AP Monitor 30P und 20A
Es gibt Lautsprecher, die man im Augenwinkel streift und sofort wieder vergisst. Und es gibt solche, die im Kopf bleiben, obwohl man sie nur ein paar Minuten hören konnte. So ging es mir auf den Süddeutschen HiFi-Tagen im vergangenen September. Zwischen all den Neuheiten entdeckte ich im Raum von AP Elektroakustik zwei unauffällige Türme mit einer Ausstrahlung, die man als stillen Stolz bezeichnen könnte. Keine Effekthascherei, keine aufdringliche Formgebung. Der Klang überzeugte mich dagegen sofort, und noch vor Ort war klar, dass ich diesem Eindruck nachgehen wollte – nicht im Vorbeigehen, sondern unter realen Hörbedingungen.
Die beiden Firmengründer lieferten die Lautsprecher selbst an und nahmen sich Zeit für Aufbau und ein längeres Gespräch. AP Elektroakustik sitzt in Bayern, genauer gesagt in Neu Ulm, und genau dort findet auch ein Großteil der Wertschöpfung statt. Das ist keine Marketingentscheidung, sondern eine bewusste Haltung. Kurze Wege, direkter Austausch mit Lieferanten und maximale Kontrolle über Materialien und Fertigung spielen eine zentrale Rolle. Die Gehäuse des zweiteiligen Standlautsprechers entstehen in der Umgebung und werden dort auch lackiert – jede gewünschte Farbe ist möglich. Die Treiber stammen aus eigener Fertigung, selbst die Platine der Frequenzweiche und ein Großteil ihrer Bestückung stammen aus der Region. Lediglich die Elektronik des aktiven Bassmoduls kommt aus den Niederlanden. Auf der Rückseite des Lautsprechers steht entsprechend selbstbewusst: „Made in Bavaria, Germany“. Die Firma entstand nicht aus einer Laune, sondern aus einer gemeinsamen Leidenschaft heraus und mit einem klaren Ziel. Auf einem Lautsprechermarkt, der längst überfüllt ist, haben sie sich bewusst entschieden, eigene Wege zu gehen.

Teilaktive Lautsprecher sind selten, Konstruktionen mit geschlossenem Bassgehäuse noch seltener. Wenn dann auch noch ein Papierhochtöner ins Spiel kommt, entsteht ein Konzept, das ein echtes Alleinstellungsmerkmal bietet. Der Grund für diese Seltenheit liegt darin, dass ein derart zugespitztes Konzept wenig Spielraum für Kompromisse lässt. Ein geschlossenes System verzeiht keine Unsauberkeiten, der teilaktive Aufbau verlangt klare Zuständigkeiten, unterschiedliche Membranmaterialien machen Übergänge unnötig kompliziert. Genau deshalb setzen die Entwickler konsequent auf einheitliche Membranen im Hoch-, Mittel- und Tiefton. Der teilaktive Aufbau erfüllt einen praktischen Zweck. Mittel- und Hochton werden passiv betrieben und bleiben vollständig vom eingesetzten Verstärker geprägt. Wer Röhren bevorzugt, hört deren Charakter, wer einen kräftigen Transistor einsetzt, bekommt dessen Kontrolle und Dynamik. Das Bassmodul arbeitet davon unabhängig und lässt sich präzise auf Raum und Aufstellung abstimmen. Ob frei im Raum, näher an der Wand oder in einer akustisch anspruchsvollen Ecke – der Tiefton bleibt kontrollierbar und formbar. Diese Art der Anpassbarkeit im Bass ist heute keine Seltenheit mehr, und das mit gutem Grund: Statt einen idealen Aufstellungsort vorauszusetzen, erlaubt das System, den Lautsprecher an reale Wohnsituationen anzupassen.

Ein Blick auf die Konstruktion zeigt, wie stringent AP sein System aufbaut. Alles folgt einer klaren funktionalen Logik, ohne dekorative Technik und Umwege. Die Frequenzweiche sitzt in einer eigenen Kammer, sauber von Vibrationen entkoppelt; sie allein hat schon anderthalb Jahre der insgesamt fünfjährigen Entwicklungszeit beansprucht. Jedes Weichen-Bauteil wurde ausschließlich nach Gehör ausgewählt, das Filternetzwerk zudem bewusst schlank gehalten. Es greift lediglich dort ein, wo es erforderlich ist.
Der Monitor 30P bildet das passive Herzstück des Systems. Die drei verbauten Treiber setzen auf Papiermembranen: Den Frequenzbereich zwischen 3,3 und 22 Kilohertz bearbeitet ein vergleichsweise großer 55-Millimeter-Tweeter mit inverser Aluminium-Dustcap, dessen abstrahlende Fläche von Hand mit einer gut erkennbaren Versiegelung beschichtet wird. Bis hinunter zu 90 Hertz spielt ein ebenfalls behandelter 180-Millimeter-Mitteltöner, den Tiefton übernimmt ein 220-Milllimeter-Treiber, der nach unten abstrahlt. Die untere Grenzfrequenz des Systems liegt bei 55 Hertz, betreibt man den Monitor allein (AP Elektroakustik bietet ihn praktisch baugleich als Stand-alone an), sollte er daher nah an der Wand platziert werden.

