Valvet I4
Valvets neuer Vollverstärker vereint die Technik der Monoblöcke A4.5 mit einem Eingangswahlschalter und einer Lautstärkeregelung. Das Resultat ist ein kompakter, aufs Wesentliche reduzierter Class-A-Vollverstärker mit zeitlosem Design … und klanglich braucht er sich hinter seinen aufwendigeren Vor-/Endstufen-Geschwistern nicht zu verstecken.
Während ich in meiner Lieblingszeitung blätterte, blieben die Augen an einer unscheinbaren Mitteilung hängen – die norddeutsche High-End-Manufaktur Valvet hat ihr knappes Portfolio (ausschließlich Verstärker) um den Integrierten I4 erweitert. Das machte mich neugierig, habe ich doch die vor einiger Zeit getesteten 4.5-Monoendstufen in allerbester Erinnerung. Da ich meine Neugierde nicht bremsen konnte, telefonierte ich mit Knut Cornils, Inhaber und Entwickler von Valvet. Ein paar Tage später stand der Valvet I4 auf meinem Rack und wollte spielen.
Äußerlich besticht der Verstärker durch sachliche Formgebung und ein solide aufgebautes Gehäuse. Die Frontplatte ist in Schwarz oder Silber erhältlich. Zusammen mit den stimmig gewählten Proportionen ergibt sich ein zurückhaltender technischer Schick, der keinerlei Moden unterworfen ist und immer aktuell bleibt. Prägnant sind die perfekt eingepassten Kühlkörper, sie bilden die Flanken des Quaders. Die Verarbeitung ist, wie ich es von Valvet nicht anders erwartet hätte, absolut erstklassig. Der Proband ist mit einem Lautstärkedrehregler und einem optisch gleichen Quellwahlschalter, rechts und links neben dem Display, ausgestattet. Das in verschiedenen Farben erhältliche Display zeigt die Eingangswahl und Lautstärke an. Wer es noch schlichter mag und die Bedienung ausschließlich mit der Fernbedienung vornehmen möchte, kann den I4 alternativ ohne Drehknöpfe ordern und spart 300 Euro.

Apropos Fernbedienung: Die verdient ein besonderes Lob. Das extrem stabile Gehäuse besteht aus zwei Alu-Halbschalen, die von perfekt eingelassenen Senkkopfschrauben zusammengehalten werden. Die Metallknöpfe mit definiertem Druckpunkt sind das i-Tüpfelchen, optisch und funktional. Neben der Quellwahl und Lautstärkeregelung finden sich ein Mute-Schalter und die Möglichkeit, das Display auszuschalten. Dank des beachtlichen Gewichts von 185 Gramm und der rutschhemmenden Gummifüße liegt sie sicher auf der Ablage. Warum ich der Fernbedienung so viel Aufmerksamkeit schenke? Ich finde es inadäquat, Geräte, die mehrere Tausend Euro kosten, mit den üblichen Plastikriegeln auszustatten, und freue mich über die raren Ausnahmen.
Die Rückseite des Verstärkers ist mit Anschlüssen in bester Qualität bestückt: WBT-Lautsprecherpolklemmen der neusten Generation, vier Line-Eingänge mit einer besonders dicken Silberbeschichtung und eine Furutech-Rhodium-Netzbuchse (mit markierter Netzphase). Sie sind mit genügend Abstand zueinander angeordnet, sodass man nicht die Fähigkeit eines Schweizer Uhrmachers benötigt, um den Verstärker anzudocken. Diese Praxistauglichkeit, der ich im Rahmen eines Tests grundsätzlich meine Aufmerksamkeit schenke, sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht immer. Der harte Netzschalter befindet sich, wie auch bei den Endstufen, in der Bodenplatte. Dort ist er leicht zugänglich, ohne das schlichte Design zu stören. Absorberfüße von Alto Extremo und die mit Schwerfolie bedämpfte Deckelplatte garantieren einen von Vibrationen ungestörten Betrieb.

Die Doppelmono-Endstufenzweige seien identisch mit denen der 4.5er-Monoblöcke, erklärte mir Knut Cornils. Auch die Kondensatorbänke mit den Guided-Current-4TTN-Elkos (mit getrennten Anschlusspins für Be- und Endladung) und einer Gesamtkapazität von zweimal 40 000 Mikrofarad wurden übernommen. Genauso wie die LEDs, die als Grundlast für die Stromversorgung der Eingangsstufen dienen und bläulich durch die Lüftungsschlitze schimmern. Nur den mit 500 Voltampere hinsichtlich der überschaubaren Leistung immer noch überdimensionierten Ringkerntrafo müssen sich die beiden Kanäle teilen.
Ein Leistungstransistorpaar im gegengetakteten Class-A-Betrieb sorgt für die Leistung von 40/70 Watt an 8 bzw. 4 Ohm. Die im Vergleich zu den Valvet 4.5 etwas geringere Leistung sei im Wesentlichen durch die reduzierte Kühlkörperfläche bedingt. „Schnelle“ 60-A-Typ-Gleichrichterdioden und Verkabelung aus reinem Silber sorgen dafür, dass die Signale ungebremst durch die Schaltung düsen. Zwischen den vier Line-Eingängen und den Endstufen kümmert sich der Pegelregler mit nur einem Z-Foil-Widerstand im Signalweg um die in 64 Stufen einstellbare Lautstärke. Der Pegel lässt sich äußerst feinfühlig regulieren. In seiner Vorstufe Soulshine 2 MKII setzt Cornils den gleichen Regler ein. Diese Lösung hatte mich schon beim Test der 4.5-Monos überzeugt und ist den sonst üblichen Drehpotis überlegen – besonders im unteren Regelbereich arbeiten die ungenauer, auch ihre Lebenserwartung ist geringer. Beim Ausschalten des Verstärkers stellt sich die Lautstärke automatisch auf null, was ich für eine sinnvolle Vorsichtsmaßnahme halte. Cornils Philosophie, die schon durch das äußere Erscheinungsbild deutlich wird, setzt sich im Inneren, sprich der Schaltungstopologie konsequent fort. Ein Blick in das Gehäuse macht mir, obwohl nur mit eingeschränkten elektronischen Kenntnissen ausgestattet, den strukturierten und klaren Aufbau des Verstärkers deutlich.

