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Westdeutsche HiFi-Tage 2019 durch HiFi Linzbach im Hotel Maritim Bonn

HiFi in Bonn: Westdeutsche HiFi-Tage 2019

Westdeutsche HiFi-Tage 2019-  Neuheiten inklusive

Bereits zum zehnten Mal fanden am 28. Und 29. September die Westdeutschen HiFi-Tage statt. Zu ihrem Jubiläum hielt die Bonner Show viele Überraschungen und Neuheiten bereit.

Fotografie: Ingo Schulz, Carsten Barnbeck

Hotelmessen haben Hochkonjunktur. Das ist Ihnen sicher schon aufgefallen. Viele ächzten aber unter der schieren Zahl von Veranstaltungen: Ende Januar/Anfang Februar startet der Jahreszyklus mit den Norddeutschen HiFi-Tagen in Hamburg gefolgt von der HiFi Convention in Freiburg. Den Mai teilen sich die zwei Münchner Messen. In respektablem Abstand (September) folgt Stuttgart mit der süddeutschen Ausgabe. Dann gibt es noch Veranstaltungen in Darmstadt und Leipzig. Bonn hat es sich mit den Westdeutschen HiFi-Tagen sprichwörtlich in der goldenen Mitte bequem gemacht. Schließlich folgt auch noch ein ganzer Schweif von Spezialveranstaltungen wie das Analog Forum der Analogue Audio Association in Krefeld, die World Of HiFi sowie unzählige Händler-, Klein- und Kleinst-Veranstaltungen. Für viele einfach zu viel.

So unterschiedlich die Konzepte sein mögen, zwei Umstände teilen sich alle Shows: Die genannten Messen fokussieren sich auf das Hörerlebnis. Es geht vorrangig um das Erleben und Antesten möglichst vieler HiFi-Systeme in Hotelzimmern, akustisch aufbereiteten Kongresssälen oder Meeting-Räumen. Auch, wenn praktisch alle Veranstaltungen von stummen Ausstellungen begleitet werden, geht ihnen die Sterilität echter Messen ab. Statt riesige Hallen zu erkunden, arbeiten sich die Besucher neugierig durch unterschiedlich bestückte Vorführungen. Aus dieser Besonderheit ergibt sich Gemeinsamkeit Nummer zwei: Veranstaltungen dieser Art eignen sich naturgemäß weniger zum Vorstellen von Produkt-Neuheiten, weshalb – zumindest für uns – Erstkontakte mit neuen Komponenten selten sind.

Westdeutsche HiFi-Tage 2019 durch HiFi Linzbach im Hotel Maritim Bonn

Aktiv auf dem Vormarsch

In Bonn war das entschieden anders. Immer wieder stolperten wir über neue, erstmals vorgeführte Produkte. Eines davon war zum Beispiel der Reclocker “PhoenixUSB”, den Innuos zeigte. Das unscheinbare schwarze Kästchen, dessen Innereien dem hauseigenen State of the Art Music Server “Statement” entstammen, sammelt die Daten angeschlossener Computer und taktet sie nach dem Rhythmus seiner Hochpräzisions-Clock. Jitter haben auf diese Weise nicht den Hauch einer Chance. Für die Vorführung hatte sich der Hersteller einen kompetenten Partner gesucht: In Kombination mit den ultrapräzisen Aktivlautsprechern von Kii (Kii Three nebst Basserweiterung BXT) war dieser Raum eine wahre Wohlfühloase bei der keine Wünsche offen blieben. Mit seiner außergewöhnlichen Abstrahl-Charakteristik klingt die Aktive in jedem Raum so direkt und präzise wie ein Kopfhörer.

Eine weitere hochinteressante Premiere gab es bei GGNTKT Audio (der Name steht für „Gegentakt“): Das Unternehmen baut einen kompakten Aktivmonitor mit externer Verstärkereinheit und einer DSP-Gesteuerten Raumkorrektur, die in der Vorführung exzellente Dienste leistete. Da man sie extrem wandnah platzieren kann, ist die flache Box ein ausgewachsener Problemlöser. Mit geschlossenen Augen konnte man den kleinen Lautsprecher zudem für eine ausgewachsene Standbox halten. Das lag wahrscheinlich an der ausgefuchsten Kontrole des Schallfeldes. Dabei erhöht sich der Direktschallanteil am Hörplatz und Raumeffekte werden (im Idealfall) ausgeblended. Ähnlich wie die Lautsprecher von Kii setzt man bei GGNTKT auch im Bassbereich auf ein kardioidartiges Abstrahlverhalten. Dieses Verfahren, auch tiefe Frequenzen gerichtet abstrahlen zu können, ist in der Professionellen Beschallung bereits lang bekannt und wird dort beinahe standardmässig eingesetz. Im Heimbereich ist Kii der Vorreiter und mit GGNTKT jetzt eine zweite Firma am Start, die sich dieser interessanten Technologie annehmen.

