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Burmester Phase 3 All-In-One Komplettsystem

Burmester Phase 3 Komplettsystem im Test

Burmester Phase 3 – Virtuelle Welt à la Burmester: schick, schlau, handfest!

So einfach war das Portal in die audiophile Zukunft noch nie zu öffnen. Burmesters Komplettanlage „Phase 3“ ist – unter anderem – ein Streamer, wie er sein sollte: einfach in der Bedienung, weitgehend selbsterklärend und klanglich über jeden Zweifel erhaben. Und selbst beim Design kommt die High-End-Traditionsmanufaktur ihren Kunden weiter entgegen als üblich.

Fotografie: Ingo Schulz

Irgendwas stimmt hier nicht. „Teste die neue Burmester-Anlage“, hatte es geheißen. Im Hörraum findet das suchende Auge aber keine hochglänzenden Chrom-Frontplatten, an denen es sich laben könnte. Stattdessen hat jemand eine rostige Stahlskulptur zwischen den anderen Stereo-Gerätschaften abgestellt. Wahrscheinlich arbeitet das FIDELITY-Team an einem neuen Standbein, einer Zeitschrift für Moderne Kunst. Und das dunkelmattgraue Ding da drüben wird für die neue „ARTELITY“ der Aufmacher. Aber halt, da sind ja vollverchromte Drehknöpfe dran. Und ein verspiegeltes Display. Und auch der Burmester-Schriftzug findet sich bei genauerem Hinsehen.

Burmester Phase 3 All-In-One Komplettsystem

Des Rätsels Lösung: Burmesters aktueller Wurf in Sachen Streaming und Heimnetzwerk gibt es nicht nur im gewohnten Chromdesign, sondern auch in einer Variante, die sich ganz trendig „Loft“ nennt und konsequent auf den besonderen Charme setzt, den auch zu Wohn- und Arbeitsraum umgewidmete Fabrikhallen aus der hohen Zeit der Industrialisierung haben. Reizvoller postmoderner Etikettenschwindel mithin, denn hier wie da ist der Zerfall nur vordergründige Camouflage, und unter der Oberfläche findet sich das, was man in angelsächsischen Ländern gerne „State of the Art“ nennt.

Bei der Burmester Phase 3 ist das Prädikat überaus passend, denn hinter der grauen Stahlträger-Frontplatte steckt modernste Streamingtechnik, verschmolzen mit dem, was Burmester schon immer am allerbesten beherrschte: souverän agierende Verstärker-Elektronik und daraus resultierend ein Klangerlebnis der absoluten Extraklasse.

Ich gebe zu, dass ich persönlich mit dem längst auch bei den Highendern angekommenen Thema „Streaming“ bisher herzlich wenig anfangen konnte. Ich liebe das Erlebnis, eine LP, eine CD oder ein richtiges Buch (gerne mit festem Einband) in die Hand zu nehmen, mich an der physischen Erfahrung eines schönen Covers beziehungsweise Einbandes zu erfreuen und dann den Tonträger seiner Bestimmung zuzuführen, also ihn auf den Plattenteller oder in die Player-Schublade zu legen. All das können Streamer oder E-Book-Reader systembedingt nicht bieten, denn ihre Welt wird immer eine virtuelle sein.

Burmester Phase 3 All-In-One Komplettsystem

Warum mich die Burmester-Variante dennoch sofort für sich eingenommen hat? Vielleicht ja, weil sie das Betreten des Neulandes so einfach macht. Hinstellen, einschalten, ein Netzwerk-Kabel dranstöpseln und die designmäßig passenden Kompaktboxen, die im Phase-3-Paket inklusive sind, anschließen – fertig. Kein Herumhantieren mit Laptop oder stationärem Computer, keine langwierige Installationsprozedur Marke Windoof („ein Systemfehler ist aufgetreten, das Installationsprogramm wird JETZT geschlossen“) – einfach Plug-and-Play.