Der Ansatz, mit einer möglichst simplen Schaltung und wenigen höchstwertigen Bauteilen dem Ideal des „verstärkenden Drahtes“ nahezukommen, scheint aufzugehen. Diese Erkenntnis kam mir unmittelbar, ohne lange, konzentrierte Hörsitzungen. Die Klarheit des Klangbilds und seine tonale Reinheit sind außergewöhnlich. Es geht einher mit einer sensationellen Detailwiedergabe, die jedoch nie anstrengend wird oder zum Selbstzweck ausufert. Der Bassbereich bleibt bis in die tiefsten Lagen texturiert, ohne ein Gramm Fett zu viel. Ich habe das Gefühl, die natürlich gegebenen oder künstlich erzeugten Aufnahmeräume in ihren Dimensionen spüren zu können. Die Räumlichkeit wirkt entsprechend den unterschiedlichen Aufnahmen vollkommen selbstverständlich.
Eine weitere Erkenntnis war, dass jedwede Veränderung der Peripherie hörbar wird. So wurde sofort klar, dass der Verstärker keinen Spaß mit dem Standardnetzkabel hatte, das ich ihm anfangs zumutete. Mit dem AudioQuest NRG Z3 fühlte er sich deutlich wohler. Auch Experimente mit Single- und Bi-Wire-LS-Kabeln ergaben ein eindeutiges Ergebnis zugunsten der Bi-Wire-Variante, zumindest mit meinen Kimber 8TC. Die verschiedenen Charaktere meiner Tonabnehmer habe ich selten so differenziert wahrgenommen.

Der Titelsong „Mambo Diabolo“ der 1985 erschienenen Scheibe von Tito Puente And His Latin Ensemble ist ein spannend arrangiertes Stück, das vor lateinamerikanischer Lebensfreude nur so strotzt. Der genretypische Einsatz von Perkussionsinstrumenten wird mit einer ansteckenden Lebhaftigkeit detailgenau wiedergegeben. Besonderen Spaß bereitet mir das Vibrafon, dessen Anschläge mit einer unglaublichen Leichtigkeit in den Raum perlen, um dann modulierend auszuklingen. Der Bass, der das Ganze musikalisch zusammenhält, ist, obwohl er relativ leise im Hintergrund spielt, in diesem Klangfeuerwerk leicht zu verfolgen. Die extreme Plastizität in der Darstellung des Orchesters setzt dem Vergnügen die Krone auf.
„In a sentimental mood“ versetzt mich der I4 mit dem gleichnamigen Stück der LP Duke Ellington & John Coltrane. Die Unmittelbarkeit, die Illusion der direkten Nähe zur Band ist ein Erlebnis. Noch deutlicher wurde dieser Eindruck bei Willy Devilles Live-Version der Ballade „Heaven Stood Still“.
Meister Cornils puristischer Ansatz geht auch bei seinem neuen integrierten Verstärker perfekt auf, und es ist ihm vollauf gelungen, die Qualitäten seiner Vor-/Endstufen-Kombinationen in ein kompakteres Format zu transferieren. Die etwas geringere Leistungsausbeute sollte in den meisten Fällen unbedeutend sein – Hardcore-Technoraves vielleicht ausgenommen.
Der Valvet I4 eignet sich ausgezeichnet als Grundstock, um darum herum eine feine Anlage aufzubauen. Für die Quellen darf da durchaus oben ins Regal gegriffen werden. Besonders Freunde sensibelster Klangschattierungen und unmittelbarer Live-Atmosphäre sollten diesem großartigen Vollverstärker ihr Gehör schenken. Das moderate Preisschild macht den I4 in Anbetracht des Gebotenen zu einer besonders attraktiven Offerte.
Info
Vollverstärker Valvet I4
Konzept: Stereo-Vollverstärker mit Class-A-Schaltung; faktisch zwei Valvet-4.5-Monos in einem Gehäuse
Leistung (8/4 Ω): 2 x 40/70 W
Anschlüsse: 4 x Cinch (versilberte Buchsen), WBT-0707-Lautsprecherterminals
Netzteil: 500-VA-Trafo, Kapazität 40 000 µF
Besonderheiten: jeder Verstärkerkanal mit eigenem Elko-Block (baugleich mit Valvet 4.5); hochwertiger Lautstärkesteller (nur 1 Z-Foil Widerstand); Furutech-Rhodium-IEC-Netzeingang; Füße von Alto-Extremo; Reinsilber-Innenverkabelung; OLED-Display per Fernbedienung abschaltbar
Lieferumfang: Stromkabel, Fernbedienung
Ausführung: Frontplatte wahlweise in Schwarz oder Silber, Display in verschiedenen Farben erhältlich
Maße (B/H/T): 45/13/34 cm
Gewicht: 15 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: um 6900 € (mit Eingangswahl und Pegelsteller), Fernbedienungs-Version um 6600 €
Kontakt
Valvet
Inh. Dipl.-Ing. Knut Cornils
Fliederbogen 8a
22941 Bargteheide
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Telefon +49 4532 267651






