David Bowie Space Oddity

David Bowie – David Bowie (Space Oddity)

Forever Young – 50 Jahre Album-Klassiker – David Bowie – David Bowie (Space Oddity)

Stanley Kubricks 2001 – A Space Odyssey (1968) war der erste Science-Fiction-Film aus Hollywood mit einem seriösen Budget. Führende amerikanische Technologiefirmen – darunter IBM und Boeing – halfen mit. 35 Technik-Designer und 25 Effekt-Spezialisten waren an der filmischen Umsetzung beteiligt. Das Ergebnis – ein musiklastiges Zweieinhalbstunden-Epos – beeindruckte auch den jungen David Bowie. Im Juni 1969 nahm er den Song auf, der sein erster großer Erfolg werden sollte. In frecher Abwandlung des Filmtitels nannte er ihn „Space Oddity“ – es geht um die Hilflosigkeit eines Astronauten, der doch nur ein Anhängsel seines Raumschiffs ist. Ursprünglich war „Space Oddity“ ein Bewerbungssong, denn seine erste Plattenfirma hatte Bowie nach dessen Debütalbum fallen lassen. Bei Mercury-Philips schenkte man dem Song Gehör und gab Bowies Karriere einen Neustart. Sein erstes Album dort trug daher denselben Titel wie sein Debütalbum zwei Jahre vorher: David Bowie. Später wurde es vorübergehend umbenannt in Space Oddity.

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Die Welt war 1969 im Weltraumfieber. Seit Beginn des Jahrzehnts flogen Amerikaner und Russen in Raumkapseln um den Globus. Am 11. Juli 1969, nur neun Monate nach dem ersten Apolloflug, sollte Apollo 11 zur ersten bemannten Mondlandung starten. Fünf Tage vorher erschien Bowies Song „Space Oddity“ als Single – die Plattenfirma hielt das für eine gute Idee. Bei der BBC war man allerdings anderer Meinung. Die Radioleute warteten ab, bis Apollo 11 glücklich zur Erde zurückgekehrt war, ehe sie den Song in den Äther schickten. Denn der Songtext scheint eine Katastrophe anzudeuten: Die Funkverbindung zur Erde reißt ab, und der Astronaut „Major Tom“ treibt hilflos im All („There’s nothing I can do“). Die schöne Ballade mit akustischer Gitarre, melancholisch pendelnd zwischen C-Dur und e-Moll, stieg nach dem Mondflug rasch bis auf Platz fünf in den britischen Charts.

Der Rest des Albums knüpft an diese angenehme Balladenstimmung an, allerdings weitgehend ohne die elektronischen Soundeffekte von „Space Oddity“. Akustische Gitarre und viel Textgesang dominieren – das erinnert vielfach noch an den Folkpop der Sechziger, an Bob Dylan und Simon & Garfunkel. Auffällig sind die Songs „Cygnet Committee“, ein neuneinhalbminütiges dystopisches Drama, und „Wild Eyed Boy From Freecloud“ mit großem Sinfonieorchester, die B-Seite von Space Oddity. Den Abschluss des Albums macht „Memory Of A Free Festival“, die zweite Single-Auskopplung. Hier begleitet sich Bowie einmal nicht mit der Gitarre, sondern auf einer elektronischen Akkordorgel. Am Ende wird eine Textzeile ständig im Chor wiederholt, wobei Nebenstimmen und Geräusche lauter werden – offenbar ist die Stelle inspiriert vom Ende von „Hey Jude“ der Beatles.

David Bowie Space Oddity

Fakten

Aufnahme: Juni bis Oktober 1969
Veröffentlichung: 14. November 1969
Label: Philips
Produktion: Tony Visconti & Gus Dudgeon

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Titel:
1. Space Oddity
2. Unwashed And Somewhat Slightly Dazed
3. Letter To Hermione
4. Cygnet Committee
5. Janine
6. An Occasional Dream
7. Wild Eyed Boy From Freecloud
8. God Knows I’m Good
9. Memory Of A Free Festival
Laufzeit: 46:20

Musiker:
David Bowie, Gesang, akustische Gitarre, Akkordorgel u. a.
Tim Renwick, elektrische Gitarre
Herbie Flowers, Bassgitarre
Terry Cox, Schlagzeug
u. v. a.

  • Das Albumcover zeigt ein Bowie-Porträt des Fotografen Vernon Dewhurst, montiert auf ein Gemälde von Victor Vasarely.
  • Tony Visconti war nicht nur der Produzent des Albums, sondern übernahm auch einige musikalische Aufgaben im Studio. Ausgerechnet die Produktion des Songs „Space Oddity“ aber lehnte er ab – aus moralischen Gründen. Angesichts der tobenden Begeisterung um den Mondflug hielt er diesen Song für blanke Trittbrettfahrerei.
  • Gut zu hören sind im Song „Space Oddity“ die analog reproduzierten Streicherklänge vom Mellotron. Gespielt wird das Mellotron hier von einem 20-jährigen Studiomusiker, der auf dieses Instrument spezialisiert war. Sein Name: Rick Wakeman. Zwei Jahre später wurde er der Keyboarder der Progrock-Band Yes.
  • Major Tom, die Figur aus „Space Oddity“, wurde zur Pop-Ikone. Bowie selbst hat sie in späteren Songs mehrfach aufgegriffen. Den Sänger Peter Schilling inspirierte Major Tom 1982 zu dem unsterblichen Refrain „Völlig losgelöst von der Erde“. Selbst „Captain Kirk“ William Shatner verneigte sich vor Major Tom auf einem eigenen Album (2011).
  • Bowie verwendet in „Space Oddity“ für einige Töne ein Stylophone, ein elektronisches Spielzeug, das mit einem Stift bedient wird. Daher wurde der Song später auch in einer Werbung fürs Stylophone eingesetzt.
  • Am Ende von „Unwashed And Somewhat Slightly Dazed“ gibt es einen Hidden Track von etwa 40 Sekunden Länge. Bowie improvisiert die Textzeilen „Oh yeah, baby, yeah“ und „Don’t sit down“. Das bluesige Fragment bricht unvermittelt ab – es ist der experimentellste Moment des Albums.

 

www.jpc.de

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