Bedient wird die Burmester Phase 3 über ein beigelegtes vorkonfiguriertes iPad mini, und die Menüstruktur ist so simpel, dass ich praktisch nie in die Bedienungsanleitung schauen muss. Wer tagtäglich am Computer arbeitet, kommt mit dem klingenden Stahlträger aus Berlin sofort zurecht. Die anderen zehn Sekunden später.

Burmester Phase 3 All-In-One Komplettsystem

Ehe man sich im Netz der Netze auf die Suche nach hoch aufgelösten Musikdateien macht, ehe man in Streamingportalen nach FLACs sucht, kann man auch einfach eine CD in den unauffälligen Schlitz in der Frontplatte schieben. Die Phase 3 schluckt sie in nobler Lautlosigkeit und fragt dann auf dem Display des Tablets ganz höflich, ob man den Silberling abspielen oder rippen möchte. Bei der zweiten Option wird kein viktorianischer Frauenmörder tätig, sondern ein ausgeklügeltes Programm, das die CD-Daten in weniger als zehn Minuten verlustfrei auf die beiden eingebauten gespiegelten 2-TB-Festplatten (RAID 1) der Phase 3 überspielt. Ist die CD sehr verkratzt, kann sogar eine Optimierungsroutine aktiviert werden, die Datenfehler zuverlässig behebt.

Burmester Phase 3 All-In-One Komplettsystem

Ja, zuverlässig. Denn der A-B-Vergleich offenbart, dass „geripptes“ Musikmaterial von der Phase-3-Harddisc in der Regel sogar besser klingt als die Ausgangs-CD. Während des Datenschaufelns ermittelt die Burmester-Wundertüte außerdem anhand von Trackliste und CD-Laufzeit, welches Album da gerade überspielt wird, und zeigt nicht nur die Album- und Song- beziehungsweise Satztitel an, sondern auch das Cover. Klappt das mal nicht, weil die betreffende Scheibe in den internationalen Datenbanken nicht gelistet ist (soll ja ab und an vorkommen, spätestens bei „Mixtapes“ in Silberscheibenform), dann lassen sich die entsprechenden Angaben händisch ohne Probleme eintippen.

Genauso intuitiv funktioniert mit nur wenig mehr Aufwand die Verbindung mit dem Heimnetzwerk. Hat man seine Zugangscodes parat, dann tut die Burmester Phase 3 das, wofür Streamer da sind, und holt sich die gewünschte Musik samt aller Metadaten von der heimischen Festplatte – die man dank USB-Eingang übrigens auch direkt verkabeln kann.

Burmester Phase 3 All-In-One Komplettsystem

Dass man mit der Phase 3 auf Internet-Streamingdienste zugreifen kann, versteht sich von selbst. Beinahe noch reizvoller war es allerdings beim Test, sich durch eine riesige Liste interessanter Webradios zu arbeiten. Da kann man nach bevorzugten Genres suchen – und sich positiv überraschen lassen, wie viele Stationen weltweit etwa spannende Klassik oder mitreißenden Blues im Programm haben. Außerdem lernt man so ganz nebenbei etwas über Datenraten und Bandbreiten – beileibe nicht jedes Internetradio ist auch klanglich eine Offenbarung.

Womit wir bei dem wären, worin sich die Burmester Phase 3 positiv von vielen Mitbewerbern unterscheidet: dem Klang. Dass mich Streamer bis dato nicht wirklich vom Hocker reißen konnten, lag nicht zuletzt daran, dass jene, die ich hörte, meist „solide Performer“ waren. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Mich, den eingefleischten Analog-Hörer, nervte (zu) oft jene mehr oder weniger ausgeprägte technoide Restkühle, jenes entscheidende Zuviel an „digitaler“ Glätte, das auch und gerade bei hoch aufgelösten Musikdaten dazu führte, dass Langzeithören eher anstrengend als beglückend empfunden wurde.

Burmester Phase 3 All-In-One Komplettsystem

Vorbei. Das waren, wie mir nun klar ist, bloße Kinderkrankheiten, wie sie bei der Einführung neuer Technologien wohl nie ganz zu vermeiden sein werden. Die A-Klasse fiel beim Elchtest um, die „Talent-2“-Züge der Bahn hatten zum Start undichte Führerhäuser, in denen es wie Hechtsuppe zog – und Streamer klangen eben arg „digital“.

