Soulnote E-1 ver.2
Mal ehrlich und die Hand aufs Herz – diesen ewig treibenden Gedanken nach dem „mehr“ oder „besser“ kennt jeder HiFi-Liebhaber. Davon bin auch ich nicht frei, und so steht bei mir im Rack die neueste Inkarnation des Soulnote-Phonovorverstärkers E-1 in der Version 2. In dezentes, elegantes Schwarz gekleidet, fügt er sich wunderbar ein, so mein spontaner erster Eindruck. Was es darüber hinaus über ihn zu berichten gibt, lesen Sie sogleich …
Kato-san, der umtriebige Chefentwickler von Soulnote, hat sich den Phonoentzerrer E-1 aus der ersten Serie sehr genau angesehen. Herausgekommen ist bei der daraus resultierenden Überarbeitung ein Phono-Pre, der im wahrsten Sinne des Wortes aufhorchen lässt. War und ist der Vorgänger schon ein ganz hervorragender Aufbereiter der feinen Phonosignale, so gilt dies für den Nachfolger erst recht. Alles nur Marketing? Mitnichten – die Überarbeitung ist so tiefgreifend wie umfassend. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass das Gerät nun über eine klarer gestaltete, glatte Front (in Silber oder Schwarz) mit im Grunde selbsterklärenden Tasten verfügt (der Vorgänger ist an seinen horizontal verlaufenden, dicken Aluminiumstreifen zu erkennen). Zur „Low Cut“-Taste sei nur kurz gesagt, dass deren Aktivierung als Rumpelfilter gegen unerwünschte Tieftonfrequenzen infolge von Plattenverwerfungen etc. wirkt, ohne die Musiksignale dabei klanglich zu tangieren.
Ein Blick auf das rückwärtige Anschlussfeld lässt einen zusätzlichen Eingang für optische (fotoelektrische) Tonabnehmer erkennen. Der analoge Stromkreis für diese Tonabnehmer enthält die ursprünglich für den großen Bruder E-3 entwickelte neue Typ-R-Schaltung. Derartige Abtaster sind bislang eine Besonder- wie Seltenheit und benötigen immer ein spezielles Versorgungs- und Entzerrerteil – für Besitzer des Soulnote E-1 ver.2 entfällt dies nun erfreulicherweise.

Die vom Vorgänger übernommenen symmetrischen „In“- sowie „Out“-Anschlüsse machen bei der Verwendung von MC-Tonabnehmern besonders Sinn, schließlich sind sie prinzipbedingt symmetrisch konstruiert. An dieser Stelle darf ich anmerken, dass der Test genau in dieser Anschlussart durchgängig vom Tonabnehmer über den E-1 ver.2 bis zum Vollverstärker erfolgte. Außerdem wurden alle offenen Cinch-Kontakte mit entsprechenden Abdeckkappen verschlossen und hiermit vor Einstrahlung jedweder Art geschützt – offene Anschlüsse können leicht Rauschen und/oder Signalverluste verursachen.
Die notwendigen MC-Einstellungen über den frontseitigen und herrlich satt rastenden Drehknopf (immer in silberfarbenem Aluminium) erklären sich von selbst und lassen die jeweils benötigte Abstimmung absolut unkompliziert und während des Betriebes zu. Klack, klack – den jeweils bestgeeigneten Wert nimmt das eigene Ohr schnell wahr. Die üblicherweise in den Betriebsanleitungen der Tonabnehmer angegebenen Werte nehme ich schon lange nur mehr als Empfehlung. Mein Gehör sagt mir unmissverständlich, welche Ohm’schen Werte die gewünschten klanglichen Ergebnisse liefern. So spielt das überaus feinsinnige und vor allem herausragend neutrale Clearaudio Da Vinci V2 bei geschalteten 100 Ohm über den Soulnote E-1 ver.2 geradezu atemberaubend gut (Clearaudio gibt einen Bereich von 100 bis 1000 Ohm an); bei 300 Ohm bzw. 1000 Ohm empfinde ich etwa eine „zur Sache gehende“ E-Gitarre als etwas zu vorlaut. Sie tönt dann zwar auch nicht schlecht, aber auf Dauer sind die 100 Ohm einfach richtiger. Der typische MM-Wert ist mit 47 Kiloohm allseits bekannt, weitere Abstimmung wird nicht benötigt. Die klanglichen Erlebnisse mit dem kräftigen MM Clearaudio Charisma V2 überzeugen bei dieser Betriebsart umfassend, besonders fällt hier die klangfarbenstarke und weiträumige Bühne des Tonabnehmers auf.

