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Alders & Lange Headman Vor- und Kopfhörerverstärker

Alders & Lange HEADMAN

Vorsprung durch Technik

Alders & Lange HEADMAN

Alders & Lange (A&L) demonstrieren, wie technische Spitzentechnologie und individuelle Kundenwünsche zusammengebracht werden können. Einblicke in eine neue Marke mit traditionsreichem Kern am Beispiel des Kopfhörerverstärkers HEADMAN

Alders & Lange Headman Vor- und Kopfhörerverstärker

In aller Kürze: Alders & Lange HEADMAN

Alders & Lange Headman Vor- und Kopfhörerverstärker

 

„Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.“ Vermutlich gibt es keinen deutschen Spitzenpolitiker, der dieses geflügelte Wort nicht schon einmal im Mund geführt hat. In der Regel folgt darauf ein vollmundiges Bekenntnis zu „Made in Germany“ und ein Lob auf die Tradition deutscher Familienunternehmen. Keine Angst, Sie haben nicht aus Versehen das Handelsblatt oder die WirtschaftsWoche erworben, sondern lesen noch immer in Ihrem herzallerliebsten High-End-Magazin. Ich schlage diesen etwas ausschweifenden Bogen, weil das Mutterhaus des aufstrebenden audiophilen Newcomers Alders & Lange ein solches Paradeunternehmen ist.

Alders & Lange Headman Vor- und Kopfhörerverstärker
VINYL-ENGINE (orange) und HEADMAN (grün) – wir hatten beide Komponenten als Gast, konzentrierten uns allerdings auf den Kopfhörer-/Vorverstärker. Die Gehäuse mit ihren illustren Farben tarnen die schier unglaubliche Verarbeitungsqualität der Geschwister. Die kompakten Geräte sind derart massiv, dass man vorm Anheben einmal tief Luft holen sollte.

Die ALDERS electronic GmbH aus dem niederrheinischen Kempen ist seit über 35 Jahren ein führender Anbieter von hochwertigen elektromechanischen Komponenten. Das Familienunternehmen in zweiter Generation mit knapp 40 Mitarbeitern entwickelt und vertreibt Lösungen für Anwendungen in verschiedenen Branchen, darunter Luft- und Raumfahrt – etwa für Airbus –, Medizintechnik, Bau- und Landmaschinentechnik sowie die Wasserstoff-Technologie. Das Portfolio umfasst Schalter, Taster, Joysticks, Steuergriffe, Leiterplattenzubehör, Sensoren und Kabelkonfektionen. Neben dem Vertrieb bietet ALDERS zudem im eigenen Haus maßgeschneiderte Lösungen und kundenspezifische Anpassungen und Kleinserien an, um den individuellen Anforderungen der Kunden gerecht zu werden. Wie aber kommt nun dieses klassische B2B-Unternehmen in die Sphären audiophiler Privatkunden? Diese Entwicklung hat die Firma Heiko Lange zu verdanken. Heiko Lange ist seit Ende 2019 gewissermaßen ein Daniel Düsentrieb bei ALDERS electronic. Der Diplomingenieur, zuvor als Projektmanager bei Infineon tätig, arbeitet größtenteils in seinem „Labor“ im heimischen Geldern. Dort tüftelt er an Produkten, mit denen individuelle Kundenwünsche der Industriepartner bedient werden. Kreativität und auch ein gehöriger Spieltrieb sind die Trümpfe, die der Elektrotechniker in die Waagschale wirft. So hat er in seinen Anfangszeiten bei Alders einen kompletten E-Scooter mal eben so nebenbei entworfen und konstruiert. Und da Langes Leidenschaft schon lange der Musik und auch der Entwicklung eigener Audiokomponenten gilt, war er es, der den Firmenchef Martin Alders von einer hochwertigen Audiosparte überzeugte, als es um die Frage ging, um welchen Bereich man das Unternehmen erweitern könnte.

Alders & Lange Headman Vor- und Kopfhörerverstärker
Buchsen, Knöpfe, Taster – alles in Top-Qualität und für die Ewigkeit konstruiert. Man beachte die stattliche Eingangsvielfalt des Vorverstärkers.