Audiotrade baut um

Der Mühlheimer Vertrieb Audiotrade gönnte seiner Flut von Neuigkeiten am Samstagabend sogar eine Pressekonferenz. Das Unternehmen steckt in einem tiefgreifenden Strukturwandel und splittet das Portfolio künftig in zwei Segmente auf: Marken wie Pro-Ject, Ortofon oder Roon bilden den “Convenience”-Sektor mit seinen ganz eigenen Bedürfnissen (weniger Beratungsintensiv, Online-Bestellbarkeit etc.). Dem gegenüber stehen die Kostbarkeiten von Herstellern wie ATC oder Stax, die mit ihrem „Select“-Status ausschließlich über den Fachhandel feilgeboten werden. Um die exklusive Ebene noch reichhaltiger zu gestalten, legten sich die Mühlheimer gleich sechs neue Marken zu.

Sechs neue Marken im Sortiment

Die bekannteste dürfte der Schweizer Hersteller Ensemble sein, dessen Komplettsysteme ab sofort von Audiotrade betreut werden. Abseits der stummen Ausstellung in einem der beiden großen Säle des Hotel Maritim waren sie in einer hervorragenden Vorführung zu hören. Weniger bekannt, wenngleich ebenfalls mit langer Tradition behaftet, sind die Phono-Entzerrer von Blue-Amp. „Bedingungslos analog“ lautet auch das Konzept der Dreher-Hersteller Tien und Zavfino, deren verführerische Plattenspieler ebenfalls neu sind im Portfolio von ATR. Als Gegengewicht zu so viel analoger Exzellenz wird die digitale Seite von den spannenden Sforzato-Elektroniken verstärkt (Streamer, Master-Clocks) sowie von den Verstärkern und Netzwerkspielern von Wavera Systems.

Nur wenige Meter von den aufgestockten Vertriebsprodukten der Mühlheimer entfernt stolperten wir über einen weiteren Neuzugang: Thorens-Inhaber Gunter Kürten erläuterte uns die Feinheiten seines neuen HighEnd-Subchassis TD-1601, das Anfang kommenden Jahres lieferbar sein soll. Wenn alles gut geht, wird der exklusive Dreher sogar einen eigenen Tonabnehmer aus Thorens-Produktion erhalten.

 

Ein virtueller Rundgang über die Westdeutsche HiFi-Tage

Für alle, die nicht dabei sein konnten, wollen wir an dieser Stelle auf den Charakter der Messe eingehen. Veranstaltungsort ist das Bonner Maritim-Hotel in direkter Nähe der idyllischen Rheinauen. Die langen Flure des Gebäudes sind Ausstellungen und Kongresse gewohnt. Noch wenige Stunden vor den Westdeutsche HiFi-Tage gastierte dort eine internationale Convention der DHL mit Hunderten Teilnehmern aus aller Herren Länder. Das sorgte am Aufbautag für etwas Durcheinander, insgesamt gaben sich die beiden Shows aber erstaunlich entspannt die Klinke in die Hand.

 

Gelassenheit zählt ohnehin zu den Stärken der Show, die Seit zehn Jahren vom Bonner Händler HiFi Linzbach veranstaltet wird. Die WDHT haben mittlere Größe und sind mit ihren knapp 80 Räumen und zwei Ausstellungssälen bequem an zwei Tagen zu bewältigen. Man kann gemütlich von Zimmer zu Zimmer schweifen und kann ganz entspannt hier und dort auch mal etwas länger mit Entwicklern oder Mitarbeitern der Hersteller reden. Im Vergleich dazu gleichen die größeren Hotel-Shows oder Messen wie die High End einem Spießrutenlauf …

Westdeutsche HiFi-Tage 2019 durch HiFi Linzbach im Hotel Maritim Bonn

 

FIDELITY mit Stand vor Ort

Betritt man das Hotel durch den Haupteingang, sollte man sich zunächst rechts halten. Nicht nur, weil der Messeveranstalter hier seinen großen Vinyl-Verkaufsstand platziert hatte, sondern weil direkt dahinter ein kleines Atrium folgt, in dem man Qualitätslektüren wie die von FIDELITY  finden konnte. Direkt neben unserem Stand befanden sich die Türen zu den beiden Ausstellungssälen. Auf mehreren hundert Quadratmetern zeigten hier Marken und Vertriebe wie Transrotor, Technics, Audiotrade, HMS, eFuse oder Creaktiv Produkte.

