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Audio Note (UK) OTO Phono PP

Audio Note (UK) Oto Phono PP

Musikmaschine Level 1

Audio Note (UK) Oto Phono PP

Anruf aus der Redaktion. Die Stimme am Hörer verkündet mir, dass sie Nachrichten für mich habe. „Die schlechte zuerst: Das vorgesehene Gerät steht leider nicht zur Verfügung. Die gute Nachricht: Wir haben einen Vollverstärker von Audio Note für dich. Interessiert?“

Audio Note (UK) OTO Phono PP

In aller Kürze: Audio Note (UK) OTO Phono PP

Audio Note (UK) OTO Phono PP

 

Natürlich war ich interessiert! Ich habe schließlich verschiedene Komplettanlagen von Audio Note UK auf dem jährlich stattfindenden Analog Forum der Analogue Audio Association (AAA) hören können und war bei diesen Hotelmessen immer sehr angetan von dem Klang. Tatsächlich blieb ich zumeist länger im Audio-Note-Vorführraum, als ich eigentlich vorgehabt hatte. Das lag zum einen daran, dass man meines Erachtens bei den üblichen Messevorführungen viel zu häufig mit den sattsam bekannten „Vorführplatten“ von Pink Floyd, Dire Straits, Diana Krall und so weiter und so fort belästigt wird, die mich mittlerweile nur noch ermüden lassen. Zum anderen waren die Vorführungen von mitunter atemberaubend teuren Anlagen derart auf Detailzeichnung hin getrimmt, dass ich oft Schwierigkeiten hatte, die Musik als ein harmonisches Ganzes zu erfassen. Bildlich gesprochen hörte ich quasi den Wald vor lauter Bäumen nicht. Das war bei den Vorführungen von Audio Note UK stets anders. Es wurden nur selten typische Vorführplatten verwendet, und die Komponenten waren immer in der Lage, die jeweilige Musik – man verzeihe mir dieses zu oft missbrauchte Adjektiv – ganzheitlich darzustellen.

Audio Note (UK) OTO Phono PP
Schlicht und elegant: Das Gehäuse besitzt eine klare Formgebung, und dank der eindeutigen Beschriftung braucht man kein Manual, um den Oto Phono PP richtig zu bedienen.

Nun muss man regelmäßigen Lesern der FIDELITY gewiss nicht Audio Note UK vorstellen. Schon sehr oft waren die Geräte aus dem englischen Partridge Green (Distrikt Horsham, West Sussex) in der Redaktion zu Gast. Dennoch seien mir ein paar Worte über das Portfolio des britischen Herstellers gestattet. Audio Note gehört neben Rega und Linn zu den wenigen Vollsortimentern, die dem geneigten Kunden vom Tonabnehmer bis hin zum Lautsprecher alles aus einer Hand anbieten können. Audio Note fühlt sich sehr dem Kettengedanken („Das Ergebnis ist mehr als die Summe der Einzelteile“) verpflichtet. Bemerkenswert ist auch, dass viele – an und für sich gleiche oder zumindest sehr ähnliche – Komponenten in unterschiedlichen Selektions- und Ausführungsvarianten angeboten werden. Das ist bei dem Vollverstärker Oto nicht anders. Er ist ein veritabler Klassiker, der bereits seit 1991 gebaut wird. Es gibt ihn in insgesamt vier Varianten, die jeweils ohne („Line“) oder mit („Phono“) integriertem Eingang für Moving-Magnet(MM)-Tonabnehmer angeboten werden. Es geht los mit dem Line PP bis hin zum Phono SE Silver Signature. „PP“ steht dabei für „Push-Pull“ und „SE“ für „Single-Ended“. Diese Bezeichnungen verstehen sich als Hinweis auf die jeweils verwendete Endstufenschaltung. Selbstverständlich kommen immer die hauseigenen Übertrager zum Einsatz. Über weitere Details der Schaltung wird sich leider genauso ausgeschwiegen wie über die Preisgestaltung. Selbst die Händler sind angewiesen, keine Preislisten bekanntzugeben. Verraten kann ich aber immerhin, dass die Preise der verschiedenen Varianten des Oto von gut vier- bis fünfstellig reichen. Dementsprechend werden in der Audio-Note-eigenen Hierarchie die Verstärker der Oto-Serie mit Push-Pull-Schaltung als „Entry Level“ (Einstiegslevel) oder auch „Level 1“ bezeichnet, während die Single-Ended-Varianten bereits das Level 2 erreichen. Das derzeitige Maximum bei Audio Note wird übrigens mit Komponenten des Level 5 erreicht.

Audio Note (UK) OTO Phono PP
Röhre, wem Röhre gebührt: Bei den Lautsprecheranschlüssen hat man die gewohnte Qual der richtigen Wahl zwischen 4-Ω- und 8-Ω-Abgriff.

