PS Audio PMG Signature 512 DAC
High-End-Legende Paul McGowan will es noch einmal wissen. Für die neuen Top-Geräte von PS Audio bürgt er mit seinem Namen. Vorhang auf für einen Ausnahme-DAC!
So viele gute Nachrichten! PS Audio stellt einen neuen D/A-Wandler vor. Trotz Flaggschiff-Status trägt der kein fünfstelliges Preisschild. Eigentlich handelt es sich auch gar nicht um einen schlichten Wandler, sondern um einen Streaming-DAC mit analoger Lautstärkeregelung. Der zu allem Überfluss auch noch hinreißend aussieht.
Was ihn aus Sicht seiner Macher besonders macht, trägt der PS Audio PMG Signature 512 DAC im Namen. Da wären zum einen die drei Buchstaben PMG. Das sind die Initialen des Mannes, der PS Audio vor 53 Jahren gegründet hat: Paul McGowan. Der blickt auf ein Lebenswerk zurück, das locker für mehrere Personen reichen würde. Dass die neue Top-Baureihe seinen Namen trägt, hat er sich mehr als verdient. Nein, erklärt er, entwickelt habe er keins der Geräte. Aber die klangliche Abstimmung vorgegeben und abgesegnet. Das macht die neue Referenzklasse zu einem persönlichen Statement.

Der zweite Hinweis auf Bemerkenswertes ist die Zahl im Namen des DACs: 512. Auf dieses Vielfache der Standard-Samplingfrequenz des CD-Formats rechnet der Wandler alles hoch, was er in einen seiner zahlreichen Eingänge digital zugespielt bekommt. Die Multiplikation ergibt 22,5792 Megahertz. Genau, das ist kein PCM-Format mehr. Der DAC arbeitet intern mit einem DSD-Datenstrom. Das Hochrechnen ist also gleichzeitig eine Formatwandlung. Wozu das gut ist? Um aus DSD ein analoges Signal zu erzeugen, braucht es den einfachsten denkbaren „Wandler“ – nämlich nichts weiter als ein analoges Tiefpassfilter. Das ist jetzt sehr vereinfacht dargestellt, aber grundsätzlich ist es genau diese Eleganz, die Entwickler dazu inspiriert, sich dem ewigen Duell der Wandlertechnologien „R2R vs. Delta-Sigma“ zu entziehen und in die DSD-Domäne zu wechseln. So werkelt unter dem doppelten Deckel (innerer Abschirmkäfig und Aluminium-Außenhaut) des PMG Signature 512 ausgeklügelte Software auf schnellen Prozessoren.

Konkret sieht der Signalweg so aus: Alle Eingänge führen in eine Schaltung, die es bei PS Audio so ähnlich schon mal als separates Gerät namens „Digital Lens“ gegeben hat – eine Instanz zum klangdienlichen Neutakten und Reduzieren von Jitter. Direkt danach erfolgt das Hochrechnen und Umwandeln in DSD512. Auch hierfür hat PS Audio einen griffigen Namen: „PureStream DSD 512 engine“. Es folgt ein FIR-Digitalfilter als unabhängige Baugruppe mit eigenem Taktgenerator, das PS Audio „SpectraWave Sequencer“ nennt. Jetzt ist der Megahertz-Datenstrom bereit für das Analogfilter, das alle Verzerrungen weit in den unhörbaren Bereich separiert und das Musiksignal via Lautstärkeregler in die analoge Ausgangsstufe entlässt. Der Pegel lässt sich im PMG Signature 512 in einem digital kontrollierten, aber rein analog arbeitenden Widerstandsnetzwerk regeln, auf den manch eine Vorstufe stolz wäre. Die analoge vollsymmetrische Ausgangsstufe hat eine sogenannte „diamond buffer“-Topologie mit hoher Bandbreite und Stromlieferfähigkeit. Zwischen den Baugruppen – zu denen auch die integrierte Streaming-Einheit zählt – wird besonderes Augenmerk auf galvanische Trennung gelegt, was der Reinheit des Nutzsignals zugutekommen soll. Der ist zweifellos auch die Abwesenheit von Schaltnetzteilen zuträglich: Der DAC wird komplett von einem einzigen, definitiv Endstufen-tauglichen Ringkerntrafo mit Strom versorgt.
