De Baer Saphir Plattenspieler mit Tonarm Onyx 9 und PSU Referenc

De Baer Saphir, Technik, die atmet

English
(Google Translate)

De Baer Saphir – Technik, die atmet

Der Schweizer Karl Baer zeigt mit dem De Baer Saphir, wie man Hightech mit Ästhetik verbindet.

De Baer Saphir Plattenspieler mit Tonarm Onyx 9 und PSU Referenc
Der Saphir zeichnet sich durch extreme Laufruhe aus, die aus den individuellen Materialkombinationen von Chassis und Teller resultiert. Exakte Informationen zur Zusammensetzung behält Kurt Baer klugerweise für sich. Das herausragende, auf zwei Magneten schwebende Lager hat ebenfalls gewichtigen Anteil an der Abtastsicherheit. Gefertigt wird es in Kleinserie von einem Schweizer Spezialisten für Triebwerke und Hochleistungsturbinen.

Testberichte können mitunter eine einsame Angelegenheit sein. Der Logistikdienstleiter stellt ein riesiges Paket vor die Tür, und von da an ist man auf sich allein gestellt. Umso gespannter war ich auf das Event, das mir an einem verregneten Oktobertag bevorstand: Arnd Rischmüller, Kopf des vor allem in analogen Angelegenheiten kompetenten Vetriebs H.E.A.R., hatte gemeinsam mit Peter Lützelberger, dem Inhaber des weit über die Berliner Grenzen bekannten Analogspezialisten PhonoPhono, zu einer für FIDELITY exklusiven kleinen Hausmesse geladen, um den nur in Kleinstserie produzierten Plattenspieler „Saphir“ des Schweizer Herstellers De Baer vorzustellen. Stolz präsentierte Peter Lützelberger an diesem Nachmittag die neu hinzugemietete Etage innerhalb des repräsentativen Kreuzberger Altbaus, in dem PhonoPhono seit über 20 Jahren residiert. In gediegenem Ambiente besteht hier nun in zwei äußerst ansprechenden Hörräumen die Möglichkeit, einer solventen Kundschaft das entsprechende Ambiente und vor allem zwei ausgewachsene High-End-Ketten zu bieten und dabei kompetent und in aller Ruhe zu beraten. Und so inspizierte ich nach einem Begrüßungs-Espresso zunächst die Komponenten, an denen das Laufwerk später erklingen sollte. Eine komplette Kondo-Kette trieb hier ein Paar YG Acoustics Hailey an. Selbstredend, dass zur harmonischen Stimmigkeit der Plattenspieler dann auch mit einem Tonabnehmer aus dem Hause Kondo bestückt war.

Werbung
Werbung
De Baer Saphir Plattenspieler mit Tonarm Onyx 9 und PSU Reference
Unsere Gastgeber vor DeBaers Super-Laufwerk: Peter Lützelberger (links), Inhaber der Berliner Analog-Institution PhonoPhono und Arnd Rischmüller (rechts) vom H-E-A-R-Vertrieb, der eigens für den Termin aus Hamburger anreiste.

Edles Understatement

Der Blick auf den Plattenspieler, um den es ja eigentlich an diesem Nachmittag gehen sollte, überraschte mich dann doch sehr. Bei einem angekündigten Preis von 58 000 Euro hatte ich eine riesige Bohrinsel, einen schwergewichtigen Klotz mit diversen Pumpen und Ansaugvorrichtungen oder zumindest eine Menge edelmetallenes Bling-Bling erwartet. Dort stand aber nur ein zunächst unauffälliger „normaler“ Plattenspieler. Dennoch fesselte der Anblick des Saphir aufgrund eines extrem stimmigen Formspiels und feiner extravaganter Details, die sich erst auf den zweiten Blick offenbarten. Hierzu muss man wissen, dass Kurt Baer lange Jahre für die edle Schweizer Möbelmanufaktur de Sede tätig war und sich deshalb mit hochwertigem Design in Understatement-Ästhetik auskennt. Je länger ich den Saphir und den dazugehörigen Tonarm Onyx inspizierte, desto weniger konnte ich sagen, ob hier das Prinzip „Form follows function“ oder „Function follows form“ herrscht. Alle technischen Raffinessen sind bestens in die Formensprache integriert, ohne jedoch ihren funktionalen Nutzen einzubüßen. Peter Lützelberger verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass immer mehr Kunden zwar einen repräsentativen Plattenspieler suchten, diesen aber unbedingt in ein stimmiges Wohnambiente einfügen wollten. Vor allem sei ein Gerät gesucht, dass unkompliziert funktioniere und nicht etliche technische Zusatzvorrichtungen benötige.