Ob auf Social Media, in Anzeigen oder auf Messen – sowohl der Phono- als auch der Kopfhörerverstärker von Alders & Lange, deren äußeres Erscheinungsbild nicht nur durch knallige RAL-Farben, sondern vor allem durch eine Ambivalenz zwischen retro und zeitgenössisch gekennzeichnet ist, fallen sofort ins Auge. Unwillkürlich kommt einem da der Name Dieter Rams in den Sinn, dessen Designkonzept augenscheinlich Pate stand. Aber warum gerade Rams? Bei A&L sieht man einen Rückgriff auf dessen Ideale als eine Art Verpflichtung: „Es ist die Kunst, Technik und Emotion in Einklang zu bringen. Wer unsere Produkte betrachtet, soll nicht nur ein Gerät sehen, sondern ein Versprechen: Klarheit, Beständigkeit und die Freude am Klang. Unsere Inspiration dafür sind die 10 Grundsätze für gutes Design, die Dieter Rams bereits 1976 formulierte.“ Heiko Lange ist fest davon überzeugt, dass Rams’ Designkonzept auch auf das technische Konzept einer Audiokomponente zu übertragen ist. Kein überflüssiger Schnickschnack in den Schaltungen, keine unnötigen Signalwege und eine unbedingte Präzision in der Fertigung. Dass vor allem der letzte Punkt keine leere Versprechung ist, sieht man, wenn man sich einmal dem Innenleben der Geräte widmet. Nicht nur etwa die Verarbeitung der einzelnen Platinen, sondern vor allem auch die Güte der Bauteile selbst spricht für sich. „Natürlich können auch wir keine 100-Prozent-Garantie für ‚Made in Germany‘ geben, das wäre unseriös, hier und da wird man kleinere Bauteile finden, die fernöstlichen Ursprungs sind“, so Heiko Lange in unserem Gespräch, „aber dennoch bemühen wir uns um weitgehende Lösungen hier direkt aus unserer Region am Niederrhein, um auch die größtmögliche Kontrolle im Rahmen der Qualitätssicherung zu haben.“ Klar, wer etwa Airbus oder medizintechnische Unternehmen beliefert, der weiß, dass Qualitätssicherung das A und das O sein muss.

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Kippt man das Gehäuse des Kopfhörertreibers auf die Seite, kommt man an die im Boden untergebrachten Mäuseklaviere für die Eingangsempfindlichkeit und Verstärkungsfaktoren. Wer Einstellorgien liebt: Im Gehäuse gibt es noch mehr von den kleinen roten Dip-Schaltern.

In Daniel Jennen und Christian Kallen fand Heiko Lange ähnlich audiophil tickenden Kollegen, und so war man sich gemeinsam mit Firmenchef Martin Alders schnell einig, die Tochterfirma Alders & Lange zu gründen. Den Anfang machte die Modern Record Console, kurz MRC. Als erstes gemeinsames Projekt war sie eine zeitgemäße Neuinterpretation der Braun-Musiktruhen aus den 70er und 80er Jahren. Technisch baute sie jedoch auf aktuelle Lösungen, wenngleich man im Verstärkungsbereich auf Röhrentechnik setzte. Akustisch war man von der MRC vollkommen überzeugt, musste aber einsehen, dass für solche im heutigen Verständnis monströsen Truhen doch nur ein Nischenmarkt vorhanden ist, von den immensen Produktionskosten einmal abgesehen. Die Grundidee von Design und Technik verschwand aber nicht in der Schublade, sondern wurde zum Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der Marke, quasi nur unter umgekehrten Verhältnissen: Röhre setzt man nun auf Transistortechnik, und von der riesigen Musiktruhe reduzierte man sich zu den designästhetisch perfektionierten „Zigarrenkisten“ HEADMAN und VINYL-ENGINE. Ihre Oberfläche ist mit hochwertigem TIGER-Drylac-Pulverlack veredelt und erhält dadurch eine matte, feinstrukturierte Optik. Sie ist langlebig, umweltfreundlich und kratzfest. Standardfarben sind Staubgrau, Tiefschwarz und Verkehrsweiß, gegen Aufpreis sind alle RAL-Farben in matt oder glänzend möglich. Auf Anfrage werden außerdem hochwertige Nasslackierungen aus dem Automobilbereich angeboten.

