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Sendy Audio Peacock

Sendy Audio Peacock

Hohlraum­versiegelung

Sendy Audio Peacock

Ich bin Ü50, trage Vans und Hoodies, dazu ausgewaschene Jeans. Luxus und Eleganz umgeben mich eher peripher. Folglich passen edle Hölzer, feinstes Leder und güldene Applikationen zu mir wie ein Känguru in die Straßenbahn. Und trotzdem sieht man mich seit Monaten selten ohne eine gehörige Portion Opulenz auf dem Haupt. Wo sonst zwei weiße Stummel zwecks Beschallung aus den Ohren ragen, krönt nun ein ziemlich massiver Vertreter der Gattung Kopfhörer meinen Schädel. Und ich hab eigentlich überhaupt keine Lust, ihn wieder abzusetzen. Warum, das klärt dieser Text.

Sendy Audio Peacock

In aller Kürze: Sendy Audio Peacock

Sendy Audio Peacock

 

Wenn man mit einem Kopfhörer wie dem Sendy Audio Peacock ein Sonnenbad im Park zu nehmen gedenkt, sollte man über ein stabiles Ego verfügen. Dezent geht anders. Beim Sendy geht’s eindeutig in Richtung Luxus: Das Gehäuse aus edlen Hölzern, kuschelige Ohrpolster mit feinstem Ziegenleder, das auch Kopfpolster und Bügel kleidet. Geliefert in einem wundervollen Vintage-Holzkasten und dazu ein Gewicht um die sechshundert Gramm (inkl. Kabel). So ist der Peacock der perfekte Antagonist zu meinen klirrenden Plastikstöpseln, mit denen man aussieht, als ragten Joint-Stummel aus den Gehörgängen. Auch wenn der Peacock recht wuchtig anmutet – dank der fluffigen Ohrpolster spürt man das Gewicht auch bei ausufernden Sessions nicht allzu stark. Der Bügel sorgt für einen guten, doch nicht zu straffen Sitz.

Der Sendy darf gerne öffentlich zur Schau getragen werden, muss aber nicht. Er funktioniert durchaus am Audioausgang eines schnöden Smartphones (sofern das noch einen Ausgang bietet), doch agiert er dort kilometerweit unter seinem Niveau. Als Begleiter auf einer Zugfahrt top, sofern einem die neidischen Blicke der Plastikstöpselnutzer nichts ausmachen. Doch gehört ein Pfau nicht in einen Zug. Und ein Kopfhörer mit dem Anspruch des Peacock verdient eine adäquate Umgebung. In der zufälligerweise drei vielversprechende Spielpartner herumstehen, die willig wären, seine Stecker bei sich andocken zu lassen.

Sendy Audio Peacock
Ausladend, aber extrem schön. Und bequem. Der Peacock glänzt nicht nur mit hervorragendem Klang, er besitzt auch nette Details wie das austauschbare Kabel – das kann seine Lebensdauer im Falle eines Falles deutlich steigern.

Mit seinen Magnetostaten bietet der Sendy eine riesige potenzielle Bandbreite von kellertiefen 20 Hertz bis irgendwas um die 40 Kilohertz – Fledermausregionen. Dafür benötigt er allerdings einen kräftigen Verstärker, was das Schwächeln von Smartphone und manchen Portables erklärt. iFi audios potenter iFi Phantom DSD, den wir zur Sicherheit eigens zum Test hinzuluden, ist gerade noch dabei, sich zu akklimatisieren, als ich in lieblichen Klängen von Sepultura versinke. Die Coverversion des Massive-Attack-Klassikers „Angel“ grummelt strukturiert, straff und griffig im Hohlraum zwischen den Ohren. Dort herrschen definitiv bessere akustische Bedingungen als draußen. Der Peacock füllt meine Lauscher mit klarer Struktur, weist alles an seinen Platz und bildet in glaubhaften Dimensionen ab. Nächster Halt: Tiamats Klassiker Wildhoney. „Gaia“ lässt mich ultratief in haarfein durchgezeichnete Weiten eintauchen. Ich bin derart fasziniert, dass ich mir den Titel direkt nochmal anhöre, jetzt am Harmony Design Ear 903. Dieser faszinierende Vorverstärker agiert ein gutes Stück gnädiger als der mittlerweile aufgetaute iFi audio. Der iDSD verschiebt die Grenzen des persönlichen Universums zwar weiter in die Ferne, zerstäubt Obertöne noch mikroskopischer, was dem Ganzen eine wundervolle Offenheit verleiht, fordert aber einen Tribut, der mir erst im Vergleich bewusst wird: Er verleiht dem Peacock einen kühleren Charakter, der zu Lasten der Natürlichkeit geht. Für einen Kopfhörer verfügt der edle Pfau über eine großzügige Membranfläche. Im Zuge energetischer Effizienz wurden die aufgebrachten Schwingspulen gedoppelt und zwischen zwei Magnetfelder gespannt. Das verleiht dem Peacock im Zusammenspiel mit seiner offenen Bauform zwar nicht den allertrockensten Kickbass, dafür reicht sein Fundament aber bis in die tiefsten Keller. Und mit dieser Kombination kommt ein „erdiger“ abgestimmter Kopfhörerverstärker einfach besser klar – zumindest für meinen Geschmack.