Perfekter Klang in den Salons

Wer sich einen ausreichenden Überblick verschafft hatte, konnte als nächstes über die große Treppe des Atriums ins erste Stockwerk gehen. Hier befinden sich elf Salons: Große Räume, in denen man sich die bestuhlten Vorführungen von ELAC und Audioquest, Dynaudio, B&W, MBL Fischer & Fischer, Audio Components, Marantz/Denon, Electrocompaniet,  oder die von Daluso mit den Marken Harmonix, Hijiri und Reimyo anhören konnte – alles in akustisch hervorragenden Umgebungen. Obwohl die Zahl Elf überschaubar klingt, sollte man für diesen Parcours Zeit einplanen. Um gegenseitige Störung zu vermeiden wechseln sich die Aussteller mit ihren moderierten Vorführungen im Halbstundentakt ab. Möchte man alle sehen und von Anfang bis Ende erleben, ist schnell mehr als der halbe erste Messetag vergangen. Auch hier entdeckten wir übrigens mit den außergewöhnlichen Hörnern von “Pure Emotion by AW” Produkte, die wir noch nie zuvor hören konnten. “Pure Emotion by AW” ist ein, man glaubt es kaum, 2-Wege Konzept, das das Thema Gehäuse auf eine ganz andere Art und Weise angeht. Der Klang: Druckvoll, holgrafisch mit feinsten Verästelungen und doch entspannt. Das Design erinnert ein wenig an den Verpackungskünstler Christo. Uns hat es aber nicht nur klanglich, sondern auch optisch überzeugt.

 

Wie groß sich heutzutage kleine Lautsprecher anhören können, konnte man exemplarisch bei Daluso mit den Monitoren von Reimyo und auch bei Dynaudio mit der Confindence 20 erleben.

Über einen Verbindungsgang konnte man sich von der Galerie mit den klangvollen Salons in die erste Etage des Wohntrakts begeben und die große “Tour de Sound” der Westdeutsche HiFi-Tage beginnen. Die knapp 60 bespielten Hotelräume erstreckten sich über drei Etagen. Obwohl die kerzengeraden Flure des Maritim kaum Gelegenheit zum Verirren bieten, kann man trotzdem durcheinander geraten. Die Zimmer sehen sich ähnlich, wodurch man bisweilen das Gefühl hat, hier oder dort bereits gewesen zu sein. Und beim Verlassen eines Raums schlägt man gelegentlich die falsche Richtung ein. Dieser Effekt verstärkt sich übrigens, wenn man wie wir alle Shows dieser Art mitnimmt. Andererseits hat die Gleichförmigkeit auch einen riesigen Vorteil: Da Hotelmessen wie die NDHT, SDHT oder WDHT seit beinahe zwei Jahrzehnten veranstaltet werden, haben die Aussteller ihre Räume praktisch überall im Griff. Schon eine kleine Zahl von Akustikmodulen genügt, um die Zimmer mit einer beeindruckend holografischen und tiefen Bühne zu füllen.

Supergalerie mit 146 Bildern

Flur an Flur

Man könnte annehmen, dass in Räumen von 15 bis 20 Quadratmetern vor allem Systeme mit kompakten Schallwandlern Punkte sammeln. Doch weit gefehlt: Als echtes Highlight entpuppte sich etwa die in elegantem Rot präsentierte aktive FS82E von Audio Optimum, die unglaublich präzise und gelöst musizierte. Abgesehen vom Zuspieler stammte die gesamte Anlage aus der Entwicklung und Fertigung des Recklinghäuser Betriebs. Und das kann man hören. Die Systeme von Stefan Wehmeier überzeugen durch eine geradezu atemberaubende Homogenität und unbestechliches Timing. Einen unvergleichlich geschmeidigen Auftritt legte auch Lyravox’ kompakte Aktiv-Standbox Karlchen hin. Der bildschöne Lautsprecher besitzt einen zusätzlichen Tweeter an seiner Oberseite, der als eine Art Athmos-Strahler für eine unglaubliche Bühne und Tiefe sorgt – eine Abbildung, in der man sich sprichwörtlich verlieren kann …

Stets gut besucht, bisweilen sogar regelrecht belagert war die Vorführung von Saxx. Der Hersteller kredenzte eine Subwoofer-Satelliten-Kombi. Den Begriff Satelliten sollte man nicht zu wörtlich nehmen, denn es handelte sich um ausgewachsene Standboxen. Auch dieses Duett fühlte sich in dem Zimmer sichtlich wohl. Der perfekt angepasste Woofer sorgte für enorme Plastizität und Impulse, die bisweilen direkt in die Magengrube gingen.

