Jan Dintheer Large Ensemble – Tiger’s Den
2019 machte er seinen Studienabschluss in Jazzgitarre, 2022 dann auch in Jazzkomposition.
Auf Jan Dintheers Debütalbum hören wir kein handliches Trio oder Quartett, sondern gleich das Jan Dintheer Large Ensemble: ein 19-köpfiges Orchester mit siebenfachem Holz und achtfachem Blech. Alle Stücke schrieb Dintheer direkt für diese Besetzung.
Wichtige Inspiratoren waren dabei Orchesterkomponisten wie Django Bates, Muhal Richard Abrams und John Hollenbeck. Erwartungsgemäß ist also kein konventionelles Bigband-Programm entstanden, eher ein jazzorchestrales Forschungsprojekt. Dintheer entwickelt seine Stücke häufig aus abstrakten Kernideen oder Kernzellen – etwa der Zahl Vier („Unvollkommenes Beryllium“) oder einer akustischen Täuschung („Shepard’s Pie“). Einige Tracks sind auch von Analogien angeregt, etwa dem Pokerspiel, dem Erforschen einer Höhle, der Vorstellung vom Fallschirmspringen oder gar Verkehrskonzepten beim Autobahnbau. Entstanden sind höchst charaktervolle Klangerfindungen – mit schlanken Farben oder komplexer Dynamik, mit zögerlicher Spannung oder nostalgischem Swing. „Längsgeteilte Dringlichkeit“ zum Beispiel, das achte Stück, erinnert an den swingenden Bigband-Avantgardismus eines Thad Jones, ist komisch und schrill zugleich und präsentiert obendrein die freche E-Gitarre von Anna Regina Kalk. Tatsächlich gibt es auf dem Album genau 19 Solo-Features. Das heißt: Jedes Mitglied der jungen Schweizer Bigband kommt genau ein Mal solistisch zum Zuge.