De Baer Saphir Plattenspieler mit Tonarm Onyx 9 und PSU Reference
In diesem Setup fühlte sich De Baers Edelstein pudelwohl: Air Tight und ein ganzer Fuhrpark aus dem Hause Kondo bilden einen Rahmen, mit dem lange Winternächte wie im Flug vergehen.

Drohnentechnik kann nicht schlecht sein

Was ist aber nun das technisch Besondere an den Laufwerken von De Baer? Zunächst ist da die außergewöhnliche Fertigungsqualität zu nennen, die das Laufwerk vor allem zu einem haptischen Vergnügen werden lässt. Für die Fertigung hat sich Karl Baer mit dem Feinmechaniker Dieter Albisser, Inhaber der Firma Jetmax, zusammengetan. Jetmax ist auf den Bau unbemannter Flugzeuge spezialisiert und verfügt sowohl über das Know-how als auch über den Maschinenpark, um in höchster Präzision Bauteile zu fertigen. Jedes noch so kleine Schräubchen sitzt beim Laufwerk perfekt, alle konstruktiven Elemente greifen ohne Fehl und Tadel ineinander, der Tonarm ist von der Kabelführung bis zur Befestigung des Gegengewichts perfekt austariert. Baer und Albisser schaffen es, die gesamte technische Ausführung so zu gestalten, dass bereits der Blick auf die technische Beschaffenheit zu einem ästhetischen Vergnügen wird.

Bildergalerie De Baer Saphir

Im Sog der Musik

Diese ersten Informationen hatten mich nun neugierig gemacht, sodass ich zunächst auf tiefergehende Konstruktionsdetails verzichten wollte und es mich drängte, die erste meiner mitgebrachten LPs aufzulegen. So landete flugs der langsame Satz aus Schuberts Opus 100 in der hervorragenden Aufnahme mit dem Odeon Trio auf dem Plattenteller, der übrigens von einer Motorsteuerung aus dem Hause Soulution angetrieben wird. Bei diesem Trio verbinden sich Violine und Cello auf geradezu mystische Weise zu einem geheimnisvoll fahlen Mischklang, der die Klaviermelodie begleitet. Wie so häufig in Schuberts Spätwerk gibt es auch hier immer wieder Abbrüche und ersterbende Klänge, die jedoch in der Reproduktion keinesfalls verwaschen klingen dürfen, sondern mit gestochener Präzision reproduziert werden müssen, um jeden Kitschverdacht auszuräumen. Dies gelang mit bewundernswerter Mühelosigkeit, ohnehin bekam man den Eindruck, dass es gerade das Atmenlassen der Musik ist, was Laufwerk und Tonarm auszeichnet. Die Musik lebte hier dermaßen eigenständig, dass nie der Gedanke an eine technische Reproduktion aufkam. Und diese Wahrnehmung bestätigte sich auch anhand weniger perfekter Aufnahmen. Ich bin ein großer Freund des französischen Labels Cybelia, das in den 1970er Jahren französische Kammermusik des 20. Jahrhunderts veröffentlicht hat. Die interpretatorisch hervorragenden Aufnahmen sind leider meist ein wenig dumpf und beinahe ohne Räumlichkeit aufgenommen; ein Umstand, der hier vollkommen zur Nebensache wurde. So tief zog die Schweizer Kombination mich in das Wesen der Musik hinein, dass sämtliche technischen Untiefen der Aufnahme zur Nebensache wurden.

De Baer Saphir Plattenspieler mit Tonarm Onyx 9 und PSU Referenc
Die Konstruktion des Tonarms zielt auf höchste Resonanzkontrolle: Die drei Carbon-Streben stehen für ideale Dämpfung unter Spannung.