Der PMG Signature 512 ist eine vielfältig konfigurierbare Digitalzentrale und wird zeitgemäß über ein berührungsempfindliches Display bedient. Wer alle Features kennenlernen möchte, wende sich vertrauensvoll an die viele Seiten lange Bedienungsanleitung. Hier seien nur zwei exemplarisch herausgegriffen: Drei Digitalfilter stehen zur Auswahl, jeweils optimiert für Phasengenauigkeit, Bandbreite oder Zeitverhalten. Derlei ist öfter zu finden, im Gegensatz zu einer anderen Option: Ground Lift. Hier lässt sich die Verbindung zwischen Masse und Schirm für jeden Eingang (außer optisch natürlich) einzeln auftrennen. Der Zweck ist, wie bei den galvanisch getrennten Baugruppen, unerwünschten Einstreuungen den Weg abzuschneiden.

Nach meinem Eindruck lautete das interne Mantra bei der Entwicklung des PMG Signature 512: „Na, das wollen wir doch mal sehen!“ Eine Klangqualität, die es mit den besten Wandlern der Konkurrenz aufnehmen kann? Zu einem Preis, bei dem andere noch nicht mal ein Einstiegsmodell vorweisen können? Mit eigenständiger Wandlertechnik, einem vollwertigen Streamer, sämtlichen Anschlussoptionen inklusive dem derzeit maximal angesagten I2S und einer ernstzunehmenden analogen Pegelregelung? Mit einer vorbehaltlos High-End-kompatiblen Optik und Haptik? Und ausgefeilten Einstellmöglichkeiten? Und, ich muss das einfach wiederholen, weil’s so wunderbar gegen einen traurigen Trend geht: einem vierstelligen Preisschild? Für Referenz-High-End renommierter US-amerikanischer Provenienz? Geht nicht? Na, das wollen wir doch mal sehen!
Kein langes Herumreden: Der PS Audio PMG Signature 512 überzeugt mich vom Fleck weg. Nach den ersten Tönen, zugespielt vom zugegebenermaßen wirklich exquisiten CD-Laufwerk Aqua La Diva, ist klar, dass ich eine neue klangliche Dimension betrete. Der Amerikaner übertrifft alles, was hier in den letzten Jahren D/A-gewandelt hat, in Sachen Reinheit und Freistellung von Klangereignissen. Tatsächlich ist bei vertrauten Stimmen und Soloinstrumenten etwas bisher nicht Wahrgenommenes zu hören: eine dreidimensionale Komponente, die jedes Schallereignis im Aufnahmeraum verortet und ihm Kontur und Präsenz verleiht. Stimmen atmen und pulsieren, obertonreiche Streich-, Zupf- oder Blasinstrumente scheinen wie in klares Sonnenlicht getaucht. Überhaupt Obertöne, feinste Schwingungen, Schlagwerk, besonders Becken – ein Wahnsinn, wie schnell das ein- und ausschwingt, wie echt das sirrt und schwirrt. Dann Perkussives, explosive Rimshots, ein Fest! Aber auch große Besetzungen, umfasst von Rauminformationen vor einem kristallklaren Hintergrund, dass man den Konzertsaal nach Gehör auf Millimeterpapier nachzeichnen möchte.

