Bowers & Wilkins B&W 603 Standlautsprecher

Bowers & Wilkins B&W 603 Standlautsprecher

Große Technik für kleines Geld, so lautet das Motto der günstigen 600er-Serie von Bowers & Wilkins.

Bowers & Wilkins B&W 603 Standlautsprecher – Wertsteigerung

Große Technik für kleines Geld, so lautet das Motto der günstigen 600er-Serie von Bowers & Wilkins. Mit an Bord ist das herausragende Continuum-Chassis der Premium-Serien.

Bowers & Wilkins B&W 603 Standlautsprecher

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Die miese Laune hat er bestimmt nur, weil wir ihm im vorweihnachtlichen Lieferstress auch noch Lautsprecher aufhalsen, grüble ich, während ein sichtlich gestresster junger Herr die Europalette in unsere Redaktion bugsiert. Bis zur jährlichen Festbratenschlacht sind es da nur noch wenige Tage. Mit versierten Griffen rollt er seinen Hubwagen erst vor, dann ein Stück zurück, beschreibt einen hundertfach geübten Bogen nach links, vorbei am Sofa im Empfangsbereich, schließlich noch etwas vor, und „tschack!“, da steht die ersehnte Fracht – mitten im Gang. Aber egal, eine kurze Unterschrift, ja gerne doch, Ihnen auch besinnliche Tage und man sieht sich …

Schnell sind sie ja, die Herrschaften von B&W. Kaum 48 Stunden ist es her, dass wir mit Vertriebsmann Nils Dau telefoniert haben, um uns „irgendwas aus der 600er-Serie“ zu organisieren. Die neuen Boxen sahen auf den zurückliegenden Herbstmessen zu lecker aus, um sie links liegen zu lassen. Nach kurzer Diskussion stand fest, dass wir unbedingt die große 603 haben wollen. Keine fünf Minuten später erfolgte der Rückruf von B&Ws Produkt-Almanach Ulf Soldan. Wer auf einer der zurückliegenden HiFi-Shows die stets hervorragende Vorführung der Briten besucht hat, wird ihn sicher kennen. Und ganz weihnachtlich überbringt er die frohe Kunde: „Wir haben ein Muster für euch.“ Der Vertrieb habe bereits den Versandauftrag, diverse Powerpoint-Präsentationen folgen auf digitalem Weg. Perfekter Service wie immer. Und ja, er hätte auch die 603 genommen, die kleinste Standbox in B&Ws Portfolio sei das Highlight der neuen Serie. Wir würden es ja bald erleben.

Bowers & Wilkins B&W 603 Standlautsprecher

Und da steht sie nun: Eine Europalette mit zwei hoch aufragenden Kartons, die mit einer dicken schwarzen Fixierfolie gesichert wurden. 60 Kilo, wenn man alles zusammenrechnet. Noch während draußen der Motor des Lieferwagens aufheult und uns zum Abschied ein kleines Rußwölkchen hinterlässt, wird mir klar, dass die Box nicht bleiben kann, wo sie jetzt steht.

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Wer einen Standlautsprecher der Briten originalverpackt gekauft oder aus irgendeinem anderen Grund aus dem Karton gehoben hat, weiß, dass jeder B&W-Test eigentlich mit der Verpackung beginnen müsste. Denn ihre Kartonage, die scheint den Entwicklern aus dem beschaulichen südenglischen Küstenstädtchen Worthing eine ebenso große Obsession zu sein wie Hightech-Chassis oder die Innenversteifung ihrer Lautsprecher. Nachdem ich die 600er mit etwas Mühe von der Folie befreit habe, blicke ich auf Piktogramme an der Oberseite der Kartons, die das Auspacken Schritt für Schritt illustrieren: Die Kiste oben öffnen, Zubehör herausnehmen, danach alles vorsichtig auf den Kopf stellen, die Kartons nach oben abheben … und schon steht sie vor mir, die 603 – „upside down“ natürlich.

Bowers & Wilkins B&W 603 Standlautsprecher

Das ist beabsichtigt, denn ehe man die Box umdreht, muss noch eine Bodenplatte montiert werden. Da die Lautsprecher knapp einen Meter hoch sind, liegen ihre Fußflächen in optimaler Arbeitshöhe. Jeweils vier dicke Schrauben drehe ich fest und verankere das Fundament damit bombenfest. Anschließend kann ich mich für eine der mitgelieferten Aufstelloptionen entscheiden: In einem kleinen Päckchen liegen Spikes sowie Gummifüße bei. Ich entscheide mich für die Gummis … vor mir liegt das Aufstellen und die räumliche Feinjustage, da kann Bewegungsfreiheit nicht schaden.

