Looking for the English FIDELITY Magazine? Just click here!
AC/DC - Ballbreaker

AC/DC – Ballbreaker

AC/DC trifft den Blues

AC/DC – Ballbreaker

Never meet your idols – zum Glück gab Produzent Rick Rubin auf diese viel zitierte Weisheit nicht viel.

Denn andernfalls würde Ballbreaker von AC/DC aus dem Jahr 1995 vermutlich nicht in dieser Rubrik vorgestellt werden. Rubin vergötterte die australischen Rocker bereits als Teenager als „die größte Rock’n’Roll-Band aller Zeiten“. Das war, bevor er mit den Beastie Boys, Slayer, Tom Petty und vor allem Johnny Cash riesige Erfolge gefeiert hatte. 1993 produzierte Rubin dann tatsächlich AC/DC, die Nummer „Big Gun“ für den Film-Soundtrack von Last Action Hero mit Arnold Schwarzenegger – sehenswert ist übrigens das Musikvideo mit Arnie im Angus-Young-Look mit Gitarre und kurzer Hose. Die rotzig-rockigen Klänge der Australier, aufbereitet vom Meister des aufs Wesentliche zurückgeführten Sounds – das saß. „Big Gun“ wurde Nummer-1-Hit in den US-Rock-Billboard-Charts. Und war die Basis für eine größere Zusammenarbeit, das Album Ballbreaker: Nie klang AC/DC besser.

AC/DC - Ballbreaker

Nicht rau und rotzig, sondern reduziert und regelrecht düster: Der Ballbreaker-Sound brach mit den Grundfesten der AC/DC-Klangwelt. Das wird schon beim ersten Song „Hard as a Rock“ deutlich. Die Melodie-Gitarre von Angus Young, der wummernde Bass von Cliff Williams und die akzentuierte Hi-Hat von Phil Rudd, der nach 12 Jahren alkoholkranker Abwesenheit sein Comeback in der Band gab, leiten den Song für AC/DC-Verhältnisse regelrecht sanft ein. Dann fächert sich die Nummer auf und nähert sich dem typischen Groove der Gruppe immer weiter an. Und so klingt Ballbreaker typisch AC/DC – und doch irgendwie anders. Nicht so brachial und beinahe lärmig wie die Vorgänger-Platten, sondern geerdet, auf den Punkt gebracht.

Rubins Ziel war es, den archaischen AC/DC-Klang der Siebzigerjahre, eingefangen von Alben wie T.N.T. (1975) oder Highway to Hell (1979), in die Moderne zu überführen. Rubin schaffte dafür eigens Marshall-Röhrenverstärker ins Studio, um einen möglichst authentischen Sound zu erzeugen. Und tatsächlich stehen die groovenden Rock-Nummern „Cover You in Oil“ oder „Hail Ceasar“ den berühmten AC/DC-Signature-Songs „T.N.T.“ oder „Highway to Hell“ musikalisch in Nichts nach. Im Gegenteil, sie klingen fast mehr nach AC/DC als AC/DC bis dahin, wenn das überhaupt möglich ist. Um diese AC/DC-Essenz herauszuarbeiten, betrieb Rubin großen Aufwand. Die ideale Schlagzeug-Kulisse etwa wollte er kreieren, indem er die Wände des Record Plant Studios in New York City, in dem immerhin bereits Künstler wie Aerosmith, Alice Cooper oder Black Sabbath zuvor aufgenommen hatten, mit Extra-Dämmmaterial ausstattete und sogar ein Zelt im Studio aufbaute. Immer noch unzufrieden, zogen Band und Produzent nach einigen Produktionswochen schließlich in die Ocean Way Studios in Los Angeles um.

Parallel baute sich zunehmend eine Spannung zwischen Band und Produzent auf. In einem Interview erinnerte sich Rubin später, dass er teils ungeduldig im Studio auf die Musiker wartete, um sich dann anschließend alle Songs rund viele Dutzend Mal vorspielen zu lassen – stets auf der Suche nach dem perfekten Recording. Die Band jedoch saß eigentlich viel lieber im Aufenthaltsraum, prokrastinierte bei Kaffee und Zigaretten und wollte sich auf ein bis zwei Aufnahmen fokussieren, um die einzelnen Songs möglichst unkompliziert abzuschließen.

Ballbreaker blieb wohl auch deshalb das einzige AC/DC-Album, das Rubin produzierte. Musikalisch ist das schade. Denn eine Nummer wie „Boogie Man“ sticht auch heute noch aus dem eher simplen Klangkorsett der Australier hervor: Der Song verbindet AC/DC-Rock mit Blues-Klängen, die auch tief aus den Südstaaten der Vereinigten Staaten stammen könnten. Sänger Brian Johnson weicht zudem merklich von seiner gequetschten Trademark-Intonation ab – auch das ein Verdienst, das vielleicht Hardcore-AC/DC-Fans nicht unbedingt goutieren, dafür aber jede Highend-Anlage. Und ich auch.

AC/DC – Ballbreaker (1995)

Label: East West Records
Format: CD, LP, DL 24/96

AC/DC – Ballbreaker auf jpc.de

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.