Doch was bekommt man für die knapp 5000 Euro, die man für den Oto Phono PP hinblättern muss? Zuerst einmal ein beachtlich voluminöses Gerät, das samt dem nötigen Raum für die hinten angeschlossenen Kabel eine Stellfläche von mindestens 50 Zentimeter Tiefe verlangt. Der Trafo und die Übertrager heben das Gewicht auf stattliche zwölf Kilogramm. Aufgrund der beachtlichen Wärmeentwicklung ist von allen Seiten für genügend Luftraum zu sorgen. Der optische Eindruck ist trotzdem schlicht und gediegen; die Verarbeitung ist hervorragend, aber keinesfalls protzig. Die vier vorne angebrachten Drehschalter sind aus Metall gefertigt und dienen der Eingangswahl, der Tape-Schleife sowie der Einstellung von Balance und Lautstärke.

Audio Note (UK) OTO Phono PP
Fünf Eingänge und ein Fixpegel-Ausgang: Vom Plattenspieler (MM) bis zum Kassettenrecorder finden genügend viele Geräte Anschluss an hochwertig versilberten RCA-Buchsen.

Was man auf der Frontplatte leider vermisst, findet sich hinten: der Ein- und Ausschalter. Außerdem gibt es dort qualitativ hochwertige Cinch-Anschlüsse für bis zu fünf Geräte. Davon ermöglicht einer den Anschluss der wieder in Mode gekommenen Kassettenrecorder. Ein weiterer bietet einem Plattenspieler mit Moving-Magnet(MM)-System den passenden Kontakt nebst dem obligatorischen Masseanschluss. Wer ein Moving Coil (MC) anschließen möchte, kann auf die ebenfalls von Audio Note angebotenen Übertrager zurückgreifen. Auch die Lautsprecheranschlüsse haben eine vorzügliche Qualität und bieten losen Kabelenden, Kabelschuhen und Bananasteckern festen Halt. Dabei hat man die Wahl zwischen 4-Ohm- und 8-Ohm-Anschlüssen. Die englischsprachige Bedienungsanleitung fordert dazu auf, mit den beiden Anschlussmöglichkeiten zu experimentieren; der Variante mit der ausgewogeneren tonalen Balance und der größeren Dynamik ist der Vorzug zu geben. Gerade heutzutage, wo alle möglichen Geräte über Apps gesteuert werden, könnte man eine Fernbedienung vermissen. Die Nichtfernbedienbarkeit hat aber Tradition bei Audio Note.

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Sauber separiert: Unten liegt das Netzteil, in der Mitte der Hochpegel-Verstärker und oben der auch farblich abgegrenzte Phonovorverstärker.

Falls die nicht gerade üppige Ausgangsleistung von angegeben neun Watt irritieren sollte: Wie Alexander Aschenbrunner in FIDELITY 82 (6/2025) bereits ganz richtig ausgeführt hat, kann man damit durchaus komfortabel Musik hören. Vor allem wenn man sich bewusst macht, wie laut 70, 80 oder gar 90 Dezibel in geschlossenen Räumen tatsächlich sind. Mal ganz konkret über den Daumen gepeilt: Die von mir verwendete Naim Credo hat beispielsweise einen Wirkungsgrad von 89 Dezibel (W/m) und mit minimal sechs Ohm einen sehr gutmütigen, geradezu „röhrenfreundlichen“ Impedanzverlauf. Das bedeutet nichts anderes, als dass aus einem Watt elektrischer Leistung in einem Meter Abstand bereits sehr laute 89 Dezibel Schalldruck werden. Die habe ich während der äußerst vergnüglichen Hörstunden nie erreicht oder auch nur gewollt. Wer freilich seine Nachbarn regelmäßig am eigenen Musikgenuss teilhaben lassen und große Mehrwege-Lautsprecher mit komplexen Weichen betreiben möchte, für den ist der Oto Phono PP nicht die erste Wahl. Dafür ist er schlichtweg nicht gemacht. Besser harmoniert er natürlich – wen wundert’s – mit den Lautsprechern von Audio Note. Aber auch die Vertreter der Heritage-Serie von Klipsch oder die Heco Zweiklang sowie deren Nachfolger Direkt Premium kommen mir spontan als interessante Spielpartner für den Oto in den Sinn.

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Mit Liebe zum Detail: Auch in der Nahaufnahme (hier: die Phonostufe) kann der saubere Aufbau des Oto überzeugen. Bauteile werden bei Audio Note erst nach ausgiebigen Hörtests ausgewählt.