Unter dem 30P sitzt das Bassmodul 20A, dem eine schwierige Doppelrolle zukommt. Einerseits reproduziert es die tiefsten Frequenzen, andererseits soll es dem Monitor 30P als möglichst ruhige, vibrationsfreie Basis dienen. Diese Mehrfachbelastung meistert AP durch eine Kombination von Kniffen: Zum einen ist der Passivmonitor durch einen massiven MDF-Sockel vom Woofer getrennt. Der sorgt durch seine zusätzliche Dämpfung dafür, dass der oben sitzende Lautsprecher optimal entkoppelt ist. Außerdem trennt die dicke Holzplatte die Schalldrücke des Downfire-Basses am Monitor und des Upfiring-Treibers am Gehäusedeckel des Aktivwoofers.
Für ruhigen Stand sorgt ein zweiter Downfire-Treiber im Boden des 20A, beide 22-Zentimeter-Bässe arbeiten in eigenen geschlossenen Kammern. Diese schwingungskompensierte Anordnung reduziert die mechanischen Kräfte im Gehäuse und sorgt für einen kontrollierten, ruhigen Tiefton. Dank der nach unten und oben abstrahlenden Anordnung wird der Raum gleichmäßiger angeregt, die Ortbarkeit des Bassbereichs bleibt gering und das System reagiert weniger empfindlich auf Sitzhöhe oder Hörposition. Gerade in wohnraumtypischen Aufstellungen erweist sich das als Vorteil gegenüber einem klassischen Frontbass. Außerdem gewinnt ein zum Boden hin abgestrahlter Basstreiber einige entscheidende Dezibel an Wirkung. Man könnte sich fragen, warum nicht jeder Woofer nach dem Downfire-Prinzip arbeitet. Der Grund ist simpel: Durch die indirekte Abstrahlung kann diese Anordnung bisweilen etwas „langsam“ wirken. Genau hier greift eine weitere Stärke des teilaktiven Konzepts …
Der integrierte Verstärker liefert 500 Watt Dauerleistung und sitzt ebenfalls in einer separaten Gehäusekammer. Innen findet man sauber verlegte Sommer Cable, unten unauffällige Gewindemuffen (M6), falls man den Lautsprecher auf Spikes stellen möchte. Grundlegende Details wie die Timing-Korrektur der Up-/Downfire-Bässe sowie den sich lückenlos in den Monitor 30P einfügenden Übergang erledigen die im Verstärker integrierten DSPs von allein. Alle weiteren Einstellmöglichkeiten sind so ausgelegt, dass sie die Aufstellung erleichtern. Die Anpassung erfolgt direkt am Bassmodul. Über einen Taster lassen sich drei vordefinierte Presets wählen, ergänzt durch eine stufenlose Lautstärkeregelung per Poti. Preset eins bildet die lineare Grundeinstellung, Preset zwei aktiviert ein Subsonic-Filter bei 25 Hertz mit 12 Dezibel Flankensteilheit, um das System vor extrem tiefen Frequenzen zu schützen und den Tiefton in problematischen Räumen zu beruhigen. Preset drei hebt den Bass im Bereich zwischen 45 und 75 Hertz um 2 Dezibel an und eignet sich für große oder stark bedämpfte Räume. Man sollte die EQs nicht als vollumfängliche Basskorrektur missverstehen – die Presets sind bewusst als praxisnahe Serviervorschläge ausgelegt, die typische Raumsituationen abdecken, ohne den Nutzer mit komplexer Feinabstimmung oder einer Programmierung via Computer zu überfordern. Im Übrigen bietet auch der passive Monitor Abstimm-Möglichkeiten: Über komfortable Steckbrücken kann der Hochton wahlweise um 2,5 Dezibel angehoben oder abgesenkt werden, der Mittelton lässt sich um 2,5 Dezibel reduzieren.
Schon früh fiel mir auf, dass der Tweeter anders klingt, als ich es von klassischen Kalotten gewohnt bin. Da ist eine sanfte Verästelung im Hochton, verbunden mit hoher Auflösung und ausgeprägter Plastizität. Der Klang erinnert eher an sehr gute Breitbänder, bei denen Details selbstverständlich erscheinen, ohne je scharf oder nervös zu wirken. Der Mitteltonbereich ist ebenso hervorragend. Stimmen wirken nicht nur realistisch, sondern bekommen eine Persönlichkeit. Wenn ein Sänger einsetzt, steht plötzlich jemand im Raum – mit Präsenz, Ruhe und einer fast greifbaren Natürlichkeit. Die Lautsprecher spielen hier so direkt und unverstellt, dass man keinen Moment lang das Gefühl hat, es sei etwas geschönt oder übertrieben. Sie zeigen schlicht, was da ist. Nicht mehr, nicht weniger. Stimmen und Instrumente schweben bei der Wiedergabe nicht etwa im Raum herum – den 30P gelingt es, sie genau dort stehen zu lassen, wo sie hingehören. Der Tiefton macht nicht nur Druck, er gibt Stimmen und Instrumenten einen Körper. Sänger bekommen buchstäblich einen Brustkorb, und bei Instrumenten erkennt man plötzlich die Dimensionen der Korpusse, das innere Volumen, den Atemraum.