Die Burmester Phase 3 schaffte es bei den Hörsessions dagegen, dass ich alte Vorurteile begrub: Nicht nur, dass diese „Kompaktanlage“ so manche konventionelle Wiedergabekette völlig unangestrengt in Grund und Boden spielt – sie dämpft auch massiv das Verlangen danach, meinen Ohren akustische Feinkost von der LP zukommen zu lassen. Dass der Bedienkomfort fraglos verführerisch ist, tut ein Übriges. Nicht vor dem Regal am Boden zu knien und mit zusammengekniffenen Augen die verblassten Aufschriften von LP- oder CD-Rücken entziffern zu müssen, das ist schon angenehm, haptischer Genuss hin oder her. Bei der Burmester Phase 3 tippe ich ein, dass ich Verdis Requiem mit Riccardo Muti hören will – und ein paar Sekunden später flutet dieses so paradoxe Werk, diese so grandiose wie melancholische Mischung aus operatischer Wucht und religiöser Inbrunst so das Zimmer, dass sie mich emotional auf eine Reise ins ausgehende 19. Jahrhundert mitnimmt und ich über Kategorien wie analog oder digital gar nicht mehr nachdenke. Der Wechsel zu Lisa Simones frisch auf die Phase-3-Festplatte überspieltem Soulpop könnte krasser nicht sein, doch dem Burmester-Sahnestück gelingt er bruchlos und selbstverständlich. Bässe kommen knackig und mit klarer Kontur, Lisas Stimme wirkt angenehm präsent, obwohl die Produktion an sich keine gesteigerten audiophilen Gefühle aufkommen lässt, und das Endergebnis wirkt rund und angenehm, ohne ins Mulmige abzudriften.

Burmester Phase 3 All-In-One Komplettsystem

Die von Burmester neu entwickelten, im Stahlträger-Design perfekt angepassten Kompaktlautsprecher der Phase 3 sind an sich eine ideale Ergänzung des Systems, optisch, haptisch und auch klanglich. Erst bei wuchtigen Orchestereinsätzen, gehört mit Lautstärkepegeln weit jenseits dessen, was für die Ohren und das Verhältnis zu den Nachbarn gut ist, stoßen sie allmählich an ihre Grenzen. Gleichwohl schaffen es die schicken Kleinen mühelos, auch größere Lofts mit herrlich differenziertem und fundamentalem Wohlklang zu füllen. Wer sich gar die Mühe macht, das Lieblingssofa halbwegs exakt in den Sweetspot der Lautsprecher zu rangieren, wird zudem mit einer ergreifend räumlichen 3D-Darstellung des Bühnengeschehens belohnt, die bei guten Aufnahmen rein gar nichts mehr mit den durchaus unscheinbaren und schon „verdächtig tief positionierten“ Schallwandlern zu tun zu haben scheint – eine wunderbare Illusion wahrer Größe.

Supergalerie mit über 60 Bildern

Trotzdem konnten wir’s in einer schwachen Stunde nicht lassen und haben zwei erheblich größere Lautsprechertypen, die zufälligerweise gerade in der FIDELITY-Zentrale untätig herumlungerten, ausfindig gemacht. Warum? Nun, nachdem die Burmester Phase 3 sowieso den Spieltrieb weckt, lag es nahe, die All-in-one-Elektronik auch einmal mit anderen als den „Setboxen“ auszuprobieren. Und siehe da: Mit der formidablen Piega MLS 2 (siehe auch den Bericht in dieser Ausgabe) verbandelt, spielte Burmesters Streamer-Statement so überwältigend gut, als sei es für die durchaus anspruchsvolle Schweizerin gemacht. Während andere Verstärker an den fantastisch klingenden Dipolen schnell mal die Segel streichen, weil die Eidgenossinnen nach Stromstabilität und Leistung hungern, bleibt die Burmester Phase 3 angesichts der schweren Aufgabe schon fast aufreizend locker und realisiert aus dem Handgelenk Pegel, etwa in Gabriel Faurés groß besetztem Requiem, die selbst die dicken Scheiben des Hörraums zum Resonieren bringen. Der Burmester-Antrieb bleibt dabei sauber, verschleift keine Impulse, wird nicht spitz oder schrill, zeigt aber unmissverständlich, wie gut oder weniger gut das Ausgangsmaterial ist. Ein Ruhmesblatt für die Verstärkerelektronik der Berliner. Fast noch bemerkenswerter ist es, dass die danach wieder angeschlossenen serienmäßigen Kompaktlinge im Grunde genommen nicht einknicken, dass sie oberhalb der untersten Oktave nichts Wesentliches vermissen lassen.