Sendy Audio Peacock
Mitgedacht haben die Konstrukteure auch bei der Beschriftung: Die Kanäle sind deutlich sichtbar.

Nach derart deftiger Kost wechsle ich zu „Fever“ aus der Feder von Jazz-Ikone Peggy Lee. Ich besitze den Song in einer lupenreinen DSD-Version, die vom Laptop in Kopfhörerpartner Nummer drei strömt. Mein M-DAC von Audiolab mag im Vergleich – schon wegen seines Alters – im Abseits stehen. Und doch erweist er sich im Zusammenspiel mit Sendy Audios Pfau als „perfect match“, was unter Umständen auch an meiner langjährigen Gewöhnung liegt. Allerdings sind seine Argumente auch objektiv belastbar: Der Kontrabass des Songs fordert Swing, nicht Kraft – und der wird hier geliefert. Trocken schnipsen die Finger, und die Bühne im Kopf wird unterhaltsamst in Szene gesetzt. Er fördert die offene Luftigkeit und quirlige Feindynamik der Elektrostaten stressfrei zutage. Besonders schön gelingt ihm dieses Kunststück bei Stimmen. Der Peacock rückt Sängerinnen und Sänger greifbar in den Raum, ohne sie gleich auf den Schoß zu setzen. Intimität ohne unangenehmes Atmen in den persönlichen Sicherheitsbereich. Eine Gitarre hat Körper, Saiten haben Metall, das Becken darf schimmern, ohne sofort mit der Flex bearbeitet zu werden. Das ist weniger Studio-Lupe als großzügig ausgeleuchtetes Wohnzimmer.

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Hier sehen Sie den vollständigen Lieferumfang – alle erforderlichen Adapter (inkl. Säckchen) und eine robuste Ledertasche sind dabei.

Der Pfau bleibt trotz aller Opulenz erfreulich langstreckentauglich. Selbst nach zwei vollständigen Alben bleibt das sonst übliche „Jetzt reicht’s aber“-Gefühl aus, bei dem man den Kopfhörer absetzt und prüft, ob die Ohren noch dort hängen, wo sie morgens montiert wurden. Natürlich verschwindet ein Gerät dieser Größe nicht am Kopf wie eine spirituelle Erfahrung aus Carbon und Flausch. Man fühlt, dass da ein ausgewachsener Ziervogel auf dem Schädel residiert. Aber mit Manieren. Die Polster schmiegen, der Bügel verteilt den Anpressdruck, nichts kneift oder drückt auf dem Kopf. Nur die Außenwelt wird durch die offene Bauweise nicht völlig ausgesperrt, sondern zum stillen Teilhaber erklärt. Staubsauger, Türklingel, Mitbewohner: alles Feinde der Versenkung. Der Peacock ist kein Fluchtfahrzeug. Er ist ein Lesesessel mit Kabel.

Bildergalerie
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Und vielleicht ist genau das sein eigentlicher Trick. Er zwingt ein wenig zur Entschleunigung. Nicht reinstecken, losrennen und nebenbei die Welt ignorieren. Sondern hinsetzen, anschließen, Platte wählen und dann verschwinden. Nicht aus der Wohnung, aber aus dem Takt des Tages. Für jemanden wie mich, der im Regelfall eher zu Lautstärkeemissionen und physischem Erleben neigt, ist das beinahe verdächtig kultiviert. Fast schon erwachsen. Aber keine Sorge: Die Vans bleiben an.

Sendy Audio Peacock

Info

Kopfhörer Sendy Audio Peacock

Konzept: Over-Ear-Kopfhörer, offene Bauform
Treiber: magnetostatische „Quad-Form-Treiber“ mit doppelten Spulen und Magneten
Frequenzgang: 20 Hz bis 40 kHz
Impedanz: 50 Ω
Schalldruckpegel: 105 dB
Besonderheiten: Ohrpolster austauschbar, 4-poliger Mini-XLR am Kopfhörer
Lieferumfang: Hardcase aus Leder, verdrilltes Anschlusskabel (Länge 2,5 m) mit 4,4-mm-Pentaconn (symmetrisch), Adapter Pentaconn auf 4Pin-XLR
Gewicht: 580 g
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 1600 €

Kontakt

audioNEXT

Isenbergstraße 20
45130 Essen
Telefon +49 201 5073950

www.audiodomain.de

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