CD-Laser

Vorgestern war „gestern“ noch „morgen“ – Der Laser

Der Laser wird 60

Vorgestern war „gestern“ noch „morgen“ – Der Laser

Danke, lieber Laser.

Danke für all die schönen Erinnerungen, für die trauten Stunden, die wir gemeinsam genießen und die ungezählten Silberscheiben, die wir zusammen hören konnten … ich auf dem Sofa und du versteckt und eingezwängt in einer Schublade. 1982 begann dein Siegeszug, angeschoben von prominenten Förderern wie Karajan, die uns vergessen ließen, dass man dir damals einen klanglichen Rückschritt andichten wollte. Und schon bald darauf konnten wir das Wort „HiFi“ nicht mehr aussprechen, ohne an dich zu denken: „Laser“, das stand für Zukunft!

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Ein Gefühl wohliger Wonne lief mir den Rücken hinunter, als ich zum ersten Mal die Abspielreihenfolge einer CD programmieren konnte. Und plötzlich war es möglich, den Titelanfang auch ohne Brille und Taschenlampe zu finden. Da konnte der eingestaubte Plattenspieler, Manifest einer weichenden Epoche, nur neidisch zusehen. Einverstanden: Das mit der programmierbaren Titelreihenfolge stellte sich ziemlich schnell als ziemlicher Blödsinn heraus. Und auch dem Plattenspieler geht es, wenn wir mal ehrlich sind, immer noch erstaunlich gut. Deine Ära hingegen, um noch etwas ehrlicher zu sein, scheint aus highfideler Sicht den Zenit überschritten zu haben. Schade oder nicht? Nun, wir diskutieren das noch …

Vor exakt 60 Jahren kamst du in die Welt. In der Theorie gab es dich freilich schon länger. Einstein fabulierte 1916, dass sich Absorption umkehren lasse, und ein Herr namens Ladenburg erbrachte 1928 auch den wissenschaftlichen Beweis dafür. Doch vom Geplapper der Theoretiker befreite dich erst im Mai 1960 ein Mann namens – aufgehorcht – Maiman. Er bündelte dich in einem Rubinkristall und schnürte dich in eine massenhaft produzierbare Form. Seither bist du für uns mit der Farbe Rot verbunden, obwohl es dich auch in anderen Kolorierungen gibt.

Es dauerte freilich noch ein Weilchen, ehe du für HiFi-Enthusiasten interessant wurdest. Dir fehlten schließlich noch Laufwerk, Steuerung und das verflixte Medium, die CD. Derweil nutzte man dich für lustigen Schabernack, schnitt mit dir Stahlplatten in Bond-Filmen, experimentierte mit optischer Datenübertragung, steckte dich in Rauchmelder oder vermaß mit dir die Distanz zum grauen Erdtrabanten. Wissenschaft will eben auch unterhaltsam sein.

Dann, Mitte der Siebziger, schlug deine Stunde. Gleich mehrere Systeme wetteiferten um deine Gunst und es gefiel dir, Philips und Sony zu erwählen. Auf deinem starken Rücken wurde digitale Geschichte geschrieben: „PWM“, „Samples“, „16 bit/44,1 kHz“, „SPDIF“ und weitere Begriffe wurden gemeinsam mit dir in die Welt getragen. Doch die Menschen können grausam sein. Weh, oh weh: Nicht nur, dass sie dich ab Ende der Neunziger mit hochkomprimiertem MP3 bedrängten. Nein, sie nutzten ausgerechnet dich und deine Nachkommen, um das Rohmaterial des Streaming-Zeitalters aus den Tonträgern herauszuschneiden. Und so naht das jähe Ende, obwohl so viele behaupten, du hättest dein volles Klangpotenzial erst jetzt ausgeschöpft.

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Ist es also an der Zeit, Ade zu sagen? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Solange noch Millionen CDs in den Regalen unserer Hörräume schlummern, bleibst du in unseren Köpfen. Selbst wenn wir eigentlich nur noch streamen und uns ansonsten mit der Pflege deines einstigen Opfers, des Plattenspielers, befassen. Wir sehen uns als noch … gelegentlich … vielleicht.

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