Gekommen um zu bleiben
Machen wir es kurz: Die erste HIGHEND in Wien war ein durchschlagender Erfolg. Ein paar Kinderkrankheiten gilt es noch auszuräumen, insgesamt machte die Show aber reichlich Lust auf „mehr davon“!
Aus unserer Perspektive war die HIGHEND in den vergangenen 22 Jahren ein lupenreines Heimspiel. Als Münchener schlürfte man dahoam schnell noch einen Espresso, ehe es mit einem kurzen Sprint ins M.O.C. ging – wo reichlich Zeit für einen weiteren Kaffee blieb. Die Messe gehörte für uns zur bayerischen Landeshauptstadt, wie Frauenkirche, Brezn und der abendliche Stau auf dem Mittleren Ring. Und dann – Schockschwerenot – erreichten uns vor zwei Jahren erste Gerüchte über den bevorstehenden Umzug ins Austria Center Vienna (ACV) in der österreichischen Hauptstadt. Sie können sich vorstellen, dass wir Anfang Juni mit dem Vorsatz nach Wien reisten, alles an der neuen Location doof zu finden …

Das ACV nahm uns jedoch jeglichen Wind aus den Segeln. Das dreieckige Veranstaltungszentrum liegt am Rand der geschäftigen Donau City (DC). Eingerahmt vom geschwungenen Gebäudekomplex der UNO (samt Sitz der Internationalen Atomenergie-Organisation), den beiden höchsten Türmen Österreichs (Funkturm sowie DC Tower) und großen Firmenzentralen wie der des STRABG-Konzerns. Auch infrastrukturell steht das Kongress-, Konzert und Messezentrum in der vordersten Reihe. Gleich mehrere Autobahnabfahrten münden in die zahlreichen Parkhäuser der Donau City während ein U-Bahn-Hub nebst Bus-Bahnhof und Taxi-Allee für perfekte Anbindung an die Innenstadt sorgen.
Intermezzo A: Das Austria Center Vienna
Knifflige und verzögerte Bauprojekte gibt es nicht nur in Deutschland. Viele Jahre rang Österreich um den Bau eines internationalen Kongress- und Veranstaltungszentrums. Die noch aus den Siebzigern stammenden Pläne wurden von Langzeit-Kanzler Bruno Kreisky (SPÖ) abgenickt, ehe das ACV nach dessen Rücktritt 1983 von der nun regierenden ÖVP torpediert wurde – um nach einem Volksentscheid letztlich doch gebaut zu werden. 1987 erfolgte die Eröffnung mit einer riesigen TV-Gala, logischerweise moderiert von Peter Alexander. Seither ist das Gebäude mit seiner Kapazität von bis zu 23.000 Besuchern Veranstaltungsort zahlloser Messen, Kongresse und Konzerte gewesen.
Dass der 40-jährige Großbau auch heute noch frisch, modern und weltoffen wirkt, liegt an einer umfassenden Modernisierungen in den Neunzigern. Damals wurde das UNO-Areal zur Donau-City umgestaltet und es wurde die „Donauplatte“ hinzugefügt, eine großflächige Versiegelung, die zahllose Verbindungswege, vor allem aber Parkhäuser ermöglichte. Ab 2022 folgte eine Sanierung des ACV selbst, in deren Rahmen die Installation riesiger Bildschirme sowie eine Erweiterung der Messehallen erfolgte.
Unverwechselbarer Weg zur HIGHEND in Wien
Als neues „Maskottchen“ der HIGHEND in Wien konnten wir die überdachte „Aristides de Sousa Mendes-Promenade“ ausmachen, die Besucher trockenen Fußes von der U-Bahn-Station bis vor die Türen des ACV geleitet. Vom Architekten wundervoll gestaltet und vom Messeveranstalter HIGHEND-Society reich mit Hinweisen auf die Show geschmückt erwies sich der Fußweg als reinster Magnet für Handy-Fotografen.

Freilich klappt beim „ersten Mal“ nicht alles reibungslos. Den ersten Messetag verbrachten wir – wie alle Gäste – zu einem guten Teil mit Orientierungsversuchen. Der gleichschenklige Grundriss des ACV macht es „Frischlingen“ nicht gerade einfach, abzuschätzen, wo man sich gerade befindet. Als zusätzliches Handicap zweigen immer wieder kleine Gänge von den Hauptfluren ab, die man leicht übersieht. Noch am dritten Messetag entdeckte ich neue Aussteller auf mehrfach abgegrasten Etagen.Kein Problem, das Aussteller und HIGHEND-Society nicht leicht beheben könnten: Schon während der Show – so erfuhren wir immer wieder in Gesprächen – ratterten die Zahnräder, wie man im kommenden Jahr für mehr Sichtbarkeit und Orientierung sorgen könnte.

