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Lang Lang - Piano Book 2

Lang Lang – Piano Book 2

Schillernde Figur im medialen Rampenlicht

Lang Lang – Piano Book 2

Lang Langs Piano Book 2 umschifft alle Berührungsängste mit klassischer Musik.

Lang Lang hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einem Künstler entwickelt, der die klassische Musik auf eine Weise in die Öffentlichkeit trägt, die vielen seiner Kollegen verschlossen bleibt, weil er jene seltene Mischung aus virtuoser Leichtigkeit und medialer Präsenz besitzt, die das Publikum unweigerlich anzieht. Lang Lang wurde 1982 im nordchinesischen Shenyang geboren und erhielt schon früh eine Ausbildung, die seine außergewöhnliche Begabung systematisch förderte. Bereits als Teenager zog er nach Philadelphia, wo er am Curtis Institute bei Gary Graffman studierte und seine internationale Laufbahn vorbereitete. Der Durchbruch gelang ihm mit kaum zwanzig Jahren, seither gilt er als einer der bekanntesten Pianisten seiner Generation, der Konzertpodien und Medienwelt gleichermaßen erreicht. Während er auf der Bühne mit einer Selbstverständlichkeit agiert, die fast körperlos wirkt, als flösse seine Energie ohne Umweg durch die Tastatur in den Saal, setzt er abseits des Podiums auf eine sorgfältig arrangierte Sichtbarkeit, die ihn zu einem vertrauten Gesicht der internationalen Musikszene macht und die an die Strategie des Geigers David Garrett erinnert, der ebenfalls zwischen Tradition und Popkultur eine breite Schneise gezogen hat.

Lang Lang - Piano Book 2

Die Kritik begegnet ihm dagegen mit einer Zurückhaltung, die sich nur teilweise aus ästhetischen Erwägungen erklärt, da seine technische Souveränität kaum bestritten wird. Vielmehr entzündet sich die Debatte an der Frage, ob seine interpretatorische Haltung dem Repertoire tatsächlich neue Deutungsschichten verleiht oder ob sie sich in einer Schwebe bewegt, die manche als Uneindeutigkeit empfinden. Dass Lang Lang sich bevorzugt im kanonischen Kern bewegt und selten über die vertrauten Bahnen hinausgreift, nährt den Verdacht, er kultiviere eine Art glänzende Oberfläche. Selbst die Arbeit mit musikalischen Instanzen wie Nikolaus Harnoncourt, die ihm theoretisch neue Horizonte hätte öffnen können, hat nur begrenzt Spuren in seiner Stilistik hinterlassen. So wirkten etwa die Bach’schen Goldberg-Variationen wie der Versuch, eine intellektuelle Architektur zu errichten, deren Pfeiler nicht überall tragen wollten, weil der Wille zur Eigenständigkeit stellenweise stärker schien als der innere Zwang des Werkes.

Gleichzeitig wäre es verfehlt, Lang Langs Rolle für die Gegenwart der klassischen Musik zu unterschätzen. In einer Epoche, in der das traditionelle Klassikpublikum schrumpft und die wirtschaftlichen Strukturen brüchiger werden, gewinnt ein Künstler an Bedeutung, der nicht nur spielt, sondern vermittelt. Seine Ausstrahlung erreicht Menschen, die der klassischen Musik sonst fern blieben, und seine Offenheit wirkt wie ein Türöffner, der Schwellen senkt, ohne dass er dabei den Eindruck erweckt, seine künstlerische Integrität zu veräußern. Gerade diese Fähigkeit, Neugier zu wecken und Berührungsängste zu mildern, macht ihn zu einem wichtigen Akteur in einem Feld, das dringend neue Impulse braucht, um im breiten gesellschaftlichen Bewusstsein präsent zu bleiben.

Piano Book 2, der neue Sampler der Deutschen Grammophon entfaltet ein Panorama der Klavierliteratur, das sich bewusst an Hörer richtet, die einen ersten, unverstellten Zugang zur klassischen Musik suchen.

Lang Lang - Piano Book 2

Die Auswahl wirkt wie ein sorgfältig geordnetes Mosaik aus bekannten Stücken und jüngeren Kompositionen, das neugierig macht, ohne zu überfordern. Besonders eindrucksvoll gelingt dies gleich zu Beginn mit Chopins Prélude in e-Moll, dessen knappe Form und melancholische Konzentration unter Lang Langs Händen eine unmittelbare emotionale Klarheit gewinnt. Es ist ein Stück, das den Ton des gesamten Albums setzt: zugänglich, konzentriert, ohne akademische Schwere.

Ein anderes Glanzstück ist Mendelssohns Frühlingslied, das hier mit jener Leichtigkeit und Transparenz gespielt wird, die den lyrischen Gestus dieser Miniatur zum Leuchten bringt, ohne ins Kitschige oder Belanglose abzudriften. Die Melodie entfaltet sich frei und schwebend, fast wie eine offene Einladung an alle, die die vermeintliche Strenge der klassischen Musik scheuen. Ähnlich wirkungsvoll ist Liszts Consolation Nr. 2, ein Werk, das romantische Wärme und virtuose Geläufigkeit verbindet und in dieser Aufnahme erstaunlich unaufdringlich bleibt. Lang Lang findet einen Ton, der Eleganz und technische Brillanz vereint und zugleich jede Spur von Effekthascherei vermeidet. Damit eignet sich dieses Stück ideal als Einstieg in die Welt des Klavierspiels, weil es Schönheit und Komplexität in einer sehr zugänglichen Form zeigt.

Besonders bemerkenswert ist die Einbindung modernerer Klangwelten, ohne jedoch avantgardistische Klangwelten zu berühren, so etwa mit Joe Hisaishis Spring, dessen melodische Klarheit und cineastische Weite jüngere Hörer sofort abholen dürfte. Hier zeigt sich, wie organisch Lang Lang klassische und populäre Ästhetik verbinden kann. Das Stück ist weder Fremdkörper noch Zugeständnis an ein junges Publikum, sondern ein leichtes Ausgreifen neben die Tradition, das den Sampler für ein breites Hörpublikum öffnet. Die übrigen Werke, von Mozart über Beethoven und Satie bis hin zu Einaudi, fügen sich nahtlos in dieses Konzept und schaffen eine Klangreise kompositorischer Miniaturen, die immer wieder kleine Einstiegsfenster öffnet.

Insgesamt entstand hier ein Album, das sich mit großer Sorgfalt an diejenigen richtet, die klassische Musik kennenlernen wollen, ohne sofort in die Tiefe der großen Zyklen einzutauchen. Die Aufnahmequalität ist hervorragend, das Spiel durchweg klar und inspirierend. Der Sampler ist daher eine ideale Veröffentlichung für Einsteiger und Gelegenheitshörer, ein Album, das Lust macht auf mehr und zugleich für sich selbst steht: ein offenes Tor zur Welt des Klaviers.

Lang Lang – Piano Book 2

Diverse Komponisten

Label: Deutsche Grammophon
Format: 2 CDs, 2 LPs, DL 24/48

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