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Magnepan MG-0.7 Magnetostaten

Magnepan MG-0.7

Flacher Strahler, tiefer Raum!

Magnepan MG-0.7

Dass diese nach dem magnetostatischen Prinzip funktionierenden Flächenstrahler ihrer schlanken Physis zum Trotz den Hörraum derart plastisch mit Musik füllen, wirkt beinahe überirdisch … und das umso mehr, als die Preisgestaltung mitnichten abgehoben daherkommt.

Magnepan MG-0.7 Magnetostaten

In aller Kürze: Magnepan MG-0.7

Magnepan MG-0.7 Magnetostaten

 

Auf dem diesjährigen Analog Forum in Moers führte Vertriebsleiter Jürgen Reichmann das legendäre Laufwerk Platine Verdier mit Elektronik von Musical Fidelity und Flächenstrahlern von Magnepan vor. Als ich den Raum betrat und die ziemlich beeindruckenden 2.7i erblickte, schoss mir blitzartig die Erinnerung an meinen Erstkontakt mit Flächenstrahlern in den 80er Jahren durch den Kopf – mannshohe, quadratmetergroße Wände, die von einer gigantischen, kochend heißen Endstufe angetrieben wurden. Ich war damals schwer beeindruckt, doch bis jetzt hatte sich nie eine Gelegenheit ergeben, dem Klangmythos dieser Lautsprechergattung auf die Spur zu kommen. Und auch diesmal gelang es mir wegen des regen Besucherandrangs nicht, einen aussagekräftigen Höreindruck zu erhaschen, was mich aber nicht weiter bedrückte, da ohnehin ein Test anstand. Nachdem ich Jürgen Reichmann noch auf der Show die Geometrie meines Hörraums erläutert hatte, schlug er die Magnepan MG-0.7 vor, das zweitkleinste Modell der Baureihe. Die handlichen Maße und das freundliche Gewicht von nur zwölf Kilogramm waren mir auf Anhieb sympathisch.

Magnepan MG-0.7 Magnetostaten
Mit einer Höhe von 138 cm sind die MG-0.7 garantiert nicht klein – gemessen an anderen Magnetostaten lassen sie sich aber bequem in kleinere Räume integrieren. Und im Vergleich zu klassischen Lautsprechern sind sie mit ihren je 12 Kilo geradezu federleicht. Mit etwas Fantasie kann man hinter der Stoffbespannung die Folien erahnen.

Kaum eine Woche später lag ein länglicher Karton im Flur. Wie alle „Maggies“ ist die MG-0.7 ein magnetostatischer Flächenstrahler. Auf eine hauchdünne Kunststofffolie werden dicht an dicht über die gesamte Fläche Leiterbahnen aus Aluminium aufgebracht. In dem schmalen Bereich, der für die Hochtonwiedergabe zuständig ist (es handelt sich um ein echtes Zweiwege-System), sind diese filigraner und enger angebracht. Die hinter der Membran angeordneten Permanent-Magnete sorgen dafür, dass das Ganze im Takt schwingt, sobald die musikalischen Wechselströme die Leiterbahnen durchdringen. Da die Auslenkungen der Membran im Vergleich zu denen „normaler“ dynamischer Lautsprecher wesentlich geringer ausfallen, ist, um tiefe Frequenzen mit ausreichendem Schalldruck zu übertragen, eine erheblich größere Fläche notwendig. Diese große Membran wird auf einem schmalen Rahmen aufgespannt. Durch die offene Bauweise wird die Schallenergie im Verhältnis von 60/40 nach vorn und hinten abgestrahlt. Das macht die MG-0.7 zu einem Dipol-Flächenstrahler. Optisch erinnert die flache, leicht transparente Konstruktion an eine kleine spanische Wand. Damit unterscheidet sie sich gravierend von den üblichen Lautsprecher-„Boxen“, in denen dynamische Konus- bzw. Kalottensysteme verwendet werden.

Magnepan MG-0.7 Magnetostaten
Unsere Muster waren mit schwarzem Bezug und natürlichen Alu-Seitenleisten ausgeführt. Die Bilder zeigen die hellere „Off White“-Stoffalternative mit natürlichem (l.) und dunklem (r.) Eichenholz-Paneel. Die MG-0.7 ist auch mit schwarzem Aluminiumprofil lieferbar.

Das Aufstellen der Lautsprecher ist denkbar einfach. Die Paneele sollten dazu mit der Vorderseite flach auf eine gepolsterte Oberfläche (bei mir tut’s eine Wolldecke) gelegt werden; auf diese Weise lassen sich die mitgelieferten Füße in Form von angewinkeltem Flachstahl bequem verschrauben. Das Anschlussterminal ist mit stabilen Buchsen für Bananenstecker ausgestattet, die auch für blanke Drahtenden geeignet sind, da sie mit Gewindestiften fixiert werden können. Darunter wird die Möglichkeit geboten, den Hochtonbereich abzusenken. Im Lieferumfang befindet sich ein Widerstand, mit dem der Pegel um 1 Dezibel reduziert werden kann. Durch Erhöhung des Widerstandwertes lässt sich die Absenkung noch steigern. In meinem gut bedämpften Hörraum war eine Absenkung nicht vonnöten. Das dritte Element im Terminal ist eine Sicherung, die den Hochtöner vor Überlastung schützt.

