Musical Fidelity A1 & Musical Fidelity LS3/5A
Es ist durchaus konsequent, sich auf die eigenen Wurzeln zu besinnen. Besser gesagt auf ikonische Produkte wie den Vollverstärker Musical Fidelity A1. In Kombination mit einem weiteren Klassiker der HiFi-Geschichte wird ein Schuh draus – die Rede ist vom geschlossenen Monitorlautsprecher LS3/5A, der seit einiger Zeit eben auch im Sortiment der britischen Marke verfügbar ist. Ist das alles nur Retro und Nostalgie, oder ist das auch eine passende Anlage für die heutige Zeit?
Das Gehäuse als Kühlkörper, die Frontplatte mit angefaster Unterseite und die darin eingelassenen Potis – viel klarer konnte ein Design nicht sein, und es hob sich von vielen Mitbewerbern schon rein optisch ab. Technisch war die Class-A-Verstärkerschaltung des Musical Fidelity A1 eher die Ausnahme in dieser Preisklasse. Zur Einführung kostete der Vollverstärker übrigens 189 britische Pfund! Zuvor war das Gehäusedesign schon für eine Vor-/Endstufen-Kombi und einen Class-A/B-Vollverstärker genutzt worden.
Die Schaltung des Ur-A1 selbst wurde von Tim de Paravicini entworfen – und diese Schaltung wurde auch von Simon Quarry (seit Jahrzehnten bei Musical Fidelity) so weit wie möglich beibehalten. Klanglich war der Vollverstärker schon damals überzeugend, allerdings sorgte die große Verlustleistung der Class-A-Schaltung sowie das (im Vergleich zur Neuauflage) kleinere Gehäuse dafür, dass einige Geräte die erhebliche Hitzeentwicklung nicht überlebten. Ein Grund dafür war unter anderem, dass Musical Fidelity Kondensatoren verbaute, die lediglich 85 °C vertragen konnten. Es gibt allerdings auch heute noch gut funktionierende A1-Exemplare aus der ersten Baureihe. So weit, so historisch.

Die jüngste Inkarnation dieses Vollverstärkers lehnt sich optisch und technisch an das klassische Design an, ist allerdings etwas größer und in der Lage, bei Bedarf ein wenig mehr Leistung abzugeben. Bis 25 Watt an 8 Ohm arbeitet der aktuelle A1 im reinen Class-A-Modus. Dank seiner dynamischen Schaltung kann der Brite kurzzeitig in Class B wechseln. Daher ist die überarbeitete Version in der Lage, selbst schwierigere Lautsprecher anzutreiben. Doch es hat sich noch mehr geändert: Das überarbeitete Netzteil stellt eine unabhängige Stromversorgung für jeden Kanal zur Verfügung.
Die Wärmeableitung, die Effizienz sowie die Belastbarkeit der verwendeten Bauteile sind besser als beim Urmodell – trotzdem, die Abwärme des A1 ist nach wie vor spürbar. Lange lasse ich meine Hand nicht auf dem Gehäuse ruhen, das nach wenigen Minuten schon ziemlich heiß wird. Also, nichts auf das Gerät stellen! Anfassen muss ich das Gehäuse in der Regel aber nicht, denn für die Lautstärke gibt es eine beiliegende Fernbedienung, und die Bedienelemente bleiben dankenswerterweise kühl.

Wie in den 1980er Jahren üblich kommt auch der neue A1 als „Komplettpaket“ inklusive Tape-Out- und Vorverstärkerausgang sowie einem Phonoeingang für MM- und MC-Systeme. Nicht zu vergessen die insgesamt fünf Hochpegeleingänge. Die „Direct“-Taste zwischen dem Lautstärkeregler und dem Eingangswahlschalter überbrückt die Vorstufe und lässt den A1 als regelbare Endstufe arbeiten. Bei gedrücktem Taster (NORMAL) ist die Vorstufe im Signalweg (das bringt zusätzliche 10 dB Verstärkung), bei nicht gedrückter Taste (DIRECT) geht das Signal direkt in die Endstufe. Tatsächlich habe ich die Normalstellung bei den Hörsitzungen bevorzugt, die klanglichen Unterschiede sind aus meiner Sicht gering, aber hörbar. Rein praktisch kann ich so den Regelbereich des Lautstärkestellers in einen für mich optimalen Bereich verlegen, klanglich bringt es subjektiv ein wenig mehr Offenheit als ohne Vorstufe.

