Axmann Twisted Tubes
Nichts leitet so gut wie Silber. Mit den Twisted Tubes erweitert Axmann Audio sein Sortiment – frei nach dem Motto: Kabel ist Silber, Musik ist Gold.
Musik ist eine Kunst, die sich dort ereignet, wo sich Gegensätzliches berührt. Ihre Kraft bezieht sie aus dem Spannungsfeld zwischen nicht genau greifbarer Emotion und knallhart kalkulierbarer Spieltechnik. In ihr begegnen sich Spontanität und Quintenzirkel – mal in friedlicher Absicht, mal in gegnerischer. Und so ist es eine Binse, dass physisch erfahrbare Dinge wie knallige Bässe oder der Eindruck von Räumlichkeit gekoppelt sind mit Mathematik und Elektrotechnik. Wenn über HiFi-Komponenten gesprochen wird, so ist dies meistenteils akzeptiert: Dass die Stromlieferfähigkeit eines Ringkerntrafos etwas damit zu tun hat, ob man im Klang baden kann und die Party gelingt. Geht es aber darum, Komponenten miteinander zur Anlage zu verbinden, sieht es manchmal anders aus: Braucht man wirklich ein hochpreisiges Cinch- oder Netzkabel? Wie doll hört man das?
Das Funktionsprinzip von Leitern ist nicht so simpel, wie oft angenommen wird. Ein Kabel ist nicht einfach nur ein Draht, der elektrische Signale überträgt. Ein Kabel überträgt Signale als elektromagnetische Felder entlang der Leiter. Wer sich damit vertieft auseinandersetzen möchte, kommt an den Maxwell-Gleichungen nicht vorbei – und schon hat man es mit partiellen Differenzialgleichungen zu tun, die sich weit jenseits der Oberstufen-Mathematik befinden. An dieser Stelle daher nur so viel: Ein Kabel ist eine Art Netzwerk aus Widerstand, Kapazität und Induktivität. Der Widerstand schwächt das Signal, die Kapazität speichert Energie und gibt sie verzögert wieder ab, die Induktivität bremst schnelle Änderungen des Stroms durch magnetische Felder. Insgesamt dämpft also ein Kabel minimal und führt zu zeitlichen Veränderungen. Damit sind Kabel prinzipbedingt ein Problem, das man in Kauf nehmen muss – aber eben auch minimieren kann.

Der einfachste Weg führt darüber, dass man sich für möglichst kurze Kabelverbindungen entscheidet. Danach beginnt dann die Ingenieurskunst rund um Geometrie, Querschnitt und Schirmung. Auch der Werkstoff kann einen Einfluss haben: Meistens wird Kupfer verwendet. Seltener sind Silberkabel. Sie haben den Vorteil, dass sie in verschiedenen Dimensionen besser leiten als Kupfer, also einen geringeren Widerstand bieten und bei sehr, sehr hohen Frequenzen bessere Eigenschaften haben. Bei der Wiedergabe sagt man Silberkabeln einen gewissen Hang zu mehr Luftigkeit, Geschwindigkeit und Detailreichtum nach. Im Vergleich zu Kupfer wird Silber allgemein als „heller“ wahrgenommen.
Dr. Michael Axmann macht seit Jahrzehnten in Silber. Der promovierte Nachrichtentechniker ist ein Pionier auf diesem Gebiet. Und er ist vom Fach: Ursprünglich hat er sich in Diensten der Industrie mit der Standardisierung von Büroverkabelung beschäftigt – konzernweit und auf internationaler Ebene. „Du musst etwas Besonderes machen“, sagte er sich einiges Tages und machte sich an die Arbeit. Sein erstes Kabel nannte er „Axiom“, ein mit etwa 0,7 Millimeter starken Leitern aufgebautes Design mit vier Adern – natürlich aus hochreinem Silberdraht. Die Leiter ließ er von einem Zulieferer produzieren, das Kabel fertigte er in Handarbeit – und sorgte in audiophilen Kreise für ein gewisses Aufsehen.

Seitdem ist viel passiert. Gegenwärtig ist zu erleben, dass geopolitische Vorgänge Auswirkungen auf die Audiokabel haben: So war Silber schon einmal billiger. Allerdings kann eine kleine Manufaktur anders kalkulieren als große Hersteller und Vertriebe, zudem ist die für den Draht verwendete Materialmenge nicht unbedingt gigantisch. Und so erblickt nun die neuentwickelte Kabelserie „Twisted Tubes“ das Licht der Welt. Hier werden Reinsilberleiter in verseilten Schläuchen in einer Geometrie geführt, die auf minimale elektrische Wechselwirkungen und maximale Signalreinheit ausgelegt ist. Auf eine klassische Abschirmung wird – mit Ausnahme des Phonokabels – bewusst verzichtet, um die Kapazität möglichst niedrig zu halten.
Die Annahme: Hochwertige Komponenten verarbeiten Signale im Niederspannungsbereich und sind ihrerseits bereits gut abgeschirmt.
Geliefert werden die Strippen in zweckmäßig kleinen, quadratischen Schachteln, die ein wenig daran erinnern, wie Tonbänder früher verpackt waren. Zum Test erhielt ich gleich die ganze Palette, die sich dank Einzelfertigung auf Wunsch beliebig konfektionieren lässt: die neuentwickelten Silber-TT-Cinchkabel (geschirmt und ungeschirmt), die Lautsprecherkabel LS-1 und LS-4, die NF-Kabel der Axiom-Reihe und als Dreingabe ein RJ 45 im Prototypenstadium. LS-1 und LS-4 zeigen deutliche Unterschiede im Querschnitt, allen Kabeln ist aber gemein: Der erste Eindruck – von den „Perfect Harmony“-Steckern des Herstellers KLEI bis zur Ummantelung – ist enorm hochwertig, die Leiter wirken zudem elegant und vermeiden unnötigen High-End-Protz. Doch man täusche sich nicht: Sie sind durchaus in der Lage, einer weit teureren Konkurrenz das Fürchten zu lehren.
