T+A Symphonia
Mit den handmontierten VU-Metern sieht er ein wenig nach Steampunk aus, ist aber bis ins letzte Detail von heute: Der Netzwerk-Receiver Symphonia zeigt, dass die Herforder abseits ihrer beeindruckenden HV-Flaggschiffe auch die Kompaktklasse meisterhaft beherrschen.
Da stellen wir uns mal ganz dumm: Was ist eine Symphonia? Sagen wir so: Das kommt ganz auf das Jahrhundert an. Im Mittelalter verstand man unter einer Sinfonia eine Art halbautomatische Laute, ab dem 17. Jahrhundert wanderte der Begriff vom Dinglichen ins Konzeptionelle und bezeichnete unter-schiedliche Formen musikalischer Abschnitte in Kantaten, Opern oder Suiten.
Ab dem weiteren Verlauf der Vorklassik wurde es – grob gesagt – leider nicht übersichtlicher. Im derzeitigen Jahrhundert ist aber wieder alles klar: Eine Symphonia ist eine Apparatur aus Herford, die der Musikwiedergabe dient.
Aus einem eher theoretischen Begriff ist ein physischer Gegenstand geworden. Dafür steht die Firma T+A mit ihrem nicht gerade unbedeutenden Namen: „Theorie und Anwendung“. In der Symphonia kommt beides zusammen: Auch wenn die Kategorie der Streaming-Vollverstärker bzw. Netzwerk-Receiver inzwischen eine ist, in der sich eine Vielzahl von Geräten tummeln, ist deren audiophiler Charakter zumindest in der Fläche eine eher theoretische Hoffnung. Denn auf kleinem Raum eine überbordende Vielzahl von Features abzubilden, gleichzeitig aber Einstreuungen zu vermeiden, gute alte Elektrotechnik mit Softwareentwicklung zu verbinden, Handykommunikation über Bluetooth zu integrieren und alles gefälligst so, dass Highender nicht verschreckt werden – das sind widerstreitende Anforderungen ohne Gelinggarantie.

Der Anwendungsfall eines Gerätes, das alles kann und das auch noch exzellent, erinnert optisch an die 200er-Serie von T+A und dürfte sich mit ihr auch das ein oder andere Platinenlayout teilen. Die Symphonia ist dazu gedacht, einen ganzen Gerätepark zu ersetzen, was den Preis von immerhin rund 8500 Euro stark relativiert: Den alten Receiver kann man einmotten, weil die T+A Radio über DAB+ und FM empfängt. Ein Phono-Pre erübrigt sich, die Symphonia kann mit MM- und mit MC-Systemen umgehen. Und selbstverständlich wird von überallher gestreamt, in allerlei Formaten und allen erdenklichen Auflösungen inklusive HiRes. Der DAC kann weg, Vor- und Endverstärker natürlich auch. Ach ja: Ein Paar Lautsprecher wären gut, sonst hört man ja nichts.
Und so schickt T+A zum Test dann auch gleich die Kompaktboxen Talis R 330 mit sowie passende Ständer – ein Traum aus Aluminium. Insbesondere die Symphonia überzeugt im Retrolook mit den beiden VU-Metern und dem klar organisierten Frontpanel. Es gibt Drucktaster und Drehregler. Was es nicht gibt, ist ein Touchscreen. Das verbaute OLED-Display leuchtet elegant, zeigt aber keine Cover oder ähnliche Grafiken an. Die Symphonia ist eben kein Smartphone im Gewand einer Audiokomponente, sondern ein Gerät, das zwar einiges an Codezeilen enthalten dürfte, aber weiterhin auf Elektrohandwerk basiert. Und so fühlt sich die Symphonia nach Zukunft an, gleichzeitig weiß man aber: Es gibt sie noch, die guten Dinge.

Erste Begegnung: Jesusmaria, boah! – Das Gehäuse mit angefasten Kanten, den seitlichen Kühlrippen und Spaltmaßen auf dem Niveau deutscher Automobilkunst vermittelt den Eindruck luxuriöser Hochwertigkeit. Die frontseitigen Bedienelemente erzeugen ein angenehmes haptisches Erlebnis, die Druckpunkte sind elegant gewählt, die Anordnung der Bedienelemente ist überaus logisch – tatsächlich lässt sich die Symphonia ausgesprochen bequem und vollständig am Gerät bedienen. Auch die Fernbedienung – im Premiumsegment zu oft ein eklatanter Schwachpunkt – fällt qualitativ nicht ab und erfordert keinerlei Einarbeitungszeit. Wer darauf verzichten möchte, nutzt eine App.