Alders & Lange Headman Vor- und Kopfhörerverstärker
Auch von innen eine Augenweide: Die „Kanalzüge“ des HEADMAN sind sauber auf eigenen Platinen untergebracht, an der linken Flanke kann man die Parameter der frontseitigen Schalter-Orgel ablesen. Der Pegelsteller an der Gehäuseoberseite haftet magnetisch in seiner Position und lässt sich einfach herausnehmen.

Was mich nach den Wochen mit einem HEADMAN in Grasgrün und einer VINYL-ENGINE in knalligem Orange und den Gesprächen mit Heiko Lange nachhaltig beeindruckt hat, das ist die Flexibilität der Komponenten und die Grundidee, de facto für jeden Kunden ein Custom-made-Gerät zu entwickeln. Auch wenn der Konfigurator auf der Homepage dem Interessenten schnell eine Komponente zusammenstellen kann – die eigentliche Herausforderung besteht für das Team bei A&L darin, gemeinsam mit dem Kunden herauszufinden, wo dessen spezielle Bedürfnisse liegen und wie diese dann umgesetzt werden können. Das, was für die Firma Alders im B2B-Geschäft Alltag ist, hat die Tochterfirma Alders & Lange nicht nur übernommen, sondern zum Markenkern ausgebaut. Aus diesem Grund hat man sich auch für den reinen Direktvertrieb entschieden, da nur so der unmittelbare Kundenkontakt gewährleistet ist. Aber selbst in der „Standardversion“ bietet der HEADMAN eine Fülle an Varianten, die mir das Team von A&L bereits ausführlich auf den Moerser Analogtagen erläuterte. Über Steckkarten können bis zu drei Stereokanäle konfiguriert werden. Das leistungsstarke Output-Modul 1 eignet sich für nahezu alle Kopfhörer und Line-Eingänge, während Output-Modul 2 als spezialisierter Line-Treiber dient. Die Lautstärke wird über ein mikroprozessorgesteuertes Widerstandsnetzwerk präzise geregelt, hochwertige Relais sorgen dabei für eine verlustfreie Signalweiterleitung. Auch die Stromversorgung ist neben der Betriebssicherheit strikt auf Klangqualität ausgelegt: Eine mehrstufig stabilisierte Filterung optimiert den Klang, während ein Watchdog die Betriebsspannungen überwacht. Optional ermöglicht die Head 4 Extension den Anschluss von bis zu vier Kopfhörern. In der Pipeline ist zudem ein Modell des HEADMAN mit einem sogenannten Biophonic-Equalizer; dieser ist speziell auf die klanglichen Eigenschaften von Kopfhörern abgestimmt. Eine Erweiterungsplatine erlaubt außerdem eine externe Lautstärkeregelung, um das Signal-Stör-Verhältnis weiter zu verbessern. Rechnet man alle möglichen Varianten einmal durch, die mit dem HEADMAN möglich sind, dann landet man schnell im dreistelligen Bereich.

Alders & Lange Headman Vor- und Kopfhörerverstärker
Die Crew vor ihrem A&L-Lieferwagen (v.l.n.r.): Account Manager Christian Kallen, Entwickler Heiko Lange und Vertriebsleiter Daniel Jennen.