Bitte nicht verlaufen
Dem Messeveranstalter war diese Einstiegshürde natürlich bereits im Vorfeld der Show bewusst. In den offenen, breiten Fluren der insgesamt vier vereinnahmten ACV-Etagen wurden dutzende Info-Stände platziert. Modelle der Gebäudeebenen (mit kleinen Lego-Männchen als „Hier befinden Sie sich“-Markern) sorgten zumindest für eine grobe Orientierung. Das ortskundige Info-Personal ging offensiv auf Besucher zu. Gleich mehrfach wurde ich angesprochen, was ich suche und ob man mir helfen könne – ein fettes Lob für diesen Service.

Abgesehen von der naturgegebenen Orientierungsschwäche, die sich mit fortschreitender HIGHEND merklich legte, konnte ich kein erwähnenswertes Haar in der Suppe entdecken. Das ACV empfängt Gäste mit einem riesigen Zentralbereich, in dem große Bildschirme auf die Messe, bevorstehende Events und vieles mehr hinweisen. Die breiten Flure verbreiten bisweilen Flughafenatmosphäre und öffnen sich immer wieder zu großen Piazzas, die heuer noch etwas unbelebt wirkten, auf denen wir uns für künftige Shows aber wundervoll Gastronomie oder gern auch Tonträger-Basare vorstellen könnten. Wer sich bei all der räumlichen Offenheit nach dem heimeligen Flair einer Hotelmesse sehnte, konnte sich auf den Weg in die dritte Etage machen. Dort gibt es neben eine tollen Dachterrasse gleich mehrere Flure, in denen dutzende Aussteller Tür an Tür in vergleichsweise kleinen Räumen gastierten.

Alles frisch und neu auf der HIGHEND in Wien
Neben dem beeindruckenden Veranstaltungszentrum gibt es einen weiteren Aspekt, der die HIGHEND in Wien unverbraucht wirken lies. Tatsächlich war mir nie aufgefallen, wie eingefahren sich die Show im M.O.C. präsentierte. Immer gleiche Raumbelegungen trafen auf identische Möblierung und Ausstattung der Messezimmer. Warum sollten die Aussteller ihr funktionierende Konzept auch anfassen? Für uns erleichterte die wachsende Eintönigkeit sogar die Konzentration auf die „Neuheiten der Saison“.


Für die 2026er HIGHEND in Wien mussten praktisch alle Aussteller ihre Präsentationen überdenken. Die Geschäftsführer von T+A, Conradin und Siegfried Amft, erzählten mir beispielsweise, dass sie sich nach all den Jahren von ihren statischen zwei Räumen lösen wollten und sich stattdessen für einen Vorführraum und eine große, offene Außenfläche entschieden. Tobias Tritschler von der in-akustik wies mich derweil auf ein neues Raumkonzept hin, das aus beleuchteten Würfeln besteht. Die sahen großartig aus und lassen sich je nach Bedarf in immer neuen Variationen anordnen. Der Hamburger Audio Reference-Vertrieb vollendete derweil sein bereits in München begonnenes Bestreben, die Präsentation der einzelnen Marken wie Separees wirken zu lassen. Auf insgesamt 1800 Quadratmeter gab es deutlich abgetrennte Zonen mit auffallend farbenfrohen Präsentationen – nebst einem Zentralbereich der voll und ganz im Zeichen von Wilson Audios gewaltiger Autobiography stand.

