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Dream Theater - A Change of Seasons

Dream Theater – A Change Of Seasons

Longtrack, 1995

Dream Theater – A Change Of Seasons

Zum Progrock gehören Tempowechsel, Klassik- und Jazzanklänge, umfangreiche Instrumentalteile und überraschende Instrumente. Weil das alles zusammen kaum in einen Drei-Minuten-Song passt, gibt es den Longtrack.

Das ist in mancherlei Hinsicht ein besonderes Stück. Die Band Dream Theater hat daran schon 1989 gearbeitet, als gerade ihr Debütalbum erschien. Drei Jahre später – auf dem zweiten Album – hätte „A Change Of Seasons“ dann eigentlich seinen Platz finden sollen. Doch der Umfang des Stücks – damals etwa 17 Minuten – hätte den Rahmen dieses Albums gesprengt. Also: noch mal verschoben. Da die Band den Longtrack jedoch im Konzert spielte, fragten ihre Fans nach einer Aufnahme. 1995 beschlossen Dream Theater daher, das Stück endlich einzuspielen – allerdings gab es noch nicht genug Material für ein ganzes Album. Man packte deshalb einige Liveaufnahmen dazu – Coverversionen von Stücken der proggigen Vorbilder Pink Floyd, Genesis, Led Zeppelin, Deep Purple usw. – und erklärte das Ganze zu einer EP. Trotz einer sehr ordentlichen Gesamtlänge von 57 Minuten.

Dream Theater - A Change of Seasons

Der Progmetal-Stil, den Dream Theater praktisch im Alleingang erfunden hatten, war damals noch ziemlich neu. Also: progressive Rockmusik – mit vielen Brüchen, Umbrüchen, Gegensätzen –, zusätzlich aufgefrischt durch harte Heavy-Metal-Parts. Dream Theater haben damals die asymmetrischen Riffs und ungeraden Siebenvierteltakte etabliert. John Petrucci (Gitarre) und Mike Portnoy (Schlagzeug) wurden die virtuosen Idole der ganzen Prog-Szene. Mit 23 Minuten Länge war „A Change Of Seasons“ ihr umfangreichstes Stück bis dahin. Es gilt bis heute als Vorzeigewerk, Meilenstein, Klassiker der Band. „Eines der eindrucksvollsten Musikstücke, die je im Progmetal-Bereich geschrieben wurden“ (Phil Carter). Später sollte die Band noch weitere Super-Longtracks liefern: „Octavarium“ (2005), „In The Presence Of Enemies“ (2007) oder „Illumination Theory“ (2013).

Die Band gliedert ihr Mammutstück in sieben Teile, die jeweils einen eigenen Titel haben. Vier davon sind wirkliche Songs mit Vokalpart – meist sanft, melancholisch, sehr harmonisch, manchmal feierlich und pathetisch, zuweilen auch etwas dramatisch werdend. Die drei anderen Teile – die Teile 1, 4, 6 – bleiben dagegen rein instrumental. In ihnen gibt es die harten Metal-Gitarrenriffs, eine rasante Flut von Motivvarianten, eine mächtige Orgel, ein Synthesizer-Solo, viele raffinierte Rhythmuswechsel und virtuose Frickeleien – aber auch rein akustische Strecken. Am Ende von Teil vier (10:10 bis 13:03) hören wir Petruccis berüchtigtes Turbo-Stakkatospiel (etwa ab 12:20) sowie einige crazy Breaks. Am Ende des etwas bombastischen Teils fünf (13:03 bis 17:21) zerbröckelt die Struktur ein wenig (etwa ab 17:00) – auch das ist spannend. Die Übergänge zwischen den Teilen sind überhaupt raffiniert gemacht. Oft meldet sich ein musikalisches Element vom vorigen Teil zurück und schafft so Kontinuität und Flow.

Die Songtexte stammen übrigens alle vom Schlagzeuger Mike Portnoy. Er hat in ihnen persönliche Erlebnisse verarbeitet und erzählt eine Art „Lebenszyklus“. Im Zentrum steht dabei Teil drei („Carpe Diem“, 6:56 bis 10:10), wo Portnoy auch Anregungen aus zwei Filmen mit Robin Williams aufgreift. Der dramatische Höhepunkt des Teils (etwa ab 8:47) ist die Erinnerung an die letzte Begegnung mit seiner Mutter: „She walked into the night / She turned for one last look / She looked me in the eye / I said: I love you … good-bye“. Portnoys Mutter kam 1984 beim Absturz eines Privatflugzeugs ums Leben. Da war er 17. Es folgte für ihn „The Darkest Of Winters“ – so heißt Teil vier des Stücks. Kurz nach dem Tod seiner Mutter hat Portnoy dann Dream Theater gegründet.

dreamtheater.net

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