Als Ausgangsposition für die nachfolgende Feinjustierung platzierte ich die MGs einen Meter vor der Rückwand mit etwa zwei Meter Abstand zueinander und nur leicht eingewinkelt. Aufgrund der im Vergleich zu meinen Kompaktlautsprechern erheblich größeren Frontfläche war ich skeptisch, ob sich die MG-0.7 optisch in meinen Hörraum einfügen, zumal die Probanden in der schwarzen Ausführung vor mir standen. Erstaunlicherweise integrierten sie sich harmonisch ins Wohnumfeld. Die durch die Füße vorgegebene Neigung nach hinten, die leichte Transparenz der schlanken Paneele und die umlaufende Bespannung, die nur seitlich durch die sauber eingelassenen Abdeckstreifen unterbrochen wird, bestimmen den Gesamteindruck luftiger Eleganz.

Magnepan MG-0.7 Magnetostaten
Die MG-0.7 besitzt zwei Wege, die über einen Single-Wire-Anschluss angesteuert werden (oben). Der Tweeter-Attenuator dämpft den Hochton, die Sicherung rechts daneben schützt die empfindlichen Folien vor elektrischer (und damit letztlich auch mechanischer) Überlastung.

Der Vertrieb hatte mich vorgewarnt, dass die Lautsprecher kaum eingespielt waren und dass gerade die Folien der Flächenstrahler eine gewisse Zeit benötigen, um sich freizuspielen. Die Auswahl des geeigneten Verstärkers sei trotz des eher geringen Wirkungsgrades unkritisch. Da die Impedanz gleichmäßig zwischen vier und sechs Ohm verlaufe und auch keine Phasendrehungen aufträten, wären sogar Versuche mit kräftigeren Röhrenverstärkern möglich.

Während der ersten Testwoche deutete sich der Klangcharakter schon an, der Tieftonbereich spielte jedoch noch relativ undifferenziert, und von der sagenumwobenen räumlichen Darstellung, die den „Maggies“ nachgesagt wird, war auch noch wenig zu hören. Ich experimentierte mit der Aufstellung, insbesondere mit dem Abstand zur Rückwand, dem Grad der Einwinkelung und in geringem Maß mit den Abständen zueinander und zu den Seitenwänden. Letzteres war durch die Raumgeometrie eingeschränkt. Die Lautsprecher werden als spiegelbildliche Paare geliefert, der seitliche Hochtonbereich kann also entweder außen oder innen angeordnet sein. Auch diese Möglichkeiten probierte ich mehrfach, was dank des relativ geringen Gewichts der Schallwandler leicht von der Hand ging. Das hört sich umständlicher an, als es war. Nach etwa zwei Wochen war der Einspielvorgang und die damit verbundene Optimierung der Position im Wesentlichen abgeschlossen. Schließlich hatten die Flächenstrahler einen mittleren Abstand von 1,15 Meter zur Rückwand und standen mit einem Abstand von 1,95 Meter nebeneinander. Bei innenliegendem Hochtonbereich und 20 Grad Einwinkelung rastete das Klangbild perfekt ein. Die Sorgfalt bei der Aufstellung wurde mit einem Hörerlebnis der besonderen Art belohnt. Mir kam der Gedanke, dass hier keine Lautsprecher spielen, sondern dass der Raum mit Musik beatmet wird. Zugegebenermaßen eine etwas seltsame Beschreibung, aber je länger die Magnepan MG-0.7 zu Gast waren, desto stimmiger empfand ich diese Charakterisierung. Ich werde versuchen, meinen Eindruck in das übliche audiophile Vokabular zu übersetzen.

Magnepan MG-0.7 Magnetostaten
Gerade einmal drei Zentimeter ist der Lautsprecher „stark“ – die Unterkante für angemessene Stabilität. Theoretisch könnte die 0.7 noch schlanker sein: Die im Rahmen aufgespannte Mylarfolie ist dünner als ein menschliches Haar.