Ich bin begeistert von der Qualität der Digital-Inputs. Streaming hat in meiner Anlage trotz eines nicht unerheblichen Aufwands nie der CD-Wiedergabe das Wasser reichen können. Kein DAC hat an dieser Hierarchie je etwas geändert. Sollte es wirklich an meinem Server/Streamer Innuos Zenith Mk III liegen? Der PS Audio lehrt mich: Nein, es waren die Eingangsstufen der Wandler. Hier und jetzt, per USB direkt angeschlossen und mit der hauseigenen Sense-App bedient, spielt der Innuos den Qobuz-Stream wie nach einem Bad im Jungbrunnen. Zur CD-Wiedergabe ist kaum noch ein Unterschied festzustellen. Etwas fließender und einen Tick wärmer klingt’s ab Innuos, von CD dagegen mit nochmals gesteigerter Dynamik und Auflösung.
Den eingebauten Streamer teste ich im Solobetrieb mit Qobuz Connect. Das funktioniert makellos und kommt klanglich dem CD-Zuspiel durchaus nahe. Dann eine Runde Roon, mit dem Innuos als Roon Core. Der tendenziell wärmere Sound dieser Software ist unverkennbar. Ich liebe den Komfort von Roon und die von keiner anderen App erreichte Qualität der Musikvorschläge. Aber Innuos Sense ist einfach schneller – und klingt besser. Qobuz Connect sowieso.
Hochinteressant ist die Möglichkeit, den PMG Signature 512 direkt an Endstufen oder gar Aktivboxen anzuschließen und auf die Weise eine minimalistische Digitalanlage zu realisieren. Hochinteressant ist aber ebenso Paul McGowans Meinung hierzu: Mit einer (angemessen hochwertigen) Vorstufe klänge es am Ende doch immer besser. Dabei ist der im DAC eingebaute Pegelregler beileibe keine Billiglösung. Ich schließe meine Rowland-Monoblöcke an, regle den bis dahin fix auf 100 eingestellten Pegel vorsichtshalber auf 40 herunter und wähle in Qobuz die Empfehlung eines musikliebenden Freundes: Torch Bearers, ein im legendären Studio von Rudy van Gelder aufgenommenes Jazz-Album des Trompeters Brian Lynch und seiner hochkarätigen, auf zwei Titeln um die Sängerin Samara Joy erweiterten Band. Eine fantastische Aufnahme. Klanglich ist alles da. Schleife ich aber meine Röhrenvorstufe Silvercore linestage two ein, geht ein Ruck durch die Musik: Der Gewinn an Spannkraft, dynamischer Power und Unmittelbarkeit ist deutlich zu spüren. Ein unfairer Vergleich, der Pre kostet fast genauso viel wie der Wandler. Dafür hat der sich dann wieder vorzüglich geschlagen.
Keine Wünsche, keine Kritik? Eine wertigere, am besten nur auf den DAC zugeschnittene Fernbedienung wäre toll. Wenn sich damit auch auf dem Touchdisplay navigieren ließe, wäre ich sehr glücklich.
Denn es könnte sein, dass ich den PMG Signature 512 noch eine Weile behalten will. Eine sehr lange Weile. Ein Weltklasse-DAC.
Info
DAC/Netzwerkplayer PS Audio PMG Signature 512 DAC
Konzept: D/A-Wandler mit fester Hochrechnung auf DSD512, integrierter Streamer, analoge Lautstärkeregelung
Eingänge: 4 x S/PDIF (XLR, BNC, Cinch, optisch), 1 x USB B, 2 x I2S (HDMI), 1 x Ethernet, Wi-Fi
Ausgänge: 1 x Line Out unsymmetrisch (Cinch), 1 x Line Out symmetrisch (XLR)
Streaming-Services: Roon, Tidal via Roon, Qobuz Connect, Spotify Premium, DLNA/UPnP, ShairPort (AirPlay)
Akzeptierte Digitalformate: PCM bis 768 kHz/32 Bit, DSD bis DSD512
Besonderheiten: USB A für Firmware-Updates, Trigger-Ausgänge, IR-Systemfernbedienung
Ausführung: Silber oder Schwarz
Maße (B/H/T): 45/11/38 cm
Gewicht: 13,6 kg
Garantiezeit: 2 Jahre (3 Jahre nach Registrierung)
Preis: um 9950 €
Kontakt
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