Die Ausgangsleistungen haben gegenüber der Vorversion an Potenz zugelegt (symmetrisch jetzt 3 V und unsymmetrisch 1,5 V). Die neue und zudem vereinfachte analoge Schaltung hat tatsächlich die Klangwiedergabequalität der MC/MM-Signale nochmals verbessert. Dabei wurde die ursprünglich beim E-1 vorhandene und auf LEDs basierte Schaltung entfernt (die vorherige „Leuchtorgie“ ist jetzt also weg) und durch eine komplett neuentwickelte Konstruktion ersetzt. Im Ergebnis hat sich dank dieser auch das Signal-Rausch-Verhältnis in der Tat eindeutig verbessert. Die jetzt noch exaktere BIAS-Regelung hat dabei ganz vorzüglich geholfen. Noch schnell ein Wort zur Verarbeitungsqualität: Mit „überragend“ ist hier alles, aber auch wirklich alles gesagt!

Wer sich an dem scheinbar etwas zu lockeren „Deckel“ stört, dem sei gesagt, dass dies bei Soulnote Gegenstand der klanglichen Abstimmung ist. Dazu zählt ebenso die liebevolle Hinwendung bei der Aufstellung. Während andere Hersteller oftmals lediglich profane Gummifüße für ihre Gerätschaften verwenden, ist es typisch für Soulnote, dass immer zwei unterschiedliche Arten von Metallfüßen geliefert werden, die sich mit dem mitgelieferten Schlüssel schnell tauschen lassen: Zum einen gibt es Spikes, zum anderen speziell gefertigte Isolatoren (Lieferzustand), die meines Erachtens eine noch höhere Klangqualität bieten. Den entsprechenden Einsatz muss allerdings jeder Anwender für sich selbst herausfinden, da die hörerseitig genutzten Racks/Basen bekannterweise allesamt unterschiedlich wirken. Bei mir stehen die Soulnote-Geräte grundsätzlich auf den Isolatoren. Die geräteseitige Position derselben wurde empirisch im Werk eruiert – kein Wunder also, dass sich ein Isolator direkt unter dem (nun intern gekapselten) 260-VA-Trafo befindet. Dessen Wert ist für einen Phonovorverstärker in der Tat besonders erwähnenswert, denn so einen potenten Transformator verwenden manche Hersteller bei einem Vollverstärker, nicht aber bei einer Phonostufe. Stammleser erinnern sich an meine Grundüberzeugung „Der Klang liegt im Strom verborgen!“. Und dass die Stromversorgung selbstverständlich, wie auch die ganze Schaltung, gegenkopplungsfrei konzipiert ist, muss an dieser Stelle lediglich nurmehr vollständigkeitshalber erwähnt werden.

Messwerte sind das eine, das klangliche Ergebnis ist für Kato-san jedoch stets das entscheidende Moment bei der Entwicklung und Konzeption seiner Soulnote-Geräte. Womit wir nach all der Technik nun endlich zu den klanglichen Eigenschaften des Soulnote E-1 ver.2 kommen. Halt, bevor ich es vergesse zu erwähnen, auch dieses Soulnote-Gerät verdient ein artefaktefreies Stromkabel. Seitens des Vertriebes wurde zum Test ein 1,5 Meter langes Zavfino Fina MK 2 beigelegt – ich bin von dem klanglichen Ergebnis überaus angetan. Es erhält meine begeisterte Zustimmung in puncto Verarbeitung und in Bezug auf seine Nichteinmischung bei der Klangwiedergabe. Es ist laut Hersteller bestens geeignet für DACs, Phonostufen, Vorverstärker und hochwertige All-in-one-Geräte. Noch dazu besticht es mit seinem Verkaufspreis von moderaten 399 Euro.
Da alle Soulnote-Geräte bereits fertig eingespielt aus dem Werk auf die Reise geschickt werden, entfallen die üblichen „Einlaufzeiten“, es kann also sofort losgehen mit dem klanglichen Eindruck. Eins der mir am wichtigsten Alben überhaupt war Quadrophenia von The Who. Über die Geschichte dieser Rockoper wurde hinlänglich berichtet, und das wilde Bass-Solo von John Entwistle bei „The Real Me“ war zwar nicht allein, aber doch auch ursächlich dafür verantwortlich, dass ich dieses Instrument vor langer Zeit erlernte. Tief versunken in meinen Erinnerungen höre ich die mir wohlbekannten Stücke an … Um was geht es hier eigentlich? Richtig, um den Soulnote E-1 ver.2. Der nimmt mich ganz selbstverständlich mit auf die musikalische Reise in meine analoge Vergangenheit; er präsentiert mir die klanglichen Meriten des jeweils aufgelegten Vinyls überaus perfekt. Dieser japanische Phonoentzerrer zeigt ab dem ersten Ton, welche Wiedergabefähigkeiten er hat – und das ist einfach richtig gut. Besonders die natürlichen Geräusche wie die Meeresbrandung ganz am Anfang des Albums werden überaus authentisch dargestellt. Ich versinke in die vorgetragenen Klangwelten, um dann erst jäh vom Erreichen der Auslaufrille des Tonabnehmers unterbrochen zu werden.