Die Inseltheorie

Was ist aber nun das tiefergehende konstruktive Geheimnis, das ermöglicht, dieses beinahe schon metaphysische Musikerlebnis zu erzeugen? Der Vertrieb verweist hier auf eine fast schon philosophische Äußerung Kurt Baers: „Stellen Sie sich drei Inseln vor, den Motor, den Plattenteller mit dem Lager und den Tonarm, die über den Kontinent – das Chassis – miteinander verbunden, aber sonst völlig autonome Einheiten sind.“ Dass diese Inseltheorie in der Praxis funktioniert, ließ sich sehr einfach überprüfen. Arnd Rischmüller hatte für diesen Zweck extra ein Stethoskop mitgebracht. Und tatsächlich: Egal wo man dieses bei laufendem Betrieb aufsetzte, es war nicht das geringste Geräusch zu vernehmen. Vor allem die nicht vorhandene Wechselwirkung zwischen Arm und Laufwerk ist es, die für die oben beschriebenen Effekte gerade bei leisen Musikpassagen verantwortlich ist. Das dem Saphir zugrunde liegende Prinzip der Entkopplung bewirkt eine Konzentration der auftretenden Kräfte auf eine nur minimale Kontaktfläche. Dies wird durch eine Anordnung von Stahlkugeln erreicht, deren Kontaktfläche immer nur ein einzelner Punkt ist. Sowohl das Plattenlager als auch die Tonarmbasis sind jeweils auf einer Aluminiumbasis montiert und berühren den umspannenden Rahmen nur an den Auflageflächen der Kugeln. Die Rahmen selbst sind nach dem gleichen Prinzip am Hauptchassis befestigt. Ein simples Prinzip, das in der Konstruktion aber nur mit einem hohen Fertigungsaufwand zu realisieren ist. Der Tonarm funktioniert nach einem ähnlichen Entkopplungsprinzip: Er wird von zwei Magneten gehalten und ruht zwischen Präzisionskugellagern. Die drei (!) Kohlefaserröhren des Tonarms sind mechanisch vorgespannt und absorbieren Resonanzschwingungen, die vom Tonabnehmer ausgehen könnten. Und nebenbei sei angemerkt, dass der Tonarm dank der drei Röhrchen ein ästhetisches Kleinod geworden ist.

Werbung
Werbung
Bildergalerie PhonoPhono

Musik und Technik mit lässiger Hand

Auch wenn der Plattenspieler aus insgesamt 138 händisch angefertigten Einzelteilen besteht – von all diesen Finessen bekommt der Besitzer nichts mit. Im Gegenteil: Der Saphir kann mehr oder weniger direkt aus dem Karton in Betrieb genommen werden. Die gesamte Konstruktion zielt auf den Vinyl-Genussmenschen ab, dem die Musik wichtiger als die Technik ist. Hier muss nicht erst geschraubt und optimiert werden, hier ist die Musik sofort in Perfektion da. Sollte der Spieltrieb später jedoch geweckt werden, etwa bei der Modifikation einzelner Tonarmparameter, steht ihm nichts im Wege, denn die Gebrauchsanweisung ist auch für den Laien sofort verständlich und ermöglicht, schnell und ohne Probleme in das Gesamtgefüge des Drehers einzugreifen. Allerdings darf man sich auch sicher sein, dass nach dem Erwerb eines solchen Plattenspielers selbstredend der Händler des Vertrauens, in diesem Falle PhonoPhono, nach dem Kauf helfend zur Seite steht.
Und so ging ein instruktiver und entspannter Hörnachmittag im Hause PhonoPhono mit Sonny Rollins’ Way Out West zuende. Die Kombination De Baer/Kondo warf die lässigen Grooves mal eben mit lockerer Hand in den Raum und demonstrierte damit, dass es möglich ist, die Fahnenstange der analogen Musikwiedergabe immer noch ein wenig weiter nach oben zu klettern.

De Baer Saphir Plattenspieler mit Tonarm Onyx 9 und PSU Reference
De Baer verwendet einen programmierbaren Präzisionsantrieb. Über die rückseitige USB-Buchse lässt sich die Umdrehungszahl vom Hersteller oder Fachhändlern feinjustieren, was in der Regel nur einmal im Lebenszyklus des Manufaktur-Wunderwerks erforderlich ist.

Wir meinen

Lassen Sie sich vom unscheinbaren Äußeren des De Baer Saphir nicht täuschen. Der Dreher steckt bis ins Detail voller Hightech und außergewöhnlicher Merkmale. Der pure Luxus!

De Baer Saphir Plattenspieler Navigator

 

Werbung
Werbung

Info

Plattenspieler De Baer Saphir mit Tonarm Onyx 9″ und PSU Reference
Konzept: Masselaufwerk mit Komposit-Materialien im Teller und im Chassis, aufwendiges Mehrfach-Magnetlager und entkoppelnde Fußkonstruktion
Maße (B/H/T): 47/19/39 cm
Gewicht: 34 kg
Garantiezeit: 2 Jahre
Komplettpreis: um 58 000 € (inkl. Tonarm, PSU, VTA-Verstellung und Centerweight)

Kontakt

H.E.A.R. GmbH
Rappstraße 9a
20146 Hamburg
Telefon +49 40 41355882

www.h-e-a-r.de

www.debaer.ch

Werbung
Werbung
Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.
Abonnieren Sie den Newsletter und erhalten Sie Informationen rund um das FIDELITY Magazin, exklusive Spezialangebote, Gewinnspiele, neue Features sowie Angebote unserer Partner.

Weitere Beiträge
Musical Fidelity MX-VNYL
Test Musical Fidelity MX-VNYL Phono Vorverstärker