Burmesters Komplettangebot namens Phase 3 kostet einschließlich Lautsprecher knapp 30 000 Euro. Ein stolzer Preis, der sich freilich stark relativiert, wenn man davon ausgeht, mit der Phase 3 jahrzehntelang Musik auf höchstem Niveau bei unvergleichlichem Bedienkomfort hören zu können. Dass die Phase 3 eigentlich ein hoch entwickelter Computer ist, ermöglicht allfällige Software-Updates, um dem elektronischen Gehirn zum Beispiel neue Dateiformate beizubringen, an denen unter anderem das Erlanger Fraunhofer-Institut derzeit dem Vernehmen nach arbeitet. Am Verstärkerteil gibt es dagegen nichts upzudaten, denn hier ist man schon jetzt auf oberstem Level. Unbedingt empfehlenswert – vor allem, wenn das komplette Audiosystem nicht nur exzellent klingen, sondern auch wirklich cool aussehen soll.

Wir meinen

Burmester steckt diverse Delikatessen des Hauses in die höchst ansehnliche und stabile Hülle des Phase-3-Systems, zudem ist das Ganze supereinfach zu installieren, gehorcht aufs Wort und klingt auch noch vorzüglich – High End kann so einfach sein!

 

Burmester Phase 3 All-In-One Komplettsystem Navigator

 

All-in-one-Komplettsystem
Burmester Phase 3

Lieferumfang: All-in-one-Receiver 161 (Streamer, Musik-Server, CD-Player, CD-Ripper, Internet-Tuner, UKW-Tuner, Vorverstärker, Endverstärker) im Stahlrack, 2 x Lautsprecher B15 im Stahlstativ, Lautsprecherkabel (2 x 3 m konfektioniert), Fernbedienung, optional vorkonfiguriertes iPad mini2 (Aufpreis 320 €)

Spielbare Digital-Formate: FLAC, WAV, MP3, AIFF, OGG, AAC, ALAC (m4a); Stereo 16 und 24 bit, bis zu 192 kHz

Verstärkerleistung (8/4 Ω): 2 x 100/170 W
Eingang analog: Line in symmetrisch (XLR)
Ausgänge analog: Line out symmetrisch (XLR), Line out unsymmetrisch (Cinch), 1 Paar Lautsprecher (Schraubklemmen)
Eingänge digital: koaxial, TosLink, USB, LAN, WLAN, Bluetooth
Ausgänge digital: koaxial, TosLink

Besonderheiten: Burmester-Software, Upsampling 96/24 oder 24/192 kHz wählbar, Gapless Play, RAID-1-System (2 x 2 TB), Apple AirPlay, Integration von TIDAL und HighResAudio, schaltbare „Smooth“- und Lautstärkeausgleichs-Funktion, Extrafach mit Glasklappe für Zuspieler wie Mediaplayer o. ä.

Ausführungen: Retrostyle (Chrom) oder Loftstyle (Stahl)
Nutzbares Innenmaß Extrafach (B/H/T): ca. 53/8/29 cm
Maße Receiver incl. Rack (B/H/T): 58/63/41 cm
Maße Lautsprecher inkl. Stative (B/H/T): 25/74/44 cm, höhenverstellbar
Garantiezeit: 2 Jahre, nach Registrierung 3 Jahre
Komplettpreis: 29 800 €

 

Burmester Audiosysteme GmbH
Wilhelm-Kabus-Straße 47
10829 Berlin

Telefon 030 7879680

 

www.burmester.de

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