Hans Gál – Streichquartett op. 106 u. a.
Hans Gáls langes Leben (1890–1987) zerfiel in zwei Hälften. Die erste verbrachte er in Österreich und Deutschland, die zweite (ab 1938) in der Emigration in England.
Musikstilistisch aber gab es keine großen Brüche bei Hans Gál. Er habe nie „von einem Ismus zum anderen stolpern“ müssen, schrieb er, denn sein musikalisches Idiom war ihm wie eine „Muttersprache“. Man könnte ihn einen ernsthaften Nachfolger von Brahms nennen, einen sehr sachlichen Spätest-Romantiker, dessen Musiksprache im Lauf der Jahrzehnte allenfalls klarer, dichter, chromatischer und kontrapunktischer wurde.
Das Streichquintett und sein Viertes (und letztes) Streichquartett entstanden in den 1970er Jahren – es sind grandiose tonale Alterswerke, höchst seriös, ohne alles Blendwerk. Die ersten und dritten Sätze besitzen jeweils einen aufwühlenden, schmerzlichen Ausdruck, die zweiten und vierten Sätze eine burleske, aber nie alberne Heiterkeit. Gáls Kammermusik ist pure Klangrede ohne jedes Programm. Dass er die Sätze im Streichquartett überhaupt charakterisiert – Legende, Burleske, Elegie, Capriccio –, ist schon die Ausnahme. Die brillante Einspielung entstand 2021 durch handverlesene Solistinnen und Solisten aus Finnland, Ungarn und Italien. Zum Schluss dann: die Fünf Intermezzi für Streichquartett, die man wie ein geschlossenes fünfsätziges Werk hören kann. Gál schrieb sie vor den Schrecken der Weltkriege – sie klingen noch ein wenig nach Wien und Frühromantik.
Hans Gál – Streichquartett op. 106 u. a.
Katalin Kertész, Reijo Tunkkari u. a.
Label: cpo
Format: CD
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