Accuphase-Kette bei Life Like, München
Die Terminfindung hatte ein wenig länger gedauert – schließlich musste alles perfekt sein.
Der Accuphase-Vertrieb hatte angeregt, ich solle mich doch mal mit Life Like im Münchner Nordosten in Verbindung setzen; der Händler habe derzeit ein Maximal-Setup der Japaner vorführbereit, und das müsse man einfach mal gehört haben. „Muss ich einfach mal gehört haben“, spezifizierte ich im Geiste und nahm sogleich den Hörer in die Hand. Zum Zeitpunkt meines Durchrufs stellte sich allerdings heraus, dass ein Kunde, der an sich schon alles hat, von der Accuphase-Kette derart angetan war, dass er einen der beiden Stromreiniger flugs entwendete, um ihn bei sich zu Hause auszuprobieren. In einem gewöhnlichen HiFi-Universum wäre das kein Problem: Acht Steckplätze und dauerhaft 900 Voltampere genügen für so ziemlich alle audiophilen Lebenslagen, aber da wir hier vom Besten reden, was Accuphase zu bieten hat, sind 99,8 Prozent einfach nicht gut genug – vom Anspruch her passen Life Like und Accuphase offensichtlich bestens zueinander. Also wartete ich schön ab, und wir fanden einen Termin, an dem das Versorgungs-Duo der PS-1250 wieder komplett sein sollte.

Übertrieben wirkt das Ganze nur auf den ersten Blick: Der Star der Show sind die mächtigen A-300-Monoblöcke, die in einer Push-Pull-Konfiguration mit je zehn MOSFET-Paaren je 125 Watt an acht Ohm und volle 1000 Watt an einem Ohm liefern können. In bester Accuphase-Manier sind die Leistungswerte unterfüttert von garantierten (!) technischen Daten wie Dämpfungsfaktor (> 1000) oder Rauschabstand (130 dB).

Der mittlerweile übliche Messlabor-Exkurs muss in diesem Kontext natürlich entfallen, aber bei allen bisherigen Kandidaten rieb sich der Messtechniker unseres Vertrauens stets die Hände, weil er gespannt war, um wie viel sie ihre steilen Werksangaben diesmal übertreffen würden – man darf getrost annehmen, dass sich die Flaggschiffe aus Yokohama ganz ähnlich verhalten. Der Anspruch äußert sich im Übrigen auch dort, wo niemand hinschaut. Ein niedliches Detail sind etwa die VU-Meter, die bei Accuphase die tatsächlich am Lautsprecher eingehende Leistung um mindestens eine Größenordnung genauer messen als branchenüblich. Steigert so etwas das Hörerlebnis? Kaum, aber es zeigt halt einfach, wie ernst der Begriff High End hier genommen wird.

Der Rest der Kette war selbstredend auf gleichem Niveau: Angefüttert wurden die Monoblöcke von der noch fast ofenwarmen Vorstufe C-3900S, deren Herzstück die Maximalausführung der „Dual Balanced AAVA“-Lautstärkeregelung ist, die wir vom Grundsatz her schon vom C-2300 kennen (den Test können Sie hier lesen), und die mit ihren zwei Netzteilen für linken und rechten Kanal sowie insgesamt 120 000 Mikrofarad Siebkapazität (wir reden von einer Line-Vorstufe) auch sonst eine Fingerübung in absoluter Kompromisslosigkeit darstellt. Die Musiksignale kamen aus dem SACD-/CD-Player DP-1000, und als Schallwandler stellte Life Like der Kette ein Paar Sasha V von Wilson Audio zur Seite – seit jeher als klassische Spielpartner für Accuphase-Elektronik gehandelt.
Ein Käffchen später finde ich mich auf der sorgsam platzierten Hörcouch wieder und erlebe im Grunde die ultimative Steigerung dessen, was ich aus früheren Begegnungen bereits kannte. Es dauert keine drei Takte, bis ich merke, dass ich hier etwas wirklich Besonderes vor mir habe, aber wesentlich länger, um mir klarzumachen, warum genau. Während sich Choräle verblüffend unabhängig von der im Raum aufgestellten Elektronik auf der Bühne ausbreiten und Vögel scheinbar über mich hinwegfliegen, obwohl eine Stereoanlage ja prinzipbedingt von der Lautsprecherlinie aus nur in die Tiefe abbilden kann, gelingt es mir beim besten Willen nicht, dem Setup einen Charakter zuzuweisen – es macht ja auch Sinn: Die makellosen Messwerte und verschwindend geringen Verzerrungen lassen schlicht keinen Raum für so etwas wie Voicing. Ins Setup ist mit dem DG-68 ein parametrischer Equalizer eingebunden, doch der dient nur der Raumkorrektur.
Was mich bei Accuphase jedes Mal leicht aus der mentalen Bahn wirft, hat aber weniger mit Frequenzgängen zu tun: Während die Messschriebe mit winzigen Harmonischen Verzerrungen vornehmlich dritter, gepaart mit einem Hauch zweiter Ordnung ein schonungslos offenbarendes Klangbild suggerieren, vermutet mein Ohr stets ein leichtes Übergewicht der zweiten Ordnung – Sie wissen schon, die gute alte Euphonie im Sinne kleiner SET-Amps. Als offenbarend kann man die Präsentation allemal bezeichnen: Die schiere Informationsfülle, die sich mit absoluter Selbstverständlichkeit im Raum auffächert und dem Ohr jederzeit zum Aufgreifen zur Verfügung steht, zieht den Hörer an sich schon unwiderstehlich in die Musik. Aber wie Accuphase ohne jegliche Kunstgriffe einen derart stupenden Klangfarbenreichtum hinbekommt, ist mir jedes Mal aufs Neue ein Rätsel. Spätestens beim dritten Stück höre ich deshalb auf, mich zu wundern, schicke mein Gehirn spazieren vor die Tür und lasse meine Ohren mit der Anlage und der Musik allein.
Life Like
Oberföhringer Straße 107
81925 München
Telefon +49 89 9577113
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag 10.30–18.30 Uhr, Samstag 10–15 Uhr