Das neue Album Stories Of Life von Triosence läuft in HiRes-Auflösung via Qobuz, der A1 treibt die Musical Fidelity LS3/5A, die auf Ständern in Ohrhöhe und leicht auf den Hörplatz eingewinkelt stehen. Die Musik federt, die Stereomitte rastet ein und Bernhard Schülers Piano hat in der Wiedergabe einen klaren, realistischen Anschlag. „Little Lost Wonder“ erinnert in der Melodieführung an Michael Nyman und Wim Mertens, die rhythmischen Akzente von Schlagzeuger Tobias Schulte sind davon sauber abgesetzt, und das wirklich herausragende Spiel des Bassisten Omar Rodriguez Calvo ist auch über die kleinen, geschlossenen Lautsprecher eine Freude. Es muss klar sein, dass eine LS3/5A unterhalb von 80 Hertz nicht mehr viel zu sagen hat, das ändert sich auch nicht in Kombination mit dem A1, aber die schnelle, bruchlose Ansprache und wirklich unangestrengte, dynamische Darstellung ist schon ein ganz großes Plus dieser Kombination. Das klingt komplett, ohne den Sessel in Vibration zu versetzen.
Wo wir schon von der Musical-Fidelity-Version des klassischen BBC-Monitors sprechen: Das ist in erster Linie ein gut auflösender Monitorlautsprecher für den Nahbereich, er funktioniert aber auch in kleineren bis mittleren Hörräumen bei entsprechender Aufstellung gut und ist und bleibt aufgrund seiner Zugewandtheit zur Musik und seiner sanftmütigen Details seit rund fünf Jahrzehnten ein Klassiker. Die Vorgaben der BBC-Spezifikation von 1976 werden bei der Musical-Fidelity-Variante genau eingehalten. Das sorgt bei dem Kleinlautsprecher für einen entsprechenden Preis, auch wenn sich aus meiner Sicht generell der Klassiker-Status ein Stück weit im Preis der jeweiligen Variante der LS3/5A widerspiegelt. Die Verarbeitung der Musical-Fidelity-Version ist hervorragend: ein tadelloses, paarweise abgeglichenes Palisander-Echtholzfurnier und solide, nahtlos eingesetzte Lautsprecherklemmen, ebenso die klassische Schallfront – alles tipptopp. Die Impedanz von 15 Ohm bringt keinen Verstärker in Bedrängnis, die recht geringen 82,5 Dezibel Wirkungsgrad sind bei einigen Röhren aber eher ein Gegenargument. Der A1 hat damit kein Problem. Die transparente und klare Wiedergabe dieser Kombination ist ein Alleinstellungsmerkmal, hier funktioniert die Kombination aus Verstärker und Lautsprecher sehr gut, auch wenn auf dem Papier einige genannte Parameter zunächst dagegen zu sprechen schienen.
Ich schließe den Plattenspieler und das bestens spielende Clearaudio Jubilee MC an den fest mit 1 Kiloohm abgeschlossenen Eingang des Musical Fidelity A1 an. Das Sarah-McLachlan-Album Better Broken liegt auf. Diese stimmliche Präsenz, diese Offenheit und diese Spielfreude hatte ich von einem integrierten Phonoentzerrer nicht erwartet. Ja, durch die recht hohe Abschlussimpedanz klingt es (je nach Abtaster) ein wenig heller, als ich es von meiner ungleich teureren Luxman-Phonostufe gewohnt bin. Gleichzeitig ist hier genügend Fundament vorhanden. Die tatsächlichen Töne werden differenziert in den Hörraum weitergegeben und vermitteln nicht nur eine Ahnung davon, wie es klingen sollte. Oben herum frei und offen, in den Mitten detailliert und informativ und unten ebenfalls nicht mit Druck sparend, ist das eine gelungene Darbietung. Der diskrete Aufbau des Entzerrervorverstärkers und ein paar Optimierungen des ursprünglichen Layouts (Strom-Spannungs-Wandlung) sorgen dafür, dass auch hochwertige Abtaster im A1 einen guten Spielpartner finden! Um auf dem Teppich zu bleiben: Trotz aller Qualität holen Sie mit externen Entzerrern natürlich noch mehr aus der Platte heraus, aber das, was der Musical Fidelity A1 hier abliefert, ist aller Ehren wert. Nur die etwas ungünstig angebrachte Erdungsklemme hätte ich mir anders gewünscht. Via MM ist es subjektiv noch ausgewogener, hier sind die Höhen etwas seidiger bei gleichzeitig ausgewogener Stimmwiedergabe und gutem Tieftonfundament. Wenn ich ganz ehrlich bin, fühle ich mich in dieser Kombination noch ein wenig wohler. Und: Preis/Leistung stimmt!
Unter dem Dach der österreichischen Audio Tuning Vertriebs GmbH hat die britische Marke Musical Fidelity ein gut abgestimmtes Paket aus zwei klassischen Komponenten zusammengestellt, das in sich schlüssig spielt und auf lange Hörsitzungen ausgelegt ist. Die Physik kann eine LS3/5A niemals austricksen, aber für Gänsehaut und Emotionen, auch bei niedrigen Lautstärken, ist gesorgt. Und zusätzlich lösen das klassische Design des A1 und der Lautsprecher bei mir ein wohlig nostalgisches Gefühl aus.
Info
Vollverstärker Musical Fidelity A1
Konzept: Class-A-Vollverstärker mit analogen Hochpegeleingängen und Eingängen für MM- und MC-Betrieb
Besonderheiten: Class-A-Verstärker (2 x 25 W/8 Ω) mit Leistungsreserven im Class-B-Betrieb ab ca. 25 W (dynamischer Class-A-Modus); abschaltbare Vorstufe; Phonoentzerrer integriert, Verstärkung 40 dB (MM) und 60 dB (MC, Abschlusswiderstand 1 kΩ); Fernbedienung (nur Lautstärke)
Eingänge: 5 x Hochpegel RCA, 1 x Phono RCA (MM/MC schaltbar)
Ausgänge: 1 Paar Lautsprecherausgänge, 1 x Tape Out RCA, 1 x Pre Out RCA
Ausführung: Schwarz
Maße (B/H/T): 44/7/28 cm
Gewicht: 10,5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 1600 €
Lautsprecher Musical Fidelity LS3/5A
Konzept: geschlossener 2-Wege-Monitorlautsprecher nach BBC-Spezifikation 1976/29
Wirkungsgrad: 82,5 dB (1 W/1 m)
Frequenzgang: 80 Hz bis 20 kHz (±3 dB)
Impedanz: 15 Ω
Besonderheiten: geschlossener Monitorlautsprecher mit abnehmbarer Frontbespannung
Ausführung: Palisander (Echtholzfurnier), Gehäuse 12-mm-Birkenmultiplex
Maße (B/H/T): 19/31/17 cm
Gewicht: 4,5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Paarpreis: um 2500 € (Ständer um 700 €/Paar)
Kontakt
Reichmann AudioSysteme
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