Auf der Rückseite geht es lebhafter zu, schließlich lässt sich so allerlei anschließen. Zwischen WLAN und LAN, digitalen und analogen Eingängen, Pre- und Subwoofer-Ausgang, zwischen HDMI, Wandlerzugang per USB und den vergoldeten Lautsprecherklemmen findet man sich schnell zurecht. Die Inbetriebnahme lässt sich souverän ohne Bedienungsanleitung bewerkstelligen: Man muss die Symphonia lediglich mit der Außenwelt verbinden und einschalten. Je nach gewähltem Input ist sie nach rund zehn Sekunden abspielbereit.
Im Gehäuseinneren ist der Receiver zweistöckig organisiert. Die obere Etage beherbergt mit Streaming-Architektur, Netzwerk, HDMI und aptX HD gewissermaßen das Neumodische, ebenerdig sind eher klassische Bauteile wie Netzteil, Schaltendstufen und Stromversorgung untergebracht. Einfach dürfte das nicht gewesen sein. Jörg Kupper, Entwicklungsleiter bei T+A, sagt dann auch: „Das Kompakte ist das Neue.“ Einen Receiver in Anlehnung an die 200er-Reihe zu entwickeln – nun ja, das sei eigentlich alles „viel zu klein“. Trotzdem hat man sich in Herford an die Arbeit gemacht und analoge und digitale Wege galvanisch ebenso voneinander getrennt wie die Stromversorgung der beiden Zweige. T+A verlässt sich auf die hauseigene Streamingplattform ASA G3, bei der PCM- und DSD-Signale getrennt voneinander bearbeitet werden. DSD-Dateien (je nach Zuspielweg bis DSD512) werden hier nicht verlustbehaftet konvertiert, sondern nativ durch den hauseigenen „True-1-Bit-DSD“-Wandler weiterverarbeitet. Für PCM kommt eine Abwandlung des Doppeldifferentialwandlers mit zwei 32-Bit-Sigma-Delta-Wandlern pro Kanal zum Einsatz.

Der Class-D-Leistungsverstärker stammt vom dänischen Hersteller Purifi, dessen „Eigentakt“ genannte Topologie einen hohen Wirkungsgrad verspricht ebenso wie extrem geringe Verzerrungen, einen schnurgeraden Frequenzgang bis 60 Kilohertz und ein lastunabhängiges Verhalten. Um den Modulator herum hat T+A eine eigene Peripherie auf die Platine gebracht. Bis zu 250 Watt liefert die Symphonia im Doppel-Mono-Aufbau – und zwar ohne ins Schwitzen zu geraten: Auch bei längeren Sitzungen der Leistungsklasse „laut“ gab es keine spürbare Wärmeentwicklung. Befeuert wird die kompakte Anlage von einem Schaltnetzteil – eine Eigenentwicklung, die die harten Schaltvorgänge von gängigen SMPS-Schaltnetzteilen mittels einer hochfrequenten Sinuswelle umgeht. Dahinter befinden sich vier Pufferkondensatoren, die sich 100 000-mal pro Sekunde nachladen: Das spricht für eine ebenso blitzsaubere wie blitzschnelle Stromversorgung – auch bei knalligen Lastwechseln.
Und so zeigt sich die Symphonia dann auch analytisch und feinfühlig, aber durchaus ausgestattet mit mancher Brutalitätsreserve. Das kann man gut verfolgen mit dem Werk von Bad Bunny (via Qobuz). Dessen Sound basiert auf Reggaeton und Trap und ähnelt also dem, was man im Sommer an der roten Ampel aus anderen Autos zu hören bekommt: Über die Symphonia erhält man nicht nur einen „amtlichen“ Tiefbass (wie bei „Moscow Mule“) – weil die Mixe meist komplett nass sind, kann man auch Hallfahnen ausgiebig hinterherhören, während sich unablässig neue Impulse darüberlegen. Schwierige Passagen mit einmontierten Soundscapes wie Motorensound („Monaco“) oder Meeresrauschen und Vogelgezwitscher („Ojitos Lindos“) dechiffriert die Symphonia mit spielerischer Leichtigkeit und schaufelt hinter vordergründigen Effekten einiges frei: Die Drumsounds bekommen eine ausgeprägte Kontur, die Transienten der HiHats liefert die Symphonia nicht nur impulsgetreu, sondern zeigt feindynamisch auch noch den verschwindend kurzen Ausklingbereich.