Als ideale Quelle stellte sich der MM-Tonabnehmer Linn Adikt heraus. Das liegt zum einen daran, dass das Adikt ähnlich wie die Moving-Magnet(MM)-Tonabnehmer IQ I bis IQ III von Audio Note im Kern auf der 1000er-Serie von Goldring beruhen und deshalb mit deren elektrischen Eigenschaften mit 570 Millihenry (Induktivität) und 660 Ohm (Impedanz) identisch sind. Obwohl der Phonoeingang „nur“ MM kann, habe ich nicht eine Sekunde meine MCs vermisst. Das liegt auch daran, dass der interne Phonovorverstärker des Oto mit zu den besten zählt, die ich je gehört habe.

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Schotten dicht: Zwischenwände (in der Seitenansicht besser zu erkennen) mindern störende elektromagnetische Einflüsse besonders des Netzteils.

Aber auch die restliche Schaltung ist ganz offensichtlich sehr gekonnt abgestimmt worden. Anders ist nicht zu erklären, warum die Wiedergabe über den Audio Note so auffallend stimmig und – nun ja – musikalisch gelingt. Um das zu erleben, braucht es keine typischen Vorführschallplatten in 180-Gramm-Ausführung. Tatsächlich habe ich während der Zeit, in der der Oto zu Gast war, meine Plattensammlung nach Schätzchen durchforstet, die ich lange nicht mehr gehört habe, um sie dann mit dem Audio Note sozusagen wiederzuentdecken. Es ist müßig, sie hier alle aufzuzählen. Ein besonderes Beispiel sei aber dennoch an dieser Stelle angeführt. Das ist die Filmmusik des cineastischen Meisterwerks Amadeus von Miloš Forman, in dem das Leben und Wirken von Wolfgang Amadeus Mozart eindrucksvoll (wenn auch historisch nicht ganz korrekt) in Szene gesetzt wurde. Dort findet man unter anderem das Konzert für zwei Klaviere KV 365. Zwar wurden die beiden Flügel während der Nachproduktion durchaus etwas in den Vordergrund gerückt, was der Oto auch keineswegs verschweigt, aber sie fügen sich trotzdem harmonisch in den virtuellen Raum ein, der zudem vollends ausgeleuchtet wird. Der kleine Audio Note unterschlägt also keine Details der räumlichen Wiedergabe.

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Überrascht haben mich die dynamischen Fähigkeiten des Oto. Man ist ja geneigt zu glauben, dass große Besetzungen mit einem großen Dynamikumfang nur die Domäne extrem potenter Leistungsverstärker sind. Die neun Watt sind durchaus in der Lage, an wohlausgewählten Lautsprechern in einem nicht zu großen Raum den geneigten Hörer zu beeindrucken. Das verdeutlicht die Arie „Ah, tutti contenti“ aus Mozarts Hochzeit des Figaro (4. Akt, Finale): Trotz des großen Klangkörpers bleibt der Oto stets stabil und gesteht den Solisten den ihnen gebührenden Raum zu – und kann zugleich mit einer einzigartigen Klangfarbenpracht punkten, die so nur wirklich guten Röhrenverstärkern zu eigen ist.

Seine Fähigkeiten sollen nach den offenbar sehr strengen Kriterien von Audio Note UK nur „Level 1“ sein? Ich kann nur empfehlen, sich diese Einteilung des britischen Herstellers nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Das, was der Oto Phono PP bei mir zu Hause sogar in einem artfremden Umfeld abgeliefert hat, ist alles andere als „Einsteigerniveau“. Wenn es physikalisch möglich wäre, dann würden die musikalischen Fähigkeiten dieses auf das Wesentliche reduzierten Vollverstärkers teurere und deutlich leistungsstärkere Produkte von Mitbewerbern ins Schwitzen bringen.

Audio Note (UK) OTO Phono PP

Info

Röhren-Vollverstärker Audio Note (UK) Oto Phono PP

Konzept: Röhren-Vollverstärker
Besonderheiten: integrierter Phonovorverstärker (MM), Class A in Push-Pull-Auslegung
Eingänge analog: 3 x Line, 1 x Tape, 1 x Phono MM
Eingangsimpedanz: 100 kΩ (Hochpegel), 47 kΩ (Phono)
Röhrenbestückung: 1 x 5670, 2 x 6UA6, 4 x 6005, (Phono: 1 x ECC83, 1 x 6DJ8)
Lautsprecherausgänge: 2 x 3 (4 Ω/8 Ω), Banana, Kabel, Polschuhe
Leistung Ausgang (4/8 Ω): 9 W/9 W
Leistung Aufnahme: 100 W
Ausführung: Silber (Aluminium) oder Schwarz (Acryl)
Maße (B/T/H): 44/41/14 cm
Gewicht: 12 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 4980 €

Kontakt

Mafico Pro

Dorsvloerweg 897
2661 MN Bergschenhoek
Niederlande
Telefon +31 10 4148426

www.mafico.com

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