Durch Dick und Dünn - Lautsprecherkabel

Durch dick und dünn – Lautsprecherkabel

Viel hilft viel?

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FIDELITY Klangtipp #9 – Durch dick und dünn – Lautsprecherkabel

Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

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Pro

Kennen Sie diese Kabelrechner, die man Internet findet? Wenn nicht, sollten Sie die mal ausprobieren, sie öffnen so manchem Audiophilen die Augen. Auf Basis des Widerstands des verwendeten Materials, der Strippenlänge, des Querschnitts und der Verstärkerleistung bzw. dem Dämpfungsfaktor des Amps lässt sich der Verlust an Leistung ausrechnen, der aus unterschiedlichen Querschnitten resultiert. Selbst bei einer Vervierfachung von 2,4 mm2 auf 10 mm2 bewegen wir uns lediglich im Rahmen von 1 Watt Differenz. Technisch gesehen gibt es also keinen Grund für „dicke“ Kabel. Es ist zudem nicht nur so, dass Lautsprecherkabel mit maximal 2,5 mm2 technisch ausreichend wären; mitunter liefern sie sogar bessere Ergebnisse, gerade im Bassbereich. Verlaufen nämlich zu viele Einzellitzen parallel, kann es zu Laufzeitunterschieden innerhalb des Kabels kommen, was zum Verschmieren der Impulse und zu aufgedicktem Oberbass führen kann. Das „Mehr“, das solche Kabel suggerieren, ist in Wahrheit ein „Weniger“ an Exaktheit, de facto also mehr Schein als Sein. Auch verdecken dicke Kabellösungen die eigentlichen Probleme der Anlage oder einzelner Komponenten. Häufig hört man das Argument, große Kabelquerschnitte verbesserten den Dämpfungsfaktor eines Verstärkers. Das mag in der Theorie richtig sein, in der Praxis verweisen Probleme mit dem Dämpfungsfaktor aber auf unzureichendes Schwingungsverhalten der Lautsprecherchassis. Alles, was dicke Kabel hier leisten würden, wäre eine Verschlimmbesserung. Lässt man den legitimen Showeffekt solcher Kabel beiseite, so bleibt für den Hörer einer austarierten und sorgfältig zusammengestellten Anlage kein Grund, in Kabel mit dem Durchmesser eines Wasserrohrs zu investieren. Und Liebhaber exotischer Komponentenarrangements müssen sich im Klaren sein, dass überdimensionierte Lautsprecherkabel grundsätzliche Unverträglichkeiten einfach übertünchen.

Contra

Musik ist Energie und Energie muss adäquat übertragen werden. Sicher, es gibt der reinen Lehre nach nicht zwingend Gründe, die für Lautsprecherkabel mit einem Querschnitt von mehr als 4 mm2 sprechen. Aber wer betreibt High End nach der reinen Lehre? Der Reiz unseres Hobbys liegt doch gerade darin, sich jenseits von Messschrieben und verstärkenden Klingeldrähten zu bewegen. Und findet sich nicht der Reiz gerade darin, in der Kopplung nicht alltäglicher Geräte die Besonderheit audiophilen Klangs zu entdecken? Und dafür braucht es Reserven. Wir alle wissen, dass es gerade die kurzzeitigen Leistungsspitzen sind, die unseren Anlagen Schwierigkeiten bereiten und dennoch den Kick jeder musikalischen Reproduktion ausmachen. Wer betreibt schon zwingend immer Hochwirkungsgradlautsprecher – sind es nicht gerade die Schwallwandler mit einer Impedanz unterhalb von vier Ohm, die das gewisse Etwas mitbringen? Grundsätzlich gilt: Je länger und je dünner ein Kabel ist, umso mehr Widerstand bringt es mit. Dieser Widerstand sorgt dafür, dass Leistung verloren geht, Leistung, die dem Lautsprecher fehlt, wodurch dieser zumindest um Nuancen leiser wird. Und hier entsteht ein nicht zu unterschätzendes Problem, dass eben nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Klangqualität tangiert: Da der Widerstand eines Schallwandlers nicht konstant ist, sondern innerhalb des Frequenzspektrums variiert, ergibt sich auch eine Lautstärkeabsenkung in unterschiedlichen Frequenzregionen, und dies beeinträchtigt die Linearität und damit das Klangbild des Lautsprechers. Das hört man auch an Lautsprechern mit einem unproblematischen Wirkungsgrad. Will man hier auf der richtigen Seite stehen und keine Klangverbieger zwischen Endstufe und Lautsprecher haben, greift man doch besser beherzt zu einem größeren Kabelquerschnitt. Viel hilft eben doch viel.

 

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