Gesang/Stimmen – immer wieder ein Prüfstein für analoge Wiedergabeketten. Diesmal liegt Será Una Noche von La Segunda auf dem Plattenteller: feinster argentinischer Tango. In meinem Raum vibriert geradezu die Luft, derart intensiv werden die Töne der Sängerin und der Instrumente im großen Saal der Aufnahme präsentiert, man nimmt selbigen ganz intensiv wahr, derart feinfühlig, ja geradezu holografisch präsentiert mir dieser Phono-Pre die einzelnen Klänge. So gespeist vermag er wie kaum ein anderer Phono-Pre zuvor in meinem Raum alle Sinne gleichermaßen zu berühren. Ich höre mit großem Vergnügen die komplette Doppel-LP, und mir ist klar: Die nächste Platte darf auf keinen Fall weniger Esprit versprühen. Gleichwohl bedarf es eines Genrewechsels hin zur Klassik: Vivaldis Vier Jahreszeiten – diesmal in einer modernen Interpretation von Max Richter (The New Four Seasons – Vivaldi Recomposed, 2022). Gemeinsam mit den Musikern des Chineke! Orchestra und der überaus brillanten Violinistin Elena Urioste taucht der Komponist intensiv, ja vielleicht tiefer als je zuvor ein anderer in die faszinierende musikalische Welt dieses epochalen Werkes ein. Interessant ist hier auch die instrumentale Besetzung, denn einerseits spielen die Musiker auf originalen Streichinstrumenten aus Vivaldis Zeit, andererseits kommt ganz selbstverständlich auch die „Stradivari unter den Synthesizern“ – ein früher Moog aus den 70er Jahren – zum Einsatz. Im Ergebnis eine spannende Reise in ein eigentlich wohlbekanntes Klanguniversum!
Muss ich noch mehr Musikbeispiele aufführen? Nein, das erspare ich mir und Ihnen. Kommen wir stattdessen zur zentralen Frage: Was ist der Soulnote E-1 ver.2 denn nun? Nur ein weiterer, zweifelsfrei richtig guter Phonoentzerrer in diesem im Grunde unüberschaubaren Markt? Gewiss nicht. Oder bricht er gar hemmungslos in die Phalanx seiner Brüder und Schwestern der obersten Liga der Phono-Pre-Zunft ein? Exakt dies tut er mit absoluter Selbstverständlichkeit – und hier schließt sich der Kreis zur Überschrift dieses Berichts: „Braucht’s wirklich mehr?“ Meine persönliche Antwort lautet eindeutig: „Nein!“ Auch wenn man bekanntlich niemals nie sagen soll – ich bin analogseitig vom Tonabnehmer über die technisch richtige XLR-Verkabelung zum Phono-Pre bis hin zum final verstärkenden Hybrid-Röhrenvollverstärker endlich angekommen. „Oh God, I need a drink …“, heißt es im Song „Love Reign O’er Me“ vom erwähnten The-Who-Doppelalbum – ich schließe mich an!
Info
Phonoentzerrer Soulnote E-1 ver.2
Eingangsempfindlichkeit (MC/MM/opt.): 0,4 mV/5 mV/70 mV
Verstärkung (MC/MM/opt.): 77 dB/55 dB/32 dB
Nennleistungsspannung (sym./asym.): 3 V/1,5 V
RIAA-Abweichung: ±0,3 dB
MC-Lastwiderstand: 3 Ω, 10 Ω, 30 Ω, 100 Ω, 300 Ω, 1 kΩ
MM-Lastwiderstand: 47 kΩ
Leistungsaufnahme (Betrieb): 24 W
Ausführung: Silber oder Schwarz
Maße (B/H/T): 43/11/41 cm
Gewicht: 10 kg
Garantiezeit: 2 Jahre, erweiterbar auf 3 Jahre
Preis: um 4500 €
Kontakt
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