Was gegebenenfalls im Zusammenspiel mit anderen Tonarmen relevant sein könnte, ist das im Vergleich mit Mitbewerbern höhere Eigengewicht von 12,6 Gramm. Ansonsten gibt es nichts zu beachten, das Handling ist unkompliziert und gut! Und zu dem Preis ist das N1 ein echter „Mitnehmer“. Übrigens kommt es im Compass-Gesamtpaket bereits perfekt justiert und eingebaut.
Info
Plattenspieler Clearaudio Compass
Konzept: manuelles Masselaufwerk mit Riemenantrieb; inkl. Tonarm T1, (vorjustiertem) MM-System N1 und Acrylhaube
Ausgänge analog: 1 x RCA (fest verdrahtet)
Verkabelung: Clearaudio Direct Wire PLUS mit MPC-Steckern, Kabellänge 1,1 m
Drehzahl: 331/3/45 U/min
Gleichlauf: ±0,05 %
Leistungsaufnahme: max. 5,56 W
Material Zarge: MDF, Bodenplatte aus Stahl
Material Plattenteller: 20-mm-Acrylteller, Aluminium-Subteller
Ausführung: Schwarz oder Weiß
Maße (B/H/T): 44/12/34 cm
Gewicht: 8,4 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 1300 €
Netzteil Professional Power 12 V
Konzept: stabilisierte Gleichstromversorgung, Trafo-basiert, Netzschalter (Rückseite) und Standby-Taste (Vorderseite), Status-LED (dimmbar)
Besonderheiten: gibt die Ausgangsspannung (12 V) erst nach 40-sekündiger Kalibrierungsphase der Schaltung frei (max. 500 mA)
Ausführung: Schwarz oder Silber
Maße (B/H/T): 7/8/15 mm
Gewicht: 813 Gramm
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 590 €
Kontakt
Clearaudio Electronic
Spardorfer Straße 150
91054 Erlangen
Telefon +49 9131 40300100
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