Intermezzo B: Standortfrage Wien
Was es mit Wien auf sich hat? Das fragen Sie nicht ernsthaft, oder? Nach einigen Jahrtausenden klecksiger Besiedlung durch Hinterwäldler und (viel später) auch hallstädtische Kelten entdeckten im ersten Jahrhundert die Römer den Reiz der Umgebung. Sie gründeten Vindobona und legten ein Straßennetz an, dass man auch heute noch ziemlich gut im Stadtplan erkennt. Nach dem Niedergang der italienischen Bemannung klopften nacheinander Hunnen, Mongolen und Türken an die Tore der Stadt, die allerdings mit den immer gleichen Ausreden abgewiesen wurden. Auf der Höhe des Absolutismus im 18. Jahrhundert begann das Machtzentrum der Habsburger ernsthaft mit Paris um die Rolle als kultureller Mittelpunkt Europas zu ringen … und machte dabei einen ziemlich guten Schnitt.
Mancher Franzose mag beim Anblick seiner Hauptstadt anderer Meinung sein, doch genießt Wien vor allem im Bezug auf Kunst und Musik bis heute Weltbedeutung. Ihren Höhepunkt erlebte die Stadt um 1900 mit der „Wiener Moderne“, die neben Strömungen wie dem Jugendstil auch geistreiche Köpfe wie Mahler, Schönberg oder Freud hervorbrachte. Kurzum: Da HiFi eng mit Musik und Kultur verwoben ist, könnte es kaum einen besseren Standort für die Messe geben.
Ein Hauch von IFA-Feeling
Den ultimativen Vogel schossen für mich die Räume auf der „IFAesken“ Sub-Ebene ab. Erwähnenswert ist der stylisch-grün beleuchtete Hörraum von Fink-Team und Fink Audio Consulting, der den Auto-Mode jeder Kamera zum Explodieren brachte. Dort konnte man die bildschöne Standbox Spot entdecken – Trekkies erinnern sich vielleicht: Datas Katze. Außerdem gastierte hier ein neuer bezahlbarer Sonoro-Plattenspieler, der von Karl-Heinz Fink entwickelt wurde. Im mehrfach unterteilten Konzertsaal der Ebene (es gibt im ACV mehrere davon) gastierten Austeller wie Pro-Ject (nebst allen Sub-Marken wie Musical Fidelity und Guru) sowie einige Bombast-Anlagen wie die von ESD oder Silvatone. Am liebsten mit nach Hause genommen hätte ich den Eingangsbereich des Dynaudio-Messeauftritts. Die Dänen brachten einen veritablen Urwald nach Wien (kein Witz!). Eine Handvoll versteckter Boxen sorgte für die passenden Geräuschkulisse – absolut großartig!

Was die Messeneuheiten im Großen und Ganzen betrifft: gediegene Produktpflege. Neben fantastischen Maschinen wie Lumins generalsanierten X1-Nachfolger X2 oder einer neuen Spielart des Transrotor Max, der nun als bezahlbarer „Scala“ aus dem Karton heraus mehrere Tonarme aufnehmen kann (im Basiszustand aber keinen mitbringt), bemerkten wir vor allem einen Drang (oder Zwang?) zur Diversifizierung und Systemisierung … wenn ich das mal so nennen darf.




Vollsortiment im Trend
Eversolo etwa stellte reihenweise neue Modelle der „Achter-Serie“ vor. neben dem bekannten Streamer gibt es nun auch Bridges (ohne DAC), einen reinen DAC (ohne Streamer), externe Clocks und mehr. Ein neuer Vollverstärker (jetzt wieder mit Streamer) rundet das Portfolio ab. Sollten Sie den Gedanken eines Amps mit integrierter Quelle nicht mögen, gibt es den Verstärker aber auch blanco, also als reinen, dafür extrem kräftigen Vollverstärker.

Arcam beging seinen 50sten Geburtstag derweil mit einem neuen Jubiläums-Vollverstärker (ebenfalls mit allem Drum und Dran). Vergleichsweise kleinlaut (weil noch nicht lieferbar) wurde aber auch eine Familie wirklich schöner Lautsprecher vorgestellt. Damit tritt der Hersteller in die Reihe der Vollsortimenter. Gleich nebenan präsentierte JBL seine überarbeitete Wuchtbrumme Summit Everest. Anlass dafür ist der 100ste Geburtstag der legendären Marke, der mit einem eigenen Firmenmuseum garniert wurde.

Dedizierte Infos zu allen weiteren relevanten und spannenden Messeneuheiten finden Sie in den kommenden Wochen in unseren News unserer Homepage sowie in unseren Facebook und Instagram-Auftritten … stay tuned!
Jetzt mal ehrlich: Wie war’s in Wien?
Was von der ersten HIGHEND in Wien zurückbleibt, ist vor allem anderen das Gefühl, dass wir uns aufs kommende Jahr freuen. Auch außerhalb Deutschlands macht die weltgrößte Branchenmesse einen guten, nein, um ehrlich zu sein sogar bedeutsam besseren Eindruck. Falls irgend möglich, sollten Sie für die kommenden Jahren einen Besuch einplanen. Die Show ist es wert und Wien soll auch im Mai traumhaft sein. Denn ehe wir es unterschlagen: Die kommenden Veranstaltungen finden wieder zur gewohnten Zeit statt – die Verlegung in den Juni war dem European Song Contest geschuldet, der mit dem Sieg in 2025 überraschend nach Österreich ging.
Hier geht’s zur Homepage des Messeveranstalters …












