Das bis in den Grundtonbereich hinabreichende hohe Auflösungsvermögen und die schnelle Reaktion auf Transienten dürften für diese offene Klangdarstellung verantwortlich sein. Im Zusammenhang mit der quasi unlimitierten (nicht im Sinne von ausufernd gemeinten) Räumlichkeit und den bis in feinste Nuancen differenzierten Klangfarben erhält man den Eindruck, dass die Musik vollkommen losgelöst im Raum entsteht. „Unaufdringlich lebendig“ kommt mir in den Sinn. Die einzelnen Instrumente bzw. Stimmen wurden stabil und mit einer enormen Plastizität auf der Klangbühne verortet. Das geschah zwar nicht mit ultimativer Konturenschärfe, kam aber der Geschlossenheit der Darbietung zugute. Besonders angenehm fiel mir auf, dass die Proportionen in allen Dimensionen realistisch dargestellt wurden. In der X- und Y-Achse gelingt das vielen guten Lautsprechern, aber gerade die Ausdehnung in der Z-Achse, also unter anderem die Größe der Vokalisten, habe ich selten so lebensecht in meinem Hörraum erlebt. Ähnliches gilt im übertragenen Sinne auch für das Stimmvolumen der Interpreten. Nichts wird überrissen oder unterschlagen. Oder ganz einfach ausgedrückt: Ich empfand die Wiedergabe als ausgesprochen natürlich. Dipol-Flächenstrahlern wird gelegentlich eine gewisse Schwäche bei der Übertragung von tiefen Frequenzen nachgesagt. Dies ist im Wesentlichen auf eine falsche bzw. nicht ausreichend sorgfältig ermittelte Position der Lautsprecher zurückzuführen. Der Abstand zur Rückwand und die Einwinkelung haben einen entscheidenden Einfluss auf die Basswiedergabe. Das ist natürlich bei herkömmlichen „Boxen“ im Prinzip genauso, nur fallen da kleine Abweichungen vom Ideal nicht so gravierend auf. Die in der Bedienungsanleitung klar und einfach beschriebene Vorgehensweise führt relativ schnell zum Erfolg – eine detailreiche Wiedergabe der tiefen Töne ist das Ergebnis. Wunderbar nachzuvollziehen und zu genießen mit dem Kontrabass-Intro auf Mingus Mingus Mingus Mingus Mingus von Charles Mingus. Auch wenn sich Mingus und seine Mannen zum Bigband-Sound steigern, behält die 0.7 immer die Übersicht. Dank der exzellenten Abbildungseigenschaften und Klangfarbentreue kann ich der immer komplexer werdenden Musik entspannt folgen. Die Wahrung der Proportionen lässt die Darbietung sehr realistisch erscheinen.

Magnepan MG-0.7 Magnetostaten

Genau diese Eigenschaften holen auch große Sinfonieorchester mit einer stupenden Echtheit in meinen Hörraum. Maurice Ravels Rapsodie Espagnole mit dem Orchestre de la Société des Concerts du Conservatoire Paris unter André Cluytens verlangt der Wiedergabekette und besonders den Lautsprechern einiges ab. Die vielseitige Instrumentierung und die damit verbundenen verschiedenartigen Klangfarben sowie die heftigen Akzente und plötzlichen dynamischen Kontraste machen den besonderen Reiz dieser Aufnahme aus. Den Magnepan 0.7 gelingt es mühelos, die Aufführung mitsamt dem Orchestersaal in die heimischen vier Wände zu transportieren. Auch Musik populärerer Genres habe ich über die Flächenstrahler mit Vergnügen gehört. Trotz des relativ geringen Wirkungsgrades der Schallwandler bin ich nie an Pegelgrenzen geraten. Auch die in den technischen Daten angegebene untere Grenzfrequenz von 45 Hertz ist realistisch. Was mich angenehm überraschte, war die Fähigkeit der 0.7, auch schlechtere Aufnahmen besser als gewohnt klingen zu lassen.

Ist die Magnepan also der ideale Lautsprecher? Wer über entsprechende Räumlichkeiten verfügt, um die 0.7 optimal aufstellen zu können und zudem mit dem prinzipbedingten relativ kleinen Sweetspot auskommt, kann mit der 0.7 auf der highfidelen Leiter ziemlich weit nach oben klettern. Die Magnepan liefert die meisten audiophilen Tugenden in einer Qualität ab, die anderswo erst in erheblich höheren Preisgefilden zu finden ist. Für denjenigen, der eher auf der genießerischen Seite unterwegs ist und auf partytaugliche Urgewalten weniger Wert legt, könnte die Magnepan 0.7 tatsächlich der letzte Lautsprecher werden.

Magnepan MG-0.7 Magnetostaten

Info

Magnetostatischer Lautsprecher Magnepan MG-0.7

Konzept: vollständig magnetostatischer 2-Wege-Lautsprecher
Wirkungsgrad (1 W/m): 86 dB
Übertragungsbereich: 45 Hz bis 22 kHz
Nennimpedanz: 4 Ω
Ausführungen: Seitenteile in Aluminium schwarz oder silber, Eiche schwarz oder natur oder Kirsche; Bespannung in Off-White, Schwarz oder Anthrazit
Maße (B/H/T): 39/138/3 cm
Gewicht: 12 kg
Lieferumfang: Standfüße, Widerstand zur Hochtonanpassung, Bedienungsanleitung
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: um 3000 €

Kontakt

Reichmann AudioSysteme

Graneggstraße 4
78078 Niedereschach im Schwarzwald
Telefon +49 7728 1064

www.reichmann-audiosysteme.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.