Natürlich liegt es nahe, umgehend die gesamte Kabellieferung zu verbauen – und warum nicht auch das Digitalkabel (wobei es ja Stimmen gibt, die dem Einfluss von hochwertigen RJ 45 eine eher geringe Wirkung zusprechen). Die größtmöglichen Klangunterschiede ergeben sich logischerweise bei den LS-Kabelmodellen. Hier unterschieden sich im Test das LS-1 mit vier Silberleitern und das LS-4 mit 16 Silberleitern bereits gewaltig. So wirkt das LS-4 ausgesprochen kultiviert und ausgewogen, das LS-1 dagegen sehr spielfreudig und lebendig. Naturgemäß kostet das dickere Kabel auch das Dreifache; welches Kabel das bessere ist, entscheidet aber nicht der Preis, sondern das jeweilige Setup und nicht zuletzt der persönliche Geschmack.
Letzterer führt uns im Hörtest umstandslos zu Kamasi Washingtons Fearless Movement – eine überdrehte Produktion, die urban, komplex und von hochoktaniger Energie getragen ist. Hier können die Kabel beweisen, wie es um Impulsstärke und Übersicht bestellt ist. Und tatsächlich: Man erlebt nicht nur eine breit gezogene und erstklassig gestaffelte Bühne, auf der musikalische Impulse beeindruckend plastisch im Raum stehen. Die Bühne ist zudem ausgesprochen stabil und lässt sich durch nichts erschüttern. Auffällig: Der Gesamtklang bekommt durch das Kabelensemble eine innere Laufruhe – in etwa ein Effekt, wie man ihn von hochwertigen Stromfiltern kennt: die berühmte „schwarze Leinwand“, vor der sich das klangliche Geschehen ereignet. Tauscht man nun zwischen Wandler und Verstärker das NF-Kabel der Twisted-Tubes-Serie gegen das Axiom 3, bleibt diese Grundcharakteristik bestehen, allerdings zeigen sich Unterschiede im Detail – etwa bei dem Stück „Dream State“, wo die Synthie-Linie im Oberbass stärker in den Gesamtzusammenhang eingebettet erscheint.
Auch tonal und auflösungsmäßig lässt sich einiges entdecken – etwa auf dem Album Journey To Voltus B von HENGE, das eine gute Alternative zur derzeitigen mikrotonalen Trendmusik aus dem Internet darstellt. Die Twisted Tubes lindern die gewollte Grundanstrengung dieser Musik auf angenehme Weise. Auf dem Stück „Ascending“ wird der Vocoder insbesondere in den problematischen unteren Mitten fein aufgelöst, auf „Hypersleep“ ist das Oszillieren des – schon wieder! –Vocoders ebenso eindrucksvoll herausgearbeitet wie die Geräusche des Mundes beim Öffnen und Schließen.
Doch was passiert, wenn man zu Material greift, das schon bei der Aufnahme enorme Schwächen aufweist? Auch wenn es die Alben von Dead Moon mittlerweile als HiRes mit 96 Kilohertz gibt, kann das ja nicht über den eher geringen tontechnischen Standard des Recordings hinwegtäuschen. Die Twisted Tubes legen die Schwächen gnadenlos offen: Der Raumklang tritt überdeutlich hervor, man hört, wie die Gitarrenverstärker komprimieren. Dynamik gibt es selbstverständlich keine, das Schlagzeug hat viel zu viel Höhen, die Becken sind verzerrt, man hört mehr Resonanzfell als Schlagfell bei der Snare – und doch: Die Kabel von Axmann Audio gehen nicht überanalytisch an die Sache heran, ohne zu beschönigen und zu färben verleihen sie auch schwierigen sonischen Situationen einen feinen Glanz.
Ein Kabel ist ein Kabel ist ein Kabel. Was es leistet, ist abhängig von der Umgebung: Mit den Twisted Tubes lassen sich im High End die letzten Prozent Leistung herauskitzeln, ebenso eignen sie sich aber, um Mittelklasse-Setups um Luftigkeit und Auflösungsvermögen aufzuwerten. Auch bei komplexen Produktionen sind die Twisted Tubes immer klar, präzise und fein ausdifferenziert, im Bass konturiert und in den Höhen mit „Air – für so etwas muss man richtig Geld ausgeben. Hier muss man es nicht: Die Kabel spielen weit oberhalb ihrer Preisklasse.
Info
Kabelfamilie Axmann Twisted Tubes
Konzept: Kabelserie aus Reinsilber; nach Kundenwunsch konfektionierbar (die Preise verstehen sich dementsprechend als „Serviervorschlag“)
Konfektionierung: erhältlich in verschiedenen Längen, wahlweise mit Steckern von Furutech, KLE Innovations (KLEI) und AECO
Silver TT-RCA: Paarpreis um 520 € (0,5 m; KLEI-Stecker Perfect Harmony)
Silver TT-RCA Phono: Paarpreis um 620 € (0,5 m; KLEI-Stecker Perfect Harmony)
Silver TT-XLR: Paarpreis um 860 € (0,7 m; Furutech-Stecker)
Kontakt
Axmann Audio
Karl-Giesen-Straße 19
51467 Bergisch Gladbach
Telefon 02202 863271
info@silberkabel.de













