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North Star Supremo

North Star Supremo D/A-Wandler

North Star Supremo – Pisa-Studie

Schiefer Turm, schiefes Design? Dieser DAC von North Star aus der Nähe von Pisa zeigt, dass „schräges“ Äußeres und geradliniger Sound nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen.

Er stammt aus Vecchiano, nur wenige Kilometer von Pisa entfernt: Der Supremo, das Topmodell aus einer neuen Serie von DSD-fähigen Wandlern des italienischen Herstellers North Star. Eines kann man dem Supremo sicherlich nicht bescheinigen: Beliebigkeit. Und das fängt schon beim Äußeren an. Da wäre die fast einen Zentimeter starke Alu-Frontplatte mit einer raffiniert eingefrästen Wellenoptik. Da wären die beiden asymmetrischen, kräftig blau leuchtenden 7-Segment-Anzeigen – die linke in Form eines Parallelogramms und die rechte in Trapezform. Da wären aber auch innere Werte, wie zum Beispiel die Fähigkeit, per USB Daten im DSD 2.8- und PCM 384-kHz-Standard zu wandeln. Und nicht zuletzt wäre da auch die Möglichkeit, an verschiedenen Filterparametern herumzuschrauben. Nein, der North Star Supremo ist gewiss kein Feld-Wald-und-Wiesen-DAC.

Doch beginnen wir mit einem Rundgang ums Gerät: Auf der Frontseite finden wir einen Standby-Taster und zwei Taster, mit denen die sieben Digitaleingänge durchgeschaltet werden können. Die bereits genannten 7-Segment-Anzeigen geben Auskunft über den angewählten Eingang und die anliegende Samplingrate. Auf der Rückseite ist schon etwas mehr los: Neben einem harten Ein/Aus-Schalter gibt es insgesamt sieben Digitaleingänge: 2 x S/PDIF koaxial, 2 x S/PDIF TosLink, einen symmetrischen AES/EBU-Eingang (XLR), einen USB-Eingang und eine I2S-Schnittstelle, beispielsweise zum Anschluss eines North-Star-CD-Laufwerks. Ausgangsseitig gibt es erwartungsgemäß je einen symmetrischen XLR-Ausgang und ein Paar Cinchbuchsen.

Unter der Haube hat man bei North Star offenbar nicht gespart: Als Wandler kommen die gut beleumundeten ESS-Sabre-Chips ES9018 zum Einsatz. Digital- und Analogsektion werden von getrennten Ringkerntransformatoren mit Saft versorgt; die analoge Ausgangsstufe ist vollständig diskret mit gematchten Transistoren aufgebaut. Der Vollständigkeit halber: Beim Supremo handelt es sich um einen reinrassigen DAC; wer nach einem Gerät mit Lautstärkeregelung sucht, um sich den Vorverstärker zu sparen, der ist hier falsch.

„Richtig“ ist hier hingegen, wer ein Gerät mit exzellentem Klang sucht, denn davon bietet der North Star Supremo verdammt viel. Das gute Stück lief bei mir im Verbund mit der Endstufe Abacus Ampollo sowie den Standlautsprechern Neat Acoustics Momentum 4i. Zuerst einmal habe ich ihn klassisch mit 44.1-Material (vulgo CDs, Sie erinnern sich noch an diese komischen Silberscheiben?) gefüttert. Und schon da war schnell klar, dass der Supremo eine Menge richtig macht. Nehmen wir Talk Talks spätes Meisterwerk Spirit of Eden. Gleich im ersten Stück „The Rainbow“ gibt es so manchen Prüfstein für audiophile Komponenten. Es beginnt mit Naturgeräuschen, die sacht von einigen Orgeltönen und Blasinstrumenten umrahmt werden – bis zur Linken ein erlösendes Gitarrenriff auftaucht und der eigentliche Song beginnt.

Der erste atmosphärische Teil wird über den Supremo mit einer frappierenden Räumlichkeit und Weite wiedergegeben. Und als die Gitarre einsetzt, setzt zeitgleich ein Grinsen beim Hörer ein – denn diese Gitarre hat eine lupenreine „attack“, wir hören sofort, dass diese Gitarre per Mikrofon über einen nicht ganz preisgünstigen Verstärker eingefangen wurde, hören also nicht nur den Sound der Gitarre, sondern auch den des Verstärkers. Als später noch die Rhythmussektion hinzukommt, hauptsächlich bestehend aus Shaker, Bassdrum und Snare mit ausgehängtem Teppich, wird klar: Man kann auch mit leisen Tönen höchste Intensität erzeugen, wenn das Timing stimmt – der Supremo spielt unglaublich tight, ist rhythmisch auf Zack. Und damit erzeugt er Spannung und Konzentration beim Hörer, selbst wenn die Musik oder die Produktion nicht per se auf Effekt getrimmt ist.