Wenige Augenblicke später stehen die entleerten Kartons im Lager und die beiden 603 im Hörraum, knapp 40 Minuten sind vergangen, seit der Brummi vom Hof gepoltert ist. Und ich war beim Auspacken allein! Die Auspack-Prozedur sämtlicher B&W-Modelle ist tatsächlich so abgestimmt, dass man sie auch solo aufstellen kann. Selbst die großen Modelle der 800er-Serie: Sie werden mit Rollfüßen ausgeliefert, die sich später gegen Spikes tauschen lassen. Bei den überschaubaren 24 Kilogramm der 603 ist das natürlich überflüssig, obwohl ich betonen sollte, dass sie für einen Lautsprecher ihrer Klasse durchaus robust ausfällt. Das dickwandige, beruhigte Gehäuse und die Versteifung im Inneren hinterlassen ihre Spuren auf der Waage.

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Noch ehe der erste Ton erklingt, lasse ich die neue Box auf mich wirken, streiche mit den Fingern über das samtig-glatte Gehäuse und betrachte die 603 aus der Nähe. Bei meinen kurzen Begegnungen auf verschiedenen Messen war mir gar nicht aufgefallen, wie viele Details die Briten verändert haben. Die Verarbeitung hat deutlich zugelegt, und die einheitlich furnierte beziehungsweise lackierte neue Oberfläche lässt die Boxen bruchloser wirken. Bei den Vorgängern war die Frontplatte noch mit Softlack veredelt.

Dass die Chassis verändert wurden, war mir hingegen bekannt. Die Übernahme des Continuum-Treibers ließ sich absehen. Das Material war zunächst von der 800er-Serie an die 2017 gestartete 700er-Linie vererbt worden und ist nun auch in der kleinen „Sechs“ zu finden. Auch drei Jahre nach seiner Veröffentlichung empfinde ich es als den massivsten Einschnitt in B&Ws Historie: Kam man früher in einen Laden oder in eine Vorführung, musste man die Umgebung nur kurz scannen und wusste: „Ahhh, eine B&W.“ Das ist seit Continuum anders. Die silbrige Membran ist entschieden dezenter – und das ist andererseits großartig, denn irgendwie hatte ich mich etwas sattgesehen am gelben Kevlar, das die Boxen über mehrere Dekaden begleitete.

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Außerdem war mir bereits nach wenigen Augenblicken vor der damals taufrischen 800 D3 klar, dass sich die Briten mit dem Membranmaterial auf ein neues Niveau begeben hatten. Es ist nachgiebiger als Kevlar, erhält durch seine gewebte Struktur aber eine hohe Steifigkeit, die es kontrollier- und berechenbar macht. Diese Kombination ermöglicht eine äußerst saubere Schallübertragung und trägt Sorge, dass der Kolbenhub an den Rändern des Mittelton-Chassis nicht in ungeordnete Verzerrungen übergeht. Der sickenlose Treiber wurde – wie zahllose Bauteile der Frequenzweiche – fast unverändert aus der 700er-Linie übernommen, er besitzt allerdings einen einfacheren Gußkorb aus Zink sowie Ferritmagneten – eine gewisse Distanz zu den großen Geschwistern muss eben gewahrt bleiben. Gegenüber der ausgemusterten 683 S2 bedeutet die abgespeckte Variante des Continuum-Treibers allerdings immer noch einen klanglichen Quantensprung.

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Der Tweeter ist ganz der Alte. Wie bei den Vorgängern kommt eine doppellagige Titankalotte zum Einsatz, deren rückseitiges „Atemröhrchen“ an die Modelle der 800er-Reihe erinnert. Diese Konstruktion optimiert das Resonanzverhalten des Hochtöners und hebt die Bandbreite auf 38 Kilohertz. Gleichwohl gibt der Hersteller den linearen Übertragungsbereich mit maximal 28 kHz an. Sehen kann man das Röhrchen von außen natürlich nicht. Unverkennbar ist dagegen, dass die Briten ihren Tweeter von der Metallumrandung befreit haben, die bis zur Oberkante der Gehäusefront reichte und das Chassis vollständig einfasste. Was nach reinem Facelifting aussieht, hat einen praktischen Hintergrund: Die Anordnung des Titan-Tweeters wurde innerhalb der nun kreisrunden Einfassung optimiert. Das verbessert sein Abstrahlverhalten und das Mikrotiming im Zusammenspiel mit dem benachbarten Continuum-Treiber. Das schützende Lochgitterchen der 683 S2 wurde durch ein filigranes Metallgeflecht ersetzt, das die moderne Anmut der Lautsprecher abrundet.

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Und noch ein weiteres Detail wurde verändert: Der Flowport, B&Ws aerodynamisch optimierte Variante der Bassreflexöffnung, saß früher direkt unterhalb der beiden Basstreiber. Bei der 603 ist er an die Rückseite gewandert, was der Optik fraglos zugutekommt. Freilich benötigt das neue Modell damit etwas mehr Rückenfreiheit. Wer die knapp einen Meter hohe Box aufgrund „räumlicher Zwänge“ direkt an der Wand parken muss, sollte ohnehin besser zu einem der Kompaktmodelle greifen. In unserem Hörraum hatte die 603 in jede Richtung wenigsten einen Meter Spielraum. Sie gibt sich auch mit weniger zufrieden, 50 Zentimeter Abstand sollten es aber schon sein.