Auch die Großkaliber von Bohne Audio, unterstützt durch DSP-Power von Trinnov,  fühlten sich mit ihrer enormen Schubkraft hörbar wohl. Wie schon in Stuttgart lohnte sich auch ein Blick (oder Ohr) in den Raum von Dynamikks! Dort durfte das Model 12 des Herstellers beweisen, dass es exzellent mit der geschmeidigen Röhren-Elektronik von Tivan Labs harmoniert. Und wer meint, er habe so einen Lautsprecher doch schon mal irgendwo gesehen, liegt richtig. Ulf Moning von Dynamikks! sieht sein Model 12 als eine Homage an die legendären Lautsprecher von Altec aus den 70er Jahren (Altec Model 14). Lobenswert finden wir auch die Preisgestaltung des Model 12, denn mit unter 4000 EUR pro Paar bekommt man selten so viel Lautsprecher und ist so nah dran am Liveerlebnis.

Stimmungsvolle Atmosphäre

Erwähnen sollten wir auch die Vorführungen von Hornkultur und Quadral – nicht nur wegen ihres superben Klangs, sondern weil sie stellvertretend stehen für die vielen stimmungsvoll dekorierten Räume, in denen liebevolle Details und Licht für Wohlfühl-Atmosphäre sorgten. Das mag trivial klingen, da sich in Bonn doch alles ums Hören drehte. Aber wie heißt es so schön: Das Auge hört mit! Das gelang zum Beispiel auch bei Inklang. Der Lautsprecher-Hersteller präsentierte seine Standbox 13.4 in einem praktisch anlagenfreien Raum. Dort, wo sich allerorten Racks auftürmten, stand bei Inklang ein gemütlicher Sessel nebst Lampenschirm – viel braucht es nicht, um eine wohnliche Atmosphäre zu erzeugen.

Westdeutsche HiFi-Tage 2019 durch HiFi Linzbach im Hotel Maritim Bonn

Ein besonderes Lob verdient sich da übrigens auch der stimmungsvolle Salon von Elac und Audioquest. Der klang herausragend gut und wirkte mit seinem Flauschigen Teppich sowie gedämpfter Beleuchtung stimmig. Die beiden Hersteller hatten sich noch eine außergewöhnliche Idee im Handgepäck: Die Vorführanlage stand mit der Rückseite zum Auditorium, damit man die Verkabelung studieren konnte.

 

Exotische Produkte

In anderen Hotelzimmern waren es Produkte fernab des Mainstream, die unsere Aufmerksamkeit auf sich zogen: Ein Beispiel dafür ist der Hersteller Spaltart, der seine Lautsprecher nach Art und Manier von Streichinstrumenten konstruiert. Die Chassis seiner “Klangobjekte” liegen im Inneren eines Resonanzkörpers. Wieder ein völlig anderen Ansatz gingen die Macher von MP&S Klangwelten mit ihren wunderbar klingenden Elektrostaten in Verbindung mit einem gewaltigen Ripol Subwoofer aus Beton (leider nicht abgebildet).

Wie schon in Stuttgart zeigte ARAKAS auch in Bonn seine „Akustischen Spiegel“. Das sind kleine Reflektoren, mit denen sich das Abstrahlverhalten der Lautsprecher und somit auch die Bühnenwahrnehmung verändern lassen. Diese Konzepte sorgten bei den Besuchern für Staunen und lösten dann und wann auch bisweilen hitzige Diskussionen aus. Wie gesagt: Der direkte Austausch mit den Herstellern zählt zur größten Stärke von Shows wie den Westdeutsche HiFi-Tage in Bonn.

Zu guter Letzt war da noch …

Westdeutsche HiFi-Tage 2019 durch HiFi Linzbach im Hotel Maritim BonnDie Einen sahen im Furnier der Lautsprecher von Blumhofer Grumpy Cat, die Anderen gar Chewbacca aus Star Wars. Egal wie, gut klang’s im Raum von HiFi Pawlak!

 

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Zur Web-Seite von HiFi Linzbach …

Die angezeigten Preise sind gültig zum Zeitpunkt der Evaluierung. Abweichungen hierzu sind möglich.