Abstimmungsmäßig steht die Symphonia auf der hellen Seite der Macht. Dabei vernachlässigt sie aber andere Tugenden keineswegs: Gegenüber der Wandlersektion des C.E.C. CD 5 zeigt sie sich lebendiger und wärmer, „Learning To Fly“ von Pink Floyds Album A Momentary Lapse of Reason bekommt mehr Punch, die einleitende Geräuschcollage „Signs Of Life“ wird etwas zusammenhängender wiedergegeben. Wer hier gerne selbst ein wenig tunen möchte, dem steht nicht nur eine Klangregelung zur Verfügung, sondern auch vier unterschiedliche Digitalfilter.
Allerdings ist das, wenn man so will, der bauartbedingte „Nachteil“ der Symphonia: Man hat nur wenig Veranlassung, sich mit Bastelarbeiten befassen zu wollen. Denn man kann sich ja drauf verlassen, dass die Symphonia in jeder musikalischen Lebenslage ihren Job exquisit verrichten wird. Ein externer Phono-Pre? Muss nicht, wenn man Abdullah Ibrahim und Carlos Ward in den bewegteren Passagen von „Anthem For The New Nation“ so zuhört: Ibrahims Flügel hat ausreichend Attack, um einem Percussioninstrument alle Ehre zu machen, das Altsaxofon wird auch in Grenzbereichen des Überblasens facettenreich dargeboten, die Bühne des kleinen New Yorker Clubs scheint geradezu in Originalgröße wiedergegeben zu werden – aus dieser kleinen Alu-Kiste! Und so braucht man eigentlich nichts mehr: Die Symphonia kann alles alleine, sie musiziert feingeistig und kraftvoll – und ist eigentlich nur eins: ein wundervolles Stück Ingenieurskunst.
Info
Streaming-Vollverstärker T+A Symphonia
Konzept: Netzwerk-Receiver mit erlesenen Einzelsektionen
Eingänge analog: 2 x Cinch, davon einer schaltbar als MM/MC-Phono
Eingänge digital: 2 x S/PDIF (koaxial und Toslink), USB C, HDMI ARC, LAN, WLAN
Ausgänge: Pre-Out (Cinch), 2 x Sub-Out (Cinch), Lautsprecher (Single-Wire), Kopfhörer (symmetrische Pentaconn-Klinkenbuchse 4,4 mm)
Ausgangsleistung Endverstärker (4 Ω/8 Ω): 2 x 250 W/2 x 125 W
D/A-Wandlung: Double-Differential-Converter mit zwei 32-Bit-Sigma-Delta-D/A-Wandlern (PCM) pro Kanal; 705,6/768 kSps Wandlungsrate; T+A-True-1-Bit-DSD-D/A-Wandler, max. DSD512 (22,4/24,5 MHz), nativer Bitstream
Unterstützte Tonformate: MP3, AAC, OGG-Vorbis, FLAC, WAV, AIFF, ALAC, DFF, DSF
Integrierte Streamingdienste: Tidal, Qobuz, Deezer, Amazon Music HD, HighResAudio, Tidal connect, Spotify connect, Qobuz connect, Apple AirPlay, Roon-ready, Internetradio
Besonderheiten: Kopfhöreranschluss, DAB- und FM-Tuner
Ausführung: Aluminium Silber oder Schwarz
Maße (B/H/T): 38/10/34 cm
Gewicht: 6,2 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (3 Jahre nach Registrierung)
Preis: um 8500 €
Kontakt
T+A elektroakustik
Planckstraße 9–11
32052 Herford
Telefon +49 5221 76760
info@ta-hifi.de