Jetzt war ich angefixt und wollte den Neuzugang auch direkt ausprobieren. Eiligst richtete ich die Sechser auf den Hörplatz aus, verkabelte sie mit Cambridges „Edge“-Kombi, und schon saß ich auf dem Sofa, wühlte mich durch die maßgeschneiderte App der Streaming-Vorstufe „NQ“. Ich blieb am Debütalbum von Fever Ray hängen – dynamische Elektronikkost mit superber Abmischung und Percussion zum Niederknien. Plastisch, breitbandig, räumlich, kurzum: genau das Richtige für einen ersten Hörein… ähm, so forsch hatte ich die Lautsprecher der Briten gar nicht mehr im Gedächtnis.

Tatsächlich tönte die 603 frisch aus dem Karton in den Höhen minimal scharf, was mich aber nur kurz irritierte, da ich die Eigenheiten der Titan-Kalotte bereits kannte – sie benötigt etwas Zeit zum Warmlaufen. Also wechselte ich vom Streamer auf einen CD-Spieler und startete die erstbeste CD. Die Redaktion wurde in den kommenden Tagen von einer federleicht-jazzigen Brise durchströmt, und jedes Mal, wenn ich den Kopf durch die Tür steckte, spielte die B&W geschmeidiger, samtiger und ausgewogener. Etwa vier Tage gönnte ich ihr im Dauerbetrieb, ehe ich entschied, dass keine hörbare Veränderung mehr stattfinden würde.

Der Lautsprecher, der danach im Hörraum spielte, war wie ausgewechselt: Die crispen Impulse im Intro von Fever Rays „Keep The Streets Empty“ zeichnete die 603 dynamisch und schnell, dabei aber auch äußerst geschmeidig und ohne jede Schärfe in den Raum. Die helle, transparente Stimme von Karin Dreijer Andersson, die in diesem Titel ausnahmsweise nicht x-fach gedoppelt und manipuliert wurde, bettete sich samtig und nuanciert ins Zentrum der schier endlos weiten Bühne. Tonal waren dabei keinerlei Auffälligkeiten festzustellen. Die 603 zeichnet die Musik unbestechlich natürlich und stimmungsvoll in den Raum, und obwohl ich mir beim Aufstellen der Boxen vor einigen Tagen keine sonderliche Mühe gegeben hatte, wirkte ihre Abbildung auf Anhieb plastisch und greifbar. Genau hier liegt eine zentrale Stärke der Briten: Ihre Lautsprecher funktionieren einfach! Und das gilt ganz besonders für die 603, die sich mit ihrem erschwinglichen Kurs an ein Publikum richtet, das sich vermeintlich eher selten mit den Finessen von Aufstellung und Tuning auseinandersetzt.

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Bowers & Wilkins B&W 603 Standlautsprecher

Das bedeutet freilich nicht, dass B&Ws betörender Allrounder gegen Optimierungsmaßnahmen immun ist. Schon das Tauschen der Gummifüße gegen die Spikes brachte eine feine Nuance mehr an Präzision, Kontur und Tiefe in der Abbildung. Zu ähnlichen Ergebnissen führte das korrekte Einwinkeln. Nach einigem Experimentieren kristallisierte sich heraus, dass die gedachten Linien der Tweeter sich knapp hinter dem Hörplatz kreuzen sollten. Das steigerte die Differenzier- und Ortbarkeit einzelner Instrumente um einen feinen, aber entscheidenden Hauch und verwandelte die neutrale Britin in ein Präzisionswerkzeug, in dessen herausragende Abbildungsschärfe man sich durchaus verlieben kann.

Wir meinen

B&Ws neue 603 präsentiert sich als dynamischer Allrounder mit unbestechlich neutralem sowie natürlichem Charakter und einer herausragend detaillierten Bühnenabbildung.

Bowers & Wilkins B&W 603 Standlautsprecher Navigator

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Info

Standlautsprecher B&W 603
Funktionsprinzip: 3-Wege-Bassreflex, passiv
Impedanz: 8 Ω
Empfohlene Verstärkerleistung: 30–200 W
Obere Grenzfrequenz: 28 kHz
Wirkungsgrad: 88,5 dB
Ausführung: schwarz oder weiß
Zubehör: Verschlussstopfen für die Bassreflexöffnung, Spikes, Gummifüße
Maße (B/H/T): 19/99/34 cm
Gewicht: 24 kg
Garantiezeit: 5 Jahre
Paarpreis: 1598 €

Kontakt

B&W Group
Kleine Heide 12
33790 Halle/Westfalen
Telefon 05201 87170

www.bowers-wilkins.de

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Mitspieler

Digitalquellen: Audio Note CDP-2.1x, Audiodata MusikServer MS II, Auralic Aries
D/A-Wandler: Burson Conductor V2+, Chord Hugo TT2
Plattenspieler: Transrotor Zet 1, Clearaudio Concept MM
Phonoentzerrer: Lehmann Audio Black Cube SE II
Vorverstärker: Cambridge Audio Edge NQ
Vollverstärker: Unison Triode 25
Endverstärker: Cambridge Audio Edge W
Kabel: Chord Company, Vovox, in-akustik, AudioQuest

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
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