Nach ein paar Stunden Hören begann sich ein klarer Eindruck zu formen – und der wurde mit jedem Stück präziser. Bei „It’s All Over Now, Baby Blue“ von Falco trat das Saxofon mit einer beeindruckenden Plastizität hervor. Die Textur des Tons, die kleinen Luftverwirbelungen, die feinsten Lautstärkeabstufungen – alles war mühelos nachvollziehbar. Die Stimme stand präsent und klar vor mir, während die Begleitinstrumente sauber gestaffelt im Hintergrund lagen. Nichts drängte sich auf, alles hatte seinen Platz, und das gesamte Stück wirkte natürlicher und räumlich sortierter als gewohnt. Mit „Comfortably Numb“ von Roger Waters aus den Lockdown Sessions setzte sich dieser Eindruck fort. Die Stimme wirkte intim und nahbar, als wäre Roger Waters bei mir im Raum. Die Instrumente waren fein verteilt, ohne sich gegenseitig zu überlagern. Und als Amanda Belair am Ende einsetzte, entstand ein Moment, der nur schwer zu beschreiben ist: eine Mischung aus Kraft, Offenheit und – Gänsehaut. Der Lautsprecher macht hier nichts größer oder dramatischer als nötig, aber er lässt alles wirken.
Mit diesen Lautsprechern erhält man kein Show-System, sondern ein Klangwerkzeug mit Charakter. 30P und 20A stellen sich nicht in den Vordergrund, sondern lassen die Musik wirken. Die vorhandenen Einstellmöglichkeiten und Presets sind sinnvoll und erleichtern den Einstieg. Vom aufstellungsfreundlichen Konzept über die homogenen Membranmaterialien bis zur handwerklichen Konsequenz ist alles darauf ausgelegt, die Technik im Hintergrund zu halten und die Musik in den Mittelpunkt zu stellen. Und das in allen Lagen: Egal, ob leise im Hintergrund oder mit deutlich angezogenem Pegel, der Lautsprecher behält seinen Charakter, die tonale Balance kippt nie, Details bleiben erhalten, und auch bei höheren Lautstärken wirkt nichts angestrengt oder nervös. Wer Wert auf Flexibilität legt, auf Natürlichkeit, auf ein stimmiges Gesamtkonzept, findet hier ein Paket, das genau das liefert: Klarheit, Ruhe, Tiefe – und eine beeindruckend ehrliche Art, Musik zu erzählen.
Info
Lautsprecher AP Elektroakustik Monitor 30P und Bassmodul 20A
Konzept: teilaktiver 3,5-Wege-Standlautsprecher, Mehrkammerprinzip, Frequenzweiche und Bassmodulverstärker jeweils in eigenen vibrationsentkoppelten Kammern
Bestückung passiv: 55-mm-Papierhochtöner (3,3 bis 22 kHz) mit zusätzlicher Metallkalotte, 180-mm-Tiefmitteltöner (90 Hz bis 3,3 kHz) mit handbeschichteter Papiermembran, 220-mm-Tieftöner (55 Hz bis 90 Hz) im Downfire-Prinzip in geschlossener Kammer
Bestückung aktiv: 2 x 220-mm-Tieftöner (35 bis 80 Hz) im schwingungskompensierten Downfire/Upfire-Betrieb, jeweils in eigener geschlossener Kammer
Einstellmöglichkeiten: Hochton per Brückenstecker +2,5/0/−2,5 dB, Mittelton 0/−2,5 dB; stufenloser Basspegel über Poti sowie drei DSP-Presets: linear, Subsonic-Filter (25 Hz) oder Bassanhebung um 2 dB (45 bis 75 Hz)
Anschlüsse: WBT-Polklemmen, interne Verbindung zum Monitor, Netzanschluss über Kaltgerätestecker
Nennimpedanz: 4 Ω (Minimum 4,2 Ω bei 90 Hz)
Kennschalldruck (@1 W/1 m): 87 dB
Internes Verstärkermodul: 500 W
Empfohlene Verstärkerleistung: ab 30 W
Gehäusematerial: MDF
Ausführung: mehrschichtiger, matter Feinstrukturlack in Weiß, RAL-Farben auf Anfrage, Sonderfarben gegen Aufpreis
Maße (B/H/T): 24/108/41 cm
Gewicht: ca. 45 kg
Besonderheiten: Innenverkabelung von Sommer Cable, Verbindung von 30P und 20A innenliegend, M6-Gewindemuffen für Spikes
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: um 24 900 €
Kontakt
AP Elektroakustik
Lessingstraße 10a
89231 Neu Ulm
Telefon +49 170 2846586 oder +49 176 20369747
info@ap-elektroakustik.de






