Aber hören wir doch einfach mal hinein in das Klangversprechen von A&L. Zur Verfügung stehen mir drei recht unterschiedliche Kopfhörer: vom absolut transparenten offenen Studioabhörer Hi-X65 von Austrian Audio über den Klassiker T1 aus dem Hause Beyerdynamik bis hin zum wohlklingenden Highender Denon AH-D9200. Bei der Musikauswahl sollte es alles andere als nüchtern zugehen, und so erklingt mit dem Finale aus Puccinis La Boheme wunderbarster Edelkitsch aus den Ohrmuscheln, hier in der klanglich und interpretatorisch hervorragenden Interpretation Kent Naganos. Und wieder einmal zeigt sich, wie wichtig gerade bei solch hochemotionaler Musik ein eher neutraler und ganz der musikalischen Wahrheit verpflichteter Verstärker ist. Dann stellt man nämlich plötzlich fest, dass die Sache mit dem Kitsch bei Puccini doch eher ein Vorurteil und die gesteigerte Emotionalität der Musik ein Produkt ausgeklügelter Kompositionstechnik ist. Egal, welchen dieser drei sehr unterschiedlichen Kopfhörer man nutzt – einzelne Stimmen und Instrumente behalten ihren Platz im Klangbild, ohne künstlich hervorgehoben oder verfärbt zu wirken, Gesang und Orchester fließen ineinander und bleiben doch in ihrer Struktur immer verständlich. Ergänzt wird dies durch eine Dynamik, die nahezu grenzenlos wirkt, schnelle Impulse mühelos abbildet und dem Hören einen unmittelbaren, mitreißenden Spaßfaktor verleiht. Darin zeigt sich, wie es Heiko Lange gelingt, Dieter Rams Prinzipien von Ehrlichkeit, Reduktion und Funktion in technisches Know-how umzusetzen, das dieses akustische Spiel der musikalischen Wahrheit erst ermöglicht. Wie in der Formensprache entsteht auch im Klang keine Wirkung durch Übertreibung, sondern durch Ausgewogenheit, Ordnung und Konzentration auf das Wesentliche. Die VINYL-ENGINE schließt sich hier nahtlos an. Kraftwerks „Boing Boom Tschak“ erklingt geradezu beängstigend lebensnah, mitunter schielt man vorsichtig nach rechts und links, um sich zu vergewissern, dass nicht doch plötzlich Ralf Hütter neben einem steht. Für mich wieder einmal der Beleg, dass originales Kraftwerk-Vinyl den diversen digitalen Remixen eindeutig vorzuziehen ist, zumindest wenn die leisen Signale aus den Rillen so aufgearbeitet werden, wie dies der VINYL-ENGINE gelingt.

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Sie sind auf der Suche nach hochwertigen High-End-Komponenten, die nicht ganz alltäglich sind? Sie haben ein Faible für Komponenten, die optisch herausstechen, dafür unbestechlich in Haptik und klanglicher Güte sind und vor allem individuell auf Sie abgestimmt? Sie glauben noch an das Glücksversprechen „Made in Germany“ und schätzen technisches Know-how und kompromisslose Qualität? Dann sollten Sie zunächst einmal die Homepage von A&L besuchen und dann womöglich einen Abstecher in den Showroom am Niederrhein einplanen. Heiko Lange und sein Team werden Sie freundlich empfangen und seriös beraten und Ihnen auch ganz sicherlich von ihren weiteren Plänen erzählen. Und womöglich erleben Sie dann schon den VINYL-MASTER, der den Anschluss von vier Plattenspielern erlaubt oder den Prototypen einer Endstufe, die – ganz im Sinne der Firmenphilosophie – auch wieder mit einer enormen Flexibilität und einer größtmöglichen Varianz der Anpassungsmöglichkeiten zu überzeugen weiß. Die Ideen-Pipeline ist bei Alders & Lange prall gefüllt, und sie wird sicherlich noch die ein oder andere audiophile Überraschung in der Zukunft präsentieren.

Alders & Lange Headman Vor- und Kopfhörerverstärker

Info

Vor- und Kopfhörerverstärker Alders & Lange HEADMAN

Konzept: Line-Vorstufe, Kopfhörer-Vorverstärker
Ausstattung: Basisvariante (HM 100) mit 1 x Kopfhörerausgang via Power-Modul OM-1; Vollausbau (HM 111 G4) mit 1 x Kopfhörerausgang, 4 Gain-Stufen wählbar, 2 x Line-Out (Fixpegel oder variabler Pegel), biophonischer Equalizer, 4 frontseitig wählbare Kopfhörerausgänge
Lautstärkeregelung (Abschwächung): −63 dB bis 0 dB (in 64 Schritten)
Kanalübersprechen (@1 kHz): > 90 dB
Frequenzgang (20 Hz bis 20 kHz@100 kΩ): < 0,1 dB
Fremdspannungsabstand (SNR): 115 dB
Leistungsaufnahme (Betrieb/Standby): max. 15 W/< 0,2 W
Ausführungen: Tiefschwarz, Staubgrau, Verkehrsweiß, individuelle RAL-Farben nach Wunsch (Aufpreis ab 300 €)
Maße (B/H/T): 20/11/40 cm
Gewicht: 8,2 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: ab 6250 € bis 8200 €

Kontakt

ALDERS electronic

Arnoldstraße 19
47906 ­Kempen
Telefon +49 2152 8955255
info@alders-­lange.de

www.alders-lange.de

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