Unsuk Chin
Der wachsende Einfluss asiatischer Komponisten sorgt für viele erfreuliche Bereicherungen der internationalen Konzertmusik …
… etwa durch neue Ausdrucksmittel in Tonalität, Intonation, Klangfarbe, Dynamik, Rhythmus. Die aus Südkorea stammende (und in Berlin lebende) Komponistin Unsuk Chin ist da ein gutes Beispiel. In der Musik der Schönberg- und Siemens-Preisträgerin übernehmen expressive Streicherglissandi und rhythmusbetonte Perkussionsstrecken eine dominante, ja stilprägende Rolle. Unsuk Chins Freude an Hyperaktivem, Polyphonem und Polyrhythmischem treibt die Komplexität der musikalischen Abläufe gelegentlich sogar bis an die Grenze zum Chaos. Ihre Musik „glitzert und funkelt, leuchtet und irrlichtert“, wie Dirk Wieschollek schreibt.
Man spürt Einflüsse von György Ligeti ebenso wie aus Balis Gamelan-Tradition. Auf dem Album des Ensemble Intercontemporain (das Pierre Boulez vor 50 Jahren gegründet hat) sind gleich drei brillante neuere Werke der Komponistin vereint. Da ist der sechssätzige, in sich sehr gegensätzliche Zyklus Gougalon, inspiriert von Erinnerungen an koreanisches Straßentheater. Da ist das einsätzige Doppelkonzert für Klavier, Perkussion und Ensemble, in dem das Orchester meistens „hinter“ das perkussive Geschehen tritt. Und da ist das dreisätzige Kammerorchesterwerk Graffiti – der Titel soll eine Mischung aus Rauheit und Raffinesse suggerieren. Spannende Hörerlebnisse sind garantiert.
Unsuk Chin – Unsuk Chin
Samuel Favre, Dimitri Vassilakis, Ensemble Intercontemporain, Pierre Bleuse
Label: Alpha
Format: CD



