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Kanazawa Phonograph Museum

Zu Gast bei … Kanazawa Phonograph Museum

Musik aus der Zeitkapsel

Kanazawa Phonograph Museum

Wussten Sie, dass der berüchtigte japanische „Überschwemmungstourismus“ nur ein Verteilungsproblem ist? Dass das Land so brechend voll wirkt, liegt daran, dass die meisten Japanreisenden nicht besonders kreativ sind und sich nur an den immer gleichen vier, fünf Hotspots in Tokio und Kyoto tummeln. Kommen Sie also unbedingt mal nach Kanazawa, dort gibt’s nämlich mehr Platz und dazu reichlich Kunst und Kultur für Aug’ und Ohr.

Kanazawa Phonograph Museum

Zugegeben, ein wirklicher Geheimtipp ist auch Kanazawa nicht mehr: Seit die 2015 von Nagano aus hierher gelegte Shinkansen-Ader die Erreichbarkeit dramatisch verbessert hat, rollt auch die Social-Media-Hype-Lokomotive („Little Kyoto“) munter vor sich hin. Zum Glück sind die Touristen aber auch hier nicht allzu einfallsreich und sammeln sich überwiegend im sehr wohl netten, aber doch recht touristischen Higashichaya-Viertel. Die Burg, das Samurai-Viertel mit begehbaren Villen, die Schreine und Tempel und vor allem Kenroku-en, einer der drei höchstangesehenen japanischen Landschaftsgärten, bleiben von den Scharen dagegen einigermaßen unbehelligt. Und mitten in der Traube von Touristenattraktionen steht ziemlich unbeachtet ein Schmankerl, das vor allem für uns Audiophile spannend ist: das Kanazawa Phonograph Museum.

Kanazawa Phonograph Museum

Auch wenn das Museum wesentlich jünger ist als die meisten Sehenswürdigkeiten der Stadt, besteht es immerhin seit 2001 und geht in seinem Ursprung noch einige Jahrzehnte weiter zurück – konkret auf den Audioenthusiasten Hiroshi Yokaichiya. Der besaß vor dem Zweiten Weltkrieg einen Phonographenladen, den er schließlich jedoch aufgab, nachdem die Ära der mechanischen Plattenspieler ihr Ende gefunden hatte. Das hätte nun das Ende einer kurzen und wenig bewegten Geschichte sein können, wäre Yokaichiya nicht in den 1970ern zufällig über einen achtlos entsorgten Phonographen gestolpert. Von Mitleid und Tatendrang ergriffen, nahm er das traurige Exemplar mit nach Hause, restaurierte es erfolgreich und begann, weitere Geräte aus der Zeit sowie passende Platten zu erstehen, bis seine Sammlung schließlich auf nicht weniger als 540 Wiedergabegeräte und 20 000 Tonträger angewachsen war.

Kanazawa Phonograph Museum

Die Yamachiku-Sammlung, wie sie heute heißt, stiftete er schließlich der Stadt Kanazawa. Die Kollektion zählt zu den bedeutendsten ihrer Art in Japan und machte dementsprechend so viel Eindruck, dass man beschloss, sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 2001 entstand daher das Kanazawa Phonograph Museum, zu dessen Leitung niemand anderes als Yokaichiya selbst berufen wurde. Zwar verstarb er nur zwei Jahre nach der Eröffnung, doch zum Glück hatte er es geschafft, mit seiner Passion seinen ältesten Sohn Noriyuki anzustecken, der das Museum bis heute leitet und die Sammlung liebevoll pflegt und kuratiert.

Kanazawa Phonograph Museum

Das dreistöckige Eckhaus, das die Ausstellung beherbergt, ist ein in bewusst altmodischem Rohziegelstil gehaltener Neubau und liegt etwa mittig zwischen der Burg Kanazawa und dem eingangs erwähnten Higashichaya-Viertel, ungefähr 25 Gehminuten vom Bahnhof Kanazawa entfernt. Der Großteil der auf drei Stockwerken ausgestellten Exponate sind Grammophone aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Geräte von Brunswick über His Masters Voice bis hin zu Victrola sind in Reih und Glied entlang der Wände aufgestellt.

Bildergalerie
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Daneben gibt es weitere Exponate aus derselben Zeit zu bewundern, etwa Drehorgeln. Dutzende historischer Musikmaschinen und unzählige Tonträger in hervorragendem Erhaltungszustand wären die 310 Yen (etwa 1,80 €) Eintritt schon ohne weiteres wert, doch hier wird nicht die Asche angebetet, sondern das Feuer am Brennen gehalten: Dreimal täglich findet eine 30-minütige Vorführung statt, in der die Geräte für Hörproben in Betrieb genommen werden, wobei der Vorführer zwischen den Stücken über die Geschichte und die technischen Eigenheiten des jeweiligen Modells referiert. Gehalten werden die Vorträge freilich auf Japanisch, doch für ausländische Besucher gibt es englische Infobroschüren zum Mitlesen.

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Über 100 Jahre alte HiFi-Komponenten mit Material zu hören, das bekanntlich nicht ewig hält, kann einen schon mit einer gewissen Ehrfurcht erfüllen – und mit Erstaunen: Wer sich das Ganze kratzig und blechern vorstellt, hat bedingt recht. Von modernem HiFi sind wir hier natürlich meilenweit entfernt. Dennoch ist es verblüffend, wie unterschiedlich, aber auch wie gut die verschiedenen Geräte klingen – wenn die Erwartungen richtig kalibriert sind, versteht sich.

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Hält man sich vor Augen, dass wir hier immerhin von rein mechanischer Musikwiedergabe sprechen, bei der die physische Bewegung der Nadel buchstäblich die gesamte Musikleistung ist, kommt man nicht umhin, respektvoll den Hut davor ziehen, was im HiFi-Neolithikum schon möglich war. Mein persönlicher Favorit ist die Brunswick-Maschine, die mit ihrem hölzernen Horntrichter ein überraschend organisch-sattes Klangbild in den Raum wirft – Euphonie, ich weiß, aber mich kümmert’s nicht.

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Wer am Sonntag seinen Weg hierher findet, kann neben Wachs und Schellack im Erdgeschoss übrigens auch ein selbstspielendes Klavier von 1927 hören, und wer sich die Eindrücke mit nach Hause nehmen will, kann im obligatorischen Souvenirladen Aufnahmen der verschiedenen Phonographen erwerben – freilich auf CD.

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Owari-cho 2-11-21
Kanazawa
Ishikawa 920-0902
Japan
Telefon +81 76 2323066
Fax +81 76 2323079

www.kanazawa-museum.jp/chikuonki

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.