Wobei auch effekthaschende Musik Spaß machen kann: Gänsehauteffekte gab’s beim neuen Album El Pintor von Interpol. Der Song „Breaker 1“ empfängt den Hörer mit den typischen sinistren Interpol-Gitarren und der eiskalten Stimme von Paul Banks, die durch Studioeffekte, an denen sogenannte „Phasenschweinereien“ nicht ganz unbeteiligt gewesen sein dürften, kreuz und quer durch die Gegend fliegt. Geradezu spukhaft, wie der North Star Supremo hier einen weiten Raum zaubert und den Zuhörer komplett in seinen Bann zieht. Der Supremo gibt einem tatsächlich die Illusion, den künstlich im Studio erzeugten Raum genau abschreiten, ja „sehen“ zu können. Das wirkt zugleich elektrisierend und entspannend. Man hat nämlich das Gefühl, die Musik so präsentiert zu bekommen, wie sie produziert – oder „gemeint“ – war, ohne dass das Gehirn sich gewissermaßen den Rest hinzurechnen muss. Klingt verschwurbelt? Tja, da hilft nur selber hören.

Richtig schick wird es dann bei echtem DSD. Unter MacOS und Linux soll der North Star Supremo auch ohne Treiberinstallation gleich per USB loslegen können. Als Besitzer eines PCs musste ich hingegen zunächst einen ASIO-Treiber (liegt auf CD-R bei) installieren, das klappte jedoch mühelos und flink. Und dann ging’s los: Antonín Dvoráks Sinfonie Aus der neuen Welt, gegeben vom Youth Orchestra of the Americas unter Jean-Pascal Hamelin; eine Fidelio-Produktion in DSD 64. Tja. Was der North Star Supremo da abliefert, das ist schlicht und einfach zum Niederknien. Das betrifft nicht nur Einzelkategorien wie Grobdynamik (die wuchtigen Tutti-Einsätze im ersten Satz), Feindynamik (die feinen Streicher im zweiten Satz) oder Tonalität, sondern insbesondere den Gesamteindruck, der von einer außerordentlichen Stimmigkeit ist. Es entsteht ein absolut glaubwürdiges Live-Gefühl; der Eindruck, wirklich bei einer Orchesteraufführung zugegen zu sein. Fast noch etwas schlagkräftiger ist diese „Livehaftigkeit“ bei kleinerer Besetzung, wie z. B. Beethovens Sonaten für Violine und Klavier (David Abel & Julie Steinberg, Wilson Audiophile, DSD64). Hier scheinen sich die Musiker real im Wohnzimmer zu manifestieren, was durch Nebengeräusche und ihr Zusammenspiel mit dem Raum mindestens so markant wirkt wie die Musik selbst. Eine ganz tolle Erfahrung, die einen allerdings auch ein wenig verloren für den Redbook-Standard der CD macht.

Übrigens: Wer möchte, der kann noch ein wenig mit den Digitalfiltern des Supremo spielen. Wenn man im Standby-Zustand des Geräts die Standby-Taste mehrere Sekunden lang gedrückt hält, betritt man das Setup-Menü. Hier lassen sich zwei PCM-Filter (Hi und Lo) sowie vier verschiedene DSD-Filtercharakteristiken wählen: bei 47, 50, 60 und 70 kHz mit einer Absenkung von 3 dB. Mir gefiel die Einstellung 70 am besten, hier fand ich insgesamt die Räumlichkeit am überzeugendsten. Und zwischen 47 und 50 hörte ich keinen nennenswerten Unterschied. Schön ist, dass der Supremo in allen Einstellungen auch im Obertonbereich angenehm „rund“ klingt.

Sollte ich das Besondere am Supremo beschreiben, das „USP“, wie es die Marketingfachleute nennen, dann fiele mir das nicht schwer: Der Supremo klingt fesselnd, involvierend, zugleich aber auch entspannend. Weil er dem Zuhörer das gute Gefühl gibt, an allem teilzuhaben, was der jeweilige Tonträger transportiert. Und, vielleicht noch markanter: Der North Star Supremo gehört zu den Komponenten, die man nach dem Test gerne behalten würde …

 

North Star Supremo
Digital-Analog-Wandler

Eingänge: 4 x S/PDIF (2 x koaxial, 2 x TosLink), AES/EBU (XLR), UBS 2.0, I2S
Ausgänge: symmetrisch (XLR), unsymmetrisch (Cinch)
Spielbare Formate: 44,1-384 kHz, max. 32 bit, nativ DSD x64-x128; 352.8-384 kHz und nativ-DSD nur per USB
Maße (B/H/T): 43,5/9/17 cm
Gewicht: 6,5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Preis: 3000 €

 

WOD Audio
Werner Obst
Westendstraße 1a
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